Tja, mein Sohnemann und die liebe Pubertät. Meistens versucht er die Kurve zu kriegen, aber manchmal gelingt ihm das nicht so ganz und dann kommt sein Verhalten wie ein Bumerang zurück. Diese Woche hat er doch tatsächlich einen Tadel abgefasst. Das hatten wir auch noch nicht. Hätten wir aber auch nicht unbedingt haben müssen. Irgendwie kommt er ja so ein bisschen nach seiner Mutter. Hausverbot im McDoof gab’s ja im Sommer schon, was seine Mutter erst mit Anfang 20 “schaffte”. Nun dieser Tadel – ein Fleißtadel. Den hatte die Mama erst in der 9. Klasse, hübsch aufm Bewerbungszeugnis – ebenfalls ein Fleißtadel. Machte sich schön beim Vorstellungsgespräch für die Lehrstelle, muss ich schon sagen. Er meistert solche “Kleinigkeiten” immer ein paar Jahre eher. Dabei hab’ ich ihm diese Schandtaten gar nicht erzählt, er schafft’s trotzdem 1:1. Ich muss schon sagen, Herr Sohn, ich bin einigermaßen sprachlos, wenn man von der kleinen Gardinenpredigt absieht.
Mal sehen, was als nächstes kommt. Wenn er weiter in meine Fußstapfen tritt, dann wandert er mit 17 nach Sonstwohin aus und erkundet sorglos die Welt. Hoffentlich liest er das jetzt nicht, denn das habe ich auch gemacht. Einfach alles hingeschmissen und in die weite Welt gezogen. Mehrmals… Au Backe… Aber er ist kein Dummer und das macht mich stolz. Eigentlich ein kleiner Fuchs und auch menschlich gesehen ein prima Kerl, der kleine Mann. Aber meckern muss ich ja trotzdem, sonst denkt er noch, das wär’ ‘ne Glanzleistung gewesen. War’s nicht, mein Söhnchen!!! Ehrlich nicht… Aber noch bist Du jung genug, um aus Deinen Fehlern zu lernen.
…war so nett und hat kurzerhand und erschreckend unkompliziert ein beinahe neues Fahrrad an Sohnemann hergeschenkt, als er von dem gemeinen Diebstahl hörte/las. Er hat noch ordentlich die Reifen aufgepustet, das alte Schloss abgepopelt, noch bissle Öl hier und da rangemacht und zack, gehörte es dem leichtsinnigen jungen Mann, der ein Zimmer bei mir bewohnt.
Ich danke Dir im Namen meines Sohnes hiermit nochmal in aller Form und freue mich mal wieder über alle Maßen, dass ich solche guten Freunde habe. Wirklich wahr… Das ist alles andere als selbstverständlich und wenn ich mal ‘ne Harley übrig habe und Deine grad geklaut wurde, dann schenk’ ich Dir meine… Einfach so…
Gestern Abend gegen 19.00 Uhr klingelt mein Handy.
“Spreche ich mit Frau N.?”
“Worum geht es denn bitte?”
“Hier spricht die Geschäftsleitung der McDonalds Filiale PL. Haben Sie einen Sohn, der S. heißt?”
“Ja, ich bin mir relativ sicher.”
“Ich wollte Sie darüber in Kenntnis setzen, dass Ihr Sohn bei uns vier Wochen Hausverbot hat.”
“Ach ja? Interessant…”
“Er und seine Freunde haben sich in unserem Hause daneben benommen, mit Servietten über die Tische gespuckt, gelärmt und jedes gute Benehmen vermissen lassen.”
“Tatsächlich?”
“Ja, ich wollte Ihnen nur Bescheid sagen.”
“Ich bedanke mich für Ihren Anruf und kann Ihnen versichern, dass das Konsequenzen hat. Für ihn…, versteht sich…”
“Vielen Dank.”
“Keine Ursache…”
“Schönen Abend noch…”
“Danke, ebenfalls…”
Ich wählte anschließend die Nummer meines kleinen Herrn Lässig und hakte nach. “Ich hab’ nicht bei dem Mist mitgemacht. Das waren die anderen.” Ja klar, und ich bin der Kaiser von China, Freundchen… Mein Kind, der Engel – wer’s glaubt wird selig und wer’s nicht glaubt, kommt auch in den Himmel.
Fazit: Neuer Laptop für die gesamte Länge des Hausverbotes konfisziert. Pech gehabt, mein übermütiger Freund…
Nun dringen schon wieder die ersten Beschwerden über die vorherrschende Sommerflaute in meine Augen, also poste ich heute mal wieder was. Lust habe ich derzeit nicht unbedingt zum Schreiben, Anlässe gibt es auch kaum, aber man beugt sich dem Willen seiner Leser und tippert artig. Nach wie vor drücke ich die Schulbank und mein Kopf ist abends nahezu leer. Keine hässlichen Kommentare hierzu bitte. Mein Date am Samstag war gut, mehr verrat’ ich Euch nicht. Sohnemann hat seine erste Ferienwoche hinter sich gebracht und ist seit gestern nun offiziell ein Teenager. Zwei gute Freunde machten es möglich, dass er zum Geburtstag endlich ein eigenes Dingelchen bekam, mit dem er nun ins Net vorstoßen kann, ohne mir ständig auf der Pelle zu hocken, wann er denn an meinen Rechner dürfe. Nix neues, nix aufregendes, aber eben sein eigenes Teil und jetzt herrscht endlich Ruhe an meinem Schreibtisch. Gefreut hat er sich auf seine ganz spezielle Art, die wahrscheinlich nur ich als seine Mutter richtig verstehe. Er hat diese subtile Art der Freude in sich, die sich bei den meisten Kindern ganz anderes äußert. Wenn andere Kinder etwas geschenkt bekommen, das ihr Herz höher schlagen lässt, toben, quieken, lachen und jauchzen sie. Nicht so mein Sohn.
Er schaut Dich an, die Augen glänzen zweifellos, aaaber… Er jauchzt nicht, er lächelt nur verschämt, er quiekt auch nicht, er sagt erstmal gar nichts und er tobt erst recht nicht, er sagt nach einer Weile ganz nüchtern, aber innerlich jubelnd: “Cooooooooool…!!!” Das war’s. Mehr kommt da nicht. Und nach einer weiteren halben Stunde bedankt er sich artig und freut sich leise weiter. So war er schon immer und wenn ich ihn nicht kennen würde, könnte ich glatt denken, dass ihm alles am Arsch vorbei geht. Nein, tut es nicht, er freut sich wie verrückt, aber eben seeehr leise. Diese introvertierte Art der Emotionen hat er von mir geerbt. Jetzt stöhnen am Bildschirm sicher viele auf, die mich kennen. Leute, ich rede davon, wie ich selbst als Kind war. Schüchtern, zurückhaltend, schweigsam, beobachtend, auf wenige Personen fixiert, aber hyperneugierig und mit großen Augen die Welt beäugend. Ja, ich weiß, das hat sich geändert, Gott sei Dank. Und Sohnemann darf so sein, die Mädels stehen drauf, hab’ ich gemerkt. Über einen zu kleinen Freundeskreis kann er sich nicht beschweren und er kann ja auch anders, halt nur im Kreise seiner Familie oder nahen Freunde. Ist vollkommen in Ordnung und solange er mir mit seinen Augen zeigt, wie groß die Freude ist, darf er das auch weiterhin so tun. Ich lese in ihm, das weiß er.
Leider fehlte mir zwecks Schule die Zeit, mit ihm richtig zu feiern, denn am Nachmittag fuhr er eine Woche zu Papa. Aber das holen wir bei einem großen Eis nach. Und was ja eigentlich der Hammer war, ist, dass ausgerechnet an seinem Geburtstag morgens das Lied kam, bei welchem er sein Köpfchen zum ersten Mal in die große weite Welt streckte. Hier für Dich, mein kleiner großer Mann. Noch heute bekomme ich Gänsehaut, wenn ich dieses Lied höre und ich habe gestern Morgen ganz laut gedreht, als das kam. An einem verregneten Julitag 1996 abends 20.45 Uhr kam dieser Song und das war bis dato der schönste Moment im meinem Leben, das wird er auch bleiben, denn seit diesem Tag ist alles anders. Besser, wichtiger. Auch hier noch einmal alles Liebe zum Geburtstag, mein Dicker. Du bist auf dem richtigen Weg und ich wünsche mir, dass ich auch noch in Deinen Augen lesen kann, wenn Du Deine ersten grauen Haare bekommst. Du bist das Wichtigste in meinem Leben und das Beste, was mir je passiert ist, denn ich liebe nichts so sehr wie Dich.
Tschakka… Es ist vollbracht. Mein Wagen ist innen und außen sauber, wenn man von herkömmlichem Straßendreck absieht, der sich während der Heimfahrt wieder auf den Lack gemogelt hat. Grundsätzlich stufe ich ihn als “gereinigt” ein und zumindest innen ist er jetzt sehr viel ansehnlicher, denn die Lackschäden meines alten Wägelchens kriegt man nunmal nicht mit Wasser weg. Das Wienern im strahlenden Sonnenschein hat richtiggehend Spaß gemacht und bis zum nächsten Mal vergehen hoffentlich nicht wieder zwei Jahre. Ich gelobe Besserung und versuche auch, beim Rauchen künftig in den Aschenbecher zu aschen.
Beim Kieferorthopäden war Familie N. gestern auch fix und soweit verläuft alles plangemäß. Sohnezwerg muss sich nur endlich mit der Tatsache arrangieren, dass er sich keinen Gefallen damit tut, wenn er die Zahnspange nur nach Lust und Laune trägt. Zwar weise ich ihn täglich darauf hin, dass er vorm Schlafengehen bitte das Teil “installiert”, aber das könnte ich dann auch in den Wald rufen. Manchmal kommt es eben vor, dass er alleine schlafen geht und dann “schläft” die Spange eben in ihrem blauen Etui auf dem Schreibtisch. Nööörv…
Nach dem abendlichen Regenguss gestern ist die Luft endlich wieder erträglich und die Hitze treibt mich nicht vor dem Hahnenschrei aus den Federn. Heute morgen lag ich seit langem mal wieder bis zum Weckerklingeln im Bettchen und bin einigermaßen ausgeruht. Für den Rest der Woche herrscht weitestgehend Behördenauszeit, was nach nahezu wöchentlichen Ausflügen von Amt zu Amt eine regelrechte Wohltat ist. Mitte Juni steht dann endlich meine heißersehnte Weiterbildung auf dem Plan und ansonsten läuft im Moment auch alles wunderbar rund. Geht doch!!!
Seit Tagen gibt es Sonne satt und wir haben nahezu die gesamte Woche genutzt, um den unseren “Leih”-Garten aufzusuchen. Ein paar Würstchen grillen, ein bisschen Seele baumeln lassen, ein bisschen Schnapsroulette spielen, ein bisschen Sonne tanken und auch ein bisschen Gartenarbeit machen. Gegrillt wurde fast jeden Tag, das erste Gläschen von unserem neuen Lieblingsspiel ging auch schon zu Bruch und die Seele baumelte gestern in alle Richtungen. Herrlich das…
Sohnemann treibt mich zur Zeit an den Rand des Wahnsinns. Offenbar fahren die Hormone jetzt so richtig mächtig Karussell und die Pubertät hämmert ohrenbetäubend an die Tür. Schulisch lässt er die Zügel seit einer kleinen Weile ziemlich schleifen, zuhause immer das letzte Wort und sei es auch noch so sinnfrei, cool bis in die Zehenspitzen, selbst beim Naseputzen – Image ist bekanntlich alles. Ja und an sämtlichen Querschlägern sind die bösen Anderen schuld, klare Sache. Im Moment kann ich sagen, dass mir täglich an die 25 rote Haare und Federn wachsen. Besserung eher unwahrscheinlich, denn Kinder pubertieren ja bekanntlich bis Ende 30. Ich war nie so frech und aufsässig, auch wenn meine Frau Mama das anders sieht.
Ansonsten läuft alles besser als erwartet und so langsam kehrt auch in meinem Inneren wieder mehr Ruhe ein. Die Gedanken ruhen und ich entspanne mich. Sicherheit werde ich nie erlangen, das weiß ich, aber zumindest kann ich ganz langsam wieder perspektivisch sehen. Einig werden wir uns nie immer sein, müssen wir auch nicht, aber wir treffen uns beim nunmehr dritten Anlauf in der goldenen Mitte, was gut tut. Die Zeit arbeitet für uns und wir helfen ihr.
Meine Amaryllis thront in voller Pracht an ihrem Fensterplatz und aus dem Avocadoexperiment scheint ein wahres Wunderwerk zu werden. Sage und schreibe fünf Sprösslinge schieben sich dem Tageslicht entgegen und ich komme aus dem Staunen nicht heraus. Unter dem alten Senfglas, das als Miniaturgewächshaus fungiert, wächst und gedeiht dieser Kern besser als ich zu hoffen gewagt habe. Ich habe für Euch bewusst das Datum auf den Bildern belassen, damit Ihr sehen könnt, welche Fortschritte dieses Pflänzchen seit der ersten Regung macht. Zwar dauerte es eine kleine Ewigkeit, bis man überhaupt etwas verzeichnen konnte, aber nun wächst mein Sprössling in bemerkenswerter Geschwindigkeit.
Den gestrigen Abend habe ich meinem Sohn zuliebe hier bei ihm verbracht, denn die Tränenströme wollten nicht ohne weiteres versiegen. Stundenlang lag er traurig und deprimiert in seinem Bett. Er ist mit zunehmendem Alter eigentlich recht hart im Nehmen geworden, aber gestern verlor mein Kindchen dann doch die Fassung. Wie gerne hätte er den Samstag noch einmal im Kreise seiner Freunde verbracht, doch das war rein organisatorisch einfach nicht machbar, was ihm schwerer als erwartet zusetzte. Weder leckere Köstlichkeiten aus dem heimischen Vorratsschrank noch die schrägsten Dicht- und Bespaßungskünste seiner alten Frau Mama zeigten Wirkung und wenn ihm dann doch mal ein Kichern entfleuchte, ermahnte er mich, dass er jetzt nicht in der Stimmung zum Lachen sei.
Mir brach das Mutterherz und ich beschloss endgültig, hier bei ihm zuhause zu bleiben. Den ganzen Tag hatte ich schon überlegt, ob ich nun zum “Resteficken” gehe, aber es hätte mir wohl wenig Vergnügen bereitet, meinen Sohn allein und tieftraurig hier in seinem Zimmer zu wissen. Also ließ ich uns ein schönes Schaumbad ein, weil Sohnemann das über alle Maßen liebt und wir führten nach langer Zeit mal wieder unsere intimen Männergespräche unterm Badeschaum. Er liebte diese banale Zeremonie schon als kleiner Steppke und er mag es noch heute. Ihm ging es danach besser und ich fühlte mich angesichts seiner wieder lächelnden Augen auch sehr erleichtert. In unsere Schlafanzüge gekuschelt und schön gemütlich auf dem Sofa sitzend bzw. eher halb liegend, verfolgten wir noch ein bisschen das Abendprogramm und schlichen gegen Mitternacht mit noch immer anhaltenden “Duplofingern”* in unsere Betten.
