Der Schüler ging zum Meister und fragte ihn: "Wie kann ich mich von dem, was mich an die Vergangenheit heftet, lösen?" Da stand der Meister auf, ging zu einem Baumstumpf und umklammerte ihn und jammerte: "Was kann ich tun, damit dieser Baum mich loslässt?" Aus dem Zen-Buddhismus Quelle : Das Zen entstand im 6./7. Jahrhundert in China aus Meditationsbuddhismus und Taoismus
Wenn über eine dumme Sache endlich Gras gewachsen ist, kommt sicher ein Kamel gelaufen, das alles wieder runterfrisst. Wilhelm Busch, (1832 – 1908), deutscher Zeichner, Maler und Schriftsteller
Einen alten Dreck sollte man nicht aufrühren, sonst stinkt er. Aus der Schweiz
Auf Dinge, die nicht mehr zu ändern sind, muss auch kein Blick zurück mehr fallen! Was getan ist, ist getan und bleibt’s. William Shakespeare, (1564 – 1616), englischer Dichter, Dramatiker, Schauspieler und Theaterleiter
Ist eine Sache geschehen, dann rede nicht mehr darüber; es ist schwer, verschüttetes Wasser wieder einzusammeln. Aus China
Hake jeden Tag ab und betrachte ihn als erledigt. Du hast dein Bestes getan. Irrtümer und Fehler sind immer möglich. Vergiss sie so schnell wie möglich. Ralph Waldo Emerson, (1803 – 1882), US-amerikanischer Geistlicher, Lehrer, Philosoph und Essayist
Es ist wieder soweit – die Sommerzeit drängt sich uns auf. Wo genau der Sinn hinter dieser halbjährlichen Zeitumstellung steckt, habe ich bis heute nicht erfasst. Danach geforscht habe ich allerdings auch nicht. Angeblich wurde sie ursprünglich aus energiepolitischen Gründen eingeführt, was eine nur schwierig greifbare Aussage für mich darstellt. Nach wie vor nehme ich sie als notwendiges Übel und als äußerst überflüssig wahr. Bringt sie tatsächlich einen echten Nutzen mit sich? Spart sie denn wirklich Energie, weil das Tageslicht länger “nutzbar” bleibt? Ist das so? Sie tritt insbesondere durch ihren verwirrenden Charakter in Erscheinung und stiehlt uns in erster Linie ganze 60 Minuten unserer Zeit, die unser Biorhythmus erst nach einigen Tagen wieder ausgleichen kann. Selbst die innere Uhr weigert sich, den Zeiger auch nur um Haaresbreite zu bewegen. Es ist ein Phänomen, dass durchaus bemerkenswert ist. Wie oft gelingt es uns, die Zeit ohne einen Blick zur Uhr meist erschreckend genau zu bestimmen? Sobald aber Winter-/Sommerzeit in Kraft treten, gehen unsere inneren Uhren trotzdem oft auf die Viertelstunde genau in der Zeit, die gerade aktuell ist, sofern nicht gerade die Zeit mal wieder umgestellt wurde, denn dann variiert diese innere Zeit um genau diese Stunde. Am Ende nervt mich diese Zeitumstellung mit aller Verlässlichkeit aufs Neue, aber man zwingt sie uns auf – leider…
Endlich. Herr N. aus P. möchte lange Haare. Nicht so lang wie in seiner Kleinkindzeit, aber doch weg vom Sommerraspelkurzhaarschnitt. Nix mehr Gel, nix mehr Army-Style. Laut Beschreibung möchte er gerne diesen Haarschnitt und damit bin ich einverstanden. Schaut fesch aus und einige seiner Kumpels tragen diesen Haarschnitt schon seit geraumer Zeit, was mir schon immer sehr gefiel. Herr N. aus P. hatte ja vor geraumer Zeit mal einen waschechten Irokesenschnitt, womit er richtig heiß aussah. Da mein Kind aber ein recht konservativer Mensch ist, trug er diesen “blauen Kamm” nur ein halbes Jahr lang. Gefärbt haben wir das Teil natürlich selbst. Witzig fand er das schon, nur mussten wir sehr oft zum Friseur, um die Optik auch zu gewährleisten. Mein Sohnemann ist mit einem bemerkenswerten Haarwuchs und mit ebenso bemerkenswert dickem Haar gesegnet, was mitunter anstrengend sein kann, da wir alle Naselang beim Kopfgärtner antreten mussten. Nun hat er sich also für eine längere Frisur entschieden und die Wuchsrichtung seiner Borsten dürfte da hilfreich sein. Seinen Kopf zieren diverse Wirbelchen, die dafür sorgen, dass sein Pony immer artig in Richtung Nase will. Sehr praktisch also, denn die neue Frise macht genau das erforderlich und dann kommt er ohne “Hilfsmittel” aus. Ich bin sehr gespannt. Einen Termin haben wir jetzt noch nicht, aber sobald er seine neuen Haare hat, folgen Bilder – versprochen…
Gestern ging’s nach Annaberg, wo der Winter mit voller Wucht nochmal Einzug gehalten hatte. Schneemassen und eisiger Wind warteten dort auf uns und selbst der neue Hund von Frau F. aus S. zwischen P. und S. huschte von Haustür zu Haustür. Eigentlich wollte ich jetzt hier ein paar Belanglosigkeiten über unseren kleinen Ausflug schreiben, aber auf Frau F. wartete zuhause eine kleine Sensation, die sie mir umgehend mitteilte. In der Nacht vor unserem kleinen Erzgebirgsabstecher träumte sie nämlich wirres Zeug. Neben einigen anderen kleinen und größeren Mitbewohnern besitzt die junge Frau zwei wunderschöne und bezaubernde Main-Coon-Katzen. Herr Kater und Frau Katze hatten sich vor geraumer Zeit wohl einiges zu sagen und so trug es sich zu, dass man irgendwann erfreut feststellte, dass Frau Katze wohl in anderen Umständen sei. Ein Tierarzt wurde zu Rate gezogen, der diese Vermutung bestätigte.
Während unserer Hinfahrt ins verschneite Erzgebirge erzählte mir Frau F. nun, dass sie nachts davon geträumt habe, dass Frau Katze drei Kätzchen zur Welt gebracht habe und als sie gestern nach Hause kam, fiepte es hinter ihrer Couch. Zum Vorschein kamen – richtig – genau drei klitzekleine Main-Coon-Knäulchen und ich habe die Ehre, Euch das erste Bild von den frisch geschlüpften Kätzchen zu präsentieren. Bitteschööön… Sind die nicht Zucker??? Darüber hinaus werde ich mir einen Lottoschein besorgen und Frau F. aus S. zwischen P. und S. befragen, von welchen Zahlen sie geträumt hat. Das kann doch gar nicht schiefgehen.
Endlich geht’s hier weiter. Nach zahlreichen Beschwerden möchte ich Euch nun nicht länger auf dem Trockenen sitzen lassen und berichte von den Feiertagen, dem Jahreswechsel und den ersten Tagen des niegelnagelneuen Jahres. Wie Ihr bereits wisst, habe ich in diesem Jahr mit allen Traditionen gebrochen und im Kreise einiger Freunde Weihnachten bzw. den Heiligabend zelebriert. Ich muss sagen, dass dieser Abend sehr viel gelöster und erfüllender war, als all jene Familienabende zur Weihnachtszeit. Es war durchaus besinnlich, aber so völlig anders und es hat mir gefallen, sehr gefallen…
Am ersten Feiertag dann „plante“ ich einen ruhigen Tag, aber es kam wieder mal ganz anders. In bequeme Kleidung gehüllt liebäugelte ich mit meiner Couch, der Weihnachtsstress lag bereits hinter mir. Einer meiner Gäste vom Vorabend – nennen wir ihn in Zukunft einfach Herr S. aus P. – lud mich ganz spontan auf ein Getränk meiner Wahl in einer Lokalität meiner Wahl ein und ich verabschiedete mich in Gedanken etwas schwerfällig von meinem Couchabend. Also schwang sich Frau N. aus P. dann doch in ihre Badewanne und brachte ihren Allgemeinzustand in ein salonfähiges Format. Kurz vorm Verlassen meiner Wohnung klingelte noch eine Freundin an, die an Langeweile zu Sterben drohte. Mein Samariter-Herz regte sich und ich beschloss kurzerhand über den Kopf meines „Einladers“, dass die junge Frau uns begleiten wird, den niemand sollte über Weihnachten zuhause allein versauern.
Nachdem ich mich nun endlich auf den Weg gemacht und meinen Begleiter über die kleine Planänderung informiert hatte, holten wir die junge Dame ab und begannen unseren weihnachtlichen Streifzug durch die Kneipen der Vogtlandmetropole. Der Abend begann mit einer netten Plauderei unter alten Bekannten und endete um einen weiteren Gast erweitert in einer recht unspektakulären Lokalität im Zentrum der Stadt. Nach einigen hochprozentigen Getränken wurde die Zunge von Frau N. aus P. genauso schwer, wie ihre Gliedmaßen und das werte Fräulein wurde kurzerhand über die Schulter geworfen und aus der Kneipe getragen. Jammernd vor Kälte und „ich-will-nach-Hause“ wurde sie ins Auto gesetzt und ordnungsgemäß zuhause ins Bett dirigiert. Dort wollte sie natürlich auch nicht so recht schlafen und nötigte ihren „Heim-Schlepper“ zu Dingen, die nur unter Alkoholeinfluss geschehen. An dieser Stelle folgen nun keine schmutzigen Details, denn ich bin mir sicher, dass Ihr auch ohne diese Details wisst, was passiert sein könnte. Das überlasse ich Eurer abgrundtief schmutzigen Phantasie.
Nun denn, am nächsten Tag bekam ich all meine Schandtaten mit einem herzhaften Lachen genauestens protokolliert und schämte mich auch ordnungsgemäß in Grund und Boden. Der junge Mann allerdings zeigte sich nicht im Mindesten schockiert und plante vorsichtig weitere Unternehmungen mit der Skandalnudel. Offenbar schreckte ihn das unorthodoxe Verhalten der Frau N. aus P. nicht wirklich ab. Man verbrachte also auch den folgenden Tag zusammen und den darauf folgenden auch und alle weiteren bis heute, so auch Silvester. Bevor ich jetzt hier einen überaus langweiligen Roman schreibe, was wir wo Silvester veranstaltet haben, beschränke ich mich auf die Feststellung, dass sich auf beiden Seiten im Verlauf dieser wenigen Tage klitzekleine Schmetterlinge in allen Ecken der beiden Mägen eingenistet haben und die Wahrscheinlichkeit steigt, dass dieser Herr S. aus P. hier im Laufe des angebrochenen Jahres auftaucht.
Ein recht oberflächlicher Beitrag hier, das gebe ich zu, aber die letzten Tage waren ruhig, sehr schön und alles andere als nyiriüblich, denn ich habe diese wohltuende Ruhe des Herrn S. wirklich sehr genossen und auf mich wirken lassen. Dieser Mensch trägt diese Ruhe in sich, die mir irgendwie so fremd ist, die in mir aber Wohlbefinden verursacht und genau das ist eine jener „Gewürzmischungen“, die mich fesseln und die ich so überaus anziehend finde. Wir werden also abwarten und sehen, wohin das führt und Ihr werdet zumindest oberflächlich daran teilhaben dürfen, denn das Neue Jahr beginnt besser als erwartet, spannender als geplant und aufregender als vorhersehbar. Es flattert und herzelt im Gebälk und es fühlt sich verdammt gut an, Leute…
Da ich nun schon die ersten Beschwerden über die derzeitige Schreibpause erhalten habe, möchte ich Euch wenigstens wissen lassen, dass Frau N. aus P. Weihnachten und auch Silvester im Kreise sehr netter Menschen verbracht und über alle Maßen genossen habe. Sogar der eine oder andere kleine und größere Wunsch wurde mir erfüllt und am ersten Weihnachtsfeiertag fand ich dann noch ein verspätetes und vollkommen unerwartetes Geschenk, von dem Ihr vielleicht im Laufe diesen Jahres noch das eine oder andere hören bzw. lesen werdet.
Das vergangene Jahr brachte so einiges an Veränderungen mit sich und nicht alles war ausschließlich niederschmetternd. Mit gesundem Abstand betrachtet, kann ich nunmehr sagen, dass ich jede einzelne Erfahrung inzwischen als Lehrstunde betrachten kann und nicht mehr in Gut oder Schlecht unterteilen muss. Alles hatte seinen Sinn und ich habe wieder viel gelernt. Manches muss ich so kein zweites Mal haben, anderes wiederum lenkt meine Wege in vollkommen neue Richtungen und zeigte mir unerwartete Perspektiven, führte mich zu Menschen, die ich teilweise verkannte und zeigte mir überdies, wer wirklich authentisch ist. Ich schließe nicht aus, dass mir auch im kommenden Jahr Fehler unterlaufen, dass ich Menschen oder Situationen falsch einschätze oder aber nicht weitere gute oder schmerzhafte Erfahrungen machen werde. Aber ich kann rückblickend sagen, dass nichts ohne Grund geschah, dass alles der Erfahrung diente und ich gelobe auch weiterhin, zu lernen, zu begreifen und zu reifen. Ich gelobe desweiteren, auch in Zukunft meinen Humor nicht verlieren, noch mehr Nachsicht zu üben, geduldiger zu werden und noch toleranter zu sein.
Ziel ist es, im hohen Alter nichts bereuen zu müssen, den Großteil meines Tuns als richtig und gesund zu empfinden und auf ein erfülltes und interessantes Leben zurückschauen zu können, in dessen Verlauf mir viele interessante Menschen begegnet sind, die mich bis ans Ende begleitet haben. Manchen halte ich die Treue, anderen gehe ich früher oder später aus vielerlei Gründen aus dem Weg. Aber jeder einzelne von ihnen hat mich zu dem gemacht, was ich bin und dafür gebührt auch dem unbequemsten Zeitgenossen Dank, denn sie haben mich geformt und reifen lassen – ob nun in positver oder negativer Hinsicht. Manche haben die Vorsicht in mir wieder geweckt, meine Augen und Sinne geschärft, andere wiederum reichten mir ihre Hand, standen mir bei oder erwiesen sich irgendwie sonst als Freunde. Manchmal traten Menschen aus der Masse hervor und gingen einen Schritt auf mich zu, was ich mit großem Erstaunen quittierte. Am Jahresende nun möchte ich mich bei einigen von diesen Menschen ganz explizit bedanken und allen anderen – ob nun Freund oder „Feind“ – wünsche ich besinnliche Feiertage, einen gesegneten Jahrwechsel und alles Gute für ihren weiteren Weg. Ich habe mit jedem einzelnen meinen ganz persönlichen Frieden gemacht, mal mit Worten, mal in Gedanken, aber ich kann getrost sagen, dass ich mich im kommenden Jahr nicht mehr mit alten Zöpfen befassen werde, sondern ausschließlich die positiven Gedanken mit ins neue Jahr nehme.
Besonderer Dank geht daher an C., die mir wie niemand anderes Beistand und Hilfe geleistet hat und noch immer an meiner Seite ist. Danke, meine Kleene, ich habe Dich anfangs verkannt, aber ich bekam unerwartet die Möglichkeit hinter Deine Fassade zu blicken und ich bin stolz und glücklich, Dich in meiner Nähe zu wissen. Ich kann mit Dir lachen und weinen, kann auf Dich zählen, wenn es eng wird und Du bist mit Volldampf in mein Leben gestolpert, aber mit Dir kann ich all das tun, was das Leben lebenswert macht und mit Dir kann ich auch traurig und depremiert sein. Danke für alles und ich wünsche mir, dass Du mich auf meinem Weg noch lange begleitest. Du bist und bleibst meine Lieblingschaotin und führst die diesjährigen Charts an. Du rockst mein gestörtes Ego, weil Du auch so kaputt bist, aber gerade diese Gewürzmischung schmeckt mir und das muss unbedingt so bleiben.
Danke auch an S., die mir immer eine gute und loyale Kollegin und Weggefährtin war. Unsere Wege haben sich kürzlich zwar beruflicherseits getrennt, aber Du bist ein äußerst liebenswürdiger Mensch, der mir immer in Erinnerung bleiben wird. Ich wünsche Dir ganz persönlich alles Glück der Welt, ich wünsche Dir Menschen, die Dich lieben und achten und ich wünsche auch Deiner kleinen Motte alles Liebe. Wir haben zusammen gelacht und geweint, uns gegenseitig Halt gegeben und großzügig über die kleinen Schönheitsfehler des anderen hinwegsehen können, weil wir uns sehr mochten und schätzten. Bleib’ wie Du bist, denn das macht Dich aus und deshalb mag ich Dich so furchtbar gerne.
Danke an meine Mama, die mir in allergrößter Not immer ein Halt war. Danke für Deine Liebe und Dein Vertrauen in mich. Danke, dass ich eine so großartige Frau als meine Mutter habe und Danke, dass Du zu den wenigen Menschen gehörst, mit denen ich verwandt bin UND sie auch als Familie beschreibe. Du bist mein Anker in der Not und Du lässt mich nie vergessen, dass ich Dein Kind bin und bleibe, ganz egal wie alt ich auch sein werde. Es macht mich stolz, Dich als Mutter zu haben und ich sage auch in diesem Jahr wieder, dass ich die beste Mutter von allen habe. Bussi!!!
Danke an M., die mir vor einer kleinen Weile zufällig begegnet ist und mit der ich bis vor kurzem hin und wieder sporadisch plauderte, die mir aber in den letzten Wochen aus einer Perspektive begegnete, die mich vor Erstaunen sprachlos macht. Auch sie stand mir bei, richtete mich auf und stärkte mir wiederholt den Rücken. Sie half in einem Maße, welches ich niemals erwartet habe und sie ist mir eine gute Freundin geworden. Ich hoffe sehr, dass ich all das irgendwann zurückgeben kann und verspreche hiermit, dass ich ihr in guten oder schlechten Zeiten ebenso beistehen werde, wie sie mir, denn auch sie gehört zu den Menschen, die ich nicht gleich richtig eingeschätzt habe. Vielmehr sah ich nicht genau genug hin, aber das habe ich nachgeholt und ich bin glücklich über das, was mir entgegen gebracht wurde und noch immer wird.
Danke an J., die mich während der vergangenen zehn Jahre oft auffing, die mir half, wo sie konnte und die mir tage- und nächtelang eine beste Freundin war. Mittlerweile hat sie ihr Glück gefunden, worauf sie unmenschlich lange warten musste. Ich wünsche Dir alles Glück der Welt, viel Liebe und ewige Gesundheit. Wir hatten eine schöne und aufregende Zeit, in deren Verlauf es nichts zu bereuen gibt. Auch im Nachgang ist der bittere Beigeschmack verflogen und kann ohne Wehmut oder Groll dieses Kapitel schließen. Danke für die zehn Jahre an Deiner Seite und für alles andere…
Danke an die andere J., die vor nichtmal einer Woche die Größe bewies und alte Unstimmigkeiten einfach in die Tonne geklopft hat. Es ist immer wieder ein Freudenfest, zu sehen, wie sich Menschen weiterentwickeln und immer weiter reifen. Nach acht Jahren Ruhe und konsequent getrennten Wegen begegnen wir uns neu und erinnern und dennoch gemeinsam an die guten alten Zeiten. Auf ein Neues, meine Liebe. Lass es uns besser machen und anderswo neu anknüpfen. Man muss nicht alles gut finden, was ein anderer tut, aber man kann sich in Toleranz und Großmütigkeit üben und sich auf das Wesentliche beschränken. Du warst in meinen wichtigsten Lebensabschnitten meine Gefährtin und mit etwas Glück und einem feinfühligen Händchen kommen wir genau an diesem Punkt wieder an.
Danke auch an A., der mir nicht nur immer Chef war, sondern auch Kumpel. Auch unsere Wege trennen sich hier, was nichts schlechtes bedeuten muss. Manchmal muss man sich aus dem Weg gehen, um seine Lebensgrundsätze nicht mehr verletzen zu müssen. Ich betrachte die Zeit bei Dir als Erfahrung und gehe jetzt neue Wege. Den sprichwörtlichen Strich unter diesem Abschnitt habe ich gemacht und ich bedanke mich für die guten und auch schlechten Zeiten unter Deiner Hand. Es gibt so vieles, für das ich Dir ewig dankbar bin und nur das wird für mich im neuen Jahr und in ferner Zukunft von Belang sein und in Erinnerung bleiben. Alles weniger Gute lasse ich im alten Jahr und schließe auch dieses Buch.
Danke an all meine Umzugshelfer und an all meine Handwerksburschen, die mir tatkräftig beim Abschneiden alter Zöpfe behilflich waren. Ihr tragt allesamt das Herz am rechten Fleck und ich bin sehr sehr stolz, Euch in meinem Freundeskreis zu wissen. Manch einer wird diese Zeilen niemals lesen, aber ich hoffe, dass Euch meine Gedanken durch den vogtländischen Buschfunk dennoch erreichen. Danke an P., W., B., K., R. und alle, die ich jetzt im Eifer des Gefechts vergessen habe. Jeder einzelne von Euch hat großes geleistet und meinen Neustart überhaupt erst möglich gemacht. Ihr habt mein Zuhause und auch mein Leben bereichert und ich möchte jeden einzelnen von Euch auch weiterhin zu meinen Freunden zählen dürfen, denn die schlechtesten Momente der jüngsten Vergangenheit haben mir einmal mehr aufgezeigt, dass ich Menschen in meinem Umfeld habe, die ihr letztes Hemd gegeben haben, um mir ein Freund zu sein. Jungs, Ihr wart und seid Spitzenklasse und ich kann Euch nicht genug danken. Manche standen mit kräftigen Händen an meiner Seite, andere erwiesen sich auch aus der Ferne als Leidensgenossen, die man nicht missen möchte. Ein großartiges Match habt Ihr alle zusammen mit mir bestritten und das war ganz großes Tennis.