Es gibt durchaus noch weitere Kuriositäten zu berichten, die Euch ganz sicher in höchstes Erstaunen versetzen würden, aber davon berichte ich Euch an anderer Stelle. Unerwartete Geständnisse bringen mich gewissermaßen etwas aus dem Gleichgewicht und ich brauche sehr viel Zeit, um Klarheit zu erlangen. Eine schlaflose Nacht hat mich das bereits gekostet und ich befürchte, dass noch weitere folgen werden. Fakt ist, dass das alles unvorhergesehen passiert ist und passiert ist im eigentlichen Sinne noch gar nichts. Gebrannte Kinder scheuen das Feuer, vor allem aber, wenn sie dem Pyromanen ein zweites oder gar drittes Mal begegnen. Ich bin auf der Hut, befinde mich in der absoluten Defensive und dort bleibe ich in naher Zukunft auch. Nein, ich möchte mir nicht mehr den Kopf über das Tun und Handeln anderer Menschen zerbrechen. Ich will das nicht mehr. Der Übeltäter steht vor einem fast unlösbaren Problem – meinem Misstrauen und meiner fast unbezwingbaren Skepsis. Ich kann derzeit nicht abschätzen, ob er diesen beiden Gegnern auch nur ansatzweise gewachsen ist.
* “Duplofinger” nennt man die Gliedmaßen der Hand, die nach zu langem Baden ihre Oberflächeneigenschaften verändern. Die schrumpelige Haut der Finger erinnert an die längste Praline der Welt bzw. deren Oberflächenstruktur und das Wort “Duplofinger” wurde vor vielen Jahren von meinem Sohnemann erfunden.
Kindchen liegt kränkelnd im Bett und es sieht ganz so aus, als würde er morgen der Schule fernbleiben, weil er eine Grippe bekommt. Vielleicht schläft er sich bis morgen wieder gesund, aber derzeit ist das eher unwahrscheinlich. Heute morgen habe ich beim hin- und herdrehen meiner Amaryllis eine der gigantischen Blüten abgebrochen – typisch für mich. Da waren es nur noch drei. Vielleicht habe ich Glück und aus der neuen Blüte treiben nochmals vier Stück. Auto ist immer noch in der Werkstatt und natürlich auch immer noch kaputt. Morgen muss ich also auch zu Fuß meine Behördengänge bewältigen und werde damit ganz sicher bis zum Nachmittag beschäftigt sein, während mein Kind krank im Bett liegt. Leider dulden diese Erledigungen keinen Aufschub. Ein toller Mittwoch, so richtig doof. Gott sei Dank hat mich Frau Zaraffel heute früh mit zum Einkaufen genommen und der Kühlschrank ist wieder voll. Das Wochenende darf getrost über uns hereinbrechen. Bleibt abzuwarten, ob Sohnemann überhaupt zu Oma/Papa kann, denn mit eventuell entstehendem Fieber bleibt er besser zuhause.
Nachdem ich Anfang der Woche an meiner Amaryllis nun endlich eine Blüte entdeckt habe, folgte dann gestern gleich der Nachschlag. Da wächst tatsächlich noch eine zweite Blüte, die ich aber diesmal frühzeitig entdeckt habe, weil ich mir das Pflänzlein seit der ersten Entdeckung mal genauer angeschaut habe. An einer anderen Knolle schiebt sich auch eine Blüte raus. Woran der plötzliche Wachstumsschub liegt, kann ich nicht sagen, aber irgendwie scheint es meiner Topfpflanze bisher nirgendwo so gut gefallen zu haben, dass sie Blüten treibt. Böse Zungen würden behaupten, dass es an der Ost liegt. Noch immer weiß ich nicht, welche Farbe mich erwartet und ich bin wirklich langsam neugierig. Ich hoffe, dass sich der Kelch bis nächste Woche endlich mal öffnet und sein Geheimnis preisgibt. Photos folgen natürlich sooofooort…
Außer einkaufen und mal bissle putzen steht heute nichts Erwähnenswertes an. Sohnemann ist heute Morgen etwas verwirrt und rennt alle Wege zweimal, weil er offenbar sein Denkwerkzeug noch nicht auf Betriebstemperatur hat. Da wird statt der schmutzigen Hose mal eben der Gürtel in den Wäschekorb geworfen, man zieht die Hose um ein Haar ohne darunter befindliche “Kurzwaren” an, was ja bei Frauen im Sommer nicht unbedingt was Außergewöhnliches sein soll. Bei Knaben von zwölf Jahren allerdings kann das unter Umständen mit bösen Erfrierungserscheinungen an unaussprechlichen Körperteilen enden. Huuu…
Bin mit Kopfweh aufgewacht und zum Frühstück gab’s deshalb auch erstmal zwei Aspirin und natüüürlich ‘nen ordentlichen Pott Kaffee. Bin wohl bissle spät ins Bett, weil ich bis tief in die Nacht Besuch hatte, hab’ bissle zu spät noch viel zu viel Kaffee getrunken und wohl auch zu wenig gegessen. Sohnemann ist erkältet und spielt deshalb heute auch nicht beim Fußball mit, aber er verabschiedet sich nachmittags dann zum Opa, weil der ‘ne Geburtstagssause steigen lässt. Ich schleiche mit M. bissi um die Häuser und versuche dem Alkohol zu entsagen, sonst ist der Sonntag komplett im Eimer. Wer will das schon…
Sofern nichts anderes dazwischen kommt, werde ich heute mal meinen Kleiderschrank ein bisschen entkernen und die aussortierten Sachen gleich an dankbare Menschen weiterleiten. Nein, ich entsorge nichts in der Altkleidersammlung oder im Container, ich schenke es Menschen, die ich kenne und wo ich genau weiß, dass dort nur wenig Geld vorhanden ist und man sich über solche Sachen freut. Ein warmes Lächeln ist Dank genug und so kann auch ich mal was Gutes tun. Auch mit Sohnemanns Klamotten mache ich das schon seit Jahren so und es gibt immer irgendwen, der/die sowas noch gebrauchen kann.
Das Wetter scheint heute gnädig zu sein und wenn das so bleibt, spazieren wir vor unserem Um-die-Häuser-Streifzug noch ein bisschen im Wald herum. Fräulein Waldhuhn wird sich freuen und uns wird die frische Luft auch nicht schaden. Drüben im Kinderzimmer niest Herr N. aus P. im Akkord und ich hoffe, dass es bei einer harmlosen Erkältung bleibt. Fräulein Katze schlendert irgendwie erwartungsvoll durch die Räume und meckert jeden und alles voll, also alles wie immer…
Endlich. Herr N. aus P. möchte lange Haare. Nicht so lang wie in seiner Kleinkindzeit, aber doch weg vom Sommerraspelkurzhaarschnitt. Nix mehr Gel, nix mehr Army-Style. Laut Beschreibung möchte er gerne diesen Haarschnitt und damit bin ich einverstanden. Schaut fesch aus und einige seiner Kumpels tragen diesen Haarschnitt schon seit geraumer Zeit, was mir schon immer sehr gefiel. Herr N. aus P. hatte ja vor geraumer Zeit mal einen waschechten Irokesenschnitt, womit er richtig heiß aussah. Da mein Kind aber ein recht konservativer Mensch ist, trug er diesen “blauen Kamm” nur ein halbes Jahr lang. Gefärbt haben wir das Teil natürlich selbst. Witzig fand er das schon, nur mussten wir sehr oft zum Friseur, um die Optik auch zu gewährleisten. Mein Sohnemann ist mit einem bemerkenswerten Haarwuchs und mit ebenso bemerkenswert dickem Haar gesegnet, was mitunter anstrengend sein kann, da wir alle Naselang beim Kopfgärtner antreten mussten. Nun hat er sich also für eine längere Frisur entschieden und die Wuchsrichtung seiner Borsten dürfte da hilfreich sein. Seinen Kopf zieren diverse Wirbelchen, die dafür sorgen, dass sein Pony immer artig in Richtung Nase will. Sehr praktisch also, denn die neue Frise macht genau das erforderlich und dann kommt er ohne “Hilfsmittel” aus. Ich bin sehr gespannt. Einen Termin haben wir jetzt noch nicht, aber sobald er seine neuen Haare hat, folgen Bilder – versprochen…
Gut, geklaut hab’ ich es nicht, aber ich habe gerade eins gegessen und wusste gar nicht mehr, wie gut das schmeckt. Heute bin mal zuhause geblieben, weil ich gestern erst spät ins Bett kriechen konnte. Gute Gespräche bei Frau M., Kurzweil mit Frau W. und zu vorgerückter Stunde sogar noch lecker Pizza bei einem guten Freund waren daran “schuld”. Herr S. aus P. lag längst im Bett als ich endlich nach Hause kam. Plauen und Umgebung sind dick eingeschneit und ich habe mir heute Zeit genommen und mal nur an mich gedacht. Habe über die eine oder andere Sache mehr oder minder intensiv nachgedacht und für mich festgestellt, dass nichts ohne Grund passiert. Manches ist lehrreich, manches unnötig und manches muss ganz einfach geschehen, damit man darüber nachdenkt und daraus lernt.
Eines dieser Dinge erregte die Sorge meiner Leser vor ein paar Tagen und hierzu kann ich bilanzierend nur noch sagen, dass manche Menschen besser großen Abstand voneinander nehmen. Was im Anschluss vergleichsweise banaler Dinge an Äußerungen folgte – die einem zwangsläufig zu Ohren kommen – grenzt an Unverschämtheit und entspricht einfach nicht den Tatsachen, denn hier wurden wesentliche Details einfach weggelassen oder irrwitzige Behauptungen aufgestellt, die ich so im Raum stehen lassen werde, da es unter meinem Niveau ist, auf derlei “Furz” noch weiter einzugehen. Gute Besserung!!! Sie sollten den Arzt wechseln!!! Ich werde nicht ins gleiche Horn stoßen und Rechnungen aufstellen, denn das ist unter meiner Würde. Dass das den Gepflogenheiten dieser Person entspricht, ist mir nicht neu, denn es ist nicht das erste Mal und ganz sicher auch nicht das letzte Mal, aber was mich betrifft, wird es kein nächstes Mal geben, denn entweder bin ich gerne für jemanden da oder ich lasse es. Ich werde mich auf keinen Fall mehr mit den Problemchen befassen, die für Menschen meines Alters einfach nur unnötig sind.
Der Schnee draußen sieht wunderbar weich aus und ich werde mich nachher mit einer guten CD ins Badezimmer verdrücken und mir ein wohltuendes Bad gönnen. Heute Abend lese ich endlich mein Buch weiter, dass seit Tagen unberührt auf dem Nachtschrank liegt und hoffe, dass ich diese Lektüre heute beenden kann. Herr S. aus P. hat Spätschicht und wird nachts sicher eiskalt unter die Decke kriechen und mit seinen eisigen Fingern Frostbeulen verursachen. Derzeit gestaltet es sich etwas schwierig, bei offenem Fenster zu schlafen, denn da mein Bett genau drunter steht, weht immer wieder Schnee durch die geöffneten Dachfenster und ladet in unseren Gesichtern und auf den Kissen. Man hört die Flocken sogar leise auf den Stoff der Bettwäsche rascheln – unglaublich. Der angenehme Nebeneffekt ist, dass der Schnee die Fenster so abdeckt, dass die aufgehende Sonne bzw. das Tageslicht gedämpft im Zimmer ankommt, was ich im Schlafzimmer als angenehm empfinde.
Morgen dann stehen wieder ein paar Erledigungen an und anschließend lasse ich meine Haare etwas gesundschnippeln, was mal wieder nötig ist. Die Gute will mir dann auch zeigen, wie man mit vier (!!!) Strähnen einen Zopf flechten kann, denn das ist mir vollkommen neu gewesen. Ich habe einen solchen Zopf auch noch nie gesehen und bin sehr gespannt. Probiert habe ich noch nie, ob das Flechten mit mehr als drei Strähnen möglich ist und ich werde mich morgen überraschen lassen. Nach eventuellen Schnappschüssen muss nicht erst gefragt werden. Ich seh’ von vorne schon dämlich aus und von hinten erst recht. Sohnemann ist nach wie vor in Mechel und scheint sich dort pudelwohl zu fühlen, was kein Wunder ist, da ich hier in der Ost nicht mit zwei Kumpels aufwarten kann, die Tag und Nacht bei uns sein dürfen können. Ich wäre nach kürzester Zeit reif für die Jacke, wo der Reißverschluss hinten ist. Dafür bewundere ich die Mutter der beiden Rabauken und für ihre scheinbar unendliche Geduld. Respekt…!!!
Ein entspanntes Wochenende liegt hinter uns und wir haben es endlich mal geschafft, die DVD anzuschauen, die ich schon vor Wochen gekauft hatte – “Das Parfum”. Ich gebe zu, dieser Film beginnt vielversprechend und besticht eher durch einigermaßen charismatische Darsteller als durch schockierende Bilder. Die mittelalterliche Szenerie gefiel mir ausnehmend gut, doch das Ende dieses Streifens verursachte bei uns dann doch eher befremdliches Stirnrunzeln. Vielleicht ist das Buch ja doch besser, wir werden sehen.
Kulinarisch betrachtet, haben wir es uns auch dieses Wochenende wieder ausgesprochen gut gehen lassen. Herr S. aus P. machte sich in der Küche wieder unentbehrlich und irgendwann muss ich dort nur noch meinen leergegessenen Teller abstellen, denn er lernt sehr schnell und macht seine Sache wirklich gut. Es ist ungewohnt, beim Kochen so unterstützt zu werden, aber es bringt eigentlich nur Vorteile mit sich, wenn man so ein fleißiges Helferlein an seiner Seite hat.
Organisatorisch gesehen waren wir recht faul und keiner fand es schlimm. Mir ist es ohnehin zu kalt draußen und wenn die ersten warmen Sonnenstrahlen funkeln, werden wir auch wieder vor die Türe gehen. Zuhause auf dem Sofa ist es auch schön und dort draußen gibt es derzeit nichts, was mich hinterm Ofen hervorlocken könnte. Alles in allem nix neues hier, wie anderswo auch. Ruhig ja, langweilig überhaupt nicht. Zwischenzeitlich habe ich meine uralte Spielkonsole mal rausgekramt und versucht, Herrn S. aus P.in die Welt von Donkey Kong eintauchen zu lassen, aber das ist nicht sein Ding. Macht aber nix, man muss ja nicht alles mögen oder können. Dafür spielt er gerne mal so Ballerspiele, die mich nun wieder gar nicht interessieren.