Ich diesem Sinne wünsche ich all diesen Leuten frohe Festtage, weiterhin genau diesen Zusammenhalt und immer den richtigen Menschen im Gefolge, denn nichts ist so wertvoll wie ein wahrer Freund, die Liebe und der Rückhalt einer Familie und der innere Friede mit sich und seinem Umfeld. Alles andere erledigt sich von selbst und ich werde mich auch weiterhin bemühen, mit dem zufrieden zu sein, was ich habe, weiter zu lernen und zu reifen und ich werde all die schlechten Gedanken des vergangenen Jahres im alten Jahr zurücklassen und versuchen, positiv zu denken und zu handeln. Abrechnung ist erfolgt, alles ist gesagt und nach mir die Sinnflut.
Das alte Jahr neigt sich dem Ende entgegen und so langsam wird es Zeit, sich für das kommende Jahr erstrebenswerte Ziele zu setzen. Bisher habe ich das tunlichst unterlassen, da man diese guten Vorsätze spätestens in der zweiten Januarwoche vergessen will oder schon vergessen hat. Der Mensch ist ja im Allgemeinen so gestrickt, dass er nur etwas ändert, wenn ihm das Wasser bis zum Halse steht und ich nehme mich davon nicht aus. Das vergangene Jahr jedoch hat mir dermaßen viele Veränderungen aufgezwungen, wovon ich einige hätte vermeiden können, wenn ich mich auf mein Gefühl und meine einstigen Prioritäten beschränkt hätte. Letztere warf ich leichtsinnig über Board im Vertrauen auf die Authentizität der Menschen, mit denen ich zu tun hatte. Mein Leichtsinn hatte zur Folge, dass noch mehr Unruhe in mein Leben kam und ich mich seither mindestens 14x pro Tag in den Arsch beiße, nicht meinem Riecher vertraut zu haben, denn so manches Mal stank es ganz gewaltig. Nun ja, wir sind lernfähig und nehmen uns für 2009 folgendes vor:
kein Umzug in jeglicher Form
berufliche Neuorientierung von Grund auf
gesündere und bewusstere Ernährung
keinerlei Kompromisse mehr auf privater Ebene
Besinnen auf alte Prioritäten
keine halben Sachen mehr
Auto endlich mal in eine Waschstraße stopfen
Auto von innen komplett grundreinigen
weniger rauchen
wenn überhaupt, dann maßvoller trinken
Wäsche immer gleich nach dem Trocknen zusammenlegen
letzte Schönheitsarbeiten zuhause verrichten
jeden Cent sparen, damit Urlaub machbar wird
Der wichtigste Vorsatz jedoch ist, dass ich Ruhe finden möchte – für meinen Sohn, für mich und für unser beider Leben.
Andere zu kritisieren,
ist das übliche Mittel,
sich selbst in ein besseres Licht zu setzen.
Eine emotionale Ohrfeige ist der Freundschaft Tod!
Ein Freund ist ein Mensch,
der für Dich lächelt,
wenn Du weinst.
Wenn Du Dich zum Richter über Deine Freunde aufschwingst,
kannst Du leicht zum Henker Deiner Freundschaften werden.
Ein Freund ist jemand,
der Deinen kaputten Zaun übersieht,
aber die Blumen Deines Gartens bewundert.
Freundschaft heißt vergessen, was man gab
und in Erinnerung behalten, was man empfing. Zerrissene Freundschaft knüpft sich nicht wieder zusammen,
ohne dass der Knoten sichtbar oder fühlbar bliebe.
In Krisenzeiten offenbaren sich die wahren Freunde.
Je weniger Du hast, desto weniger reden auf Dich ein,
was Du verkehrt gemacht hast oder zu tun gehabt hättest.
Umso größer ist die Chance, dass Du in Dir selbst,
Deinen eigenen Weg erkennen darfst.
Nach etlichen Spaziergängen und zahlreichen Streicheleinheiten gewinne ich den Eindruck, dass mein Wochenendpflegehund schlimmes Heimweh plagt. Er möchte nicht wirklich spazieren gehen, mag lieber zuhause sein und fühlt sich draußen nicht wirklich wohl. Aber hier in der Wohnung scheint der kleine Knotenfurz glücklich und zufrieden zu sein. Wenigstens etwas…
Vorgestern vorsichtig am heimischen Laptop angetestet und gestern einen ersten und voraussichtlich auch einzigen fast kompletten Tag mit ebenso einmaliger Erlaubnis dann für Sohnemann im Internet… Söhnchen beherrscht den Umgang mit PC bzw. Laptop nun schon etwas länger, aber allein und ohne nerviges über die Schulterschauen durfte er das bisher nicht. Nur unter meiner strengen Aufsicht war es ihm bisher erlaubt, zaghaft in den Weiten des WWW umherzuschnuppern. Tage und Wochen lag er mir in den Ohren, sich bei einer bekannten Schülerplattform anmelden zu wollen und da ich Vertreterin der „Es-wird-an-der-frischen-Luft-gespielt“-Fraktion bin, vertröstete ich den kleinen Mann immer und immer wieder „auf nächste Woche“. Anhänger dieser Fraktion wissen, dass man diese „nächste Woche“ bis zum Sanktnimmerleinstag hinausschieben kann, wenn man ein demenz-infiziertes Kind hat. Da Kinder aber bekanntermaßen fast niemals an Demenz erkranken, war es eine Frage der Zeit, wie oft und mit welcher Intensität mich mein Sohn an mein halbherziges Versprechen erinnert.
Erwartungsgemäß tat er das mit aller Regelmäßigkeit und am vergangenen Wochenende kamen mir dann seine Kumpels aus Mechel zuvor. Die Jungs dort haben bereits eine eigene Mailadresse und waren Sohnemann dabei behilflich, sich auch eine zu beschaffen. Fix noch bei besagter Plattform angemeldet und Sohnemanns Wunsch ging in Erfüllung. Aufgeregt erzählte er mir davon, als ich ihn dann am Sonntag abholte und es fühlte sich an, als wäre mein Sohn entjungfert worden. Mädels, verzeiht mir den Vergleich, aber ich war immer so froh, dass mein Junge nicht einer dieser Bengel ist, die Tage und Nächte vor dem Computer oder der Playstation verbringen und der sich lieber beim Fußballspielen die Klamotten ruiniert. Er ging bei Wind und Wetter vor die Tür, fuhr Rad mit Freunden, besuchte sein geliebtes Kindercafé oder aber bolzte auf dem Platz um die Ecke mit seinen Kumpels. So mag ich das und so wurde auch ich groß – an der frischen Luft im Kreise meiner Freunde. Ich halte das für gesund und wichtig.
So, nun aber hat er eine Email-Adresse und es fühlt sich an, als hätte er sich sein erstes Kondom gekauft. Ich kann nur erahnen, wie es sich für mich als Mutter anfühlt, wenn er sich tatsächlich zum ersten Mal am Kondomregal im Drogeriemarkt oder einer Tankstelle rumdrückt und die Dinger mit hochrotem Kopf bezahlt und ich falle tot um, wenn mir eines dieser Kondome dann beim Wäschewaschen in die Hände fällt. Ich weiß, dass genau das eines Tages passiert und ich weiß auch, dass ich eines Tages unter irgendwelchen doppelten Böden in irgendwelchen Schubladen all jene Schmuddelheftchen finden werde, die unsere Großmütter erröten lassen haben. Ich werde nicht erröten, nein, mein Herz wird stehen bleiben, weil mein Sohn kein Kind mehr sein wird. Dieser Vergleich mag hinken, aber als er mir von seinem Alleingang im Internet berichtete, verlor er ein klein wenig seiner kindlichen Unschuld, die ich an ihm so bezaubernd finde.
Mein sonst so vernünftiger und verständiger Junge, so ganz allein im Internet unter all den bösen und betrügerischen Menschen, die sich einen Dreck darum scheren, wie stolz ich auch meinen Sohn bin. Täglich wird er Versuchen ausgesetzt sein, ihn zu betrügen, zu belügen und ihn zu täuschen. Bin ich hysterisch? Nein, ich weiß durchaus, dass das Internet ein Medium unserer Zeit ist und dass der richtig dosierte und verantwortungsvolle Umgang damit, weniger Gefahren birgt, als für unerfahrene Nutzer. Also beschloss ich nun gestern, dass er dann auch eine einzigartige und lebenslange Emailadresse bekommen soll. Es fühlte sich an, als wenn ich ihm ein besonderes Geschenk aussuche und noch weiß er nichts davon. Keine Adresse bei Web.de oder GMX, nein, eine persönliche und eine, die niemand sonst haben wird, weil seine Mama dafür ihren monatlichen Obulus entrichtet. An dieser Stelle herzliche Grüße nachAnnaberg, wo meine Domain verwaltet wird und wo der Service einzigartig ist und so richtig familiär praktiziert wird. Nun denn, er bekam seine Mailadresse, die ihn von nun an auf all seinen virtuellen Wegen begleiten soll. Davon weiß er noch nichts. Auf ihn wartet hier auf meinem Laptop ein eigenes Email-Programm, mit dem er seine persönliche Post verwalten kann und wenn jemand von Euch Mädels ein schönes Mailprogramm für Kinder kennt, dann erbitte ich umgehend Nachricht, denn das derzeitige erfüllt nicht meine Ansprüche. Vorerst wird es aber seinen Zweck erfüllen. Ich suche weiter…
Gestern dann ließ ich meinem Sohn dann ein klein bisschen mehr Spielraum und setzte auf unser Vertrauensverhältnis. Man/frau soll ja loslassen, wenn die Kinder sich entwickeln wollen. Es fiel mir schwer, das gebe ich zu. Sohnemann hat noch Ferien, das Wetter war gestern recht bescheiden und ich beschloss, ihm den Laptop für einen ganzen Tag zu überlassen. Ich erklärte ihm, wie ich mir dessen Handhabung wünsche und ermahnte ihn, keine Experimente zu wagen. Die Erlaubnis zum Chatten mit Schulfreunden und Bewegungsfreiheit auf seiner Plattform oder den ihm bekannten Spieleseiten hatte er und so verabschiedete ich mich mit gemischten Gefühlen in Richtung Arbeit. Ein Gefühl, als würde er das erste Mal ein Mädchen über Nacht bei sich im Zimmer haben. Furchtbar… Aber ich musste vertrauen. Tagsüber rief ich ihn dann zuhause an und erklärte ihm, wie auch wir beide miteinander chatten könnten und so standen wir den gesamten Tag über in Kontakt. So als könnte ich ein bisschen durchs Schlüsselloch schauen. Zwar wusste ich deswegen noch lange nicht, was er da zuhause anstellte, aber es beruhigte mich paradoxerweise trotzdem ein bisschen.
Nach der Arbeit flitzt ich dann nach Hause und fand meinen Sohn natürlich vor dem Laptop. Ich hatte nichts anderes erwartet und trotzdem fand ich den Anblick noch immer sonderbar, denn im Normalfall sitzt oder liegt Sohnemann mit schmutzigen Fußballklamotten und wunderbar erschöpft auf dem Sofa und schaut ein bisschen fern, was nach dem Spielen an der frischen Luft erlaubt ist. Gestern aber saß er mit viereckigen Augen hier und tippte, klickte und starrte mit glasigen Augen auf den Monitor. Mein fußballverliebter Junge hatte sich den Internetvirus eingefangen. Der Mutterinstinkt brach durch und ich scheuchte ihn vom Laptop weg. Er meckerte nicht, er maulte nicht und offenbar war seine Neugier und der anfängliche Wissendurst nach der virtuellen Welt da draußen vorerst gestillt. Ich schaute skeptisch und kümmerte mich um unser Abendessen.
Am Tisch dann sprudelte es aus ihm heraus. Er berichtete mir, was er den ganzen Tag so im Netz gemacht hat, erzählte mir von seinen Chatunterhaltungen und ich war über alle Maßen erstaunt darüber, wie er mir seinen Weg durchs WWW beschrieb. Unzählige Freundesangebote brachen über ihn herein, er jedoch lehnte alle ab, da er nur die Kinder in seine Liste nähme, die er auch persönlich kennt. Ich nickte zustimmend. Dann waren da noch die Störenfriede, die ihn virtuell einschüchtern oder beleidigen wollten. Die setzte er kurzerhand auf seine Blockier-Liste. Ich war fassungslos, wie konsequent und sicher er seine ersten freien Schritte ohne mich gemacht hatte. Wunderbar… Er hatte keine rosa Brille auf, fiel nicht auf Smilies oder eine Reihe Buchstaben herein und er surfte auch nicht heimlich auf verbotenen Seiten, denn das Muttertier kontrollierte selbstredend den Verlauf seiner gestrigen Aktivitäten…
Ja und da war dann noch dieses Mädchen, das ihn fragte, ob er mit ihr „gehen“ will. Und was soll ich sagen? Er lehnte dankend ab, da er „das jetzt noch nicht möchte, er will erst mit 15 oder 16 eine Freundin und er habe an sowas noch kein Interesse, er fühle sich zu jung und sei doch erst 12″. Sprachlos saß eine unnötig besorgte Mutter abendessend vor ihrem Sohn und war stolz wie selten in ihrem Leben. Er schob flüsternd hinterher, „dass sie außerdem ziemlich hässlich gewesen sei“, was aber Nebensache war. Ich grinste und sagte: „Reicht ja auch erstmal, wenn Du Deine Mama liebst.“ Er lächelte mich an und sagte: „Genau, ich hab’ Dich lieb!“ Worüber habe ich mir eigentlich Sorgen gemacht? Bin ich zu vorsichtig? Schadet zuviel Vorsicht? Ich denke, im Internet tut eine gewisse Vorsicht not und die Warnhinweise werden gerne ignoriert und als Panikmache abgetan. Mein Sohn allerdings verhielt sich so verantwortungsvoll, wie ich mir das insgeheim gewünscht hatte und das erleichterte mich sehr.
Ach ja, was seine Unschuld betrifft, hat er seine virtuelle nun entgültig verloren, aber ich jage ihn trotzdem lieber auf den Fußballplatz und seine ersten Kondome kauft die Frau Mama für ihn. Basta…!!! Nur durchs Schlüsselloch werde ich dann diskreterweise nicht schauen. Aber den Sicherheitsgurt für die rasante Fahrt durchs Leben in Richtung Erwachsenwerden lege ich so oft es geht selbst für ihn an, denn er bleibt immer mein kleiner Junge, heute und morgen und bis ans Ende meiner Tage…
Nun wohne ich auf den Tag genau einen Monat hier (also kalendarische vier Wochen) und bin gestern zu meinem Leidwesen zum x-ten Male auf meiner Couch entschlummert. Ich gehöre zu den Menschen, die dann auch nicht reuevoll ins Bett kriechen, wenn sie mitten in der Nacht wach werden. Ich bleibe müde und faul genau dort liegen, wo ich mich gerade befinde. Es ist ja nicht so, dass meine Couch bequemer als mein Bett ist, aber ich kann mich nie aufraffen, dann doch aufzustehen und rüber zu schlurfen. Mir fehlt die Lust, die Kraft, der Wille. So auch letzte Nacht und als ich gefühlte drei Stunden nach meinem Ausflug in die ewigen Jagdgründe zur Wanduhr zwinkere, staune ich nicht schlecht. Ich habe doch tatsächlich innerhalb dieser lächerlichen vier Wochen nahezu durch geschlafen. Wer mich und meine absonderlichen Schlafgewohnheiten kennt, weiß, dass dies nur sehr selten der Fall ist. Wo die Ursachen für meine Schlaflosigkeit zu suchen sind, weiß ich nicht genau, aber fakt ist, dass ich nie mehr als drei Stunden am Stück durchschlafe und nach der ersten Schlafration von besagten drei Stunden mit aller Verlässlichkeit im Stundentakt aufwache und morgens dementsprechend matt und erschlagen bin.
Nun mag die Leserschaft denken, dass ich mich in professionelle Hände begeben sollte. Darüber nachgedacht habe ich bereits mehrfach, denn dieser Zustand hält nun seit mehr als 12 Jahren an. Da ich mich mit diesem Umstand aber im Laufe der Jahre arrangiert habe, belasse ich es einfach so. Gesund ist das sicherlich nicht, aber vielleicht hat meine jahrelange Reise und die damit verbundene Ruhelosigkeit eine erhebliche Mitschuld daran und vielleicht finde ich hier gerade meine Ruhe und meinen Schlaf wieder. Zumindest bin ich fast schon entsetzt darüber, dass ich innerhalb weniger Wochen bereits zum zweiten Mal so ausdauernd geschlafen habe und fühle mich daher heute auch fit wie ein Tennisball. Da ich hier keinen Zwängen außer meinen eigenen erlegen bin, gönne ich mir seit meinem Einzug immer dann Pausen, wenn ich sie für nötig erachte. Dies war während dem Zusammenleben mit diversen Partnern so nie möglich, auch wenn man immer Rücksicht auf mich nahm.
Die innere Ruhe konnte mir niemand so geben, wie ich sie als ruhevoll empfinde. Führt mich diese Wohnung hier tatsächlich dorthin, wo ich eigentlich immer sein wollte? Es ist paradox, denn hier herrscht sehr viel mehr Leben vor der Haustür als in der alten Gegend und trotzdem kann ich hier besser entspannen. Warum ist das so? Sollte ich es diesmal wirklich richtig gemacht haben? Sollte es für mich und mein Ich das einzig richtige gewesen sein, alles genauso zu tun, wie ich es gemacht habe? Liegt es daran, dass ich konsequent aufarbeite, dabei beharrlich bleibe, meinen Gedanken Worte verleihe? Ja, ich nehme mir Zeit dafür, gehe in mich, wenn es mein Kopf verlangt und setze mich bewusst mit meinem bisherigen Leben auseinander. Und so abstrus meine Wege auch in den letzten Wochen erschienen sein mögen, scheint mein Weg doch der Richtige zu sein, denn ich fühle mich hier sehr wohl. Diese Wohnung hier vermittelt mir etwas, was ich längst verloren glaubte – Ruhe…
Und wenn mein bisheriger Weg und das dazugehörige Leben der Preis war, den ich zahlen musste, um diese lang ersehnte Ruhe endlich zu finden, dann bin ich mehr als dankbar für jeden einzelnen Nackenschlag den ich bis hierher ertragen musste, denn diese Ruhe ist für mich unbezahlbar und so unentbehrlich wie jeder einzelne Atemzug, der uns am Leben erhält. Dabei löse ich mich von alten Zwängen, ordne mein Leben und mein Umfeld neu, distanziere mich von Dingen, die mich behindern oder nicht mehr in mein Denken passen. Das anfängliche Chaos löst sich langsam auf und ich beginne mich zu entspannen. Entspannung ist das falsche Wort für das, was ich derzeit empfinde. Nach außen stehe ich zwar am selben Punkt wie schon so oft, aber in mir hat sich vieles verändert und ich empfinde diese Wandlung als sehr heilsam.
Besinnliches zum Wochenende für mich und vielleicht auch für Euch…
Manchmal wachst Du nachts auf und denkst, das wird ein Tag wie jeder andere. Nach einem Blick durch die Dachfenster auf den Dreiviertelmond und einem anschließenden Blick auf den Radiowecker findest Du wieder in den Schlaf und schlummerst weiter bis wenige Minuten vor jener Zeit, die Du diesem Radiowecker in Auftrag gegeben hast, Dich zu wecken. Und Du denkst, „Erstaunlich, ich fühle mich wohl. Es ist schön hier. Mein Bett ist so weich und alles ist gut so wie es jetzt ist.“. Und Du hast diesen Gedanken noch nicht zuende gedacht und grübelst ein bisschen weiter. „Warum geht es mir heute Morgen so gut?“ Sonst fragt man sich immer, wieso es einem schlecht geht, womit man all das verdient hat. Nein, nicht heute… Heute habe ich mich gefragt, warum es mir trotz all dem Stress, der hinter mir liegt, so auffallend gut geht. Schreitet die Heilungsphase erfolgreich voran oder ist es eine jener euphorischen Phasen, die den Schmerz nur ab und an unterbrechen? Ich bin so naiv, zu sagen, dass genau das nicht der Fall ist. Ich bin entspannt, sehr entspannt…
Ich stehe auf, schließe die Fenster, mache mein Bett wieder schick und verlasse das Schlafzimmer. Vor der Tür sitzt wie immer meine schwarze Püppi und wartet schon auf mein Erscheinen. Leise maunzend umschmeichelt sie meine Beine und ich sehe, dass Sohnemann ihr nachts wieder Zutritt zu seinem Zimmer gewährt hat, denn sie verschafft sich mitten in der Nacht recht oft Gehört bei ihm und bittet um Einlass. Er mag das und somit darf sie auch bei ihm schlafen. Sie verhält sich still und sucht ein bisschen Nähe. Leise schließe ich die Kinderzimmertür und beginne mit meinen täglichen Gepflogenheiten. Ich befülle die Kaffeemaschine und während mein Kaffee durch die Maschine gluckert, bekommt die Püppi frisches Futter. Gierig drängelt sie sich an ihre Futterstelle und ich öffne derweil alle Fenster, um die frische Luft des Morgens in die Räume zu lassen. Es riecht nach Herbst und noch ist es dunkel da draußen.
Ich fange wieder an zu denken. „Ich habe mich noch nirgendwo so wohl gefühlt wie hier in dieser bezaubernden Wohnung. So schnell so wohl gefühlt…“ Meine Küche ist so herrlich gemütlich, dass es mir jeden Morgen aufs Neue Freude bereitet, hier Alltägliches zu verrichten. Und ich frage mich, warum ist das so? Liegt es daran, dass ich mich bewusst mit all den Dingen auseinandergesetzt habe, die mich hierher gebracht haben? Liegt es daran, dass ich mir diesmal auffallend viel Zeit dafür nehme, alles aufzuarbeiten? Liegt es daran, dass ich mich zu diesem Zwecke auch sehr oft zurückziehe? Oder liegt es einfach daran, dass all die Wunden langsam aber um so sicherer heilen und nur noch erträglich schmerzen? Woher kommt diese Erträglichkeit? Habe ich sie mir erarbeitet oder täuscht mein Bauch mir das alles nur vor, damit ich nicht mehr traurig bin? Traurig bin ich nur noch selten, was mich ebenfalls nachdenklich stimmt.