Meine alte Stereoanlage steht jetzt auch endlich im Schlafzimmer hoch oben auf dem Schrank. Das wollte ich ja schon seit Wochen mal erledigen, aber entweder fehlte die Zeit, der Nerv oder einfach nur die Lust. Herr S. übernahm diese Aufgabe gerne und jetzt können wir auch dort drüben lecker Musik hören. Sohnemann verweilt nach wie vor in Mechel und am Sonntag habe ich dort auch mal angerufen, denn die Stille hier ist zwar schön, aber trotzdem fehlt einem ab und an dieses “Mama, was gibt’s ‘n heut zu essen???” Ihm geht’s gut, uns auch und wahrscheinlich wird die Woche genauso ruhig wie das Wochenende, also schön locker durch die Hose atmen…
Hier in Plauen schneit es nun schon den zweiten Tag in Folge, allerdings bisher nur nachts. Gestern und auch heute sah man morgens schneebedeckte Dächer und weiße Straßen. Die steigenden Temperaturen tagsüber ließen die weiße Pracht gestern allerdings recht schnell wieder verschwinden. Heute Morgen hingegen gab’s wieder Schnee und wir werden sehen, ob auch heute alles wieder schmilzt. Anderswo soll ja der Winter nochmal ordentlich zugeschlagen haben und das nehmen wir heute in Augenschein. Fräulein F. aus S. zwischen P. und S. und meine Wenigkeit werden heute einen kleinen Abstecher ins Erzgebirge unternehmen und nach Annaberg-Buchholz fahren. Ich bin sehr gespannt. Frau Bergzwerg wird uns dort hoffentlich mit warmem Kaffee und einer gut funktionierenden Heizung in Empfang nehmen.
Herr N. aus P.verweilt unterdessen im Plauener Umland bei seinen Freunden und amüsiert sich offenbar in vollem Umfang, denn man hört und sieht seit Montag nichts von ihm, was immer ein gutes Zeichen für sein Wohlbefinden ist. Wann er wieder nach Hause kommt, steht in den Sternen, denn er verlängert seine Besuche dort mit aller Regelmäßigkeit und aus einer geplanten Übernachtung werden dort fast immer sehr viele mehr. Ich warte einfach auf jenen Anruf, wenn er seine alte Mutter dorthin beordert, um ihn nach Hause zu holen. Solange die dortige Hausherrin nichts gegen ausgedehnten Aufenthalt einzuwenden hat, lasse ich ihm seinen Spaß, denn schließlich hat er Ferien. Das Zeugnis ist auch recht gut ausgefallen und ich kann zufrieden mit seinen Noten sein. Er bemüht sich und hat sich in einigen Fächern verbessert, wobei ich die Verschlechterung in den beiden anderen Fächern großzügig übersehe. Passt scho…
Herr S. aus P. geht seinen beruflichen Pflichten nach und beträgt sich nach seinem Fauxpas am vergangenen Wochenende vorbildlich. In alter Manier singt er schön schief sämtliche Hit-Giganten hoch und runter, macht und tut fleißig hier im Haushalt mit, schnippelt artig Gemüse und dergleichen, wenn Bedarf ist und ist auch sonst ganz lieb. Wenn’s so bleibt, kann und will ich ihm nichts nachtragen und werde ihn gewohnheitsgemäß am Singen hindern, denn manchmal singt er so schief, dass es weh tut. Aber der Spaßfaktor ist enorm hoch und entlockt mir immer wieder ein Lachen. Passt auch…
So Leute, meinereiner wird sich so langsam unter die Dusche begeben, damit Fräulein F. nicht warten muss, wenn sie mich dann gegen 8.00 Uhr hier abholt. Draußen schneit es noch und obwohl ich den Winter mit all seinen Eigenschaften liebe, mag ich endlich wieder Sonne und warme Luft draußen haben. Meine Winterliebe findet alljährlich im Februar ihr Ende und erwacht erst im November oder Dezember jeden Jahres wieder. Der Winter dauert mir zu lange. Passt überhaupt nicht…
Im Moment passiert hier in der Ost nichts wirklich aufregendes, was einen Blogeintrag wert wäre. Alles läuft in geregelten Bahnen und auch sonst gibt es keinerlei nennenswerte Ereignisse. Der Wagen von Herrn S. aus P. will gewerkstättelt werden, Drosselklappe oder so’n Teil trotzt rum. Behördenmarathon von Frau N. aus P. ging auch wider allen Erwartungen glatt, auch wenn ich heute zum dritten Mal dort hin muss, weil unerwartet noch ein wichtiges Schreiben ins Haus flatterte, dass dem laufenden Antrag zuträglich ist. Also reiche ich das heute noch schnell nach. Mittlerweile darf ich die Dame im Amt sicher duzen, wir sehen uns ja fast täglich.
Für’s kommende Wochenende habe ich mir schon vor Tagen einen jener Filme aufgehoben, die ich schon seit längerem sehen wollte. “Das Parfum” von Patrick Süskind… Als Buch wurde mir das Werk bereits mehrfach angepriesen und ich mag es sehr gerne, wenn ich zuerst den Film sehe und danach das Buch lesen darf. Man hat zu allen Darstellern ein Gesicht vor Augen und kann sich Orte und Geschehnisse wunderbar im Geiste vorstellen. Meist ist es aber so, dass die Bücher ihren Verfilmungen in Sachen Anspruch weit voraus sind. Ich habe nun schon mehrfach Buch und Film zu verschiedenen Werken verschlungen und bisher konnte kein Film dem geschriebenem Wort auch nur im Ansatz gerecht werden. Wir werden also sehen, wie sich das beim Parfum verhält.
Herr S. aus P. geht ab Montag wieder arbeiten und somit kehrt hier wieder der geregelte Alltag ein. Der kleine Herr N. aus P. ist bereits auf dem Weg zur Schule und auch bei ihm gibt es keine bemerkenswerten Auffälligkeiten, außer der großen Klappe und der pubertären Besserwisserei. Also alles im grünen Bereich…Und Ihr so???
Herr S. und Frau N. aus P. saßen gestern gemeinsam im Wohnzimmer zum Abendessen – es gab gebratenen Leberkäse mit Kartoffelsalat und Spiegelei – und schauten dabei gemütlich fern. Der kleine Herr N. aus P. wollte gerne in seinem Zimmer speisen und so wurde ihm wunschgemäß das Mahl in seinen Gemächern kredenzt. Während die alten Leutchen auf ihren Tellern schnippelten und dem Leberkäse zu Leibe rückten, huschte der kleine Herr N. durch die Küche und seine Erziehungsberechtigte fragte nach, was er suche. Er gab willig Auskunft und die beiden älteren Herrschaften aßen weiter. Unvermittelt hob Herr S. den Kopf und hakte nun bei seiner Tischdame nach, was der kleine Mann denn da tue und so kam folgende kurze Unterhaltung zustande:
„Was is’n?“
„Nix weiter, ihm ist da zu wenig Platz auf’m Teller und er holt sich noch einen kleinen Teller, wo er seine Eier drauf tun kann.“
Kurze Denkpause… Dann flüstert er gespielt empört:
„Beim Essen?????“
Wieder kurze Denkpause…
Frau N.aus P. wiehert los und verschluckt sich fast…
Männer sind Ferkel… Und Ferkel sind bekanntlich auch Schweine…
Nee, keine Panik, wir verabschieden uns erstmal nur ins bevorstehende Wochenende. Das haben wir uns verdient. Herr S. aus P. ist noch krank geschrieben und muss heute erneut beim Arzt antreten. Der kleine Herr N. aus P. verbringt sein Wochenende bei Papa/Oma und somit haben die zwei alten Leute sturmfreie Bude. Was besonderes ist nicht geplant, aber uns wird schon was einfallen. Die letzten beiden Tage hat Frau N. aus P. damit verbracht, ihren Laptop zu formatieren, da dieses Scheißgerät plötzlich alle USB-Ports lahmgelegt hatte. Geplant war das Formatieren zwar schon seit einer halben Ewigkeit, aber ich lasse mich nur ungern dazu zwingen. Sichern konnte ich demzufolge auch nichts mehr, da ich nicht mehr auf irgendwelche Sticks oder die externe Festplatte zugreifen konnte. Also blieb mal wieder nur die Ex-und-Hopp-Variante und jetzt wuppt alles wieder. Mal sehen, wie lange. Zum Glück sichere ich seit geraumer Zeit nahezu nichts mehr auf dem Laptop, weil’s nicht das erste Mal ist, dass die Krücke ihren Dienst von jetzt auf gleich verweigert. Also gingen nur sämtliche Installationen flöten, was aber kein Beinbruch ist, da ich alle Programme und obendrein meine sensiblen oder wertvollen Daten extern sichere.
Wettertechnisch herrschen heute draußen stürmische Zeiten und von Schnee ist fast nichts mehr zu sehen. Kalt isses trotzdem und so langsam sehne ich mich nach dem Frühling und ein paar wohltuenden Sonnenstrahlen auf der Haut. Bisschen Radfahren oder mal in der Sonne sitzen und Kaffeetrinken wäre toll. Die dicken Jacken nerven auch allmählich und endlich mal wieder mit nackten Füßen in Flipflops herumlaufen fänd’ ich jetzt echt klasse. Wird wohl noch ein Weilchen dauern und wenn hier nicht bald was aufregendes passiert, werden meine Einträge immer langweiliger. Gähn…
Aufgestanden sind wir ziemlich zeitig, dann wurde erstmal ordentlich gefrühstückt, danach flitzte Frau N. aus P. nochmal schnell in den Supermarkt, weil wir kurzerhand beschlossen hatten, dass wir einen Maulwurfkuchen und einen Marmorkuchen backen wollten. Zwischenzeitlich meldete sich das Füchslein mit Anhang zum Mittagessen an und somit brauchten wir noch mehr Zutaten für’s Mittagessen. Zuhause wieder angekommen, war’s Füchslein schon angereist und Herr H. aus M. spielte mit Sohnemann schon fleißig Playstation. Meinereiner kochte fix ein Käffchen und schlürfte eine Tasse mit. Nach und nach verdünnisierten sich alle Anwesenden ins Kinderzimmer und ich begann mit der Zubereitung des Mittagessens. Auf dem Speiseplan standen „Beffsteggs“ mit Kartoffelpürree und gebratenen Zwiebeln. Also losmatschen und die Teile ausbraten. Wuppte alles bestens und nach kürzester Zeit roch man in allen Zimmern, was heute auf den Teller kommt.
‘S Füchslein fühlte sich nicht so, also verließen Herr H. aus M. und seine Frau F. aus S. zwischen P.und S. schon kurz nach dem Mittagessen meine Wohnung, damit das Füchslein zuhause auf dem Sofa gesunden kann. Schon bei ihrer Ankunft sah sie nicht besonders gut aus und ihr Zustand verschlechterte sich zusehens. Nachdem die Beiden gegangen waren, begann ich mit dem Marmorkuchen. Scheiße, die Margarine is’ alle und Eier haben wir nach dem Backen dann auch keine mehr. Also huschte Herr S. aus P. nochmal fix zum Supermarkt um die Ecke und sorgte für Nachschub. Plangemäß landete dann der erste Kuchen im Ofen und Herr S. meldete sich zur Zubereitung des Maulwurfkuchens an. Ich überließ ihm die Küche und wollte eigentlich im Bad verschwinden, aber es kam mal wieder ganz anders. Erst klingelte mein Telefon, dann klingelte gleich nochmal das Telefon und dann klingelte mein Nachbar und dann klingelte noch ein später Besucher. Ratzfatz war es 22.00 Uhr und der Tag war rum.
Also minimierte ich meine Badezimmerpläne auf das Nötigste und beschränkte mich auf die übliche Reinigungsprozedur. Die ausgiebige Variante werde ich dann eben heute praktizieren. Küchendienst am Herd hat heute Herr S. aus P. und das lasse ich mir gerne gefallen, denn sonst koche ja ich immer. Kuchen haben wir nun in rauen Mengen, „Beffsteggs“ gibt’s auch noch zum Zwischendurchessen und wenn jetzt hier noch einer hungert, dann ist er/sie selbst schuld, denn der Kühlschrank platzt aus allen Nähten und unter’m Bett lauert der Maulwurfkuchen, allerdings wird der bewacht. Das Korrekturlesen fällt heute aus, denn es kann sich nur noch um Minuten handeln, bis die Männer wach werden und mich wieder in Beschlag nehmen. Wer also Rechtschreibe- oder Grammatikfehler findet, darf sie behalten…
Nachdem ich gestern den Tag ruhig begonnen habe und tagsüber bei Frau M. einen gepflegten Kaffee geschlürft und ein bisschen gehutzt hatte, trudelten derweil die Männer des Hauses ein. Der kleine Mann hüstelte vor sich hin, was ja abzusehen war, aber er befindet sich dennoch auf dem Wege der Besserung. Frau N. aus P. vergnügte sich noch unter der heimischen Dusche, als auch Herr S. aus P. von der Arbeit kam. Es klopfte an der Badtür, was meinerseits mit einem „Jahaaa…“ quittiert wurde. Herr S. aus P. jedoch konnte sich ein weiteres Klopfen nicht verkneifen und so stieg Frau N. patschnass aus der Wanne, schlang sich ein Handtuch um den Astralkörper (Klappe jetzt hier!!!) und steckte ihren triefnassen Kopf neugierig durch die Tür in die Küche. Dort saß ein grinsender Herr S. und nach einem kleinen begrüßenden Wortwechsel verabschiedete sie sich zum Anziehen zurück ins Bad.
Mit Handtuchturban und nackten Füßen huschte sie an den Küchentisch und Herr S. plapperte irgendwas von „…wenn’s morgen nicht besser ist, muss ich wohl zum Arzt…“, was mich dann doch aufhorchen ließ: „Was…, wieso…, was’n passiert?“ Herr S. humpelte zur Kaffeemaschine und schenkte uns vom frischen Heißgetränk nach. Nachdem er wieder Platz genommen hatte, streckte er seine Füße nach vorne und ließ mich raten, um welchen Fuß es sich handelt. Das linke Gehwerkzeug hatte am Außenknöchel eine sichtbare Schwellung und das Auftreten auf Selbigem war schon nicht mehr ohne Schmerzen möglich. So wollte Herr S. nun abwarten, wie sich dieser Zustand bis zum nächsten Morgen verändert – ob nun zum Positiven oder zum Negativen. Ich ordnete erstmal eine Mütze Schlaf auf der Couch an und Herr S. leistete artig Folge. Nachdem hier dann jede Menge Sägespäne umherflogen, schloss ich nach gut zwei Stunden leise die Wohnzimmertür, um mit dem Abendessen bzw. dessen Zubereitung zu beginnen.
Prompt öffnete sich die eben geschlossene Tür und Herr S. hinkte mir nach. Ich registrierte eine Verschlechterung und ordnete Kühlkissen an. Wieder folgte Herr S. dem Befehl artig und ich verbannte ihn zurück auf die Couch. Der Zustand verschlechterte sich von Stunde zu Stunde und als die zwei alten Leutchen dann ins Schlafzimmer wechselten, konnte Herr S. schon nicht mehr ohne Schmerzen diesen Fuß auflegen. Also entschloss er bereits vor dem Schlafen, dass kein Wecker gestellt werden müsse, da ich ihn am nächsten Morgen – also heute – zum Arzt fahren müsse. Sohnemann war mit gefülltem Magen und müden Augen freiwillig und ohne jegliche Aufforderung im Schlafgewand in sein Bett gekrochen und eingeschlafen, so dass mir nicht mehr blieb, als den Fernseher auszumachen und leise die Kinderzimmertür zu schließen. Herr S. stöhnte vor Schmerzen, als er die Bettdecke über die Füße ziehen wollte und angesichts dieser Entwicklung ist der heutige Tag ziemlich straff durchgeplant.
Herrn N. aus P. wecken und zur Schule entlassen.
Herrn S. aus P. wecken und mit frischem Kaffee versorgen.
Frau N. aus P. duschen und salonfähig restaurieren.
Auto freischaufeln und Herrn S. zum Arzt fahren.
Herrn S. aus P. im Wartezimmer ein bisschen mit seinen Altersgebrechen konfrontieren und necken.
Krankenkasse abklappern.
Krankenschein zur Firma bringen.
Herrn S. aus P. kurz zuhause absetzen.
Herrn N. aus P. ins Auto stopfen und zum Kieferorthopäden bugsieren, zwecks neuer Zahnspange.
Zutaten für’s Abendessen einkaufen.
Die kränkelnde Mannschaft mit kulinarischen Schmankerln versorgen und danach Hustensäfte, komische Salben und dergleichen verabreichen.
Dienstag – der Tag beginnt erwartungsgemäß ruhig. Um 4.00 Uhr klingelt der Wecker zum ersten Mal. Der Radiowecker plärrt irgendwelche Musik ins Dunkel und irgendjemand sagt: „Kannst den Wecker ganz ausmachen, mein Handy weckt mich gleich nochmal.“ Ich führe den Befehl aus und schlafe weiter. Minuten später leuchtet etwas auf und klassische Musik dudelt durch den Raum. Ich öffne die Augen und schaue den Herrn auf der Beifahrerseite des Bettes irritiert an. Er grinst und sagt nichts. Kopfschüttelnd ziehe ich die Decke bis hoch zur Nase und werde ausgeschimpft, weil mein rechter Arm eiskalt ist. Leise steht der Schimpfer auf und erledigt in bemerkenswert rücksichtsvoller Stille all die Kleinigkeiten, die morgens so anliegen. Kaffeekochen, Zähneputzen, Anziehen, Katze nicht treten, lautloses durch die Wohnung laufen. Die Schlafzimmertür öffnet sich ein letztes Mal, jemand kriecht vorsichtig durch die Berge von warmen Decken und tastet das Bett nach mir ab. Man verabschiedet sich superleise und schließt geräuschlos die Wohnungstür. Ich bin es nicht gewohnt, dass jemand so leise sein kann und bin plötzlich hellwach.
Ich stehe auf, halte mir das ganze Gesicht zu, weil diese verdammten vier 60-Watt-Glüharschlöcher mir fast die Haut vom Gesicht brennen und mein Augenlicht bedrohen. Intuitiv tapse ich zur Kaffeemaschine und kneife die Augen zusammen, denn meine Hände brauche ich jetzt zum Kaffeekochen. Mietzo schleicht leise um meine Beine und maunzt. Schnell das arme Tier füttern und die Heizung noch ein klitzekleines Bisschen hochschrauben, weil Frau N. aus P. fröstelt. Schnell hole ich mir aus dem Bad meinen Flauschibademantel und registriere lächelnd die Zahnpastatube auf dem Waschbeckenrand. Der Herr hat also doch kleine Macken, denn so langsam komme ich mir blöd vor, weil ich jede Menge davon habe. Ich lasse den benutzten Kaffeefilter in der Maschine, bis ich die Maschine neu befülle – er nicht. Ich spüle die Kanne nicht gleich aus, wenn sie leer ist – er schon. Ich werfe meine Klamotten vorm Schlafen auch gerne mal vor’s Bett – er nicht. Ja, ich räume das morgens immer gleich weg, aber er verursacht gar nicht erst dieses Chaos. Aber wenigstens lässt er morgens immer die Zahncréme am Waschbeckenrand liegen – ich nicht. Aber ich bin erleichtert, denn ein Mensch ohne Ticks wäre mir unheimlich.
Sohnemann und ich haben den Tag dann sehr viel geräuschvoller begonnen. So sind wir eben und das wird nächste Woche lustig, denn dann schläft Herr S. aus P. noch und wird garantiert wach. Vorbereitet ist er, denn ich habe ihn eindringlich gewarnt. Er will’s nicht anders, also kriegt er die volle Packung. Bei uns wird morgens erst leise, dann ziemlich energisch geweckt, dann wird über die Kleiderwünsche von Sohnemann gestritten, diskutiert und nebenbei werden Brötchen aufgebacken, geschmiert, Kühlschranktür auf zu auf zu auf zu, Wasserhahn & Co. auf zu auf zu auf zu, Besteckgeklapper, Antreiben vom Nachwuchs mit vorwurfsvollem Blick auf die Uhr, noch ein kleiner Zank und dann ab in die Schule. Mal sehen, wie lange Herr S. seine Ruhe behält. Nur eines dürfen wir nicht vergessen: Wir müssen für Herrn N. aus P. schon am Vorabend die gewünschten Anziehsachen zusammensuchen, denn sonst erstrahlen morgens gegen 6.00 Uhr zwei unmenschlich helle Halogenstrahler im Schlafzimmer und das dürfte Herrn S. überhaupt nicht gefallen. Vermute ich jetzt mal so…
Das Wochenende war sowas von zu kurz, aber ich möchte behaupten, dass wir jeden Moment optimal ausgenutzt haben. Der Freitag begann ruhig und Sohnemann verabschiedete sich in seinen Wochenendurlaub zu Oma/Papa. Frau N. aus P. lag längst in den Federn, als der Spätschichtler sich unter die Decke mogelte. Man tauschte sich noch kurz aus, wie das kommende Wochenende aussehen könnte und irgendwann schlief man artig in den Samstag hinein. Die Sonne strahlte längst, als die zwei alten Leutchen ihre Augen öffneten und nach etlichen Dehn- und Streckübungen schälte man sich aus dem Bett, um den Tag mit einem gemeinschaftlichen Frühstück zu beginnen. Plangemäß sprang man danach zuerst unter die Dusche und danach in warme Wintersachen. Schnell noch den Hörnerschlitten von Sohnemann in den Kofferraum gepackt und auf nach Schöneck. Auch dort strahlte die Sonne aus Leibeskräften und der Skihang war mehr als gut besucht. Alles, was Beine hatte, war von Nah und Fern angereist, um sich mit Gejauchze in irgendeiner Form den Hang hinunterzustürzen.
Die erste Fahrt war äußerst vergnüglich, denn die zwei alten Leutchen saßen zwar auf ihrem Hörnerschlitten, der aber wiederum blieb alle paar Meter auf offener Fahrt liegen. Kichernd und gackernd mutmaßte Frau N. aus P., dass die zwei Piloten zu dick seien, was Herr S.aus P. energisch bestritt. Nur mit Zutun der unteren Extremitäten setzte sich das Gefährt wieder in Bewegung und so dauerte die erste Talfahrt länger als der anschließende Wiederaufstieg. Oben angekommen änderten die zwei Rennfahrer ihre Strategie und so nahm Frau N. aus P. fortan an der Spitze Platz, was nach zahlreichen weiteren Fahrten dann auch endlich zum Erfolg führte. Man/frau hatte sich nämlich zum Ziel gesetzt, den unten befindlichen kleinen „Berg“ mit dem Schlitten zu erklimmen und auf dem „Gipfel“ oder sogar nach dessen Überquerung zum Stehen zu kommen. Nach einer Handvoll Tempos zwecks tropfender Nase, zwei leckeren Aufwärmgetränken und einer Portion Wiener mit Senf gelang das sogar und man trat nach einigen Stunden wunderbar durchgefroren und zufrieden lächelnd die Heimreise an, wo die beiden Schlittenfahrer mit Fingerfood und DVD ihren Samstag ausklingen ließen.
In der Zwischenzeit plagte Sohnemann ein Fieberschub und so kam es, dass ich den jungen Mann vorzeitig nach Hause holte, da er den Wunsch äußerte, in sein eigenes Bett zu wollen. Da der Spössling keinerlei Nahrung zu sich nehmen wollte, rief ich kurzerhand die nahrungstechnische Narrenfreiheit aus, was sich als äußerst effizient herausstellte, denn so füllte sich der Magen des kleinen Patienten rasch mit den verschiedensten Speisen, um wenigstens dafür Sorge zu tragen, dass die verabreichten Medikamente nicht im nüchternen Magen landen. Zwischen Kuchen, Keksen, Tee und Nudelauflauf schlief Herr N. aus P. irgendwann versehentlich ein und schläft sich seither gesund. Nachhher werden wir zum Arzt fahren, denn in der kleinen Hühnerbrust kündigt sich ein bellender Husten an, der behandelt werden sollte. Das Fieber haben wir im Griff und die aufkeimende Tropfnase stellen wir mit handelsüblichen Tempos ruhig. Die beiden verbliebenen Couchkartoffeln ließen sich mit Schöffi und Pomelo gemütlich auf dem Sofa nieder und schauten sich zuerst „Sieben Leben“ und danach noch fix „Transporter 3“ an. Der erste Film ist recht langatmig, anfangs eher verwirrend und die Geduld des Zuschauers wird auch eine wirklich harte Probe gestellt. Insgesamt hatte ich mehr erwartet, aber ich habe durchaus schon schlechtere Filme gesehen. Der zweite Film war selbstredend actiongeladen, voller hinrissiger Stunts, gespickt mit jeder Menge Pseudocoolness und Frau N. aus P. griff beherzt in die „Ja, nee is’ klar“-Kiste, denn wer parkt sein Auto schon auf einem Zug und dann überflüssigerweise auch noch im Zug. Brauchen wir gar nicht drüber reden, wie glaubwürdig all diese Aktionen rüberkamen, aber warum nicht auch mal einen typischen Männerfilm anschauen…
Alles in allem war das Wochenende lustig, ruhig, ausgeglichen, bewegungsreich und trotzdem auch sehr entspannend. Ich hab’s genossen und lasse meine Leser weiterhin im Unklaren, was wir noch so alles getan und nicht getan haben, denn das bleibt unser schmutziges Geheimnis… Aber ich verrate Euch, dass es großen Spaß gemacht hat und ich werd’s immer und immer und immer wieder tun. Ätsch…!!!
Im Moment bin ich etwas schreibfaul, ich geb’s ja zu. Zwar gäbe es durchaus Stoff zum Schreiben, aber irgendwie wuppt es zur Zeit nicht so recht mit der Schreiberei. Morgens komm’ ich nur schwer aus den Federn, was wohl am Schlafmangel liegt, der wiederum mit dem Schichtbetrieb anderer Leute in Zusammenhang steht. Vor nachts 2.00-3.00 Uhr kam ich die ganze Woche nicht ins Bett und gestern wurde es sogar 3.30 Uhr und Frau N. aus P. schaffte es mit letzter Kraft zur Couch, wo sie dann die verbleibenden zwei Stunden bis zum Weckerklingeln gegen den Schlaf ankämpfte. Das Wochenende ist nun endlich greifbar und sofern uns nicht unvorhergesehenes Tauwetter überrascht, werden wir eventuell mit Schlitten im Gepäck nach Schöneck zum Rodeln fahren. Sohnemann verbringt sein Wochenende bei Oma/Papa und der „Rest“ wird sich die Zeit im Schnee vertreiben.
Rodeln, Ausschlafen und Genießen, mehr habe ich nicht vor, aber das wiederum bis zur Perfektion. Die Woche war recht hektisch und ich war ziemlich viel unterwegs. Behördengänge erledigen, Freunde besuchen, mit Sohnemann erneut zum Kieferorthopäden, Friseurbesuch mit Zwergzwerg und Abend für Abend mit dem Schlaf kämpfen, denn um Mitternacht war andernorts die Spätschicht vorbei und man unterhielt sich noch bis tief in die Nacht via Internet, weil für mehr keine Möglichkeit blieb. So verging die Woche schnell und doch irgendwie schleppend. Morgen Abend werde ich mich dann endlich zu normalen Zeiten in mein Bett legen können und sicher werde ich schon längst schlafen, wenn sich jener Spätschichtler hereinschleicht. Mein Fazit für diese Woche: Mittelschicht ist doof, zahnspangentechnisch großes Glück gehabt, Freunde sind was Großartiges und es herzelt und flattert nach wie vor und das ist gut so.
Liebe und Logik sind wie Sonne und Mond;
wenn das eine Gestirn aufgeht, geht das andere unter.
Manchmal ist es zum Haare raufen. Zum zweiten Mal schon hat Scott seine Zahnspange so dermaßen verlegt, dass sie unauffindbar ist. Da habe ich ihm nun schon dieses kleine Etui gekauft, noch bevor er seine Spange überhaupt hatte und trotzdem steckt er sie in den meisten Fällen in irgendwelche Jacken- oder Hosentaschen und abends vorm Schlafen sucht er dann panisch nach dem teuren Stück. Ich muss gestehen, dass mir vorhin der Geduldsfaden riss, denn ich vermute stark, er hat sie irgendwo in der Schule vergessen. Wenn sie dort ein Spaßvogel einfach mitgenommen oder gar zerstört hat, heißt das für mich, eine neue Zahnspange anfertigen lassen und mit teuer Geld bezahlen. Sowas macht mich wirklich wütend und ich hasse derlei Nachlässigkeiten. Wenn ich schon sehe, wo er überall sucht, platzt mir die Hutschnur, denn ich glaube kaum, dass die Feinmechanik dieses Teils der Belastung in irgendwelchen sandgefüllten Hosentaschen, herumgeworfenen Schulrucksäcken oder dergleichen standhält.