Leise dudelt Musik aus der Anlage und ich sitze hier mit meinem Schlafanzug und einer Weihnachtstasse voller Milchkaffee, auf der zwei Rentiere den Weihnachtsmann durch den lila Milkahimmel ziehen. Bewusst habe ich heute Morgen diese Tasse gewählt und habe dabei gedacht „Weihnachten steht sowieso schon fast vor der Tür. Du hast Lebkuchen im Schrank, hast schon welche gegessen, also ist heute schon mal ein kleines bisschen Weihnachten.“ Es macht mir keine Angst, das Fest alleine mit Sohnemann anzugehen. Nein, ich trage mich mit dem Gedanken, über die Feiertage nach SB zu meiner Familie zu fahren und meine Frau Mama war gleich ganz angetan von dieser Überlegung. Ob ich an diesen Tagen frei habe, steht außer Frage, denn in 14 Tagen beginne ich meine unbefristete berufliche Auszeit, die ich auch dringend nötig habe. Ich weiß es noch nicht, aber sicher wäre es schön, mit meiner Familie zu wichteln…
Draußen verabschiedet sich gerade die Nacht und es wird hell. Die schwarze Püppi räkelt sich auf Sohnemanns Schoß, der auch gerade aufgewacht ist. Nein, er hat heute keinen Unterricht. Herbstlauf durch den angrenzenden Wald steht auf dem Lehrplan und er muss erst später los. Das kleine schwarze Katzentier durfte heute Nacht in seinem Bett schlafen, wie er gerade berichtete. Ich selbst mag das überhaupt nicht, aber er schon. Warum also sollte ich ihm das verbieten? Sie mag es, er mag es und wenn die Beiden das glücklich stimmt, dann ist es gut und richtig. Der letzte Tag der Woche hat unweigerlich begonnen und er hat nicht schlecht begonnen. Ob er auch so endet, wird sich zeigen. Man/frau will es hoffen…
Nachtrag 8.29 Uhr:
Ich habe gerade sämtliche vorrätigen Lebkuchen aufgefuttert (ein Oblatenlebkuchen und eine komplette 150g-Tüte kleine gefüllte Lebkuchenherzchen) und ärgere mich jetzt grün und blau darüber. Aaaarg…, Scheißdreckmistkacke… Aber wenigstens habe ich heute nicht versucht, aus dem Aschenbecher zu trinken. Alles ging glatt die Speiseröhre runter… Aber vielleicht wäre das heute angebracht gewesen, denn dann hätte der einsetzende Brechreiz vielleicht zusätzliche Pfunde auf den Hüften verhindert. Immer noch Scheißdreckmistkacke… Ich wette, die Hersteller mischen unter diesen verflixten Teig so ‘ne Art „Du-kannst-nicht-aufhören-bevor-die-Tüte-alle-ist“-Gewürz. Ich hasse mich dafür und Euch auch, weil Ihr jetzt kichert und ich hasse Lebkuchen und die Hersteller und ich hasse meinen Scheiß Vorratsschrank…
Der Mittwoch ist einer jener Tage, die einen schon deprimiert aufstehen, duschen und hoffnungslos durch den Tag schlurfen lässt, denn das vergangene Wochenende ist schon wieder ewig lang vorbei und das kommende Wochenende liegt in noch so unerreichbarer Ferne – genau in der Mitte eben. Wahrscheinlich plagt mich die mangelnde Motivation auch nur, weil meine Urlaubstage in diesem Jahr rein gar nichts mit Erholung zu tun hatten. Ständig lag irgendwas Wichtiges an, musste dringendst erledigt werden oder aber es gab sonstwas für Gründe, um bloß nicht auszuspannen oder gar die Seele baumeln lassen zu können. So ein bisschen saft- und kraftlos hänge ich nun schon in den Seilen, was aber größtenteils auf die körperlichen Strapazen zurückzuführen ist. So ein Umzug ins Dachgeschoss (ohne Lift) schlaucht ziemlich und schon der wöchentliche Einkauf wird zum wahren Kraftakt. Aber Jammern gilt nicht, denn ich wollte es ja so. Ein großer Dank geht an dieser Stelle auch all den fleißigen Leuten, die mich zum Teil auch noch Tage nach dem Umzug unterstützten und mir beim Wiederaufbau meiner Möbel halfen. Dies geschah in deren Freizeit, oftmals erst am Abend und das schlechte Gewissen machte sich so manches Mal in der Nacht auf meinem Kissen breit. Und wenn ich dann Tag für Tag demütig und voller Dankbarkeit mit Worten, einer Mahlzeit und erfrischenden Getränken oder Kaffee ihre Anstrengungen honorierte, kam immer jenes Lächeln über deren Gesichter und dieses „Ach komm schon, das mach’ ich doch gerne…“, dass mir schon fast übel wurde, denn ich weiß nicht mal ansatzweise, wie ich das bei all den Leuten wieder gut machen kann. Ich weiß nur, dass mir zahlreiche Einsätze bei diversen Umzügen ins Haus stehen. Das ist das Mindeste, was ich in den kommenden Jahren an Wiedergutmachung leisten kann. Und das werde ich, das bin ich jedem Einzelnen schuldig. Dieser Umzug war der physisch anstrengendste, den ich je bewältigen musste. Und alle Mann mit mir…
Einige von meinen Helfern hätten es wirklich verdient, dass ich sie hier namentlich erwähne, denn so manche/r Freund/in stand mir vor, während und auch nach dem Umzug immer und immer wieder zur Seite. Manche von den Heinzelmännchen halfen völlig unerwartet und ich war erstaunt, wie gerne sie mit anpackten. Mitten im größten Stress saßen wir alle hier oben für die eine oder andere Zigarettenlänge zusammen, ich schaute schweigend in die schnatternde Runde und sah in die Gesichter meiner Helfer. Jeder lachte, keiner war genervt, alle strahlten eine wunderbare Energie trotz der enormen Anstrengung aus. Es war so unbeschreiblich schön zu sehen, dass diese Menschen ob der Belastung ihren Humor nicht draußen ließen und es ihnen weniger ausmachte, als ich befürchtet hatte. Es wurde laut gelacht, alte Missetaten wurden zum Besten gegeben und man hätte glauben können, hier würde nicht umgezogen sondern gefeiert. Ein schöner, wenn auch anstrengender Umzug… Nun, da sich der erste Sturm gelegt hat, kommen wir hier etwas zur Ruhe. Hier und da sind noch ein paar Schönheitsarbeiten nötig, aber die verschieben wir getrost auf die lange Bank, denn sie sind keineswegs so dringend, dass sie nicht noch ein paar Tage oder Wochen warten könnten. Sohnemann fühlt sich in seinem neuen Zimmer offenbar schon sehr wohl und auch ich genieße die Ruhe und die gemütliche Atmosphäre hier, die sich vor allem abends breit macht. Der kleine Mann kommt inzwischen auch bestens mit seiner Zahnspange zurecht. Der Schulweg ist erfreulich kurz und wenn wir uns noch an die ungewohnten Geräusche von draußen gewöhnt haben, ist alles in bester Ordnung. Der tägliche Aufstieg ins Dachgeschoss kostet uns nun auch nicht mehr so viel Puste, wenn man vom Wocheneinkauf absieht. Die Schlepperei von Getränken und den täglichen Notwendigkeiten kosten mich auch jetzt noch jede Menge Kraft, aber das hält fit und macht munter. Übergewicht hat hier oben keine Chance…
So langsam neigt sich nun auch mein Dienstag dem Ende entgegen und der Mittwochsartikel steht vor seiner Vollendung. Zwar bezieht er sich nicht wirklich auf die Wochenmitte, aber nach so langer Blog-Abstinenz gab und gibt es halt doch einige Gedanken, die es wert sind/waren, hier festgehalten zu werden. Den vorgezogenen Post gibt es diesmal schon am Dienstagabend, denn morgen früh werde ich das erste Mal wieder beim morgendlichen Kaffee schön gemütlich online die Zeitung lesen und durch die Weiten des Internets schlendern. Ich habe jede Menge nachzuholen und freue mich, endlich wieder hier zu sein. Ich habe es vermisst, einfach auf die Fülle an Informationen zugreifen zu können, nach der sich mein Kopf so oft sehnt. Nirgendwo sonst finde ich Antworten auf all die Fragen, die einem unsteten Geist Nahrung geben.
So, in aller Eile habe ich nun endlich ein paar Schnappschüsse von unserer neuen Wohnung gemacht und lade das ganze Sammelsurium jetzt einfach mal hoch. Fertig sind wir noch nicht ganz, aber das wird auch noch. Im Großen und Ganzen sind wir wieder lebensfähig und fühlen uns nach so kurzer Zeit schon erstaunlich wohl hier. Abends ist es hier noch um einiges gemütlicher und ich hoffe, Ihr gewinnt auch bei Tageslicht einen angemessenen Eindruck. Viel Spaß beim Stöbern…
Das Warten hat ein Ende, denn seit heute funktioniert mein DSL-Anschluss wieder. Was lange währt, wird endlich gut. Nach ungeplanten Verzögerungen und unzähligen Telefonaten darf ich nun wieder nach Herzenslust surfen, bloggen, mailen…
Im Laufe des heutigen Abends werde ich artig die bisherigen Bilder von meiner Cam laden und hier präsentieren. Bis auf einige Kleinigkeiten ist unser Reich fertig und sehr gemütlich. Ich mache mich jetzt gleich mal an die Arbeit und bin ab jetzt wieder regelmäßig mit News aus der Ost für Euch da.
Die erzwungene Abstinenz vom Internet macht mir mittlerweile arg zu schaffen. Im Moment bin ich mittels Handy online, kann mich also nur kurz fassen. Mein DSL-Auftrag wurde beim ersten Anlauf verbummelt und ich musste alles erneut beauftragen, was mich zu weiteren 12 Tagen Wartezeit verurteilte.
Der Umzug ging ziemlich glatt über die Bühne und bis auf meine verflixten Schuhe ist auch schon alles wieder an Ort und Stelle verstaut und eingeräumt. Die Wohnung ist urgemütlich und wir fühlen uns hier schon pudelwohl. Ich genieße es unheimlich sehr, abends allein auf meiner geliebten Couch zu hocken und in 45 Decken gewickelt das Abendprogramm genießen zu können. Anlässlich der chaotischen letzten Wochen und Monate habe ich mir eine Heimkinoanlage gegönnt und finde es klasse, wenn nun Autos und Helikopter quer durchs Wohnzimmer knattern und ich im Kugelhagel keinen Kratzer abbekomme. Dolby lässt grüßen und ich habe Stunden damit verbracht, alle 692 Boxen und die dazugehörigen Kabel perfekt zu platzieren.
Ich hoffe, dass ich bald wieder regelmäßig bloggen kann, denn ich möchte Euch endlich Bilder von unserem neuen Heim zeigen. Plangemäß soll mein DSL-Anschluss nun per 07. Oktober wieder in Betrieb gehen. Sofern nicht wieder alles verdaddelt wurde, denn noch immer warte ich auf die fällige Auftragsbestätigung per Post. Bisher kam aber leider nix. Also heißt es nach wie vor warten warten warten…
Ich halte Euch auf dem Laufenden und blogge auch sofort artig, wenn alles in Sack und Tüten ist – inklusive Bilder… Versprochen!!!
da ich nicht genau weiß, ob ich morgen früh noch die Zeit finde, hier meinen morgendlichen Artikel zu verfassen, tue ich das vorsorglich jetzt. Es ist Donnerstag, der 18. September 2008 genau 20.50 Uhr. Sohnemann ist der Einzige, der noch halbwegs Normalität in seinem Zimmer genießen darf und der junge Mann macht sich gerade bettfertig. Abendessen ist erledigt, Hausaufgaben auch und morgen darf Söhnchen dann die Ruhe bei Papa/Oma genießen. Er war bei den bisher erledigten Umzugsarbeiten wirklich sehr fleißig und hat mir geholfen wie ein richtiger Mann. Artig erfüllte er alle Aufgaben, die ich ihm überlassen habe und meckerte kein einziges Mal. Seine Zahnspange hat er heute gleich komplett bekommen, womit wir nicht gerechnet hatten. Die Kieferorthopädin bat das Labor der Zahntechnik darum, das Oberteil doch bitte gleich mit fertigzustellen, da wir uns so einen weiteren Termin sparen können. Die erfüllten diesen Wunsch prompt und wir müssen nun erst wieder in sechs Wochen antreten zur Kontrolle. Die neue Spange drückt und quält den kleinen Mann ziemlich, aber er erträgt es mit Fassung. Er weiß, dass das anfangs nunmal so ist und hofft auf Besserung.
Nach getaner Arbeit im Studio haben wir zusammen heute so einiges geschafft:
Küchenschränke restlos geleert
Vorratsschrank fast vollständig transportfähig gemacht
Jalousien abmontiert (außer Kinderzimmer)
Schlafzimmer bis auf die Klamotten und meine blöde Reisematratze komplett leergeräumt
Tisch und Stühle aus der Küche geräumt
Geschirrspüler ein letztes Mal befüllt und in Betrieb genommen
Töpfe, Pfannen, Teller, Tassen, Besteck und den ganzen Kram verpackt und reisefertig gemacht
Für den morgigen Freitag ist bereits alles durchgeplant, was noch von Dringlichkeit ist und ich denke, dass ich morgen Abend maximal 2½ Minuten zum Einschlafen brauche. Meine Nacht ist gegen 5.00 Uhr vorbei und dann muss ich bis abends durchziehen. Wenn meine Organisation hinhaut, werden wir morgen folgendes erledigen:
in der neuen Wohnung Kleiderschrank aufbauen
Kabeltechnik-Kumpel überprüft, welches Material ich für zwei weitere TV-Anschlüsse benötige
Großteil der Verpflegung für Umzugshelfer/innen einkaufen
Sohnemann mit neuem Wohnungsschlüssel in den Wochenendurlaub verabschieden
Kinderzimmer komplett umzugsfertig machen
in allen Räumen Nägel, Haken und Schrauben entfernen
Badartikel weitestgehend einpacken
Küche vollständig abmontieren
Wenn ich das morgen alles schaffe, falle ich abends vollkommen platt ins Bett, aber sehe dem Samstag sehr viel gelassener entgegen. Alle angesagten Helfer haben heute ihre Teilnahme bestätigt und so treten am Samstagmorgen punkt 9.00 Uhr hier satte neun Leute an, vielleicht sogar zehn, denn einer wollte eventuell noch Verstärkung mitbringen. Sohnemanns Papa hilft auch fleißig mit, was ich bemerkenswert nett finde, denn er hat mich in solchen Situationen trotz allem nie im Stich gelassen. Absolut feiner Zug von ihm, egal was mal zwischen uns war. Er hilft mir und damit auch seinem Sohn. Solche Ex-Männer hat man nicht oft, denke ich. Wir sind dann alles in allem drei Mädels und der Rest sind alles feine Kerls, die ohne groß zu grübeln ihre Hilfe zugesagt haben. Gerne würde ich diese tollen Leute hier namentlich erwähnen, weiß aber nicht so recht, ob sie ihre Namen hier gerne veröffentlicht wissen. Es sei nur soviel gesagt, dass ich die meisten von ihnen zwar schon viele Jahre kenne, manche davon aber wiederum erst relativ kurz. Nichts desto trotz haben alle schon mehr als einmal tatkräftig geholfen und ich freue mich, solche Menschen zu meinem Umfeld zählen zu dürfen. Auf sie ist Verlass und jeder Einzelne von ihnen hat was gut bei mir. Das kann mich im Extremfall zwar die Teilnahme an mindestens neun Umzügen kosten, aber das bin ich jedem von ihnen schuldig, denn am Samstag geht’s ins Dachgeschoss und das schmerzt in allen Muskelfasern.
Ganz am Schluss möchte ich meiner Kollegin und mittlerweile guten Freundin S. und ihrem „Schatzi“ (wie sie ihn nennt), meinem Chef aufrichtig für die Unterstützung und Geduld der letzten Wochen und Monate danken. So manches Mal kroch ich auf dem Zahnfleisch zur Arbeit, konnte kaum noch geradeaus denken, vergaß sicher vieles, war oft handlungsunfähig, aber niemand war mir ernsthaft böse und man hatte Nachsehen mit mir. Ich war dünnhäutig, nervlich angeschlagen und lief wochenlang mit Scheuklappen durch die Welt, nur um nicht noch mehr in die Knie zu gehen. Alles tat weh und ich schlug um mich, wie ein verwundetes Tier. Wie oft habe ich damit genau die Beiden getroffen, die jeden Tag mit mir arbeiten mussten. Ich funktionierte auf Sparflamme, aber Kopf und Herz lagen regelrecht geprügelt vor mir auf dem Boden. Mit genügend Abstand konnte ich mich einigermaßen erholen und befinde mich mittlerweile auf einem heilsamen Weg der Besserung. Ich habe noch keine Zeit, um Kräfte zu tanken, aber die Wunden sind ganz frisch vernarbt und hören langsam auf zu schmerzen. Ich blute nicht mehr, nur noch in größeren Abständen und dann meist auch ohne Tränen. Es wird besser und das emotionale Chaos liegt hinter mir. Nur der Abstand machte das möglich. Ihr Beide habt mich dabei begleitet, mal schweigend, mal zuhörend und oft auch im Gespräch, obwohl ich zeitweise ein schrecklich sturer Gesprächspartner war, der nur noch weglaufen wollte.
Mein Dank ist nicht in Worte zu fassen und ich hoffe, dass ich eines Tages eine Möglichkeit oder einen Weg finde, um Euch meine Dankbarkeit zu zeigen, zurückgeben zu können oder anderweitig Ausdruck zu verleihen, denn Ihr habt Durchhaltevermögen und Geduld mit mir bewiesen. Und für was ich Euch alles zu danken habe, wisst nur Ihr allein. Wenn ich Euch in meinem Schmerz oft so verletzt habe, tut es mir aufrichtig leid und ich weiß nicht, ob alle Worte dieser Welt reichen, um das aufzuwiegen, was Ihr mir entgegen gebracht habt. Aber ich möchte es dennoch versuchen, irgendwann, irgendwie…
Danke auch an meine beste Freundin J., die mich so oft ertragen hat, wenn ich geflohen bin. Sie allein kann ermessen, welch schwieriger Mensch ich in solchen Lebenslagen bin und trotzdem ist auch sie geduldig und nie nachtragend. Und ich danke all denen, die mir Zuversicht und Zuspruch gaben, als ich vor dem Nichts stand. Danke Euch allen, ich bin froh, dass ich jeden Einzelnen von Euch kenne und nur zu gerne würde ich die Namen all derer nennen, die mir ihre Freundschaft und ihre Gedanken gewidmet haben.
Schwermütige Zeilen zum Abschied waren eigentlich nicht meine Absicht, als ich vor knapp zwei Stunden mit dem Schreiben begonnen habe. Mein Sohn liegt längst im Bett. Minutenlang saß ich an seinem Bett und wir plauderten ein letztes Mal vorm Einschlafen, denn heute ist seine letzte Nacht hier in diesem Mauern. Meine eigene letzte Nacht verbringe ich allein und ich bin unendlich froh, dass das Warten vorbei ist. So froh… Unser neues Leben beginnt am Samstag und wir haben sehr viel gelernt. Über Menschen und ihre Versprechungen, über Menschen mit zwei Gesichtern, über Freundschaft, über Lügner, über selbstlose Hilfsbereitschaft, über uns selbst und unser Innerstes… Wir sind vorsichtiger, dankbarer und etwas demütiger, denn wir haben im größten Schmerz genau die getroffen, die uns helfen wollten und es trotz allem noch immer tun.
Danke J.H., M.S., S.W., A.K., I.D., C.F., A.?., L.C., D.P., K., C.K., R.L., S.G.B., meiner Familie P.+J.P.S.+C.S. und allen, die ich zu so später Stunde vergessen habe.
Wir sehen uns „drüben“ in der neuen Wohnung. Und vielleicht finde ich morgen früh ein paar Minuten Zeit, Euch einen guten Morgen zu wünschen… *wink*
Mädels (und die wenigen Jungs), übermorgen geht’s endlich los. Ich hab’s satt auf dieser unbequemen Reisematratze zu schlafen, an leere Wände zu starren und über Kartons zu stolpern. Gestern war ich nochmal artig im Baumarkt, Holzschrauben holen und bin danach spontan in die Wohnung gefahren und hab’ die Dinger gleich ins Bett gedrängelt. Und Ihr glaubt es nicht, aber das Bett quietscht nicht mehr. Dafür quietschen jetzt meine Gelenke, denn ich musste mich mit meinem ganzen Gewicht gegen den Akkuschrauber stemmen, um die Scheißteile bis zum Anschlag ins Holz zu kriegen. Ich hab’ auch nicht nur zwei Stück benutzt, sondern insgesamt noch vier, damit auch ja nix mehr wackelt. Wackeln tut jetzt auch nüscht mehr, quietschen auch nicht und die restlichen Schrauben (ja, ich hab’ welche übrig) pack’ ich ins Gefrierfach, damit sie nicht schlecht werden…
Unpassenderweise wachte ich heute Morgen mit Halsschmerzen auf. Da mein Terminplaner aber auch heute wieder ziemlich voll ist, werde ich das einfach ignorieren und auch auf diese Therapie verzichten. Mir fehlt einfach die Zeit für diese homöopathischen Therapiemethoden, also werde ich den Ferrari unter den Schmerzmitteln anwenden – Aspirin. Mein Allheilmittel gegen alles was weh tut. Hilft immer, geht fix und ich kann’s alleine anwenden. Laufende Nasen – sofern sie sich noch einstellen sollten – werden mittels Tempos im Zaum gehalten und eventuell auftretender Husten kommt ohnehin erst mit Verzögerung, also stehe ich dann nächste Woche hustend auf der Leiter und streiche diese verflixten Wände hier. Hauptsache, mir fliegt beim Husten oder Niesen nicht irgendwelcher Schnodder irgendwo raus und klatscht an die frisch gestrichenen Stellen. Alles andere ist mir Latte.