Frau N. aus P. verabschiedet gerade ihren Besuch, da klingelt Sohnemann unten an der Haustür, obwohl er einen Schlüssel hat. Muttern drückt auf den Türöffner und da wir unterm Dach wohnen, dauert es eine Weile, bis Besucher an der Wohnungstür stehen. Mein Füchslein verlässt gerade meine Wohnung und ich stehe oben an der Treppe, als ich sie meinen Sohn fragen höre: „Was hast denn Du gemacht?“ Ich kann diese Frage nicht so recht einordnen und warte geduldig oben an der Küche, bis Sohnemann die Stufen in der Wohnung erklommen und die Küche erreicht hat. Was ich dann sah, übertraf meine Erwartungen mal wieder. Herr Sohn hatte einen blutverschmierten Mund und eine dicke Lippe riskiert. Ich staunte nicht schlecht und fragte nach, was denn geschehen sei. Er berichtete, er hätte mit seinen Kumpels Fangen gespielt und dabei sei er mit einem seiner Kumpels unglücklich zusammengestoßen. Hinterkopf vs. Lippe sozusagen…
Das sah natürlich im ersten Moment viel schlimmer aus, als es letztendlich war. Erstmal wies ich ihn an, seinen Mund und das blutverschmierte Gesicht vorsichtig ein bisschen abzutupfen und dann verabreichte ich ihm ein feuchtes Handtuch mit Kühlkissen innen drin. Tat ihm offensichtlich auch gut und er saß für die nächsten zwei Stunden erstmal ganz ruhig im wohnzimmerlichen Sessel. Nun ja, was lässt sich mit einer solch negriden Lippe eigentlich essen? Ich erinnerte mich an meine dicke Lippe in der Kindheit, gegen die das geschwollene Dingens meines Sprösslings allerdings ein lächerlicher Kindergeburtstag war und beschloss, kleine Nüdelchen zu kochen, die sich ohne Abbeißen und ohne brennenden Salzgeschmack in den Mund befördern lassen. Süppchen läge zwar näher, aber da die Miniplatzwunde relativ dicht an der Mundschleimhaut lag, hätte die Suppe bzw. das darin enthaltene Salz sicherlich unangenehm gebrannt.
Zwar bin ich ein äußerst schadenfroher Mensch, aber das wäre fies gewesen. Also bereitete ich die seltenste aller Speisen zu, die unsere Augen jemals gesehen haben – Nudeln. Sohnemann freute sich natürlich diebisch und ich konnte am Ende des Tages zufrieden feststellen, dass ich als Krankenschwester zumindest Puls messen dürfte, denn die Lippe war fast nicht mehr dick und man sah kaum noch, was passiert war. Eine kleine Schwellung hat er natürlich noch, aber in einer Woche ist das vergessen. Wenn ich da an meine Glanzleistung in der 4. Klasse denke, wird mir heute noch schlecht. Nicht nur dass ich mir beinahe alle Zähne rausgekloppt hätte, nein, man konnte wunderbar bei geschlossenem Mund meine Zähne sehen und an essen war für glatte vier Wochen nicht mehr zu denken. Und ich hatte auch gleich ganze Arbeit geleistet. Ober- und Unterlippe waren außer Gefecht, denn nur oben oder nur unten kann ja Jeder.
Außer einer völlig verknorpelten Unterlippe und einer vernarbten Oberlippe blieb davon nichts zurück. Die Narben befinden sind im Mund und die kleine Narbe der unteren Außenseite saß nicht nur dicht am Lippenrand, sondern verwuchs sich im Laufe der Jahre so hübsch, dass man davon nichts mehr sieht. Nur innen sieht es aus wie ein geflickter Fahrradreifen, aber rauchen, saufen und Fressattacken lassen sich damit bestens bewältigen. Bei Sohnemann dürfte man schon in wenigen Tagen/Wochen nichtmal mehr eine Narbe sehen. Er bevorzugt bei seinen Verletzungen bisher immer die Standardvariante. Seine Mutter nahm immer die Deluxe-Ausführung. Loch im Kopf? Sohnemann hatte eins in der 1. Klasse, Mutter „besorgte“ sich gleich zwei im Kindergarten. Ich sah dermaßen abgeschlachtet aus, dass meine Mutter auf dem Weg zum Arzt erstmal zuhause zwischenstoppte und dem Töchterlein die Haare wusch. Lasst sie ruhig verbluten, Hauptsache sie hat frisch gewaschenes und duftendes Haar… Kein hässlicher Kommentar über Folgeschäden, liebe Mädels, ja?
Früher beobachtete ich die Entwicklung meines Sohnes oft mit versonnenem Blick, einem seligen Lächeln, viel Nachsicht und ohne große Erwartungen. Schon als Baby und später als Kleinkind unterschied er sich in oftmals wesentlichen Dingen von seinen Altersgenossen. Um endlich auf die Welt zu kommen, ließ er sich zehn Tage länger als geplant Zeit, kam mit so herrlich vielen Speckröllchen in mein Leben und verschlief nahezu sein gesamtes erstes Lebensjahr. Das allein war jedoch nichts Ungewöhnliches, das tun viele Kinder. Seine Entwicklung verlief sprunghaft und oft war ich mir nicht so ganz sicher, ob er sich den Lehrbüchern gemäß entwickelt. Da war zum einen sein mangelnder Bewegungsdrang. Den ganzen Tag lag er mit ausgebreiteten Ärmchen und Beinchen in seinem kunterbunten Laufgitter, strahlte mich an, strampelte aufgeregt und freudig, wenn ich geschäftig vorbei lief oder aber er schlief.
Ich hatte die Hoffnung fast aufgegeben und es fiel mir schwer, dem längst erteilten Rat der Kinderärztin Folge zu leisten. Besorgt hatte ich sie schon vor Monaten gefragt, ob ich mit ihm zur Babygymnastik gehen solle, da er keinerlei Anstalten mache, das Krabbeln oder Laufen zu lernen, sich sogar weigerte mit seinen Füßchen den Boden zu berühren. Sie verneinte lächelnd und sagte: „Nein, lassen Sie ihm noch ein bisschen Zeit. Er hat ein extrem sonniges Gemüt und wird das ganz sicher bald von allein lernen. Er will einfach noch nicht.“ Nicht wirklich beruhigt, übte ich mich weiter in Geduld. Sämtliche Kinder meiner Bekannten, die im etwa gleichen Alter waren, plapperten, liefen, erkundeten ihre Umwelt, aßen von Mamas Teller, bissen in kleine Brötchen oder krabbelten wenigstens schon umher.
Mein Söhnchen hingegen lag noch immer lächelnd da und machte nichts dergleichen. Er mochte keine Speisen, die er kauen musste, er grinste einfach nur vor sich hin und er schlief auffallend lang. Abends gegen 19.00 Uhr legte ich ihn schlafen und er schlummerte meist bis zum Vormittag, nicht selten bis Mittag. So manches Mal seufzte ich, wenn ich andere Kinder in ihren Kinderwägen sitzen sah, wo sie an Brötchen knabberten, kindgerechte Säfte tranken und ihre Mütter vollplapperten. Scott lag eher im Halbsitzen in seinem Gefährt, trank ausschließlich seinen Krümeltee, den ich immer von zuhause mitnehmen musste, weigerte sich nach wie vor zu kauen und lächelte Gott und aller Welt verschämt zu. Er war ein ausgesprochener Charmeur und beäugte seine Umwelt mit großen, stahlblauen und hellwachen Augen. Aber er blieb in der Defensive und im Geiste sah ich mich zum Schulanfang mit Kinderwagen, Krümeltee und Zuckertüte neben all den anderen Eltern stehen.
Erst im Alter von 13 Monaten krabbelte das kleine Speckbein los. Schlagartig lernte er alles auf einmal. Innerhalb von sage und schreibe drei Wochen lernte er Laufen. Die wackelige Lauflernphase ließ er komplett weg und entwickelte sich fortan in einem Tempo, welches mir den Mund offen stehen ließ. Zeitgleich begann er endlich zu sprechen. Er war und ist kein Mann großer oder vieler Worte. Er beschränkte sich schon als Kleinkind auf die nötigsten Stichpunkte, verstand aber jedes einzelne Wort. Und er entwickelte eine äußerst pedantische Ader. Er sortierte einfach alles nach Größen, Längen oder anderweitigen Maßen. Mit ihm zu spielen, war nicht möglich. Er meckerte und schrie, wenn ich seine sortierten Autos auch nur berührte. Er konnte sich aber schon damals stundenlang allein beschäftigen. Auch das abendliche Vorlesen entpuppte sich schnell als nicht geeignet. Wie schön saß ich in meiner Vorstellung neben seinem Bettchen und las ihm Märchen vor. Ich ahnte damals noch nicht, dass er mein Vorlesen mit lautem Gekicher und Gekacker übertönen würde und viel lieber Lieder singen wollte.
Vorsingen im eigentlichen Sinne war auch nicht möglich, nein, er wollte das auf seine ganz besondere Art. Ich erinnere mich an sein erstes Weihnachtsfest. Frau Mama kauerte neben den Gitterstäben seines Bettchens und versuchte „Oh Tannenbaum“ zu flöten. Söhnchen schaute mich irgendwie gelangweilt und erwartungsvoll an, zeigte keine Freude und aus Verzweiflung änderte ich die Tonlage. Ich holte meine Luftgitarre raus, schraubte meine Stimme gefühlte zehn Oktaven tiefer und rockte ihm den Tannenbaum auf eine Weise, bei der James Hetfield vor Bewunderung das Mikro aus der Hand gefallen wäre. Plötzlich strahlte mein Sohn, jauchzte vor Vergnügen und strampelte aufgeregt und mir wurde einmal mehr klar, dass er alles anders machte als die meisten Kinder. Von diesem Tag an war abends im Kinderzimmer der Teufel los. Die „Entchen auf dem See“ headbangten, die „Stille Nacht“ war extrem gitarrenlastig und mein Sohn verfolgte jede meiner Bewegungen und Stimmlagen mit einer Aufmerksamkeit, die schon fast an Verzauberung grenzte.
Er hatte also das „Schwermetall-Gen“ geerbt und nur zu solcher Musik bewegte er sich auch. Was das Sprechen anging, weigerte er sich bis zum Einschulungsalter, den Buchstaben „J“ zu benutzen. So kam es, dass er im „Luli“ Geburtstag hatte, sich mit einem „Laschlappen“ nach dem Essen den Mund abwischte und einfach „leder“ sein Freund war. Es war zum Mäusemelken. Als er in die Schule kam, ermahnte ich ihn eindringlich, dass er spätestens „letzt“ das „J“ in seine Worte einbauen müsse und seltsamerweise tat er das auch. Bis dahin fuhr er auch „lahrelang“ nach „Maulwurf“ zum Baden. Mit Oma, Opa, Papa, Tante und ich überlegte ebenso viele Jahre, wo zum Geier dieses „Maulwurf“ sei. Erst als ich eines Tages mit zum Schwimmen fuhr, sollte ich herausfinden, wo genau dieser Ort lag.
Die Jahre vergingen und sein sonniges Gemüt wich dem eines kleinen Teufelchens. Wut- und Trotzanfälle beherrschten unseren Alltag. Aber auch das legte sich wieder. Im Nachgang vergisst man all die grauen Haare, die man jener Phase zu verdanken hat. Man färbt stillschweigend sein Haupthaar und ist froh, mit dem Leben davon gekommen zu sein. Sohnemann entwickelte sich prächtig und inzwischen merke ich mehr und mehr, dass er ein kleiner Mann wird. Es erfüllt mich mit unbeschreiblichem Stolz, wenn er die Spülmaschine ausräumt, seine kreischende Mutter vom Anblick einer Spinne erlöst, schlammverkrustete Hosen schonmal vorsorglich in der Badewanne abspült und mittlerweile kleinere Einkäufe erledigt, weil Muttern überhaupt nicht gerne einkaufen geht. Dann läuft er preisevergleichend durch den Supermarkt, bevorzugt große Packungen die günstiger sind und bringt wirklich nur die Dinge mit, die auch auf dem Zettel stehen.
Ich bin ihm dankbar für diese Hilfe und er hat augenscheinlich Freude daran, seinen Teil zum gemeinsamen Leben beizutragen. Er bringt Altpapier zum Container, schafft den Müll runter, spült die Wanne nach dem Baden aus, hängt seine Handtücher zum Trocknen auf, sammelt in seiner Fußballtasche keine stinkenden Socken, saugt auch mal die Wohnung durch, schüttet den Sand aus seinen Schuhen erst vor der Haustür aus, wärmt sich selbständig sein Mittagessen auf und versorgt seine Mama auch mit Tee und Tempos, wenn sie krank ist. Ich habe den tollsten Sohn der Welt, der aber trotzdem auch Kind ist. Er kommt regelmäßig zu spät, kleckert beim Essen, vergisst ständig seine Zahnspange, rennt am Sonntag bis nachmittags im Schlafanzug durch die Wohnung und findet für alles Ausreden. Aber er ist auch ein bescheidenes Kind.
Erst gestern erwähnte er beiläufig, dass er vor etwa drei Wochen an einem Lesewettbewerb teilgenommen habe, bei dem er den 3. Platz belegt hat. Ich horchte auf und fragte, warum er davon nichts erzähle. Er sagte, das sei doch nichts Besonderes und ich hakte nach. „Wieviele Schüler waren denn dabei?“ Er merkte an, es seien 26 Teilnehmer gewesen und ich stellte richtig, dass ein 3. Platz von 26 Mitstreitern durchaus erwähnenswert sei und nicht so unbedeutend, wie er glaubt. Wir haben vor einigen Monaten etwas ähnliches erlebt und auch damals war er der Meinung, dass er nichts Ungewöhnliches getan habe. Bescheidenheit ist eine seiner Stärken und es erstaunt mich einigermaßen, dass er bereits in seinem Alter diese Wesensart in sich trägt. Er prahlt nicht mit seinen Leistungen, hilft gerne und uneigennützig, ist genügsam und stellt seine Ansprüche meist in den Hintergrund, da ihm mehr und mehr bewusst zu werden scheint, was im täglichen Leben wirklich von Wichtigkeit ist.
Seine geistige Reife macht mich oft sprachlos und ich befinde mich oft im Zwiespalt, ob sein Charakter einfach nur angeboren oder das Ergebnis meiner energischen und konsequenten Erziehung ist. Letztendlich spielt es keine Rolle, denn ich bin über alle Maßen stolz auf meinen Jungen, der manchmal so erwachsen ist und mir beisteht. Als er gestern mal wieder eine Spinne entsorgte, sagte ich zum ersten Mal: „Jetzt bist Du der Mann im Haus und was soll ich nur tun, wenn Du mal erwachsen bist und in Deiner eigenen Wohnung lebst. Dann muss ich Dich anrufen, wenn hier eine Spinne sitzt und Du musst kommen und Deiner Mama helfen.“ Er saß am Küchentisch und lächelte mich an. Er strahlte diese Ruhe aus, die mir so fehlt und es sind genau diese Momente, in denen ich mit Wehmut an den Moment denke, wenn er seine Habseligkeiten aus meinem Leben in sein eigenes Leben trägt. So langsam bekomme ich eine Ahnung davon, wie es sein muss, wenn die Kinder irgendwann das Haus verlassen.
Mein Sohn…, Du machst mich unglaublich stolz und ich weiß, dass Du schon jetzt ein besserer Mensch bist, als ich es je sein könnte. Du bist all das, was mir oft so schwer fällt. Du bist geduldig, nachsichtig, verständnisvoll und genügsam. Du bist selbstlos, hilfsbereit und fleißig. Und Du hast Dich zu viel mehr entwickelt, als ich mir erträumt habe. Trotzdem Du ein Einzelkind bist, warst und bist Du niemals geizig, teilst alles und immer, ja verzichtest sogar auf Dinge, die Du selbst liebst und gibst dennoch aus vollem Herzen. Es sind diese Dinge, die mich so stolz machen. Vielleicht hat unser schweres Leben Dich zu dem gemacht, was Du bist. Vielleicht war es meine Erziehung, vielleicht aber auch nur unser Miteinander. Aber ganz sicher wirst Du ein großartiger Mensch, das bist Du schon jetzt und ich zeige Dir viel zu selten, wie stolz ich auf Dich bin. Und in Momenten wie diesen, wenn Du um 4.00 Uhr morgens krank auf der Couch liegst und ich Dir Tee mit Zitrone mache, Dich mit weichen Decken und Halsbonbons versorge, dann bist Du wieder mein kleines Speckbeinchen und ich möchte einfach nur die Zeit anhalten, damit Du immer hier bleibst.
Du bist der Grund dafür, dass ich morgens gerne aufstehe. Du hast mir klar gemacht, was wichtig ist, worauf es ankommt und Du hast mir bedingungslose Liebe gezeigt. Dir kann ich nie lange böse sein, Du erweichst mein Herz, wenn Du weinst und Du spendest mir Trost, wo andere machtlos sind. Du bist mein Herz und mein Blut und Du bist mein Mittelpunkt. Du bist die Liebe meines Lebens und mein Licht. Du bist die Ruhe und die Kraft, die mir oft fehlt. Du verzauberst mich mit Deinem Wesen und ich bewundere Deine Geduld mit mir. Ich mach’s Dir nicht immer leicht, aber Du nimmst mich so, wie ich bin. Du bist das Beste, was mir passieren konnte und ich bin dankbar für jeden Tag, jede Stunde und jeden Augenblick mit Dir. Ich danke Dir für alles und dafür, dass Du so bist, wie Du bist… Kein Tag ohne Dich…
„Soll ich Dir gleich hier „Züsch“ sagen? (Wohnzimmer)
„Züsch…???“
„Ich meinte „Tschüß…“ (geht glucksend die Treppe runter)
(Als „Züschen/Zischen“ bezeichnet man hierzulande gemeinhin das Verrichten der kleinen Notdurft. Ich verstand die verkorkste Verabschiedung also erstmal als Aufforderung, die allerdings schon längst erledigt war.)
Guten Morgen, liebe Blogger-Gemeinde, heute weiß ich wirklich nicht, was ich Euch hier hinterlassen könnte, also bin ich vorhin durch meine Wohnung geschlichen und habe versucht, ein paar Momente einzufangen, wobei hier noch nicht wirklich viel los ist. Alle schlafen noch und die Stille, die ich morgens so genieße, ist überall zu „hören“. Oben seht Ihr meinen Arbeitsplatz, von dem aus ich Euch jeden Morgen mit meinen Erlebnissen oder Gedanken quäle. Zwingend erforderliches Arbeitszeug habe ich rot gekennzeichnet, denn ohne diese drei Dinge kriege ich keinen Artikel zustande. Ja, ich bin leidenschaftlicher Kaffeetrinker, exzessiver Raucher und ohne Laptop nix Blog. Ja, vom Rauchen kriegt man schwarze Brustwarzen, ich weiß, aber die schwarzen Pinorkel passen ganz gut zu meinen ebenfalls schwarzen Haaren und sehen gar nicht so schlimm aus, wie man meinen möchte.
Auf dem zweiten Bild habe ich versucht, wirklich nur versucht, den derzeit vollen Mond einzufangen. Ich habe sehr zaghaft geknipst, denn ich hatte echt meine Bedenken, dass mir meine Kamera aus den Händen flutscht, über die Dachziegel poltert und dann vernichtend in den Hinterhof kracht, um dort ihr Dasein geräuschvoll und absolut endgültig zu beenden. Ich bin da echt ‘ne Zimperliese und Ihr müsst genau deswegen mit diesem halbherzigen Versuch leben. Draußen ist es – wie Ihr unschwer erkennen könnt – stockfinster und der Vollmond steht hoch am Himmel. Die Stadt ist nur notdürftig beleuchtet und allenorts schläft man noch. Nur eine Bewohnerin schlurft schon geschäftig durch die Räume und das scheine ich zu sein. Von draußen dringt noch kein Alltagslärm herein, die Fenster sind überall noch finster und in spätestens einer Stunde hört man die Nachbarschaft, die sich zur täglichen Arbeit mit oder ohne Fahrzeug von dannen macht.
Da sonst keiner bereit für ein Guten-Morgen-Photo war, musste meine schwarze Arschlocke herhalten, was ihr offenbar nicht wirklich gefiel. Ich blitzte sie mehrmals mit der Kamera voll und meist schaut sie auf Bildern dann genauso missmutig, wie hier oben. Ein Phänomen, dass ich seit längerem beobachte, denn obwohl auch Katzen eine recht ausgeprägte Mimik beherrschen, schaut sie immer irgendwie „genervt“ in die Kamera. Da aber ich hier im Hause die Miete bezahle, hat sie diese Späße über sich ergehen zu lassen und Ihr stellt Euch jetzt einfach vor, sie würde lächeln, wie sie das sonst eigentlich immer tut. Ich schwör’s… Ich habe gerade beschlossen, meine Cam in Zukunft auch wieder in der Handtasche mit mir zu führen, denn da draußen gibt es doch hin und wieder Leute, Sachen oder Geschehnisse, die ein Bild wert wären. Mir kommt in diesem Moment der Gedanke, dass ich Herrn N. aus P. beim Schlafen knipsen könnte. Ihr kennt das, wenn man solche Schnapsideen hat, kann man nicht anders und setzt sie um. Also bis gleich…
Da liegt er nun selig schlummernd und kann noch eine volle Stunde schlafen. Wer sich über diese Wasserflasche am unteren Bildrand wundert, muss wissen, dass Sohnemann diese Angewohnheit einst entwickelt hat, als er in jüngeren Jahren unter einem Schnupfen litt. Angefangen hat das alles mit einer Packung Tempos, die er dort für die Nacht deponierte, um nicht dauernd aufstehen zu müssen. Er weigert sich ja seit Jahren beharrlich, sein geliebtes Hochbett einzumotten, was die Anschaffung eines herkömmlichen Nachtschränkchens erschwert, denn die sind in der Regel nicht besonders hoch. Ein Brett an der Seite würde dieses Problem zwar lösen, stellt aber eine potentielle Beulenverursachungsmaschinerie dar und würde unschön in die Luft ragen.
So begann Sohnemann, die Dinge, die er nachts gebrauchen könnte, kurzerhand an die Seite zu stapeln und neben der lebensnotwendigen Trinkflasche liegen oftmals Taschentücher, neue Spielzeuge, Fernbedienungen oder sonstiges Geraffel, was nachts notwendig sein könnte, um sich so wenig wie möglich bewegen zu müssen. Nur die Toilette passt nicht an die Seite, aber ich bin mir sicher, auch die würde er nachts mit ins Bett nehmen, wenn das ginge. Wenn das allerdings möglich wäre, stellt sich gleich die nächste Frage: Wie würde Sohnemann reagieren, wenn Muttern dann nachts neben ihm im Bett auf der Schüssel hockt? Interessante Theorie…
Sohnemann kommt seit 20 Jahren zum ersten Mal pünktlich nach Hause und ich laufe erstaunt zur Treppe: „Waaahnsinn… Na siehste, geht doch…“ Er reißt sich regelrecht die Schuhe runter und flitzt die Treppe hoch: „Ich muss ganz dringend auf Toilette!!!“
Da kommt bei mir der Schalk im Nacken durch und ich versperre ihm den Zugang, indem ich mich breitbeinig vor der Tür postiere.
Ich:„Was machst’n, wenn ich Dir den Weg versperre…???“
Er:„In die Hose scheißen, ich hab’ Flitzekacke…!!!“
Das war ‘ne deutliche Ansage und ich gab den Weg und auch die Türe sooofort frei…
Vorgestern vorsichtig am heimischen Laptop angetestet und gestern einen ersten und voraussichtlich auch einzigen fast kompletten Tag mit ebenso einmaliger Erlaubnis dann für Sohnemann im Internet… Söhnchen beherrscht den Umgang mit PC bzw. Laptop nun schon etwas länger, aber allein und ohne nerviges über die Schulterschauen durfte er das bisher nicht. Nur unter meiner strengen Aufsicht war es ihm bisher erlaubt, zaghaft in den Weiten des WWW umherzuschnuppern. Tage und Wochen lag er mir in den Ohren, sich bei einer bekannten Schülerplattform anmelden zu wollen und da ich Vertreterin der „Es-wird-an-der-frischen-Luft-gespielt“-Fraktion bin, vertröstete ich den kleinen Mann immer und immer wieder „auf nächste Woche“. Anhänger dieser Fraktion wissen, dass man diese „nächste Woche“ bis zum Sanktnimmerleinstag hinausschieben kann, wenn man ein demenz-infiziertes Kind hat. Da Kinder aber bekanntermaßen fast niemals an Demenz erkranken, war es eine Frage der Zeit, wie oft und mit welcher Intensität mich mein Sohn an mein halbherziges Versprechen erinnert.
Erwartungsgemäß tat er das mit aller Regelmäßigkeit und am vergangenen Wochenende kamen mir dann seine Kumpels aus Mechel zuvor. Die Jungs dort haben bereits eine eigene Mailadresse und waren Sohnemann dabei behilflich, sich auch eine zu beschaffen. Fix noch bei besagter Plattform angemeldet und Sohnemanns Wunsch ging in Erfüllung. Aufgeregt erzählte er mir davon, als ich ihn dann am Sonntag abholte und es fühlte sich an, als wäre mein Sohn entjungfert worden. Mädels, verzeiht mir den Vergleich, aber ich war immer so froh, dass mein Junge nicht einer dieser Bengel ist, die Tage und Nächte vor dem Computer oder der Playstation verbringen und der sich lieber beim Fußballspielen die Klamotten ruiniert. Er ging bei Wind und Wetter vor die Tür, fuhr Rad mit Freunden, besuchte sein geliebtes Kindercafé oder aber bolzte auf dem Platz um die Ecke mit seinen Kumpels. So mag ich das und so wurde auch ich groß – an der frischen Luft im Kreise meiner Freunde. Ich halte das für gesund und wichtig.
So, nun aber hat er eine Email-Adresse und es fühlt sich an, als hätte er sich sein erstes Kondom gekauft. Ich kann nur erahnen, wie es sich für mich als Mutter anfühlt, wenn er sich tatsächlich zum ersten Mal am Kondomregal im Drogeriemarkt oder einer Tankstelle rumdrückt und die Dinger mit hochrotem Kopf bezahlt und ich falle tot um, wenn mir eines dieser Kondome dann beim Wäschewaschen in die Hände fällt. Ich weiß, dass genau das eines Tages passiert und ich weiß auch, dass ich eines Tages unter irgendwelchen doppelten Böden in irgendwelchen Schubladen all jene Schmuddelheftchen finden werde, die unsere Großmütter erröten lassen haben. Ich werde nicht erröten, nein, mein Herz wird stehen bleiben, weil mein Sohn kein Kind mehr sein wird. Dieser Vergleich mag hinken, aber als er mir von seinem Alleingang im Internet berichtete, verlor er ein klein wenig seiner kindlichen Unschuld, die ich an ihm so bezaubernd finde.
Mein sonst so vernünftiger und verständiger Junge, so ganz allein im Internet unter all den bösen und betrügerischen Menschen, die sich einen Dreck darum scheren, wie stolz ich auch meinen Sohn bin. Täglich wird er Versuchen ausgesetzt sein, ihn zu betrügen, zu belügen und ihn zu täuschen. Bin ich hysterisch? Nein, ich weiß durchaus, dass das Internet ein Medium unserer Zeit ist und dass der richtig dosierte und verantwortungsvolle Umgang damit, weniger Gefahren birgt, als für unerfahrene Nutzer. Also beschloss ich nun gestern, dass er dann auch eine einzigartige und lebenslange Emailadresse bekommen soll. Es fühlte sich an, als wenn ich ihm ein besonderes Geschenk aussuche und noch weiß er nichts davon. Keine Adresse bei Web.de oder GMX, nein, eine persönliche und eine, die niemand sonst haben wird, weil seine Mama dafür ihren monatlichen Obulus entrichtet. An dieser Stelle herzliche Grüße nachAnnaberg, wo meine Domain verwaltet wird und wo der Service einzigartig ist und so richtig familiär praktiziert wird. Nun denn, er bekam seine Mailadresse, die ihn von nun an auf all seinen virtuellen Wegen begleiten soll. Davon weiß er noch nichts. Auf ihn wartet hier auf meinem Laptop ein eigenes Email-Programm, mit dem er seine persönliche Post verwalten kann und wenn jemand von Euch Mädels ein schönes Mailprogramm für Kinder kennt, dann erbitte ich umgehend Nachricht, denn das derzeitige erfüllt nicht meine Ansprüche. Vorerst wird es aber seinen Zweck erfüllen. Ich suche weiter…
Gestern dann ließ ich meinem Sohn dann ein klein bisschen mehr Spielraum und setzte auf unser Vertrauensverhältnis. Man/frau soll ja loslassen, wenn die Kinder sich entwickeln wollen. Es fiel mir schwer, das gebe ich zu. Sohnemann hat noch Ferien, das Wetter war gestern recht bescheiden und ich beschloss, ihm den Laptop für einen ganzen Tag zu überlassen. Ich erklärte ihm, wie ich mir dessen Handhabung wünsche und ermahnte ihn, keine Experimente zu wagen. Die Erlaubnis zum Chatten mit Schulfreunden und Bewegungsfreiheit auf seiner Plattform oder den ihm bekannten Spieleseiten hatte er und so verabschiedete ich mich mit gemischten Gefühlen in Richtung Arbeit. Ein Gefühl, als würde er das erste Mal ein Mädchen über Nacht bei sich im Zimmer haben. Furchtbar… Aber ich musste vertrauen. Tagsüber rief ich ihn dann zuhause an und erklärte ihm, wie auch wir beide miteinander chatten könnten und so standen wir den gesamten Tag über in Kontakt. So als könnte ich ein bisschen durchs Schlüsselloch schauen. Zwar wusste ich deswegen noch lange nicht, was er da zuhause anstellte, aber es beruhigte mich paradoxerweise trotzdem ein bisschen.