Heute steht dann noch der vorerst letzte Termin beim Kieferorthopäden an. Sohnemann bekommt heute den unteren Teil seiner ersten Spange eingesetzt. Der obere Teil folgt in Kürze, da dieser noch gefertigt werden muss. Somit beginnt heute endlich die mehrjährige Therapie zur Begradigung seiner Zähne. Nicht ganz billig, aber ein schönes und ebenso gepflegtes Lächeln ist nicht mit Geld aufzuwiegen. Er steht dieser Behandlung abwartend gegenüber und lässt alles brav über sich ergehen. Bisher war es auch nicht mit Schmerzen verbunden und außer der Farbe seiner Spange gab es für ihn keine interessanten Informationen, die seine aktive Anteilnahme geweckt hätten. Da in seiner Klasse nunmehr der Großteil der Kinder ebenfalls Spangen aller Art tragen, fällt er durch seinen neuen Zahnschmuck dann auch nicht wirklich aus der Rolle. Zu meiner Zeit war man schon fast ein Exot, wenn man mit Zahnspange oder gar Brackets durch die Weltgeschichte lief. Brackets sah man nur in ganz seltenen Fällen, aber Zahnspangen gab es damals schon, wenn auch nicht in sämtlichen Wunschfarben. Es gab diese hässlichen, hautfarbenen Dinger und das war’s dann auch schon. Sohnemann hat blau gewählt und da Behandlungen dieser Art heute fast schon an der Tagesordnung sind, nimmt er die ganze Angelegenheit entsprechend ungerührt zur Kenntnis. Gut so…
Mein letzter Arbeitstag ist heute recht kurz, da ich am Dienstag schon eine Stunde rausgearbeitet habe, um heute eine Stunde eher gehen zu können. Der Termin mit Sohni lag etwas ungünstig, aber meine Lieblingskollegin steht derlei Unpässlichkeiten wunderbar unkompliziert gegenüber und unterstützt mich gerade in diesen chaotischen Tagen ohne Diskussionen mit Hilfsbereitschaft und Entgegenkommen. Dafür möchte ich ihr hier an dieser Stelle einmal allerherzlichst danken, denn heutzutage ist das wirklich nicht mehr selbstverständlich. Egal, welches Anliegen ich durch meinen bevorstehenden Umzug habe/hatte, sie machte alles möglich und hilft immer, wenn sie es möglich machen kann. Das finde ich großartig und eine bessere Kollegin kann ich mir nicht wünschen. Nebenbei eine kleine Schnatterei und ein Kaffee ist auch noch drin und so lässt sich der ganze Stress viel besser ertragen. Chefchen ist zur Zeit ein bisschen krank und bietet mit seinen glasig-fiebrigen Augen einen mitleiderregenden Anblick. Selbst ich bin geneigt, ihm Tee einzuflößen und warme Puschen an die Füße zu ziehen, aber da er diesbezüglich wirklich äußerst hart im Nehmen ist, unterlasse ich das. Er lässt trotzdem bis Ladenschluss die Maschine surren und jammert nichtmal ansatzweise. Ein echtes Arbeitstier eben und wenn er dann wirklich mal einen Tag krank macht, dann kann man nur erahnen, wie schlecht es ihm geht. Das kam bisher allerdings nur sehr sehr selten vor und solange er aufrecht gehen und sitzen kann, arbeitet dieser Mann. Zwar feiern meine Kollegin und ich auch nicht einfach krank, aber wir Mädels jammern dann schon mal gerne und tun uns gegenseitig ein bisschen leid. Das muss schon sein und geteiltes Leid ist ja auch halbes Leid. Nech…???
Ihr glaubt gar nicht, wieviel Freude es mir jeden Tag macht, dort oben im Titel die Tage rückwärts zu zählen. In Gedanken laufe ich bereits jeden Morgen durch die neuen Räume und sehe das Szenario vor mir, wie ich ständig in die falsche Richtung laufe, wenn ich nach gewohnten Dingen greife. Ich taste im Dunkeln an den falschen Stellen nach Lichtschaltern und erschrecke bei ungewohnten Geräuschen. Ich höre Schulkinder aus den Häusern kommen, denn wir wohnen ja dann in unmittelbarer Nähe und ich trage meine Kaffeetasse an einen anderen Platz. Diese Vorstellung tut mir gut und ich empfinde sie als sehr befreiend. Die letzten Tage hier kann ich trotz Umzugschaos irgendwie genießen, weil es die letzten sein werden. Es fühlt sich komisch an, ich gehe gerne, ich werde wahrscheinlich hier nicht viel vermissen. Der Duft meiner Kindheit ist längst verflogen und auch das einstige Flair der Gartenstadt ging wahrscheinlich schon vor Jahren hier verloren. Die alten Plätze, an denen wir uns als Kinder vergnügten sind kalt und unpersönlich geworden. Ich hasse es, aus meinem Munde zu hören, dass hier nichts mehr so ist wie früher. Und nun ist es durch all die Geschehnisse sogar passiert, dass ich hier nicht mehr wohnen möchte – so oder so nicht.
Ein weinendes Auge gibt es dennoch, denn die Gartenstadt ist und bleibt die Wiege meiner schönsten Kinderjahre und die guten alten Zeiten vergisst man trotz allem nicht. Wenn ich daran denke, dass ich in meiner neuen Wohnung endlich absolute Ruhe über mir habe, frohlockt mein Herz. Jeden Morgen nehme ich in den letzten Tagen intensiver wahr, wie laut die Menschen über mir sind. Mit Blick auf das stressige Ende der Woche kann ich nun sogar darüber lächeln. Wenn ich die griesgrämigen Gesichter im Haus sehe, ärgert mich keine noch so regnerische Miene mehr, denn im neuen Haus wohnen freundliche und junge Menschen, die schon vor Wochen mit freundlich-hellen Gesichtern „Hallo“ flöteten. Das macht Laune und dieses Haus scheint nicht so tot zu sein wie das hier. Zwar poltert und rumpelt es ständig über mir, aber hier in diesem Treppenhaus sieht man niemals ein Lächeln. Alles vorbei, endlich…
Trotz aller Vorfreude wird es wirklich Zeit, dass der Stress ein Ende nimmt, denn mir geht so langsam aber sicher die Energie aus. Die Motivation sinkt stetig und die Verschnaufpausen sind immer weniger erholsam. Ich werde immer vergesslicher und der nächtliche Schlaf ist nicht mehr wirklich erquickend. Ich brauche wieder meine gewohnte Ordnung und ruhevolle Wochenenden. Man reiche mir bitte einen Eimer zum Kotzen, denn überall stehen Kartons in den Ecken, Sachen stapeln sich am Boden, weil die Schränke schon fehlen. Mein „Bett“ ist eher einem Clochard würdig und die allmorgendliche Wühlerei in den Wäschebergen geht mir gewaltig auf den Sender. Ich will endlich wieder richtig wohnen und leben. Morgens beschwingt aufstehen, fröhlich pfeifend durch die Wohnung tippeln, Kaffee schlürfend, langsam aufwachend und die frische Morgenluft schnuppernd. Aber bitte ohne Kisten und Säcke in allen Ecken, ohne provisorisch gelagerte Wäsche, ohne spärlich bestückte Schubladen und Schränke und auch ohne randvollen Terminkalender, der die Tage weit im Voraus schon zu Arschlochtagen macht. Am Sonntag fange ich gleich damit an, so ein ganz klein wenig zumindest…
Heute gibt’s mal ein Lied, bei dem mir vollkommen Wurscht ist, was die kleine Frau da singt, mir gefällt die Melodik und ich singe bei diesem Lied nie mit, nein, ich pfeife… Ehrlich… Warum? Weiß ich beim besten Willen nicht, ich pfeife ganz automatisch mit, geht nicht anders…
Guten Morgen, meine Damen (und die vereinzelten Herren)… Nun ist Gott sei Dank die letzte Woche hier in dieser verkackten Wohnung angebrochen und trotzdem noch sehr viel zu tun ist, bin ich heilfroh, dass das Ende in greifbare Nähe gerückt ist. Die letzten Wochen zogen sich wie Kaugummi und erschienen mir fast endlos. Neben mir steht frisch gekochter Kaffee und die Nachbarschaft schläft noch. Meine Nächte werden immer kürzer, denn so langsam sehne ich mich dann doch nach der Gemütlichkeit meines Bettes. Die Reisematratze tut zwar ihren Dienst, aber da sie auf dem Boden liegt, registriert man leider jeden Schritt innerhalb des ganzen Hauses. Selbst die leichten Vibrationen durch Schritte in der Wohnung spürt man und so ist an erholsamen Schlaf nicht zu denken. Nächste Woche um diese Zeit liege ich voraussichtlich noch selig schlummernd in meinem Bettchen. Meinen Urlaub kann ich zwar nicht genießen, aber zumindest muss ich dann hier nur noch wenige Stunden des Tages verbringen, um die Wände zu streichen.
Seit einer guten halben Stunde bin ich nun wach und genieße noch etwas die Ruhe, die noch über der Stadt liegt. Man mag mich für verrückt erklären, aber ich liebe es, so früh aufzustehen und den Morgen erwachen zu sehen. Alles ist so wunderbar still und man ist regelrecht gezwungen, leise und behutsam den Tag zu beginnen. In warme Puschen und meinen furchtbar rosafarbenen Bademantel gewickelt, sitzte ich dann hier am Laptop und blogge nach Herzenslust. Nur morgens habe ich diese Zeit und niemand stört mich. Der Kaffee schmeckt um diese Uhrzeit besonders gut und ich habe nicht einmal das Bedürfnis nach Beschallung aus irgendeinem Radio. Welche Katastrophen sich im Laufe der Nacht weltweit ereignet haben, erfahre ich spätestens im Studio, da dort meist das Radio läuft. Ohnehin ändert das Wissen darum nichts an der Tatsache, was wann wo warum geschieht, also halte ich mir das noch ein paar Stunden vom Leibe. Hätte mir vor 15 Jahren jemand prophezeit, dass ich eines Tages Frühaufsteher sein würde, hätte ich ihn für verrückt erklärt, aber die Stunden vor dem Erwachen der Stadt sind die schönsten, die stillsten und ruhevollsten Momente des Tages.
Söhnchen schläft noch und hat gestern begeistert festgestellt, dass er mit seinem Teleskop bis zum anderen Ende der Stadt schauen kann. Vor 1½ Jahren habe ich ihm dieses Gerät zu Weihnachten geschenkt, zusammen mit einigen Büchern über die Sternenguckerei. Damals wohnten wir teleskoptechnisch ungünstig und er konnte leider nur den Nachbarn auf die Teller schauen. Als wir dann hierher zogen, wohnten wir anfangs im Erdgeschoss, also wieder Fehlanzeige. Der letzte Umzug brachte dahingehend auch nicht die Erfüllung, erweiterte jedoch sein Blickfeld um wenigstens ein paar Häuser. Nun jedoch genießt er von seinem neuen Zimmer aus den freien Blick über die gesamte Stadt und kann tatsächlich bis zum Stadtrand sehen. Mit ein paar Einstellungen und etwas Geduld brachten wir es dann gestern zustande, dass er doch tatsächlich bis zum Bärensteinturm sehen konnte, auf dem sogar deutlich Leute zu erkennen waren, die den Turm bestiegen. Ich muss sagen, dass ich nicht erwartet habe, dass man mit diesem „Kinderspielzeug“ durchaus so weit schauen kann, denn wir wohnen ja nun doch am komplett anderen Ende der Stadt. Sohnemann „erschrak“ regelrecht, wie nah plötzlich die Häuser unterhalb des Oberen Bahnhofes rückten. Die Punkthäuser waren ganz deutlich zu erkennen und man hätte Menschen hinter deren Fenstern erkennen können, wenn sich mal einer erbarmt hätte, durch die Gardinen zu winken.
Auf jeden Fall war Sohnemann hellauf begeistert, dass er nun endlich sein Teleskop angemessen einsetzen kann und wartet schon sehnsüchtig darauf, dass er den Mond näher untersuchen kann. Ich hingegen werde mich auf den Blick in den Fernseher oder ein gutes Buch beschränken, wenn ich freue mich schon jetzt darauf, abends auf meiner Couch in eine Decke gewickelt zu sitzen und mein neues Leben hoch oben über den Dächern von Plauen zu genießen. Niemand hopst bis spät abends über mir durch die Wohnung, niemand lässt die Lampen in aller Herrgottsfrühe mehr wackeln, denn meine derzeitigen Noch-Obermieter sind dahingehend wirklich rücksichtlos, obwohl ich diesbezüglich weiß Gott nicht zimperlich bin. Aber der Lärmpegel aus der oberen Wohnung grenzt oft schon an Unverschämtheit, denn so manches Mal flackert wirklich das Licht unter den Erschütterungen. Jetzt ist es 5.45 Uhr und man hört schon wieder lautes Getrampel dort oben. Oft genug wachte Sohnemann am Sonntagmorgen genau davon auf und das will angesichts seines wahrhaft gesundes Schlafes wirklich was heißen. Ab nächste Woche ist das vorbei – endlich…
So langsam erwacht nun auch der Rest der Stadt und ich werde mich meinem Umzugschaos und dem Schmieren von Schulbrötchen widmen. Und weil Sohnemann maßgeblich daran beteiligt ist, dass wir den Stadtteil wechseln und weil er sich noch mehr Ruhe als ich verdient hat, gibt’s heute das Lied, bei dem er vor mehr als zwölf Jahren das Licht der Welt erblickt hat. Dieses Lied dudelte gerade aus dem Radio am meinem Bett, als er sein Köpfchen in die große Welt reckte…
Badmöbel gleich zur Wohnung gefahren und aufgestellt
Trockner nochmal befüllt und in Gang gesetzt
Elektrikerkumpel alarmiert, weil ich noch eine Steckdose in der Küche brauche
Das reicht für den eigentlich arbeitsfreien Sonntag. Zwischendurch Kaffeekränzchen mit S. und M., Couch und Küchentisch unvorhergesehen abgestaubt und auf dem Rückweg gleich nochmal überprüft, ob wir das auch stellen können – klappt. Alles in allem war der Tag etwas ruhiger als die vorangegangenen Tage, aber das ist nur die Ruhe vor dem Sturm, denn die vor uns liegende Woche wird nochmal richtig stressig. Zu erledigen wäre noch:
Kleiderschrank aufbauen
Küche abbauen
Kabelanschluss in Kinderzimmer und Schlafzimmer installieren
Steckdose in Küche installieren
Kieferorthopäde am Donnerstag
Termin bei Behörde am Mittwoch
verbliebene Sachen verpacken und eintüten
Samstag Umzug
Es werden aber darüber hinaus noch jede Menge andere Dinge anfallen, die mir den letzten Nerv rauben, da bin ich mir gaaanz sicher…
Sehnsüchtig habe ich ihn erwartet und nun ist er da – der letzte Sonntagmorgen hier in dieser Wohnung. Müde aber nicht weniger motiviert als gestern bin ich gegen 6.30 Uhr aufgestanden und habe mir für heute zum Ziel gesetzt, zusammen mit Sohnemann in die neue Wohnung zu fahren und dort sein Hochbett aufzustellen. Die Einzelteile befinden sich schon drüben, nur zusammengebaut ist es noch nicht. Letzten Sonntag habe ich dort bereits ganz allein mein Bett montiert, also kriegen wir das heute auch alleine hin, denke ich. Ich habe während der letzten Tage bewusst niemanden um Hilfe gebeten, da der kommende Samstag meinen Helfern wahrscheinlich alles an Kraft und Energie abverlangt, was menschenmöglich ist, denn immerhin ziehen wir ins Dachgeschoss. Die Schlepperei unters Dach kostet jede Menge Schweiß und macht ganz sicher Muskelkater bis zum umfallen, also bewältigen wir weitestgehend alles im Alleingang. Noch immer habe ich offenbar Reserven und die nutze ich aus, Tag für Tag. Die Jalousien nehme ich heute ab, nur bei Sohni bleiben sie bis Freitag dran. Ich möchte auch so einiges an Kleinkram schon mit rüber nehmen.
Auf jeden Fall muss meine blau leuchtende Nachtlampe mit und einige Verteiler, damit es am und unterm Bett endlich wieder blau leuchtet. Installiert habe ich alles, aber das Kabel ist zu kurz. Am liebsten würde ich auch gleich mit Bohrmaschine und Leiter bewaffnet meine hübschen Holzjalousien drüben am Logia-Fenster montieren, aber sonntags darf man ja nicht bohren und ich will’s mir nicht schon vor dem Einzug mit den neuen Nachbarn verscherzen. Ich bin ja schon froh, dass im neuen Haus überwiegend junge Menschen wohnen, denn hier im alten Haus gibt es nur komische Leute, bei denen das höfliche Lächeln schon schwer fällt. Überhaupt ist das Leben in der guten alten Gartenstadt nicht mehr das, was es einmal war. In Kindertagen kannte ich hier jedes Gesicht und man lebte hier wie in einer kleinen eigenständigen Stadt. Es war einfach schöner als anderswo und man lächelte sich zu, wenn man sich begegnete. Man kannte sich halt und Nachbarschaft war etwas tolles hier. Diese Zeiten scheinen vorbei zu sein. Jeder schließt griesgrämig seine Tür hinter sich, keine nette Plauderei, kein unnötiges Lächeln, kein Leben mehr vor den Haustüren. Alles ist anders geworden, seit die Alteingesessenen hier kurz nach der Wende wegzogen. Schade…
Als ich vor 1½ Jahren hierher zurück zog, freute ich mich auf die guten alten Zeiten. Vereinzelt sieht man zwar noch einige der alten Bewohner, aber größtenteils sind hier nur noch zugezogene Leute und die verstehen nichts von den alten Gepflogenheiten in diesem Wohngebiet. Erst gestern erfuhr ich wieder etwas Neues über „mein“ Wohngebiet. Das Wohnen hier war in den Dreißiger Jahren nur Angehörigen der Wehrmacht vorbehalten, da diese Häuser damals neu und überaus modern ausgestattet waren. Zwar ist dies kein rühmlicher Gesichtspunkt, aber ich bin der Geschichte der Gartenstadt gegenüber sehr wissbegierig und lauschte mit Interesse den Ausführungen des Erzählers. Hier ist nun mal die Wiege meiner schönsten Kinderjahre, da meine Großeltern hier über 40 Jahre lebten. Meine erste Wohnung befand sich hier und im Laufe der Jahre schleppte ich meine Habseligkeiten in vier verschiedene Wohnungen innerhalb dieser Siedlung. Nun verlasse ich sie – wahrscheinlich ein letztes Mal, denn hier leben möchte ich nach all den Geschehnissen nicht mehr. Dass das Sackpimmelarschloch das geschafft hat, ist eigentlich das Schlimmste, denn ich war immer gerne hier. Jetzt leider nicht mehr. Ich möchte hier nicht mehr leben, nicht mehr aus dem Fenster sehen und nicht mal mehr tot überm Zaun hängen. Aus und vorbei…
Aber die Septembersonne lacht heute mal wieder und wir beginnen morgen die allerletzte Woche hier, denn heute ist der letzte Sonntag, an dem wir hier die Augen geöffnet haben. Und weil’s so schön schräg ist, gibt’s heute einen uralten Schlager, der zur Zeit mein Klingelton ist. Lustig, absolut unpassend für mich, aber irgendwie schon wieder so doof, dass es schön ist… Nein, das müsst Ihr nicht verstehen…
Wie heute morgen angekündigt, präsentiere ich nun fix mein Tagwerk hier. Sohnemann war furchtbar fleißig und hat seine Spielsachen akribisch ausgemistet und ich habe mich in allen Räumen gleichzeitig betätigt und wirklich viel bewerkstelligt. Aber seht selbst, das Umzugszimmer war – bis auf drei vorhandene Kartons – seit letztem Wochenende nahezu schon leer, da wir ja letzten Samstag schon eine Fuhre in die neue Wohnung transportiert haben. Ich bitte um Nachsicht, denn ich habe die Bilder nur mit dem Handy geknipst. War zu stinkig, extra die Digitalkamera herauszukramen.
So, der Samstag ist angebrochen und mich erwartet richtig viel Arbeit. Ich habe mir vorgenommen, das Schlafzimmer weitestgehend leerzuräumen, Kinderzimmer ebenfalls und abgesehen vom Fernseher im Wohn- und Kinderzimmer alle elektrischen Geräte inzwischen abzuschließen und ins Umzugszimmer zu verfrachten. Wenn ich das alles dann vor 22.00 Uhr hinkriege, flitze ich noch runter ins Kaufland und kaufe ein paar Kleinigkeiten für’s Wochenende ein bzw. werde ich wohl meine Arbeit für eine Stunde unterbrechen müssen, schätze ich. Nebenher muss die Waschmaschine und der Trockner laufen und Sohnemann darf in der Zwischenzeit ebenfalls mit anpacken, denn ich gedenke keinesfalls, all sein – zum Teil wirklich ausgedientes – Spielzeug mit in die neue Wohnung zu schleppen. In der Küche werde ich eine weitere Kiste füllen, denn mittlerweile brauchen wir dann doch nicht mehr alles, was ich noch draußen gelassen habe. Plangemäß muss bis Freitag alles verstaut sein, was wir nicht mehr unbedingt zum Leben benötigen. Genau heute in einer Woche stehen dann die ersten Umzugshelferlein vor der Türe und ich hoffe, dass wir die Schlepperei schnellstmöglich über die Bühne bringen, damit genügend Zeit bleibt, einen Großteil dessen in der neuen Wohnung gleich wieder an Ort und Stelle zu montieren.