Nach der Arbeit flitzt ich dann nach Hause und fand meinen Sohn natürlich vor dem Laptop. Ich hatte nichts anderes erwartet und trotzdem fand ich den Anblick noch immer sonderbar, denn im Normalfall sitzt oder liegt Sohnemann mit schmutzigen Fußballklamotten und wunderbar erschöpft auf dem Sofa und schaut ein bisschen fern, was nach dem Spielen an der frischen Luft erlaubt ist. Gestern aber saß er mit viereckigen Augen hier und tippte, klickte und starrte mit glasigen Augen auf den Monitor. Mein fußballverliebter Junge hatte sich den Internetvirus eingefangen. Der Mutterinstinkt brach durch und ich scheuchte ihn vom Laptop weg. Er meckerte nicht, er maulte nicht und offenbar war seine Neugier und der anfängliche Wissendurst nach der virtuellen Welt da draußen vorerst gestillt. Ich schaute skeptisch und kümmerte mich um unser Abendessen.
Am Tisch dann sprudelte es aus ihm heraus. Er berichtete mir, was er den ganzen Tag so im Netz gemacht hat, erzählte mir von seinen Chatunterhaltungen und ich war über alle Maßen erstaunt darüber, wie er mir seinen Weg durchs WWW beschrieb. Unzählige Freundesangebote brachen über ihn herein, er jedoch lehnte alle ab, da er nur die Kinder in seine Liste nähme, die er auch persönlich kennt. Ich nickte zustimmend. Dann waren da noch die Störenfriede, die ihn virtuell einschüchtern oder beleidigen wollten. Die setzte er kurzerhand auf seine Blockier-Liste. Ich war fassungslos, wie konsequent und sicher er seine ersten freien Schritte ohne mich gemacht hatte. Wunderbar… Er hatte keine rosa Brille auf, fiel nicht auf Smilies oder eine Reihe Buchstaben herein und er surfte auch nicht heimlich auf verbotenen Seiten, denn das Muttertier kontrollierte selbstredend den Verlauf seiner gestrigen Aktivitäten…
Ja und da war dann noch dieses Mädchen, das ihn fragte, ob er mit ihr „gehen“ will. Und was soll ich sagen? Er lehnte dankend ab, da er „das jetzt noch nicht möchte, er will erst mit 15 oder 16 eine Freundin und er habe an sowas noch kein Interesse, er fühle sich zu jung und sei doch erst 12″. Sprachlos saß eine unnötig besorgte Mutter abendessend vor ihrem Sohn und war stolz wie selten in ihrem Leben. Er schob flüsternd hinterher, „dass sie außerdem ziemlich hässlich gewesen sei“, was aber Nebensache war. Ich grinste und sagte: „Reicht ja auch erstmal, wenn Du Deine Mama liebst.“ Er lächelte mich an und sagte: „Genau, ich hab’ Dich lieb!“ Worüber habe ich mir eigentlich Sorgen gemacht? Bin ich zu vorsichtig? Schadet zuviel Vorsicht? Ich denke, im Internet tut eine gewisse Vorsicht not und die Warnhinweise werden gerne ignoriert und als Panikmache abgetan. Mein Sohn allerdings verhielt sich so verantwortungsvoll, wie ich mir das insgeheim gewünscht hatte und das erleichterte mich sehr.
Ach ja, was seine Unschuld betrifft, hat er seine virtuelle nun entgültig verloren, aber ich jage ihn trotzdem lieber auf den Fußballplatz und seine ersten Kondome kauft die Frau Mama für ihn. Basta…!!! Nur durchs Schlüsselloch werde ich dann diskreterweise nicht schauen. Aber den Sicherheitsgurt für die rasante Fahrt durchs Leben in Richtung Erwachsenwerden lege ich so oft es geht selbst für ihn an, denn er bleibt immer mein kleiner Junge, heute und morgen und bis ans Ende meiner Tage…
Das Wochenende ist unweigerlich vorbei und der Alltag hat uns wieder. Sohnemann ist längst in der Schule und ich blogge artig. Gestern war ich diesbezüglich mal faul und hoffe, Ihr habt Nachsehen mit mir. Eigentlich ist auch nichts erwähnenswertes vorgekommen, da wir einen ruhigen Sonntag verbracht haben. Der kleine Mann hat sich nachmittags zum Fußballspiel der 1. Mannschaft seines Vereins verabschiedet und da wir erst spät gefrühstückt hatten, verschoben wir das Mittagessen kurzerhand auf abends. Geschmeckt hat es trotzdem und der Tag endete mit einem entspannenden Vollbad.
Bisher beginnt die Woche relativ normal, der Kaffee schmeckt hervorragend und der Himmel verspricht einen freundlichen Tag. Frau N. ist allerdings mal wieder auf der Couch weggeschlummert, was mich zunehmend nervt, da ich ein wirklich gemütliches Bett unterm Sternenzelt habe und nachts in den Himmel schauen kann. Liegt wahrscheinlich auch daran, dass ich dort noch nicht TV sehen kann, weil der Anschluss erst noch verlegt werden muss. Ja, ich mag es zu gerne, beim Einschlafen fernzusehen, denn dank Sleep-Timer geht die Kiste ja dann von alleine aus. Wird schon noch, hoffe nur schnell…
Einen Wehrmutstropfen hielt das Wochenende aber dennoch für mich bereit. Sohnemann hat heute Schuluntersuchung und benötigte neben einem kleinen Anamnesebogen auch seinen Impfausweis. Der Bogen lag seit Wochen ausgefüllt bei meinen Unterlagen, aber sein verflixter Impfausweis ist seit unserem Umzug wie vom Erdboden verschluckt. Ich habe die ganze Wohnung auf den Kopf gestellt – erfolglos. Peinlich berührt blieb mir keine andere Möglichkeit, als ihm einen Entschuldigungszettel mitzugeben, dass seine Mutter das Dingens verbummelt hat und wir schleunigst beim Kinderarzt Ersatz besorgen. Das nützt ihm zwar heute erstmal nix, aber es tröstet ihn, dass mein eigener Impfpass auch verschwunden ist.
Das Tragische hierbei ist, dass meiner noch von meiner Geburt stammt und ich mich bei der letzten Impfung weigerte, mir einen schicken neuen ausstellen zu lassen. Die Sprechstundenschwestern von Sohnemanns Kinderarzt kicherten belustigt über mein altertümliches Dokument und auch der Arzt quittierte meinen abgegriffenen Ausweis mit einem respektvollem „Jedes Museum würde sich freuen.“. Damals hatte ich mich aus Solidarität zum Söhnchen mit impfen lassen, denn geteiltes Leid ist halbes Leid. Ich würde es sehr bedauern, wenn dieser Teil meiner Kindheit verschwunden bliebe. Ich habe große Bedenken, dass diese beiden Dokumente meiner Aufräumaktion zum Opfer gefallen sind. Aber sollte ich wirklich so verwirrt sein, dass ich die Ausweise zum Altpapier geworfen habe? Bitte nicht…!!! Also wenn Euch mein Impfausweis begegnet, bitte ich um sachdienliche Hinweise!
Es ist mal wieder soweit. Der Donnerstag ist angebrochen und das heißt, ich übernehme heute die gesamte Schicht. Etwas müde bin ich noch und dem kleinen Mann scheint es nicht anders zu gehen. Müde kam er mir gerade entgegengeschlurft und trotz der allmorgendlichen Aufforderung, sich anzuziehen, legte er sich einfach wieder ins Bett. Etwas überrascht musste ich meine Aufforderung wiederholen und griff auf den altbewährten Trick zurück, der schon seit seiner Geburt funktioniert – ich verwickelte ihn in ein belangloses Gespräch. Mädels, ich kann Euch das nicht erklären, aber das zeigt immer Wirkung. Er ist innerhalb weniger Augenblicke hellwach und nimmt rege am Gespräch teil. Nebenbei zieht er sich artig an und ist dann auch meist frühzeitig mit Ankleiden, Zähneputzen usw. fertig. Eigentlich lasse ich ihm morgens lieber seine Ruhe und kümmere mich einstweilen um sein Pausenbrot, doch erstaunt es mich immer wieder, wie wach er plötzlich wird, wenn ich mit ihm spreche. Ich wünschte, das wäre auch der Fall, wenn es um das leidige Thema „Verspätung“ geht. Regelmäßig muss ich ihm diesbezüglich eine nervige Reformante halten, dass ich von ihm erwarte, zu vorgegebenen Zeiten zuhause zu sein. Seit Jahren höre ich mich immer wieder die gleichen Sätze sagen und ich habe schon Fransen am Mund. Er setzt dann immer seinen reumütigen Blick auf, wartet brav, bis die alte Frau fertig mit Schimpfen ist und trollt sich leise in sein Zimmer. Und auch diese Masche werfe ich ihm vor. Immer das Gleiche… Erst kommt er – mitunter an die zwei Stunden – zu spät, dann ermahne ich ihn, er schaut zu Boden und tut einsichtig, ich fordere ihn zu echter Teilnahme am Gespräch auf, er leistet Folge und schleicht dann einen Kopf kürzer in seine Gemächer. Spätestens eine Woche später folgt genau die gleiche Debatte, mit genau dem gleichen Thema. Kein einziges Argument fruchtet, wenn ich ihm erkläre, warum ich auf diese nervige Pünktlichkeit solchen Wert lege. Es geht ja nicht nur um Zuverlässigkeit, sondern auch darum, dass ich zu abgesprochenen Zeiten mit ihm rechne und mir keine Sorgen machen möchte. Aber ich glaube auch, dass ich nicht die einzige Mutter bin, die solche Gespräche mit verlässlicher Regelmäßigkeit führen muss. Nur morgens nimmt er auffallend intensiv an Unterhaltungen jeglicher Art teil und erstaunt mich seit Jahren damit, dass diese Methode des Weckens für ihn die effektivste ist. Aber auf eines ist immer Verlass – auf seine Unpünktlichkeit…
Im Studio erwartet mich heute so einiges an Arbeit und ich hoffe, dass ich neben den dringlichen Angelegenheiten auch mit meinem Großprojekt ordentlich vorwärts komme. Zum einen haben sich unser Messelaptop und der dazugehörige Drucker offenbar gestritten und kommunizieren nicht mehr miteinander, was den Chef auf Messe dann natürlich rasend macht und an den Rand der Verzweiflung treibt. Zum anderen arbeite ich mal wieder seit einigen Wochen daran, die Schäden der ehemaligen Praktikanten wieder zu beheben. Zahlreiche Vorlagen fielen deren Fingern zum Opfer und unzählige Vorlagen und Photos wurden aus mangelnder Kenntnis bezüglich der Arbeitsweise mit PC/Laptop schlichtweg gelöscht. Das heißt für mich, dass ich jede gebrannte Sicherkeitskopie einlesen, jedes einzelne Bild betrachten und neu ablegen muss, um anschließend alle doppelten Dateien wieder zu entfernen. Zwar sieht man bereits jetzt deutliche Erfolge und kann nur erahnen, was da alles gelöscht wurde, aber es ist unglaublich zeitintensiv und am Ende des Tages sieht man nur noch verschwommene Bilder und die Augen brennen und tränen unaufhörlich. Oft herrscht auch auf den vorhandenen CDs ein heilloses Durcheinander und es befinden sich kategoriefremde Bilder in den Themenbereichen. Also mache ich mir die Mühe und sortiere alles gleich richtig ein. Klar wäre es einfacher, die verschiedenen Ordner einfach mitsamt ihrem Inhalt zu kopieren und dann die doppelt vorhandenen Exemplare zu löschen, aber so bliebe das Chaos bestehen und so möchte ich auch nicht arbeiten. Eigentlich ist das alles eine Sisyphosarbeit, aber da unser Chef nicht nur Tätowierer sondern auch Perfektionist ist, würde ihm sofort auffallen, dass sich falsche Bilder in falschen Kategorien tummeln. Ich mache trotzdem 426 Kreuze, wenn ich mit allen Datenträgern fertig bin und alles an Ort und Stelle ist.
So, die erste Tasse Kaffee des Tages blubbert bereits durch meine Herzkammern und ich werde mich langsam für den Tag rüsten, da ich vor der Arbeit noch ein paar Kleinigkeiten erledigen möchte. Ich wünsche allen Lesern einen hoffentlich entspannten Tag und verabschiede mich für heute Richtung Arbeitswelt. Lasst Euch nicht ärgern!!!