Sohnemann schlummert noch friedlich und ich schleiche solange leise durch die Wohnung, da auch der kleine Mann etwas unter dem Chaos leidet. Ach ja, die Jalousien in allen Räumen könnte ich ja heute auch gleich abnehmen. Abends wird es jetzt eh wieder früher dunkel und morgens ist es länger finster. Wozu also den unnötigen Schnickschnack noch hängen lassen. Bad und Kinderzimmer werde ich vorerst noch so belassen, denn niemand will eine Frau N. nackt sehen und Sohnemann soll so lange wie möglich halbwegs Normalität in seinem Zimmer haben. Dort kann ich sie kommenden Freitag abnehmen, da er dann zu Oma/Papa fährt. Endlich kann ich auch meine Akten wegräumen, da der Behördenwahnsinn ja bis auf weiteres erstmal erledigt ist – wurde auch Zeit. Ummelderei und beantragen sämtlicher Notwendigkeiten habe ich ja in den vergangenen Tagen und Wochen erledigt und nun kann ich mich voll und ganz auf den Rest konzentrieren, wenn man mal von den Terminen beim Kieferorthopäden absieht. Bestimmt habe ich in all der Hektik irgendwas wichtiges vergessen, aber das sieht mir ähnlich. Spätestens nächste Woche werde ich das dann merken.
So, liebe Leute, auch wenn Ihr derzeit vielleicht den Humor in meinem Blog vermisst, soll’s das für heute erstmal gewesen sein. Bald wird es sicher hier wieder lustiger, aber solange ich diese verflixten Schlüssel hier noch am Bund habe, heißt es in die Hände spucken. Wenn etwas Zeit bleibt, schieße ich von meinem Tagwerk ein Bild und lasse Euch teilhaben. Wir werden sehen…
Vor uns liegt ein Wochenende voller Arbeit und zugleich ist es das letzte Wochenende, das wir hier verbringen (müssen). Umgemeldet ist nun soweit alles und ich hoffe, dass all das reibungslos über die Bühne geht. Plangemäß sollen Kabelfernsehen und auch DSL in der neuen Wohnung am nächsten Freitag ans Netz gehen. Abgeschaltet wird hier dann erst am Montag danach, sofern alles so klappt, wie ich das in Auftrag gegeben habe. Nächste Woche arbeite ich dann etwas chaotisch, da ich noch einen weiteren Termin beim Kieferorthopäden mit Scott wahrnehmen muss. Dieser fällt ausgerechnet auf den Sch-La-Do und so ist nächste Woche Sch-La-Mi. Regelmäßige Leser wissen, was das heißt. Freitag nächster Woche ist dann zwar Urlaub angesagt, aber diesen werde ich mit dem Abbau der gesamten Küche verbringen. Wir befinden uns also in den wirklich letzten Zügen dieses verdammten Umzugs. Stresssymptome zeige ich bisher noch keine nennenswerten, außer dass ich ein bisschen chaotischer als sonst agiere.
Für dieses Wochenende haben wir uns das Kinderzimmer vorgenommen. Das heißt Kisten mit Spielzeug entrümpeln und verpacken. Wenn das getan ist, bleibt nicht mehr viel in diesem Zimmer zu tun, da das Bettgestell und auch der Großteil der Anziehsachen bereits rausgeräumt sind. Die Schulsachen werde ich in Karton stecken und einstweilen offen lassen. Mein Schlafzimmer gleicht ja seit spätestens letztem Wochenende einem mittleren Chaos und hier werde ich bis auf das Nötigste auch alles in Säcken verstauen, damit ich endlich wieder Land sehe. Im Wohnzimmer gibt es nicht mehr viel zu tun. Der Wohnzimmerschrank ist bereits leer und an den Wänden pieksen auch nur noch vereinzelt Nägel aus der Wand. Am meisten graut mir vor der Woche nach dem Umzug. In der neuen Wohnung weiterhin Chaos und ich muss dort erstmal alles brachliegen lassen, um hier die Wände zu streichen. Ich hasse die Vorstellung, Geld und Arbeit in etwas investieren zu müssen, was nicht der Zukunft sondern der Vergangenheit dient. Nein, das hat nichts mit Sentimentalität zu tun, sondern das ist reiner Pragmatismus. So als würde man eine zerschlissene Jeans extra zum Ausbessern in die Schneiderei bringen, um sie dann in ordnungsgemäßem Zustand in den Müll werfen zu können. Ich hasse diese Vorstellung und alles in mir sträubt sich gegen diese Malerarbeiten. Aber leider muss das sein und wenn der letzte Pinselstrich getan ist, entledige ich mich aller Schlüssel und verschwinde hier auf Nimmerwiedersehen.
Erst dann kann ich endlich mit dem Einrichten und Werkeln in der neuen Wohnung beginnen, denn mir hängt die Zeit im Nacken. Am 30. September ist Deadline, der Mietvertrag endet und alles muss hier erledigt sein. Daher habe ich während der gesamten folgenden Woche nach dem Umzug Urlaub genommen. Mein diesjähriger Urlaub war ohnehin der totale Reinfall. Die erste Woche hatte ich im Juli, verkroch mich außerhalb dieser Wohnung, um all dem Beziehungsstress hier zu entgehen. Und nun muss ich die zweite Woche ebenfalls in gewisser Weise in das Ende dieser verkackten Beziehungskiste investieren. Das ärgert mich über alle Maßen, aber wenigstens beziehe ich aufgrund der ganze Scheiße eine wirklich entzückende Wohnung. Alles neu, alles meins…
Ich verbrenn’ mein Studio, schnupfe die Asche wie Koks.
Ich erschlag’ meinen Goldfisch, vergrab’ ihn im Hof.
Ich jag’ meine Bude hoch, alles was ich hab’, lass’ ich los.
Mein altes Leben schmeckt wie ‘n labriger Toast.
Brat’ mir ein Pracht-Steak, Peter kocht jetzt feinstes Fleisch.
Ich bin das Update, Peter Fox 1.1
Ich will abshaken, feiern, doch mein Teich ist zu klein.
Mir wächst ‘ne neue reihe Beißer wie bei dem weißen Hai.
Gewachst , gedopet , poliert, nagelneue Zähne.
Ich bin euphorisiert und habe teure Pläne.
Ich kaufe mir Baumaschinen, Bagger und Walzen und Kräne.
Stürze mich auf Berlin, drück’ auf die Sirene.
Ich baue schöne Boxentürme, Bässe massieren eure Seele.
Ich bin die Abrissbirne für die d-d-d-deutsche Szene.
Hey, alles glänzt, so schön neu.
Hey, wenn’s dir nicht gefällt, mach neu.
Die Welt mit Staub bedeckt, doch ich will seh’n wo’s hingeht.
Steig auf den Berg aus Dreck, weil oben frischer Wind weht.
Hey, alles glänzt, so schön neu.
Ich hab’ meine alten Sachen satt und lass’ sie in ‘nem Sack verrotten.
Motte die Klamotten ein und dann geh’ ich nackt shoppen.
Ich bin komplett renoviert, Bräute haben was zu glotzen.
Kerngesund, durchtrainiert, Weltmeister im Schach und Boxen.
Nur noch konkret reden, gib mir ein Ja oder Nein.
Schluss mit Larifari, ich lass’ all die alten Faxen sein.
Sollt’ ich je wieder kiffen, hau’ ich mir ne Axt ins Bein.
Ich will nie mehr Lügen, ich will jeden Satz auch so meinen.
Mir platzt der Kopf, alles muss ich verändern.
Ich such’ den Knopf, treffe die mächtigen Männer.
Zwing’ das Land zum Glück, kaufe Banken und Sender.
Alles spielt verrückt, zitternde Schafe und Lämmer.
Ich seh’ besser aus als Bono und bin ‘n Mann des Volkes.
Bereit die Welt zu retten, auch wenn das vielleicht zu viel gewollt ist.
Hey, alles glänzt, so schön neu.
Hey, wenn’s dir nicht gefällt, mach neu.
Hier ist die Luft verbraucht, das Atmen fällt mir schwer.
Bye Bye, ich muss hier raus, die Wände kommen näher.
Die Welt mit Staub bedeckt, doch ich will seh’n wo’s hingeht.
Steig auf den Berg aus Dreck, weil oben frischer Wind weht.
Hey, alles glänzt, so schön neu.
Leser meines alten Blogs wissen vielleicht noch, was „Sch-La-Do“ ist. Für alle Neulinge hier nochmal die Erklärung. Zwar ist meine berufliche bessere Hälfte nun hinreichend und bestens geschult, aber da Chef nach wie vor donnerstags ausspannt bzw. seine Erledigungen macht, ist der Donnerstag immer auch Nyíri-Tag. Da wir heute wieder so einiges auf dem Plan stehen haben, war meine Nacht schon 5.00 Uhr vorbei. Gestern Abend bin ich deshalb schon kurz nach 21.00 Uhr mit den Hühnern ins Bett gegangen und auch sofort entschlummert. Pünktlich 4.47 Uhr war ich hellwach, da meine innere Uhr immer ein paar Minuten vorgeht. Diesmal habe ich auch nicht erst 16x die Schlummertaste gedrückt, sondern bin nach ca. zwei Minuten artig aufgestanden, habe meine Kaffeemaschine in Gang gesetzt und werde in ca. einer halben Stunde duschen gehen, da wir um 7.30 Uhr schon wieder beim Kieferorthopäden antreten müssen. Gestern hat Sohnemann einen seltsamen blauen Gummi zwischen die hinteren Backenzähne geklemmt bekommen, der heute wieder entfernt wird. Anschließend werden erneut zwei Abdrücke von seinem Gebiss gemacht, dann dürfen wir wieder gehen.
Nächsten Freitag dann wird der untere Teil seiner ersten Zahnspange eingesetzt. Der obere Teil folgt dann, sobald er fertig ist. Sobald wir den Termin heute hinter uns haben, liefere ich Sohnemann in der Schule ab und düse zurück in die Stadt. Möchte vor der Arbeit noch ein paar kleine Erledigungen machen und dann muss ich pünktlich um 11.00 Uhr auch schon das Studio aufsperren. Vorher möchte ich aber unbedingt meinen DSL-Anschluss ummelden, denn er ist in vielen Bereichen meine Verbindung zur Außenwelt. Nur so kann meine Familie im Saarland kontinuierlich an der Entwicklung unseres neuen Lebens teilnehmen. Die Zeit zum Briefeschreiben und Photosentwickeln fehlt mir und dauert mir auch viel zu lange. Also tipper ich hier (fast) täglich die News aus Plauen und stopfe ein paar Bilder in die Beiträge. Mama und Anhang freuen sich und können teilhaben. Die Technik macht’s möglich und die nutze ich ausgiebig.
Heute Morgen drängten sich schon wieder die Grübeleien in meinen Kopf, aber heute Morgen war ich auch in der Lage zu sagen „Nein, heute nicht…“. Ich will heute nicht grübeln, nachdenken oder gar irgendwas oder irgendwem nachtrauern. Nein, Schluss damit… Ich habe genug um die Ohren und kann solche erdrückenden Gedanken wirklich nicht gebrauchen. Im Studio wartet genug Arbeit auf mich und zuhause auch. Und in meinem Leben und meinem Kopf ist kein Platz mehr für Schwätzer, deren Worte keinen Wert haben. Respekt kann ich vor solchen Menschen ohnehin nicht haben, also sind sie auch keinen einzigen Gedanken mehr wert. Dieser Herr hat sich als ernst zunehmender Mensch auf ganzer Linie selbst disqualifiziert. Tzzz…
Königin von Scheißegalien, ja das bin ich in diesen Tagen und es tut sooo gut.
Gnihihi… Schaut mal rechts auf den Mini-Countdown! Nun befinden wir uns in der letzten heißen Phase vor dem Umzug. Mit der magischen „10″ beginnt doch jeder Countdown, nicht wahr? Ob es Raketenstarts sind, Domino-Day bevor der erste Stein angeschubst wird, Jahreswechsel oder die Olympischen Spiele, Welt- oder Europameisterschaften – überall zählt man von 10 auf 0… Und das tun wir ab heute auch. Es sind nur noch zehn Tage bis wir diese Mauern hier endgültig verlassen und zum ersten Mal in unserer neuen Hütte schlafen dürfen. Zehn Tage voller Stress und Arbeit. Aber in zehn Tagen beginnt unser neues Leben. Nie wieder aus diesen Fenstern schauen, nie wieder durch diese Räume gehen mit Wehmut, nie wieder die leeren Stellen an den Wänden betrachten wo einst Bilder hingen, nie wieder aufschrecken, wenn man vermeintlich vertraute Geräusche irgendwo hört, nie wieder auf dieses verdammte Namensschild am Briefkasten starren, nie wieder daran denken müssen, wie man diesen und jenen Nagel in die Wand schlug. Nie wieder… Es tut gut, zu wissen, dass all das nun in zehn Tagen ein Ende findet.
Endlich hier raus, endlich keine unnötigen Erinnerungen mehr und endlich alles hinter uns lassen können. Der Keller ist bereits besenrein, eine Sorge weniger. Meine Bücher befinden sich nun auch schon in der neuen Wohnung und der Rest meines Hausstandes wird in den kommenden Tagen restlos verstaut. Am kommenden Wochenende misten Sohnemann und ich sein Spielzeug aus und verknoten den brauchbaren Rest ebenfalls in Kisten und Säcke. Schritt für Schritt nach vorne, kein Zurück mehr.
Am frühen Nachmittag nehmen wir dann heute einen Termin beim Kieferorthopäden wahr, denn Sohnemann bekommt am 18. September seine erste Zahnspange – vorbereitend auf die Brackets, die ihm zu einem ansehnlichen und wohlgeratenen Gebiss verhelfen sollen. Zwar ist der Fehlstand seiner Zähne nicht wirklich dramatisch, aber es spricht nichts gegen schöne und gerade Zähne, denken wir und in 3-4 Jahren ist die Behandlung abgeschlossen, wenn alles planmäßig verläuft und Sohnemann gewissenhaft den Behandlungsplan befolgt. Mit etwas Glück und der nötigen Geduld hat er dann mit etwa 15-16 Jahren wunderbare Zähne und kann die Mädchenwelt mit seinem Lächeln um den Verstand bringen.
So, vorhin bin ich trotz Muskelkater und chronischer Unlust dann doch rüber in unser neues Paradies gefahren und habe ganz alleine und ohne größere Zwischenfälle mein Bett aufgebaut. Nix wackelt, quietscht oder klappert. Ich bin stolz wie zehn nackte Neger auf mein Werk und habe sogar das indirekte blaue Licht unter’m Bett wieder ordnungsgemäß installiert. Leider hatte ich kein Verlängerungskabel mit, um alles gleich anzuschließen, aber das hole ich natürlich nach. Den Schrank konnte ich alleine nicht aufbauen, da ich leider nur über zwei viel zu kurze Arme verfüge. Das wird dann sicher in den kommenden 14 Tagen erledigt. Minutenlang stand ich stolz in der Tür und habe mein Bett betrachtet. Ich gestehe, dass ich auch eine halbe Stunde drin lag und durch die Dachfenster in den Himmel geschaut habe. An der Klingel neben der Wohnungstür prangt nun auch unser Name, dort fehlte er noch. Für dieses Wochenende soll’s genug mit Arbeit gewesen sein, jeder Knochen im Leib schmerzt und als ich vorhin die ersten Stufen Richtung Haustür runterhüpfen wollte, stöhnte ich vor lauter Schmerzen auf. Der gestrige Arbeitseinsatz fordert seinen Tribut. Aber wir sind ja nicht aus Zucker, nech??? Hier nun zwei Bilder vom aufgebauten Bett…
Gestern verluden wir nun die zerlegten Schlafzimmermöbel in den Transporter, packten noch sämtlich fertigen Kisten dazu, oben drauf die ganzen Säcke und los ging’s Richtung neue Wohnung. Dort angekommen sprangen wir voller Tatendrang aus den Autos, packten jeder das erstbeste Stück und hasteten die Stufen nach oben unters Dach. Keuchend sahen wir uns an und lachten, weil keiner mehr imstande war, ein Wort zu sagen, ohne zwischendurch 3x Luft zu holen. Zu dritt flitzten wir nun unzählige Male die Treppen hoch und runter. Der Schweiß lief in Strömen und das fleißige Bienchen C. gab nach der Hälfte des Marathons auf. Entkräftet lag sie auf dem Teppich meines neuen Wohnzimmers und bewegte sich nicht mehr. Also rafften Bienchen A. und ich noch so einige Male allein die Kräfte zusammen und leerten den Transporter vollständig aus. Komplett am Ende saßen wir nun oben unterm Dach und waren zu keiner Bewegung mehr fähig. Der Hunger plagte uns nicht weniger als der Durst, also schleppten wir uns mit letzter Kraft hinunter und organisierten ein deftiges Mahl, damit wir uns stärken konnten. Völlig erschossen saßen wir dann in meiner alten Bleibe und so langsam fing jeder Muskel und jeder einzelne Knochen an zu schmerzen. Aber wir waren stolz wie Oskar über die erbrachte Leistung. Nur den Aufbau der geschleppten Möbelteile haben wir von der Liste gestrichen, denn das hätte ein Chaos ergeben. Macht nix, wir haben auch so enorm viel und mehr als erwartet geschafft. In zwei Wochen dann fahren wir den ganzen Rest und dann ist der schlimmste Spuk vorbei.
So, Kleiderschrank, Sohnemanns Bett und mein Bett sind fachgerecht zerlegt und stehen zur Abholung bereit. Nach einer Ganztagsschicht und diversen Behördenärgernissen vor dieser Schicht haben das fleißige Bienchen C. und meine Wenigkeit meine Schlafzimmermöbel und Sohnemanns Schlafmobiliar noch auseinander gebaut und bringen diese Sachen dann planmäßig morgen in unsere neue Wohnung, um sie dort im besten Falle auch gleich morgen wieder aufzubauen. Sohni verbringt sein Wochenende bei Papa bzw. Oma und kriegt von dem häuslichen Chaos hier nur das Nötigste mit.
Lieben Dank auch an meine Familie im Saarland, die mir heute nicht zum ersten Mal bewiesen hat, dass sie immer für mich da sind.
Liebe Mama, lieber Harry und liebes Schwesterlein… Ich bin dankbar und froh, Euch an meiner Seite zu wissen und schicke Euch tausend Küsse. Ich darf mich glücklich schätzen, auch auf meine Familie zählen zu können, wenn sie hunderte von Kilometern weit weg sind.
Unglaublich… Ich habe seit vielen Monaten mal wieder durch geschlafen. Es ist gut ein halbes Jahr oder noch länger her, dass ich eine ganze Nacht bis zum Morgen komplett durch geschlafen habe. Tolle Sache an sich, aber kann das nicht mal passieren, wenn morgens der Wecker nicht klingelt? Völlig entgeistert habe ich vorhin auf den Wecker gestarrt und angestrengt überlegt, ob ich nachts wach war. Nein, war ich definitiv nicht. Sonst ja immer, mehrmals, fast stündlich und man gewöhnt sich leider daran. Nicht so diese Nacht. Wie ein Stein muss ich da gelegen haben. Ich gebe Euch dann Bescheid, wenn ich das nächste Mal irgendwann im Spätfrühling mal wieder so schön ruhig geschlafen habe. Aber dann kann ich während meiner unruhigen Nächte wenigstens in den Himmel glotzen und Sterne zählen, weil ich über meinem Bett dann zwei schicke Dachfenster habe. Ist doch auch was…
Heute nochmal eine komplette Schicht, weil Chef mit Kind und Kegel in Reutlingen auf Convention ist. Ich hoffe, dass sich wenigstens 25 Leute zum Piercen einfinden, damit sich der Tag lohnt. Danach heißt es nach Hause düsen, Handwerkerklamotten über den Arsch ziehen und Möbel abbauen. Morgen dann alles in die neue Wohnung fahren und dort gleich wieder aufbauen. Mal sehen wieviel wir schaffen. Wollen den Aufwand in 14 Tagen etwas minimieren, denn mit der Küche werden wir dann genug Arbeit haben. Geplant sind für dieses Wochenende die Betten von Sohnemann und mir, der Kleiderschrank und eventuell noch ein paar Kleinteile. Ob wir meinen Wohnzimmerschrank noch transportabel zerlegt kriegen bzw. in die neue Wohnung schleifen, weiß ich nicht, aber hoffen darf man ja. Und lustig wird’s allemal, denn wenn zwei Weiber mit Akkuschrauber und Handwerkszeug hantieren, gibt’s immer Verletzte, Schrammen im Holz oder aber jede Menge zu lachen.
Ich habe eeendlich meine Schlüssel und nun können wir unaufhaltsam in unser neues Leben starten. Wie versprochen, habe ich auch die ersten Bilder geschossen und darf Euch mein Schmuckstück präsentieren. Viel Spaß beim Stöbern. Weitere Bilder folgen in regelmäßigen Abständen, sofern Veränderungen vorgenommen wurden…
Wie bereits erwähnt, bekommen wir ja morgen unsere Schlüssel und anlässlich dieser überaus erfreulichen Nachricht hat mich heute nach Feierabend erneut der Arbeitseifer gepackt. Weitere vier Kartons warten nun im Umzugszimmer auf ihren Abtransport. Hossa…
Morgen werde ich dann – sofern ich es nicht zum x-ten Male vergesse – endlich ein paar Bilder von den (noch leeren) Zimmern der neuen Bleibe knipsen und selbstverständlich auch hier präsentieren. Es entsteht hoffentlich eine anschauliche Photostrecke über die kommenden Tage und Wochen.
Jetzt muss Madame noch einen kleinen Happen essen und schlüpft dann einigermaßen zufrieden und zuversichtlich unter ihre warme Decke.
Die Schmerzen, die Sorgen, sind Gefährtinnen der Nacht,
die Unruhe ist ihre Tochter,
trotz aller Stille…
Sie beginnen lange vor Sonnenaufgang. Sie beginnen mit Tränen. Sie beginnen mit trüben Gedanken. Sie beginnen auf eine Weise, die niederschmetternd ist. Man denkt über die Menschen nach, die einem im Laufe des Lebens begegnet sind. Die freundlichen, die komplizierten, die anstrengenden, die penetranten, die liebevollen, die verlogenen, die loyalen, die witzigen, die beeindruckenden, die charakterlosen, die herzensguten, die widerlichen und auch die charismatischen Menschen…
Langeweile besäuft sich meilenweit.
Ich zähl’ die Ringe an meiner Hand.
Dort draußen, alles dreht sich still
um nichts herum und ich male
deine Schatten an jede Wand.
Es kommt so anders, als man denkt.
Herz vergeben, Herz verschenkt.
Ich gab dir meine Liebe, gab dir Zeit, Geduld und Geld.
Ich legte mein Leben in deine kleine Welt.
Wer auch immer dir jetzt den Regen schenkt,
ich hoffe, es geht ihm schlecht.
Wer auch immer dich durch die Nacht bringt,
bitte glaub’ ihm nicht.
Es kommt so anders, als man denkt.
Herz vergeben, Herz verschenkt.
Es ist so oh ohne dich…
Es ist so widerlich, ich will das nicht.
Denkst du vielleicht auch mal an mich?
Es ist so ohne dich…
Und wenn du einsam bist,
denkst du vielleicht auch mal an mich?
Ich nähte mir einen Bettbezug aus der Zeit,
die wir hatten und trink’ mir alte Wunden an,
so tief und allein.
Kein Berg, den ich nicht versetzt hab’.
Zog jede Chance an den Haaren herbei,
für ein Leben lang zu leben so wild und so frei.
Es kommt so anders, als man denkt.
Herz vergeben, Herz verschenkt.
Es ist so oh ohne dich…
Ich find’ das widerlich, ich will das nicht.
Denkst du vielleicht auch mal an mich?
Es ist so ohne dich…
Und wenn du einsam bist,
denkst du vielleicht auch mal an mich?
Manchmal passieren im Leben Dinge, die uns fast um den Verstand bringen und dennoch verbirgt sich in jenen Augenblicken etwas, das wir längst verloren glaubten. Sie können uns einander wieder so nahe bringen, wie man lange Zeit nicht mehr war. Man vergisst, was einen kränkte, schiebt seinen verletzten Stolz und seine Enttäuschung beiseite und ist einfach nur füreinander da. Es ist nicht fair, dass erst solche Dinge geschehen müssen, um sich auf das zu besinnen, was wirklich wichtig ist. Gestern stellte das Schicksal Dich auf eine dieser harten Proben und eigentlich sollte dieser Tag sicherlich anders verlaufen. Schon als ich Dich morgens sah, erkannte ich, dass es Dir sehr sehr schlecht geht. Ich hörte diskret weg, als Du mit A. kurz ein paar Worte gewechselt hast und in diesem Moment verfluchte ich nicht zum ersten Mal die Stille zwischen uns, der ich bereits mit meinem letzten Eintrag hier ohne Dein Wissen ein Ende setzen wollte, weil ich durchaus sehen konnte, wie sehr Dich das belastet. Allerdings wusste ich auch, dass Du meine Zeilen erst heute lesen können würdest, denn der Donnerstag ist Euer freier Tag. Ich wusste genau, Du würdest die Gelegenheit nicht versäumen, das heute nachzuholen. Irgendwann gegen Nachmittag bist Du leise durchs Studio geschlichen, bist am Tresen stehen geblieben, aber dennoch so, dass ich Dich nicht direkt sehen konnte. Es muss Dir unendlich schwer gefallen sein, nicht genauso schweigend wie ich in all den Tagen einfach weiterzugehen, denn ich habe Dir durch meinen Rückzug eigentlich nie die Chance auf eine vorsichtige Annäherung gelassen. Ich wollte allein sein mit meinem Schmerz und ich wollte nicht reden.
Als Du da so gestanden hast, regte sich erneut in mir das ungute Gefühl, dass es Dir schlecht geht und dass der Grund ein anderer als Tage zuvor war. Ich hab’s gespürt, gesehen, gerochen und als Du leise etwas gesagt hast, was ich kaum verstand, fragte ich Dich ohne hochzusehen, was mit Dir los sei. Du warst blass und in all Deinen Gesten und Worten lag eine Niedergeschlagenheit, die man schon fast körperlich wahrnehmen konnte. Hemmungslos hast Du losgeschluchzt und mir den Grund für Deine Verfassung preisgegeben. In diesem Moment wischte ich all meine Gedanken an die letzten Tage weg und kam um den Tresen auf Dich zu. Du hattest die Arme auf dem Tresen verschränkt und Dein Gesicht darin verborgen. Sanft aber bestimmt nahm ich Deinen Arm und zog Dich an mein Herz. Ganz ganz fest hast Du mich gedrückt, so fest wie man sich nur drücken kann, wenn eine unglaubliche Last von einem abfällt, wenn man froh über die Nähe des anderen ist und wenn man genau diese Nähe jetzt so dringend braucht. Deine Tränen taten mir furchtbar weh und es dauerte nur wenige Augenblicke, bis auch bei mir die Tränen rollten. Alles brach heraus, all der Schmerz und der Kummer und es tat so unendlich gut. Minutenlang standen wir so da und Du hast Dich so an mich geklammert, dass ich auch ohne Worte verstand, wie wichtig Dir das war.
Du kannst nicht ermessen, was das in mir geweckt hat. Zum ersten Mal seit vielen Wochen fühlte ich mich wieder zuhause, ich fühlte mich wieder unendlich wohl und ich merkte, wie sehr ich dieses Gefühl vermisst habe. Zum ersten Mal geriet ich ins Wanken, was meine Entscheidung anging. Zum ersten Mal fuhr ich lächelnd nach Hause und ich werde heute zum ersten Mal wieder mit einem wohligen Gefühl zur Arbeit fahren. An den Ort, der so oft Zuflucht war, an den Ort, der ein Zuhause für mich ist. Wer kann das schon von sich sagen? Und mir wurde klar, wie wichtig Du mir trotz allem bist, S…. Aus den Augenwinkeln habe ich Dich beim Lesen meiner Zeilen verstohlen beobachtet, denn ich weiß, meine Worte gehen nicht an Dir vorbei. Sie treffen Dich dort, wo ich meinen eigenen Schmerz sitzen habe und sie bewegen Dich. Das wusste ich immer und ich wusste, dass ein geschriebenes Wort für Dich genauso viel Gewicht hat, wie für mich auch. Ich kenne nur wenige Menschen, die so viel Gespür dafür besitzen und in den meisten Menschen lebt der Zwiespalt zwischen einem gesprochenen und einem geschriebenen Wort. In Dir jedoch nicht. Du siehst und fühlst, dass es manchen Menschen leichter fällt, über Gefühle und Gedanken zu schreiben, weil sie die Ruhe und Einsamkeit brauchen, um sich offenbaren zu können. Ich bin ein solcher Mensch und ich denke, das hast Du schon vor langer Zeit erkannt. Und gerade weil ich das wusste, habe ich meinen Gedanken jeden Tag auf’s Neue hier an dieser Stelle Worte verliehen. Zum Reden war ich nicht imstande, also schrieb ich mir die Finger wund und ich wusste mir alles vernichtender Gewissheit, dass Du das Wort für Wort lesen würdest, dass Du die Lieder anhören wirst und dass Du auch die Texte in Dich aufnimmst.
Diese stille Anteilnahme war mir immer gewiss, auch wenn wir manches Mal kein Wort darüber verloren. Und ich sah auch, wann Du gelesen hast, Kleines. Sicher erschrickst Du jetzt ein bisschen, aber ich kann Dir sogar die Uhrzeiten sagen. Ich will, dass Du weißt, dass ich das immer zu schätzen wusste und ich will auch, dass Du weißt, dass ich froh bin, Dich kennengelernt zu haben. Menschen wie Dich trifft man nur sehr selten und nicht oft im Leben war mir jemand nach so kurzer Zeit so wichtig. Du hast Dich mit Deiner sanften und überaus sensiblen Art in einer Geschwindigkeit in meinem Gemüt breit gemacht, dass ich selbst erstaunt bin. Ich bin Fremden gegenüber ein äußert misstrauischer Mensch, aber bei Dir hatte ich dieses Misstrauen nie. Du bist alles, was ich nicht bin. Du bist warm, feinfühlig und trägst das alles nach außen. Du bist rein und pur, so unverfälscht und Deine sanfte Art lässt nicht einmal mich kalt. Du bist ehrlich und aufrichtig und Dir kann man nie mit dem Herzen böse sein. Sicher war das Leben auch zu Dir nicht immer gerecht und auch Du musstest viel Leid erfahren, aber vielleicht bist Du genau deshalb so authentisch. Ich weiß nicht, wieviele Menschen das in Dir sehen, aber ich vermute, die wenigsten Leute in Deinem nahen Umfeld empfinden das, was ich in Dir sehe. Du bist eine der Wenigen, die ich als Freundin bezeichne. Nein, Du bist nicht nur eine Kollegin, Du bist viel viel mehr und ich bewundere Deine Geduld, die Du mit A. und auch mir immer wieder unter Beweis stellst. Du bist kein nörgelnder Mensch, Du strahlst selbst unter großem Stress eine Wärme aus, die gut tut. Und Du hast Dich nie geschämt, Gefühle zu zeigen. Niemals…
Wie Du an meinen Schmerzen so oft teilgehabt hast, verschlägt mir die Sprache. Obwohl es Dich nie betraf, liefen bei Dir Tränen, wie ich sie selbst geweint habe. Sie waren so herzlich und mit Dir konnte ich wirklich mein Leid teilen. Du hattest die unglaubliche Fähigkeit, mir einen Teil dieser Qualen abzunehmen und vor allem hast Du alles selbst gefühlt. Die meisten Menschen sitzen hilflos daneben und ihr Trost kann einem nicht annähernd das geben, was Du mit Deinem Wesen geben kannst. Ich kann nur hoffen, dass es in Deinem Umfeld wenigstens eine Handvoll Menschen gibt, die genau das sehen und festhalten, denn eine Freundin wie Dich findet man nur mit viel viel Glück und mit genügend Weitsicht und Gespür erkennt man, was Du geben kannst und wie heilsam Du sein kannst. Mir fehlen die Worte für das, was ich eigentlich sagen will. Und ich habe auch nicht die geringste Ahnung, wieviele Menschen außer A. Dir wirkliche nahe sind, aber ich hoffe, dass Du immer so bleibst, egal was Dir im Leben noch widerfährt, denn das was Du gibst, ist unendlich wertvoll und unbezahlbar…
Sag mal, hast du das gesehen,
wie sie lachen, wie sie gehen?
Manche Wesen sind so schön.
Innen wie aussen. Sie verwöhnen
deine Sinne und gewöhnen
dich wieder an Liebe, die du kennst,
zu der du immer wieder rennst.
Diese Liebe ist real,
so real wie Höllenqualen.
Doch Höllenqualen sind egal,
wenn sich die Liebe dir entfacht.
Doch es ist gut, wie es ist.
Der Mensch lernt nur, wenn er Scheiße frisst,
sonst reift er nicht.
Er weiß doch nichts.
Ich weiß noch nicht,
wann verstreicht die Frist?
Das hat die Welt noch nicht gesehen.
Trotzdem ist Liebe wunderschön,
ist unsichtbar und trotzdem da.
Freude und Leid das ganze Jahr,
man nimmt das Leben sonst nicht wahr.
Denn mit dem Herz sind wir meist blind.
Wer von uns ist schon wie ein Kind?
Offen für alles wie der Wind,
der doch dem Meer den Regen bringt
Er ist so frei und doch gewillt.
Gib mir einen Koffer für mein Herz,
der ist unendlich viel mehr wert,
wenn du ihn mitnimmst, wenn du gehst,
ihn bei dir trägst von früh bis spät,
ihn dann zurück bringst unversehrt.
Ich lauf des öfteren Gefahr,
zu vergessen wie schön das Leben bisher war.
Mit dir von Anfang an verflochten bis ans Ende meiner Zeit.
Wir lieben das Leben und sind dafür bereit.
Denn wir alle werfen Schatten auf des Nächsten Licht.
Lass dich nicht zerbrechen und fürchte dich nicht
vor dem, was da kommt,
vor dem, was du fühlst,
vor dem, was du liebst.
Das hat die Welt noch nicht gesehen.
Trotzdem ist Liebe wunderschön,
ist unsichtbar und trotzdem da.
Freude und Leid das Ganze, ja,
man nimmt das Leben sonst nicht wahr.
Denn mit dem Herz sind wir meist blind.
Wer von uns ist schon wie ein Kind?
Offen für alles wie der Wind,
der doch dem Meer den Regen bringt
Er ist so frei und doch gewillt.
Das hat die Welt noch nicht gesehen.
Trotzdem ist Liebe wunderschön,
ist unsichtbar und trotzdem da.
Freude und Leid das Ganze, ja,
man nimmt das Leben sonst nicht wahr.
Denn mit dem Herz sind wir meist blind.
Wer von uns ist schon wie ein Kind?
Offen für alles wie der Wind,
der doch dem Meer den Regen bringt
Er ist so frei und doch gewillt.
love is unseen
love is your dream
but love is no dream
love is so real
even though its unseen
love is unseen
love is your dream
but love is no dream
love is so real
even though its unseen
love is unseen
love is your dream
but love is no dream
love is so real
even though its unseen
love is the best feeling i ever had
you and me have the cherished love
love keep me warm
love keeps you warm
love is something you have to cherish
Das hat die Welt noch nicht gesehen.
Trotzdem ist Liebe wunderschön,
ist unsichtbar und trotzdem da.
Freude und Leid das Ganze, ja,
man nimmt das Leben sonst nicht wahr.
Denn mit dem Herz sind wir meist blind.
Wer von uns ist schon wie ein Kind?
Offen für alles wie der Wind,
der doch dem Meer den Regen bringt
Er ist so frei und doch gewillt.
Das hat die Welt noch nicht gesehen.
Trotzdem ist Liebe wunderschön,
ist unsichtbar und trotzdem da.
Freude und Leid das Ganze, ja,
man nimmt das Leben sonst nicht wahr.
Denn mit dem Herz sind wir meist blind.
Wer von uns ist schon wie ein Kind?
Offen für alles wie der Wind,
der doch dem Meer den Regen bringt
Er ist so frei und doch gewillt.
Eigentlich hatte ich mir für morgen früh vorgenommen, jemandem ein paar Zeilen zu widmen, der unter den gegebenen Umständen und meiner diesbezüglichen Verfassung schweigend leidet. Nach tagelangem Schweigen meinerseits fühlte ich heute Nachmittag das Begehren in mir aufsteigen, meinen nächsten Eintrag ausschließlich an sie zu richten. Ich weiß, dass sie meinen Blog täglich verfolgt, dass sie stille Mitleserin ist. Wie oft litt sie mit, freute sich gemeinschaftlich oder aber schwieg betroffen, weil sie den Schmerz so manches Mal beinahe mitfühlen konnte. Ein Gespräch beruflicherseits vernichtete diesen Plan heute. Darauf näher einzugehen, war und ist in diesem Moment nicht mein Bedürfnis. Ich kann nur noch einmal betonen, dass ich keine Herrschaft über meine Emotionen habe und zu allem Gesagten stehe, denn kein Mensch hat die Macht darüber, wie er gewisse Dinge empfindet und tief in sich spürt. Wir alle sind Geiseln unserer Gefühle und sind ihnen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Auch wenn manche dieser Gefühle Unverständnis auslösen, unterliegt es dennoch nicht meiner Kontrolle, was in mir vorgeht. Der Kopf ist das Gefängnis meiner Gedanken und in meiner Brust und meinem Bauch wohnen Gefühle, derer ich mich nicht erwehren kann.
So manches Mal stand ich hilflos da und hatte kaum noch Luft zum Atmen, so tief saß der Schmerz und an manchen Tagen ist er so gegenwärtig, als wäre alles erst gestern passiert. Ich arbeite derzeit genau aus diesem Grund unendlich hart an mir und befreie mich von all dem Ballast, der mich daran hindert, wieder schmerzfrei meinen Alltag zu überstehen. Kaum ein Tag vergeht, an dem ich mir nicht wünsche, ich könne die Zeit zurück drehen, um manche Menschen gar nicht erst in mein Leben und meinen Alltag zu lassen. Die immer wiederkehrende Konfrontation damit kostet mich mehr Kraft, als ich habe und mein schwerer Entschluss, all dem endgültig zu entfliehen, stößt bei manchen Mitmenschen auf wenig Gegenliebe. Verstehen kann ich das sicherlich, doch scheinen mir derzeit einfach die Worte zu fehlen, dies genau jenen Menschen verständlich zu erklären. Immer wieder zerrt jener Schmerz an mir und meiner Seele, der mich zu diesem Entschluss bewogen hat. Ich hasse es so dermaßen, jedesmal mit den Tränen kämpfen zu müssen und wünsche mir umso mehr, meinem Entschluss den Ausdruck zu verleihen, der vielleicht das Verstehen auf der Gegenseite leichter macht.
Es mag sein, dass einiges aus Rücksicht geschah, allerdings verletzte mich das Wie in einer Intensität, dass ich mich enttäuscht zurückzog. Ein Mensch, der sich im gleichen Moment nicht auf einem solchen Tiefpunkt befindet, wird diese Enttäuschung sicherlich niemals nachvollziehen können – wie auch. Es ist uns Menschen einfach nicht möglich, den selben Schmerz zu empfinden, wenn wir ihn nicht gerade selbst durchleben. Vorwürfe ändern leider nichts an meinen Emotionen, selbst wenn ich wollte. Es ist leicht, über Dinge zu urteilen, die einen nicht direkt betreffen. Es ist leicht, jemanden für einen Entschluss zu verurteilen, den man aus purem Selbsterhaltungstrieb getroffen hat, wenn der eigene Gemütszustand nicht annähernd so desolat ist, wie der des Betroffenen. Und es ist auch leicht, mit dem Kopf zu schütteln, wenn die Schmerzen der eigenen Vergangenheit in die Ferne gerückt sind. Wenn aber jemand vor Dir steht, der keinen anderen Ausweg mehr sieht, als die konsequente Flucht zu ergreifen, sollte man dann nicht versuchen, das alles für einige Augenblicke aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Niemand funktioniert nach Plan, niemand kann seine Schmerzen steuern und niemand geht einen solchen Schritt, wenn er eine andere Möglichkeit sieht.
Es ist keine Frage, dass nicht jeder das versteht, aber machen es vorwurfsvolle Worte besser? Auch wenn es unwahrscheinlich klingen mag, gibt es in meinem Umfeld durchaus Menschen, die ohne das Wissen um meine Absichten, ebenso klar Stellung beziehen und die selbe Entscheidung treffen würden. An dieser Stelle sitze ich schweigend da und nicke bekümmert, denn sie haben erkannt, dass manche Dinge im Leben geschehen müssen, damit man genesen kann. Die Entscheidung fiel mir weiß Gott alles andere als leicht, aber alles in mir sehnt sich nach Abstand und Ruhe. Es gab immer nur zwei Orte, die mir Sicherheit vermitteln konnten. Jene zwei Orte waren oftmals Zuflucht vor den Wirren des täglichen Lebens. Manchmal floh ich vor dem einen Ort, um wenigstens am anderen Ort Ruhe vor den Dingen zu finden, die mich schmerzen. Kehrte dann am Krisenherd endlich Ruhe ein, konnte ich hin und wieder diese Ruhe an beiden Orten genießen.
Nicht von allen Dingen, die in den letzten Monaten vorfielen, wisst Ihr und wenn von jenem Anstand gesprochen wird, den die Wurzel allen Übels angeblich hat, kann ich nur bitter lachen, denn wieviel Anstand besitzt ein Mensch, der nicht mal ein Kind mit einem „Hallo“ bedenkt, wenn er ihm in den vier Wänden begegnet und das über viele Wochen? Mir ist durchaus bewusst, dass dies nicht relevant sein kann, aber dieser Mensch hat gegenüber meinem Sohn alles an Anstand vermissen lassen, was möglich war. Wie ich mich dabei als Mutter fühle, kann nur jemand ermessen, der solche Erfahrungen machen musste. Das Wort Anstand hat nicht das Geringste mit diesem Herrn zu tun, das zeigt er allerdings nicht Euch gegenüber, denn da gilt es den Schein zu wahren. Sein zweites Gesicht habt Ihr noch nie gesehen, daher erwarte ich nicht, dass Ihr das alles versteht. Aber es sei gesagt, dass nicht nur ich dieses zweite Gesicht kenne, sondern noch einige andere Menschen, in deren Umfeld er in ähnlicher Weise in Erscheinung getreten ist und die schneller als ich erkannt haben, wer er wirklich ist. Und nein, jene Menschen mussten nicht erst eine Beziehung mit ihm führen. Dort reichte es, dass seine Maske einen kurzen Moment lang verrutschte, aber mit etwas Glück werdet Ihr diese Erfahrung nicht machen müssen. Andere mussten es sehr wohl, wie ich auch und ich bin noch immer entsetzt über das, was ich da sah. All die Einzelheiten zu schildern, die mir als Mutter viel zu oft sagten, dass dieser Mann nicht authentisch ist, würde den Rahmen sprengen und viel zu lange verschloss ich die Augen davor. Spätestens wenn ich sehe, welchen Rang die kleine C. bei ihrem Ziehvater und „Papa“ A. genießt, wird mir schmerzhaft klar, was ich meinem eigenen Sohn zugemutet habe. Das allein ist Strafe genug, glaubt mir. Und nicht zuletzt das ist es – wie so vieles andere mehr – was mich dazu bewegt, ihn mit aller Konsequenz aus meinem Leben zu streichen.
Nun war es so, dass ich zuhause floh, um wenigstens bei der Arbeit Ablenkung zu finden, Sicherheit zu spüren und für wenige Stunden dem entrinnen zu können, was um mich herum passiert. Umso schlimmer empfand ich es, das ich ausgerechnet hier genau das nicht mehr fand. Was also tun? Still aushalten, stumm leiden und zuhause vor Kummer vergehen? Oder aber eine der schwersten Entscheidungen treffen und gegen alle Vernunft, aber dennoch für mich selbst einen Schritt zu wagen, den wirklich kein Außenstehender verstehen könnte. Ist es wichtig, wie sich mein Umfeld dabei fühlt oder sollte ich alles dafür tun, dass es mir besser geht? Einen Mittelweg sah und sehe ich leider nicht und ich gehe schweren Herzens. Ich lasse zwei Menschen zurück, die mir so manches Mal zu Seite standen, die mir aus mancher kritischen Situation halfen, in denen andere Menschen auf ihren Partner zählen können – ich konnte das leider nicht, denn seine „Liebe“ hatte deutliche Grenzen mit einem großen €-Symbol dahinter – und denen ich mir selbst zuliebe den Rücken kehren muss. Niemand kann Dich wirklich verletzen und enttäuschen, den Du nicht aus reinem Herzen gemocht hast. Wie könnte es sonst sein, dass mir die Ereignisse der jüngsten Vergangenheit so zusetzten? Auch wenn ich einen Teil dieses Paares erst wenige Monate wirklich nah bei mir hatte, so steht dies in keinem Verhältnis zu dem, wie gerne ich sie hatte.
Sie lachte und sie weinte oft mit mir. Wir waren ein gutes Team und arbeiteten Hand in Hand so gut uns das möglich war. Oft steckten wir gemeinsam die Backpfeifen für unsere Fehler ein und nichts drängte den anderen nach Feierabend sofort nach Hause. Für eine Tasse Kaffee und ein vertrautes Gespräch war immer Zeit und mir tat keine Minute leid, die ich deshalb so oft zu spät nach Hause fuhr. Es war perfekt und es hätte so wunderbar sein können, bis ich einem anderen Menschen viel zu viel und zu nahen Zutritt zu diesem Teil meines Lebens gewährt habe. Die Schuld dafür trifft mich allein und ich bringe dafür nicht nur Opfer in beruflicher Hinsicht, sondern nicht zuletzt auf menschlicher Ebene. Letzteres wiegt schwerer, ganz ohne Zweifel. Blindes Vertrauen und absolute Loyalität hatten oberste Priorität, zumindest was mich betrifft und man muss sich auch in Zukunft keine Sorgen machen, dass interne Belange nach außen dringen könnten. Darauf mein Wort, heute und auch in Zukunft. Wer mich kennt, weiß, dass ich Versprechen nicht breche, schon gar nicht solche. Macht Euch darum bitte niemals Sorgen, denn das widerspricht allen Idealen, die ich in mir trage.
Die finanziellen Folgeerscheinungen fürchte ich nicht, denn das spartanische Dasein kann mich nicht mehr abschrecken, weil das Leben nicht immer nur fair zu mir war. Oft genug stand ich vor dem absoluten Nichts und kroch so manches Mal blutend vom Schlachtfeld. Finanziell und emotional oft am Scheideweg und mit genügend Abstand rappelte ich mich immer wieder auf – mal schneller, mal nur ganz langsam. Immer fand ich Zuflucht in meiner jeweiligen Bleibe oder aber in meiner Arbeit. Vor allem bei der Arbeit fand ich nicht selten Zerstreuung. Diesmal habe ich mir diesen Weg vor Monaten selbst versperrt und kann nur noch in mein neues Leben flüchten. Wie verhängnisvoll sich diese zugelassene Vertrautheit auswirken könnte, habe ich damals nicht berücksichtigt. Und gerade deshalb geschieht das alles nun. Es tut mir weh, es begleitet mich durch die Nächte und quält mich am Tage, aber ich kann nicht mehr anders. Wenn die Wochenenden beginnen, brauche ich inzwischen mehr als einen Tag, um einigermaßen ruhig zu werden. Mit unbeschreiblichen Bauchschmerzen fahre ich dann montags zur Arbeit und plage mich durch die Woche, um endlich wieder ausweichen zu können. Nein, ich sehe, dass Ihr das sicher auch in ferner Zukunft nicht verstehen werdet, aber ich spüre mit jeder Faser in mir, dass allein dieser Abstand mir Linderung verschafft.
Es tut mir unendlich leid, dass ich auf diesem Wege so viele Scherben hinterlassen muss und ich gehe wirklich nur, weil ich sonst verrückt werde. Wie oft habe ich in Gedanken alle Möglichkeiten in Erwägung gezogen, mit mir gehadert und nächtelang gegrübelt. Immer wieder kam ich zum selben Entschluss, denn Alternativen tun sich nicht auf. Ich habe lediglich die Wahl zwischen Pest oder Cholera. Wer für mich die Pest verkörpert, liegt auf der Hand, also habe ich die Cholera gewählt und ich erwarte nicht, dass Ihr das versteht. Wie könntet Ihr auch?! Dass ich nun tagelang geschwiegen habe, liegt allein daran, dass ich zu den Menschen gehöre, die lieber schweigen als etwas dummes zu sagen. Manchmal brauche ich einige Tage, um wieder klar denken zu können. Mein engstes Umfeld weiß das und übt sich in solchen Situationen in Geduld, wofür ich dankbar bin. Wie schnell sind in der Hitze des Gefechts Worte gesagt, die man so nicht wählen würde, wenn der Kopf abgekühlt ist. Dieses Schweigen deutet so Mancher dann vollkommen falsch, sei’s drum. Wie ich was empfand, habe ich zum Ausdruck gebracht und weder ich noch irgendwer kann steuern, wie sich das eine oder andere in meinem Innersten anfühlt. Nicht immer deckt sich die eigene Sicht der Dinge mit der von anderen Menschen. Das war schon immer so und das ändern auch die zornigsten Worte nicht.
Spürt man Enttäuschung, empfindet man darüber auch Schmerz. Fühlt man sich verraten, schmerzt es mit der gleichen Stärke. Und auch wenn manches aus Rücksicht geschah, kam es bei mir dennoch an wie ein Messerstich. Das Motiv dafür war sicherlich Rücksicht, die Empfindungen darüber glichen aber denen, die einen überrennen, wenn man sich verraten fühlt. Es fühlte sich in jedem Falle furchtbar an und mir wurde schlagartig klar, dass etwas in mir zerbrochen ist – das Vertrauen. Aber ist denn nicht genau dieses Vertrauen unglaublich wichtig? Meines war grenzenlos, eine Seltenheit. Und ich habe keine Ahnung, was der richtige Weg in dieser Situation gewesen wäre, aber im Umkehrschluss dessen, steht wieder jene Ohrfeige im Raum, die ich mir mehrmals täglich selbst erteile, weil es meine eigene Schuld ist, dass solche Situationen überhaupt entstehen konnten. Sofern ich irgendwann die Chance habe, wieder an einem Ort zu arbeiten, mit dem ich Leidenschaft verbinden kann, werde ich deutlichere Grenzen ziehen. Das habe ich gelernt und diesen schwerwiegenden Fehler werde ich kein zweites Mal begehen. Mein Bedauern über das zwischenmenschliche Leid kann ich derzeit nicht in Worte fassen. Dafür steht dieses Lied, liebe S., denn diese Zeilen haben mich unzählige Tränen gekostet und ich weiß, dass Du zu den wenigen Menschen gehörst, die meine Worte so nah an sich lassen, dass sie einen winzigen Teil dessen spüren, was mich bewegt. Ich wollte nicht, dass Du weinst. Wirklich nicht…
Es geht kein Weg zurück.
Weißt du noch, wie es war,
Kinderzeit, wunderbar.
Die Welt ist bunt und schön,
bis du irgendwann begreifst,
dass nicht jeder Abschied heißt,
es gibt auch ein Wiederseh’n.
Immer vorwärts, Schritt um Schritt.
Es geht kein Weg zurück,
was jetzt ist, wird nie mehr ungescheh’n.
Die Zeit läuft uns davon,
was getan ist, ist getan,
was jetzt ist, wird nie mehr so gescheh’n.
Es geht kein Weg zurück.
Ein Wort zuviel im Zorn gesagt,
ein Schritt zu weit nach vorn gewagt,
schon ist es vorbei.
Was auch immer jetzt getan,
was ich gesagt hab, ist gesagt
und was wie ewig schien,
ist schon Vergangenheit.
Immer vorwärts, Schritt um Schritt.
Es geht kein Weg zurück,
was jetzt ist, wird nie mehr ungescheh’n.
Die Zeit läuft uns davon,
was getan ist, ist getan,
was jetzt ist, wird nie mehr so gescheh’n.
Ach und könnte ich doch nur ein einz’ges Mal
die Uhren rückwärts dreh’n,
denn wieviel von dem,
was ich heute weiß,
hätt’ ich lieber nie geseh’n.
Es gibt kein Weg zurück, es gibt kein Weg zurück.
Dein Leben dreht sich nur im Kreis,
so voll von weggeworf’ner Zeit.
Deine Träume schiebst du endlos vor dir her.
Du willst noch leben, irgendwann,
doch wenn nicht heute, wann denn dann?
Denn irgendwann ist auch ein Traum zu lange her.
Immer vorwärts, Schritt um Schritt
es gibt kein Weg zurück,
was jetzt ist, wird nie mehr ungescheh’n.
Die Zeit läuft uns davon,
was getan ist, ist getan,
was jetzt ist, wird nie mehr so gescheh’n.
Ach und könnte ich doch, nur ein einz’ges Mal,
die Uhren rückwärts dreh’n,
denn wieviel von dem,
was ich heute weiß,
hätt’ ich lieber nie geseh’n…
Kennt Ihr das? Ihr geht müde und erschöpft in Bett, schlaft auch recht schnell ein und wacht morgens viel zu früh auf. Ihr öffnet die Augen im Dunkeln langsam und da ist sie – die erste Frage des Tages. Ihr bleibt noch einige Minuten liegen, starrt in die Dunkelheit und zack – die zweite Frage schießt Euch durch den Kopf. Geht’s noch? Ich bin eigentlich noch gar nicht richtig wach und mein Gehirn führt sein eigenes Dasein und arbeitet auf Hochtouren. Langsam setze ich mich hin und atme etwas genervt durch. Ich mache meine kleine Lampe am Bett an und suche meine weichen Pantoffeln. Mit den Augen durchsuche ich den Raum nach meinem Flauschibademantel. Mit warmen Füßen und in jenen Mantel eingewickelt, tapse ich Richtung Küche und beginne irgendwie gezwungenermaßen den Tag. Es folgt das übliche Prozedere: Kaffeemaschine anwerfen, Beschallung aktivieren, Katze reinlassen, warten bis der Kaffee endlich fertig ist, Milch in Tasse füllen, ersten Schluck genießen, Kippe anstecken, zum Laptop schlurfen und die Zeit bis zum Tagesbeginn von Sohnemann schön leise überbrücken. Der Kaffee schmeckt wie immer hervorragend und draußen ist es noch stockfinster.
Nun fragt sich der eine oder andere Leser, welche Fragen mir denn zu solch nachtschlafender Stunde die Ruhe rauben. Nun ja, zum Beispiel „Was werden mich die neuen Arbeitsplatten für die Küche kosten?“, „Wofür in alles in der Welt habe ich denn die alten Platten vor lächerlichen acht Monaten (!!!) gekauft?“, „Denkt dieses Arschgesicht eigentlich manchmal noch darüber nach, was er hier für eine Show geliefert hat und hat er darüber überhaupt jemals nachgedacht?“, „Hat er schon die Pest am Hals und sind seine Arme hoffentlich schon zu kurz zum kratzen?“, Wie wenig Charakter hat ein Mensch im Leibe, der Tränen spielt und noch die Nerven hat, sich dabei selbst zu filmen?“ und „Wie krank ist das?“, „Wie behindert ist der Mensch, der darauf reinfällt?“, „Stelle ich dieses kranke Video mal bei YouTube.com rein zusammen mit einer Umfrage?“, „Wie berechnend ist jemand, der einem das Blaue vom Himmel herunterlügt, um dann jedes einzelne Wort zu revidieren, wenn es darauf ankommt?“, „Wie blind ist jemand, der all diesen Worten glaubt und dann erfahren muss, dass er gleich zu Anfang wochenlang hintergangen wurde?“, „Wie verlogen ist jemand, der all das bestreitet, obwohl er der Einzige ist, der das leugnet, was mir die verschiedensten Leute aus unterschiedlichen Lagern auch gleich anfangs mitteilten?“, „Was für ein Arschloch bringt es fertig, jemandem Gefühle vorzuspielen und sich nebenbei noch eine andere Dame warmzuhalten?“, „Wie dreist muss man sein, um all jene Leute lieber als Lügner hinzustellen, die keinen Grund hätten, mich so zu belügen?“, „Können in einem Körper zwei so verschiedene Egos wohnen?“, „Ist es schlimmer, nur schwer Vertrauen fassen zu können oder aber derart verlogen zu sein?“, „Hat ein solcher Mensch ein Gewissen gegenüber den Menschen, die er so belügt?“, „Realisiert ein solcher Mensch, dass er sich damit auch rücksichtslos gegenüber den Kindern seiner „Opfer“ verhält?“, „Wie schafft es dieser Mensch, morgens noch in den Spiegel zu sehen???“ und „Hat er vielleicht deshalb eine Vorliebe für Spiegel in allen Formen, weil er ein versteckter Narzist ist?“
Ja, an manchen Tagen wache ich so auf und die Trauer ist der Verständnislosigkeit gewichen, zumindest füllt sie die Tage aus, an denen ich nicht mehr traurig sondern froh über das Ende bin. Wütend bin ich nur auf mich selbst, dass ich die Zeichen nicht sehen wollte, obwohl sie oftmals deutlich erschienen. Nein, heute weine ich nicht. Ich weine längst nicht mehr so oft, wie noch vor Wochen, denn mir ist klar geworden, dass man einem solchen Menschen keine Tränen schenkt. Einem Menschen, der Gefühle spielt, schenkt man überhaupt nichts, vor allem nicht sein Herz. Die Erkenntnis kam spät, aber immerhin blieb sie nicht ganz aus. In dem heutigen Video findet man dafür deutliche Worte und das in der Sprache, die sogar er versteht. Da er solche harten Worte niemals hören wollte, kann er sich auf’s Lesen beschränken. Und obwohl ich weiß, dass er das hier wahrscheinlich sowieso nie lesen wird, kann er sich über 482 Ecken davon berichten lassen, denn die Welt und selbst das Internet sind nicht groß genug, um das hier nie zu erfahren. Ich bin noch immer fassungslos, wie skrupellos ein einzelner Mensch sein kann, wenn er Bestätigung sucht. Da wird gelogen, sich der Schauspielerei bedient, mit beiden Händen in die billige Kiste der Kitsch-Romantik gegriffen, dass die Arme bis zu den Achseln darin versinken und man schreckt nicht einmal davor zurück, Tränen zu „weinen“, die nicht nur mir derart unecht erscheinen. Durch dieses Video hat der Begriff „Fremdschämen“ eine neue Dimension erfahren. Es ist ekelhaft anzusehen und ich habe dieses Dokument monatelang unter Verschluss gehalten. Nachdem der erste Schock überwunden war, offenbarte ich dieses widerliche Video nur meinen engsten Vertrauten, die allesamt angewidert und sprachlos waren. Und ich selbst saß daneben und schämte mich in Grund und Boden, so naiv gewesen zu sein, dass ich dieser Heuchelei einen winzigen Moment lang glaubte. Heute und mit genügend Abstand betrachtet, könnte ich mich täglich erneut ohrfeigen, dass ich meinem ersten Gefühl nicht gefolgt bin, denn schon damals starrte ich ungläubig auf diese bewegten Bilder. Monate danach fragte ich mich dann zum ersten Mal, ob ich selbst wohl die Nerven hätte, mich im Augenblick tiefsten Schmerzes beim Weinen selbst zu filmen.
Es widert mich regelrecht an, darüber nachzudenken. Es offenbart mir nur immer wieder, wie blind ich und wie berechnend mein Gegner war. Mein Instinkt regte sich schon damals in schmerzhafter Weise. Aber Dummheit muss bestraft werden. Meine Strafe habe ich bekommen, in doppelter Ausführung und hinterrücks. Ich habe es überlebt und ich werde ganz langsam wieder gesund – ganz sicher. Aber ich nehme auch viel in Kauf dafür und habe meine rosarote Brille diesmal gleich mit entsorgt. In Zukunft laufe ich dann doch lieber mit vollentspiegelten Gläsern durch die Welt und verlasse mich wieder auf meinen Kopf, wenn mein Bauch schmerzt. Besser is’ das… Und nein, das ist keine Bitterkeit, die hier zwischen den Zeilen liegt. Es ist eine Abrechnung mit mir selbst und nicht zuletzt mit jenem Krebsgeschwür, das mit seiner dramatischen Ader meine Vernunft lahmgelegt hat. Vorübergehend… Nur vorübergehend… Gott sei Dank…
Nach viel zu vielen schlechten Tagen fühle ich mich heute mal wieder gut. Nein, nicht zum ersten Mal, aber doch so gut, dass ich es erwähnenswert finde. Ein guter Tag, um in die Hände zu spucken und mit einem Lied auf den Lippen mein neues Leben zu organisieren, das in 3 ½ Wochen endlich beginnt. Endlich…
First I was afraid
I was petrified
Kept thinking I could never live
without you by my side
But I spent so many nights
thinking how you did me wrong
I grew strong
I learned how to carry on
and so you’re back
from outer space
I just walked in to find you here
with that sad look upon your face
I should have changed my stupid lock
I should have made you leave your key
If I had known for just one second
you’d be back to bother me
Go on now go walk out the door
just turn around now
’cause you’re not welcome anymore
weren’t you the one who tried to hurt me with goodbye
you think I’d crumble
you think I’d lay down and die
Oh no, not I
I will survive
as long as i know how to love
I know I will stay alive
I’ve got all my life to live
I’ve got all my love to give
and I’ll survive
I will survive
It took all the strength I had
not to fall apart
kept trying hard to mend
the pieces of my broken heart
and I spent oh so many nights
just feeling sorry for myself
I used to cry
Now I hold my head up high
and you see me
somebody new
I’m not that chained up little person
still in love with you
and so you felt like dropping in
and just expect me to be free
now I’m saving all my loving
for someone who’s loving me
(Ich lächle, weil ich diesen Text verstehe und ich lache lauthals, weil die Krebsgeschwulst kein Englisch kann.)
Es gibt Momente, die vergisst man nicht und solche, die man vergessen muss, um leben zu können.
Wenn auch die Fähigkeit zu täuschen ein Zeichen von Scharfsinn und Macht zu sein scheint, so beweist doch die Absicht zu täuschen ohne Zweifel Bosheit und Schwäche.
Ich weiß aus bitterer Erfahrung, wie trügerisch mitunter das Äußere sein kann, dass sich unter Blumen manchmal eine Schlange verbirgt.
Die uns so täuschend echt vormachen, von angenehmer Wesensart zu sein, die entlarven sich immer wieder viel zu spät als eine unangenehme Art von Wesen.
Ich erweise mich nicht zum ersten Mal als ungeduldiger Mensch. Ich warte seit Tagen und Wochen sehnsüchtig, dass der Schmerz über das Geschehene und in den frischen Wunden endlich nachlässt. Nichts kann ihn betäuben, nichts lindert ihn, niemand kann mir einen Teil davon abnehmen. Ich weiß, dass er eines Tages verschwunden sein wird, aber die Zeit bis dahin erscheint mir ewig. An manchen Tagen geht es mir erschreckend gut. Dann wieder wache ich an anderen Tagen morgens auf und spüre bereits beim ersten Wimpernschlag, wie sich meine Augen mit Tränen füllen. Nein, ich sehne mich nicht mehr nach diesem Menschen, seiner Anwesenheit oder seiner Nähe. Nein, es ist vielmehr die Enttäuschung darüber, wie er sich aus dieser Beziehung „verabschiedet“ hat – gar nicht. Er lief einfach davon, erwies sich als kein bisschen standhaft und täuschte Verzweiflung vor, die nur gespielt sein konnte, denn sein Verhalten sagt dies mehr als deutlich. Einem solchen Schauspieler aufgesessen zu sein, quält mich am schlimmsten. Alles andere lässt sich ertragen. Ich muss dankbar sein, dass ich nicht noch mehr Zeit an diesen Dramatiker verschwendet habe, auch wenn ich ihm zum Abschied gerne vor die Füße spucken würde. Wer so mit Gefühlen spielt und Emotionen vortäuscht, die er nicht in sich trägt, hat weniger Charakter als ein totes Stück Holz. Unter dem Vorwand, diese Liebe brächte ihn um, zog er feige den Schwanz ein und entpuppte sich als wahres Ekel. Mein Sohn kann Zeugnis darüber ablegen, denn ihn ignorierte er von Stund an und das sagt sehr viel über den Charakter eines Menschen aus. Wer seine Konflikte auf dem Rücken von Kindern auslebt, hat weder Achtung noch Respekt verdient.
Die Wochen bis zum ersehnten Umzug ziehen sich endlos hin und ich quäle mich durch jeden einzelnen Tag, bis ich diese Mauern endlich verlassen kann. Diese Wohnung, dieser Stadtteil, alles hier ist mir zuwider. Noch nie habe ich einen Wohnungswechsel so herbei gesehnt wie diesen. Meinem Sohn und mir wird diese Veränderung gut tun und die noch anstehenden Ereignisse sind zwar weniger erfreulich, aber sie werden mir helfen, einen endgültigen Strich unter alldem zu ziehen. Kleine und auch große Opfer gebe ich dafür und nicht mit allem stoße ich auf Verständnis – zumindest nicht bei Jedem -, aber da es keine Alternativen gibt, bleibt mir keine andere Wahl. Ich kehre allem und jedem den Rücken, der mich an jene Dinge erinnert, die meinem Sohn und mir hier widerfahren sind. Das bin ich mir und auch meinem Sohn schuldig, auch wenn’s so mancher Mensch nicht versteht.
In Krisenzeiten offenbaren sich die wahren Freunde. Je weniger du hast, desto weniger reden auf dich ein, was du verkehrt gemacht hast oder zu tun gehabt hättest. Umso größer ist die Chance, dass du in dir selbst deinen eigenen Weg erkennen darfst.
Es tat gut, gestern Abend mal wieder in Gesellschaft einer wahren Freundin zu sein, die all mein Tun und Handeln der jüngsten Vergangenheit und der nahenden Zukunft mit dem Herzen verstand und mir die Gewissheit gab, dass ihre Sicht der Dinge sich von meiner nicht unterscheidet. Ich beschrieb ihr die Geschehnisse der Vergangenheit, zeigte ihr Dokumente dessen und ließ sie selbst entscheiden, was sie darüber denken und was sie empfinden sollte. Unter Berücksichtigung all jener Dokumente pflichtete sie mir bei, dass die Entscheidung zur Wiedererlangung meines Seelenfriedens die richtige sei, die andernorts derzeit für großen Unmut sorgt. Ich erinnere mich an ein Gespräch vor einigen Monaten, als ich jemanden fragte, was sie tun würde, wenn ihre Beziehung zerbrechen würde. Damals sagte sie, sie würde sich sofort zurückziehen und nach einer anderen Arbeitsgelegenheit suchen und nun reagiert man genau aus dieser Richtung zwar partiell mit verbalem Verständnis, jedoch versteht man offenbar nicht wirklich, was in mir vorgeht. Die größte Schuld an der Entwicklung mancher Dinge trage ich selbst, das ist mir durchaus klar. Ich habe eigenhändig den Zutritt zu meiner Arbeitsstelle verschafft, habe Einladungen zusammen mit dem jeweiligen Partner angenommen und somit Tür und Tor bis in den letzten Winkel meines beruflichen und privaten Lebens geöffnet. Nun fällt mir genau das auf die Füße, aber ich habe für die Zukunft daraus gelernt.
Dem vermeintlichen Verständnis für mein Sehnen nach Ruhe sind klare Grenzen gesetzt worden. Mit Vorwürfen und Trotz steht man mir nun gegenüber und verschließt die Augen vor dem, was mir Kraft raubt. Man möchte es auch nicht verstehen und zeigt mir klarer als zuvor, wie gering man mich wertschätzt. Die Enttäuschung ist groß, doch die Erkenntnis darüber ermahnt mich zumindest, meine Kraft und Energie nicht mehr in falsche Richtungen zu lenken. Um zu genesen, muss ich spätestens jetzt endlich egoistisch sein und mir die Dinge und Menschen vom Leibe schaffen, die Ursache für alles sind. Wer das nicht verstehen will, hat nicht wirklich Anteil genommen und offenbar nur einen Bruchteil dessen begriffen, was ich gezeigt und gesagt habe. Man unterstellt mir subtil, ich würde jemanden vor die Wahl stellen. Nein, das tue ich keineswegs, denn ich habe abgewartet und dann die Konsequenzen ziehen müssen, damit ich Aussicht auf die Ruhe habe, die ich so dringend brauche. Und wenn das der Preis ist, den ich dafür zahlen muss, dann gehe ich diesen Weg, da mir von anderer Seite hierbei wissentlich Steine in den Weg gelegt werden. Es ist in dieser Form das erste Mal, dass sich nach einer Trennung solche Probleme und Konflikte vor mir auftun, aber es lässt mich die Definition des Wortes Freundschaft neu überdenken.
Manchmal muss man sich für oder gegen jemanden entscheiden, da man beides nicht vereinbaren kann – ob es nun in unserer Macht steht oder nicht. Für oder gegen wen entscheidet man dann? Für jemanden, den man bis vor einem Jahr nicht kannte, der seine Loyalität noch nie unter Beweis gestellt hat und sich vielleicht nur mit dieser erschlichenen „Freundschaft“ schmückt, weil der neu erworbene Freund Rang und Namen in der Stadt hat? Oder gegen jemanden, der auf Gedeih und Verderb auf dem steigenden und auch sinkenden Schiff die Stellung hielt und dessen Bekanntschaft man seit mehr als 1 ½ Jahrzehnten pflegt? Wer genießt nun höhere Priorität? Die Antwort lag von Anfang an auf der Hand und widerspricht meiner eigenen Philosophie, was wahre Freundschaft betrifft. In meinem engsten Freundeskreis war es niemals eine Frage, wer in solchen Situationen zur sprichwörtlichen Spreu gehörte, die sich vom Weizen trennt. Nie verlor man ein Wort darüber und jede/r handelte gleich. Ob nun ich gegenüber einer Freundin oder einem Freund oder aber meine eigenen Freunde oder Freundinnen mir gegenüber.
Erschütterung macht sich breit, wenn ich mich all jenen Freunden offenbare, die mir immer beistanden und dieses hier nun miterleben. Verständnislosigkeit und Missbilligung wohnen nun nicht mehr nur in meiner Brust, sondern auch in der jener Menschen, denen ich wichtig bin. Ich habe daraus sehr viel über Freundschaft und meine Mitmenschen gelernt, das steht fest. Ich bin in den ersten Momenten meiner Qual in die falsche Richtung geflüchtet und habe gottlob erkannt, wer wirklich bedingungslos hinter mir steht und nicht nur vorgibt, mich zu verstehen, aber gegenteiliges Handeln von mir erwartet. Darüber darf ich enttäuscht sein und die Beschwerden über mein darauf folgendes Schweigen wird als „schlechtes Klima“ gewertet. Wenn das die einzige Form von „Verständnis“ sein soll, dann war nie wirklich Verständnis da und ich kann nicht erwarten, dass sich daran etwas ändert. Mir lagen diese beiden Menschen wirklich sehr am Herzen, aber angesichts dieser Dinge ist es nur gesund, wenn ich gehe. „Ein Unternehmen kann nur funktionieren, wenn es den Angestellten gut geht.“ Wenn aber wissentlich in Kauf genommen wird, dass es unter gewissen Bedingungen nicht möglich ist, dass diese Angestellten sich gut und sicher fühlen, muss man Prioritäten setzen. Dann nimmt der Unternehmer skurrilerweise billigend in Kauf, dass es den Untergebenen schlecht geht und handelt gegensätzlich. Und wenn jene Angestellten dann ihrerseits die Konsequenz ziehen, reagiert man lieber mit Zorn und Abweisung. Geahnt habe ich den Ausgang dieser Geschichte, also kam es nicht ganz unerwartet, aber dieser hohe Preis ist es wert, wenn ich durch ihn Ruhe erfahre. Zwei Freunde weniger und um vieles reicher an Erfahrung.
Zu Dank bin ich Beiden in hohem Maße verpflichtet, aber Enttäuschung bleibt dennoch zurück und wird mich eine kleine Ewigkeit auf meinem kommenden Weg begleiten und noch vorsichtiger machen.
Enttäuschung schmerzt am meisten, wenn sie vorhersehbar war, denn dann hatte man sich selbst getäuscht.
Enttäuschung bringt Erkenntnis und raubt Nerven.
Es kann unter Menschen kein gerechterer Grund zum Schmerze entstehen, als wenn sie von einer Seite, von der sie mit Recht Dankbarkeit und Wohlwollen erwarten mussten, Kränkung und Schaden erleiden.
Nach jeder Enttäuschung beginnt im Menschen eine Eiszeit.
Gegen Enttäuschungen anzukommen, ist ein schwieriger Kampf und selten ein Sieger.
Jede durchdachte Enttäuschung beinhaltet die Erkenntnis, den ersten Schritt in die richtige Richtung getan zu haben.
Enttäuschung über einen Menschen ist schlimm – sie verwandelt ein Foto in ein Negativ.
Ein starker Entschluss verwandelt mit einem Schlage äußerstes Unheil in einen erträglichen Zustand.
Eine Lösung ist eine Entscheidung, die den Konflikt
in dieser Sache für die Zukunft ausschließt.
Mit jemandem, der stärker ist als du, fange keine Feindschaft an. Ruhe aber nicht eher, als bis du dir den Feind, der schwächer ist als du, vom Halse geschafft hast.
Seinen Feinden begegnet man am besten, wenn man ihnen aus dem Weg geht.
Ich weiß wohl, vor wem ich fliehen soll, aber nicht zu wem?
Wer entschlossen ist und dem Feind dreist zu Leibe geht, der hat schon den halben Sieg.
Es gibt mehr als eine Straße, die zum Leben nach dem Leben führt, es gibt mehr als eine Art zu lieben, es gibt mehr als einen Weg, die andere Hälfte seines Selbst in einem anderen Menschen zu finden, es gibt mehr als eine Art, den Feind zu bekämpfen.
Das Schlimme sind nicht die schrecklichen Erkenntnisse, die dein Inneres stürzen; noch grausamer ist die Ohnmacht, die betäubt aus deiner Seele schreit…
Im Moment fehlt mir der Nerv und die Muse, meinen Gedanken Worte zu verleihen. Man möge mir verzeihen, dass ich jene Weisheiten für mich sprechen lasse und übergebe mich den bereits jetzt einsetzenden Nachwehen jener Veränderungen, die mich in naher und ferner Zukunft erwarten. Auf manche dieser Neuerungen hatte ich keinen aktiven Einfluss, auf andere wiederum schon. Vieles geschah ohne meine Initiative, anderes führte ich bewusst herbei. Die Entscheidungen, die ich selbst getroffen habe, traf ich nur aus einem einzigen Grunde – um mich selbst zu schützen. Eine Wunde immer wieder auf’s Neue aufzureißen und mit Salz zu bestreuen, verzögert nicht nur den Heilungsprozess, sondern macht ihn nahezu unmöglich.
Es gibt nichts, aber auch gar nichts, das jemand, der dich verraten hat, sagen kann, um dafür zu sorgen, dass du ihm wieder vertraust. Man verlässt sich nicht auf jemanden, der einen im Stich gelassen hat.
Das Vertrauen einem Menschen zu schenken, setzt zwei Gegebenheiten voraus. Weder physischer noch psychischer Gewalt ausgesetzt zu sein.
Vertrauen ist wie ein Kartenhaus: Man benötigt viel Zeit und Geduld um es aufzubauen, eine winzige Erschütterung jedoch genügt, um alles wieder zu zerstören.
Verloren gegangenes Vertrauen ist schwer zurückzugewinnen, denn Vertrauen wächst nicht nach, wie ein Zehennagel.
Ich glaube immer wieder an das Gute im Menschen, bis sie mir das Gegenteil beweisen. Die Beweise häufen sich.
Ich werde stets viel Zeit finden, um das Vertrauen von Menschen zu gewinnen, die meines Vertrauens würdig sind, aber keine verschwenden an die, die mein Vertrauen missbrauchen.
Vertrauen gibt es nur als Ganzes, entweder man traut dir, oder man traut dir nicht. Dazwischen gibt es nichts.
Selten ist ein Schmerz in seiner ersten Wucht am schwersten zu tragen, da hält die Aufregung, die Überzeugung, dass man Opfer bringen müsse, der Wille, dies mit Heroismus zu tun, Leib und Seele in Spannkraft. Solange der Kampf, die Schlacht währt, da stürmen die Kämpfenden siegesfreudig, todesmutig dahin; erst wenn die Ruhe eintritt und man sieht, was verloren ging, erst bei den Leichen und Trümmern kommt die Trauer. So auf dem Schlachtfelde, so im Leben. Erst später, nachdem die Opfer gebracht sind, wenn alles vorüber ist, wenn das Scheiden zum Nimmerwiedersehen geschehen ist, das Losreißen von dem uns Liebsten und Teuersten auf Erden, erst dann folgt das heiße und nagende Weh, das nicht ablässt von uns, nicht Tag noch Nacht, und Herz und Leib verzehrt.
Die Charakteristik des P.M.B.K.:
Ein Übel, das wir selbst gestiftet haben, pflegen wir rasch zu vergessen, während unser Gedächtnis in bezug auf das Böse, das andere uns zugefügt haben, sehr stark ist.
Die Selbstgerechtigkeit mancher Menschen ist so stark ausgeprägt, dass sie die Scherben, die sie auf ihrem vermeintlich einzig richtigen Weg hinterlassen, schlichtweg übersehen und leugnen. Wer einmal einem solchen Menschen begegnet ist, verliert rasch den Glauben an das Gute im Rest seiner Mitmenschen. Enttäuschung, Wut und Schmerz machen sich breit und lassen einen für eine Ewigkeit nicht los. Man möchte sich all derer entledigen, die jenen Emotionen mit defensiver Ratlosigkeit gegenüberstehen. Das einzige Allheilmittel scheint der Rückzug aus jenen Kreisen zu sein. Das Vertrauen weicht einem Gefühl der Ohnmacht und man verleiht seinem Schmerz immer seltener Worte. Man hört auf, über diese große, klaffende und böse eiternde Wunde zu sprechen und wendet sich von jenen Menschen ab, die dem Verursacher dieser Wunde noch Gehör schenken. Man verliert den objektiven Blick und entzieht sich diesen Menschen nach und nach unwiderruflich. Man läuft weg und konzentriert sich nur noch auf den eigenen Seelenfrieden, den man hoffentlich bald wieder erreicht. Die ständige Konfrontation mit dem Quälgeist und seinen nahen oder auch fernen Mitmenschen verschafft lediglich Schmerz und ungewollte Gedanken über Vergangenes. So flüchtet man nahezu vollständig vor der Möglichkeit, mit diesem einen Seelenterroristen zusammenzutreffen, in der Hoffnung, der Schmerz möge einen so nicht mit seiner ganzen und erbarmungslosen Wucht treffen.
Schuld trifft allein mich, denn niemand zwang mich, diesem Tumor mehr Zutritt zu meinem Leben und meinem Umfeld zu verschaffen, als mir gut tut. Mein Leichtsinn erscheint als Posten auf dieser Rechnung und auch meine alten Prioritäten – alle die ich seinetwegen über Bord warf – fallen mir nun schmerzhaft auf die Füße. Ja, es ist tatsächlich so, dass es mir mit meinen alten Grundsätzen für mein Leben erheblich besser ging in solchen Lebenslagen. Ich will zurück dorthin, wo ich vor dieser Enttäuschung stand. Eins mit mir selbst und mit einer gesunden Portion Egoismus ausgestattet, aber gerade derentwegen nicht in diesem Maße verwundbar. Man wollte 100% von mir, man forderte es lautstark ein. Ich gab diese 100% schon beinahe und vergaß dabei, dass auch mir diese 100% zustehen. Am Ende durfte ich nicht mal 5% einfordern und sah die hässliche Fratze, welche sich unter dem Lächeln und den glückverheißenden Worten verbarg. Manchmal erhaschte ich einen klitzekleinen Blick darauf, aber auf beiden Augen blind rannte ich ins offene Messer. Es steckt von vorne in meiner Brust – ohne Betäubung und ohne Erinnern an all jene Worte, die mich auf diesen verhängnisvollen Weg gebracht haben. Jedes Wort ist revidiert, allesamt nur Lippenbekenntnisse. Der Verdacht hierfür war da, bei lauter Äußerung jener Zweifel jedoch wurde bestritten, dass es nur Worte wären. Ja, es würden Taten folgen, ich würde schon sehen, man würde es mir beweisen.
Auf die Beweise und die Handfestigkeit jener Worte warte ich noch heute und nunmehr liegt es nicht mehr in meinem Interesse, sie einzufordern, denn in der schwersten Stunde verweigerte man mir all das. Sind alle Menschen so oder bin ich auf einen jener Schwätzer hereingefallen, die Dich mit Worten und gespielten Tränen fangen, die an Theatralik nicht zu überbieten sind? Ich weigerte mich, zu glauben, dass es so berechnende Menschen gibt, aber ich wurde eines besseren belehrt. Ein älterer Mann sagte einmal zu mir: „Glaube nie den Tränen eines Mannes!“ In meiner damals jugendlichen Besserwisserei wies ich diese Warnung weit von mir. Ebenso wie all die mehr oder minder lauten Warnungen, die mir nahegelegt wurden, als das Unglück mit unserer ersten Begegnung seinen unheilvollen Lauf nahm. Sein Ruf eilte ihm weit voraus, aber ich war taub und gleichgültig diesen Worten gegenüber. Anfangs sträubte sich alles in mir gegen ihn, mehrfach versuchte ich, diese Beziehung einfach den Bach runtergehen zu lassen. Jedesmal folgten seinerseits dann diese erwähnten Tränenflüsse, die an Dramatik nichts vermissen ließen. Herzzerreißende Schwüre und sein schmerzverzerrter Blick zwangen mich immer wieder zur Umkehr, obwohl ich damals schon ahnte, dass genau dieser Mensch mir eines Tages so weh tun würde, dass ich um den Verstand komme. Man mag mich für absolut verrückt erklären, dass ich dennoch bei ihm geblieben bin, aber sind wir nicht alle handlungsunfähig, wenn wir lieben?
Es klafft ein gewaltiger Unterschied zwischen ihm und mir. Ich war reinen Herzens, ohne berechnende oder falsche Motive. Ich nahm ihn, wie er war, auch wenn es nicht immer leicht fiel. Ich schwieg zu oft, wenn er mir weh tat und ich überhörte die Stimmen, die bereits in den ersten Tagen und Wochen an mein Herz appellierten, dass dieser Mensch mir nicht gut tun würde. Gute Freunde und nahe stehende Menschen betrachteten diese Beziehung mit sorgenvollem Blick und ich brachte sie gewaltsam zum Schweigen. Großer Gott, diese Menschen sahen und kannten sein wahres Gesicht. Nur ich verschloss Augen und Ohren davor. Eine kluge Frau sagte kürzlich zu mir: „Man kann auch einen Idioten lieben.“ Dieser Satz fuhr mir wie tausend feine Nadeln über die Seele. Ja, auch ich bin ein Idiot, ein großer Idiot sogar. Mein Bauch sagte mir: „Finger weg!!!“ Hätt’ ich bloß darauf gehört – auf meinen Bauch und jenen älteren Herrn. Fehler machen wir alle, große und kleine. Aber ich habe mich schuldig gemacht, nicht nur mir selbst gegenüber. Dumm, leichtsinnig und blauäugig warf ich alle Bedenken über Bord und stehe nun um mehr als eine bittere Erfahrung reicher da. Und eine Person warnte mich, die mir die Augen ungewollt zumindest ein Stück weit öffnete. Aus seinem unmittelbaren Umfeld, seinem Dunstkreis. „Er ist immer so…“ sagte sie mir und sie kennt ihn von allen Menschen am längsten. Dieser Warnschuss hallt bis heute nach und wird unvergessen bleiben. Er weiß, wen ich meine und trotz aller Widrigkeiten behielt auch sie Recht. Auch wenn er das bis zum Sanktnimmerleinstag leugnet…
Zeit heilt möglicherweise Wunden, aber auch Narben können schmerzen und das ein Leben lang… Und dieses eine Mal darf das jeder lesen. Denkt, was Ihr wollt. Dass ich dumm und naiv war. Ihr habt sogar Recht, aber diese Erkenntnis habe ich inzwischen selbst erlangt – 1 ½ Jahre zu spät…
Sooo, die Woche hat begonnen und ich habe mir viel vorgenommen. Während des vergangenen Wochenendes war ich nicht untätig und habe fast alle Punkte meiner To-Do-Liste abgearbeitet. Sohnemann hatte sich am Samstag überraschend zu seinen Kumpels nach Mechel verabschiedet und kommt erst heute im Laufe des Tages zurück. Ich habe weitere Kartons und Säcke verpackt und das ehemalige Gästezimmer kurzerhand zum Umzugszimmer umfunktioniert. Dort werden jetzt ausschließlich Sachen gelagert, die fix und fertig für den Abtransport sind. Sämtliche Winterjacken und alle dicken Pullover sind nun auch schon reisefertig, Tischdecken und der Großteil meiner Geschirrtücher ebenso. Diese Woche werde ich dann weitere nicht mehr benötigte Sachen verstauen und meinen Hausstand auf das Nötigste reduzieren. Während der nächsten Tage werde ich dann meinen Wohnzimmerschrank zerlegen und ebenfalls im Umzugszimmer verstauen. Das Ausmisten von Sohnemanns Kleiderbestand steht noch aus, wird aber nach seiner Rückkehr erledigt.
Jetzt hüpfe ich erstmal unter die Dusche und fahre in die Stadt, um dort so einiges zu erledigen. Umgemeldet sind wir schon, aber ich muss Kabelfernsehen und auch DSL zum Wunschtermin um- bzw. ab- und anmelden. Wir wollen ja nahtlos surfen und fernsehen. Schmerzhaft sind hier nur wieder diese verflixten Anmeldegebühren, aber Dummheit wird bekanntermaßen bestraft. Und da ich bis kürzlich zu den Saudummen gehört und auf rosarote Versprechungen hereinfiel, muss ich diesen Preis (hoffentlich zum letzten Mal) eben zahlen. Shit happens and has a new name…
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Ich liebe die Andersartigkeit der Menschen, die ihr Anderssein authentisch leben. Sich äußerlich zeigen durch Kleidung, Haartracht oder andere sichtbare Zeichen. Oder durch ihr Handeln, das sie an den Tag legen, ohne die geringsten Anzeichen der Frage: "Was mögen die anderen denken?" Ich liebe diese Echtheit, auch wenn sie manchmal nicht in mein Bild der Welt paßt.
„Jibt Dir dit Leben mal een Buff, denn weene keene Träne. Lach Dir’n Ast und setz Dir druff und boomle mit de Beene.“