Nun muss ich doch noch kurz bloggen, bevor ich meinen Rundflug durchs Net starte. Im Treppenaufgang fehlt leider noch immer die Beleuchtung, da wir zur Montage der Lampe eine außergewöhnlich hohe Leiter brauchen. In besagtem Aufgang befinden sich unsere Jacken und Schuhe und wie sicher alle wissen, ist es morgens mittlerweile wieder dunkel. Zwar wird das Lichtproblem dort unten auch bald erledigt, aber folgendes trug sich gerade zu:
„Ich seh’ hier nix…“
„Ja, ich weiß, die Lampe fehlt noch. Wird schon noch…“
„Ooorrr, jetzt hab’ ich auch noch ‘nen Knoten im Schnürsenkel.“
„Kicher…“
„Kackschuh…“ (besagter Schuh flog prompt zu seinen „Kollegen“)
Naja, über einen angemessenen Ton kann man nun streiten, aber wenigstens hat er nicht „Scheißlatsch“ gesagt und der kleine Mann bewies zumindest mehr Geduld als ich in seinem Alter. Beharrlich saß er im Dunkeln da und versuchte den Knoten zu entwirren. Was er dabei nicht bedachte, war, dass man das dann doch besser im Schein einer Lampe tut. Also half Muttern ihm mal geschwind, nachdem sie sich kichernd einige Minuten lang über ihren Sohn amüsiert hat. Ich liebe solche kleinen Episoden am Morgen. Sie erheitern mich ungemein und erinnern daran, dass man auch über kleine Ärgernisse lächeln sollte. Nennt man das vielleicht innere Ruhe? So ein bisschen vielleicht, nur ein ganz kleines bisschen…
Mädels (und die wenigen Jungs), übermorgen geht’s endlich los. Ich hab’s satt auf dieser unbequemen Reisematratze zu schlafen, an leere Wände zu starren und über Kartons zu stolpern. Gestern war ich nochmal artig im Baumarkt, Holzschrauben holen und bin danach spontan in die Wohnung gefahren und hab’ die Dinger gleich ins Bett gedrängelt. Und Ihr glaubt es nicht, aber das Bett quietscht nicht mehr. Dafür quietschen jetzt meine Gelenke, denn ich musste mich mit meinem ganzen Gewicht gegen den Akkuschrauber stemmen, um die Scheißteile bis zum Anschlag ins Holz zu kriegen. Ich hab’ auch nicht nur zwei Stück benutzt, sondern insgesamt noch vier, damit auch ja nix mehr wackelt. Wackeln tut jetzt auch nüscht mehr, quietschen auch nicht und die restlichen Schrauben (ja, ich hab’ welche übrig) pack’ ich ins Gefrierfach, damit sie nicht schlecht werden…
Unpassenderweise wachte ich heute Morgen mit Halsschmerzen auf. Da mein Terminplaner aber auch heute wieder ziemlich voll ist, werde ich das einfach ignorieren und auch auf diese Therapie verzichten. Mir fehlt einfach die Zeit für diese homöopathischen Therapiemethoden, also werde ich den Ferrari unter den Schmerzmitteln anwenden – Aspirin. Mein Allheilmittel gegen alles was weh tut. Hilft immer, geht fix und ich kann’s alleine anwenden. Laufende Nasen – sofern sie sich noch einstellen sollten – werden mittels Tempos im Zaum gehalten und eventuell auftretender Husten kommt ohnehin erst mit Verzögerung, also stehe ich dann nächste Woche hustend auf der Leiter und streiche diese verflixten Wände hier. Hauptsache, mir fliegt beim Husten oder Niesen nicht irgendwelcher Schnodder irgendwo raus und klatscht an die frisch gestrichenen Stellen. Alles andere ist mir Latte.
Heute steht dann noch der vorerst letzte Termin beim Kieferorthopäden an. Sohnemann bekommt heute den unteren Teil seiner ersten Spange eingesetzt. Der obere Teil folgt in Kürze, da dieser noch gefertigt werden muss. Somit beginnt heute endlich die mehrjährige Therapie zur Begradigung seiner Zähne. Nicht ganz billig, aber ein schönes und ebenso gepflegtes Lächeln ist nicht mit Geld aufzuwiegen. Er steht dieser Behandlung abwartend gegenüber und lässt alles brav über sich ergehen. Bisher war es auch nicht mit Schmerzen verbunden und außer der Farbe seiner Spange gab es für ihn keine interessanten Informationen, die seine aktive Anteilnahme geweckt hätten. Da in seiner Klasse nunmehr der Großteil der Kinder ebenfalls Spangen aller Art tragen, fällt er durch seinen neuen Zahnschmuck dann auch nicht wirklich aus der Rolle. Zu meiner Zeit war man schon fast ein Exot, wenn man mit Zahnspange oder gar Brackets durch die Weltgeschichte lief. Brackets sah man nur in ganz seltenen Fällen, aber Zahnspangen gab es damals schon, wenn auch nicht in sämtlichen Wunschfarben. Es gab diese hässlichen, hautfarbenen Dinger und das war’s dann auch schon. Sohnemann hat blau gewählt und da Behandlungen dieser Art heute fast schon an der Tagesordnung sind, nimmt er die ganze Angelegenheit entsprechend ungerührt zur Kenntnis. Gut so…
Mein letzter Arbeitstag ist heute recht kurz, da ich am Dienstag schon eine Stunde rausgearbeitet habe, um heute eine Stunde eher gehen zu können. Der Termin mit Sohni lag etwas ungünstig, aber meine Lieblingskollegin steht derlei Unpässlichkeiten wunderbar unkompliziert gegenüber und unterstützt mich gerade in diesen chaotischen Tagen ohne Diskussionen mit Hilfsbereitschaft und Entgegenkommen. Dafür möchte ich ihr hier an dieser Stelle einmal allerherzlichst danken, denn heutzutage ist das wirklich nicht mehr selbstverständlich. Egal, welches Anliegen ich durch meinen bevorstehenden Umzug habe/hatte, sie machte alles möglich und hilft immer, wenn sie es möglich machen kann. Das finde ich großartig und eine bessere Kollegin kann ich mir nicht wünschen. Nebenbei eine kleine Schnatterei und ein Kaffee ist auch noch drin und so lässt sich der ganze Stress viel besser ertragen. Chefchen ist zur Zeit ein bisschen krank und bietet mit seinen glasig-fiebrigen Augen einen mitleiderregenden Anblick. Selbst ich bin geneigt, ihm Tee einzuflößen und warme Puschen an die Füße zu ziehen, aber da er diesbezüglich wirklich äußerst hart im Nehmen ist, unterlasse ich das. Er lässt trotzdem bis Ladenschluss die Maschine surren und jammert nichtmal ansatzweise. Ein echtes Arbeitstier eben und wenn er dann wirklich mal einen Tag krank macht, dann kann man nur erahnen, wie schlecht es ihm geht. Das kam bisher allerdings nur sehr sehr selten vor und solange er aufrecht gehen und sitzen kann, arbeitet dieser Mann. Zwar feiern meine Kollegin und ich auch nicht einfach krank, aber wir Mädels jammern dann schon mal gerne und tun uns gegenseitig ein bisschen leid. Das muss schon sein und geteiltes Leid ist ja auch halbes Leid. Nech…???
Guten Morgen, meine Damen (und die vereinzelten Herren)… Nun ist Gott sei Dank die letzte Woche hier in dieser verkackten Wohnung angebrochen und trotzdem noch sehr viel zu tun ist, bin ich heilfroh, dass das Ende in greifbare Nähe gerückt ist. Die letzten Wochen zogen sich wie Kaugummi und erschienen mir fast endlos. Neben mir steht frisch gekochter Kaffee und die Nachbarschaft schläft noch. Meine Nächte werden immer kürzer, denn so langsam sehne ich mich dann doch nach der Gemütlichkeit meines Bettes. Die Reisematratze tut zwar ihren Dienst, aber da sie auf dem Boden liegt, registriert man leider jeden Schritt innerhalb des ganzen Hauses. Selbst die leichten Vibrationen durch Schritte in der Wohnung spürt man und so ist an erholsamen Schlaf nicht zu denken. Nächste Woche um diese Zeit liege ich voraussichtlich noch selig schlummernd in meinem Bettchen. Meinen Urlaub kann ich zwar nicht genießen, aber zumindest muss ich dann hier nur noch wenige Stunden des Tages verbringen, um die Wände zu streichen.
Seit einer guten halben Stunde bin ich nun wach und genieße noch etwas die Ruhe, die noch über der Stadt liegt. Man mag mich für verrückt erklären, aber ich liebe es, so früh aufzustehen und den Morgen erwachen zu sehen. Alles ist so wunderbar still und man ist regelrecht gezwungen, leise und behutsam den Tag zu beginnen. In warme Puschen und meinen furchtbar rosafarbenen Bademantel gewickelt, sitzte ich dann hier am Laptop und blogge nach Herzenslust. Nur morgens habe ich diese Zeit und niemand stört mich. Der Kaffee schmeckt um diese Uhrzeit besonders gut und ich habe nicht einmal das Bedürfnis nach Beschallung aus irgendeinem Radio. Welche Katastrophen sich im Laufe der Nacht weltweit ereignet haben, erfahre ich spätestens im Studio, da dort meist das Radio läuft. Ohnehin ändert das Wissen darum nichts an der Tatsache, was wann wo warum geschieht, also halte ich mir das noch ein paar Stunden vom Leibe. Hätte mir vor 15 Jahren jemand prophezeit, dass ich eines Tages Frühaufsteher sein würde, hätte ich ihn für verrückt erklärt, aber die Stunden vor dem Erwachen der Stadt sind die schönsten, die stillsten und ruhevollsten Momente des Tages.
Söhnchen schläft noch und hat gestern begeistert festgestellt, dass er mit seinem Teleskop bis zum anderen Ende der Stadt schauen kann. Vor 1½ Jahren habe ich ihm dieses Gerät zu Weihnachten geschenkt, zusammen mit einigen Büchern über die Sternenguckerei. Damals wohnten wir teleskoptechnisch ungünstig und er konnte leider nur den Nachbarn auf die Teller schauen. Als wir dann hierher zogen, wohnten wir anfangs im Erdgeschoss, also wieder Fehlanzeige. Der letzte Umzug brachte dahingehend auch nicht die Erfüllung, erweiterte jedoch sein Blickfeld um wenigstens ein paar Häuser. Nun jedoch genießt er von seinem neuen Zimmer aus den freien Blick über die gesamte Stadt und kann tatsächlich bis zum Stadtrand sehen. Mit ein paar Einstellungen und etwas Geduld brachten wir es dann gestern zustande, dass er doch tatsächlich bis zum Bärensteinturm sehen konnte, auf dem sogar deutlich Leute zu erkennen waren, die den Turm bestiegen. Ich muss sagen, dass ich nicht erwartet habe, dass man mit diesem „Kinderspielzeug“ durchaus so weit schauen kann, denn wir wohnen ja nun doch am komplett anderen Ende der Stadt. Sohnemann „erschrak“ regelrecht, wie nah plötzlich die Häuser unterhalb des Oberen Bahnhofes rückten. Die Punkthäuser waren ganz deutlich zu erkennen und man hätte Menschen hinter deren Fenstern erkennen können, wenn sich mal einer erbarmt hätte, durch die Gardinen zu winken.
Auf jeden Fall war Sohnemann hellauf begeistert, dass er nun endlich sein Teleskop angemessen einsetzen kann und wartet schon sehnsüchtig darauf, dass er den Mond näher untersuchen kann. Ich hingegen werde mich auf den Blick in den Fernseher oder ein gutes Buch beschränken, wenn ich freue mich schon jetzt darauf, abends auf meiner Couch in eine Decke gewickelt zu sitzen und mein neues Leben hoch oben über den Dächern von Plauen zu genießen. Niemand hopst bis spät abends über mir durch die Wohnung, niemand lässt die Lampen in aller Herrgottsfrühe mehr wackeln, denn meine derzeitigen Noch-Obermieter sind dahingehend wirklich rücksichtlos, obwohl ich diesbezüglich weiß Gott nicht zimperlich bin. Aber der Lärmpegel aus der oberen Wohnung grenzt oft schon an Unverschämtheit, denn so manches Mal flackert wirklich das Licht unter den Erschütterungen. Jetzt ist es 5.45 Uhr und man hört schon wieder lautes Getrampel dort oben. Oft genug wachte Sohnemann am Sonntagmorgen genau davon auf und das will angesichts seines wahrhaft gesundes Schlafes wirklich was heißen. Ab nächste Woche ist das vorbei – endlich…
So langsam erwacht nun auch der Rest der Stadt und ich werde mich meinem Umzugschaos und dem Schmieren von Schulbrötchen widmen. Und weil Sohnemann maßgeblich daran beteiligt ist, dass wir den Stadtteil wechseln und weil er sich noch mehr Ruhe als ich verdient hat, gibt’s heute das Lied, bei dem er vor mehr als zwölf Jahren das Licht der Welt erblickt hat. Dieses Lied dudelte gerade aus dem Radio am meinem Bett, als er sein Köpfchen in die große Welt reckte…
Leser meines alten Blogs wissen vielleicht noch, was „Sch-La-Do“ ist. Für alle Neulinge hier nochmal die Erklärung. Zwar ist meine berufliche bessere Hälfte nun hinreichend und bestens geschult, aber da Chef nach wie vor donnerstags ausspannt bzw. seine Erledigungen macht, ist der Donnerstag immer auch Nyíri-Tag. Da wir heute wieder so einiges auf dem Plan stehen haben, war meine Nacht schon 5.00 Uhr vorbei. Gestern Abend bin ich deshalb schon kurz nach 21.00 Uhr mit den Hühnern ins Bett gegangen und auch sofort entschlummert. Pünktlich 4.47 Uhr war ich hellwach, da meine innere Uhr immer ein paar Minuten vorgeht. Diesmal habe ich auch nicht erst 16x die Schlummertaste gedrückt, sondern bin nach ca. zwei Minuten artig aufgestanden, habe meine Kaffeemaschine in Gang gesetzt und werde in ca. einer halben Stunde duschen gehen, da wir um 7.30 Uhr schon wieder beim Kieferorthopäden antreten müssen. Gestern hat Sohnemann einen seltsamen blauen Gummi zwischen die hinteren Backenzähne geklemmt bekommen, der heute wieder entfernt wird. Anschließend werden erneut zwei Abdrücke von seinem Gebiss gemacht, dann dürfen wir wieder gehen.
Nächsten Freitag dann wird der untere Teil seiner ersten Zahnspange eingesetzt. Der obere Teil folgt dann, sobald er fertig ist. Sobald wir den Termin heute hinter uns haben, liefere ich Sohnemann in der Schule ab und düse zurück in die Stadt. Möchte vor der Arbeit noch ein paar kleine Erledigungen machen und dann muss ich pünktlich um 11.00 Uhr auch schon das Studio aufsperren. Vorher möchte ich aber unbedingt meinen DSL-Anschluss ummelden, denn er ist in vielen Bereichen meine Verbindung zur Außenwelt. Nur so kann meine Familie im Saarland kontinuierlich an der Entwicklung unseres neuen Lebens teilnehmen. Die Zeit zum Briefeschreiben und Photosentwickeln fehlt mir und dauert mir auch viel zu lange. Also tipper ich hier (fast) täglich die News aus Plauen und stopfe ein paar Bilder in die Beiträge. Mama und Anhang freuen sich und können teilhaben. Die Technik macht’s möglich und die nutze ich ausgiebig.
Heute Morgen drängten sich schon wieder die Grübeleien in meinen Kopf, aber heute Morgen war ich auch in der Lage zu sagen „Nein, heute nicht…“. Ich will heute nicht grübeln, nachdenken oder gar irgendwas oder irgendwem nachtrauern. Nein, Schluss damit… Ich habe genug um die Ohren und kann solche erdrückenden Gedanken wirklich nicht gebrauchen. Im Studio wartet genug Arbeit auf mich und zuhause auch. Und in meinem Leben und meinem Kopf ist kein Platz mehr für Schwätzer, deren Worte keinen Wert haben. Respekt kann ich vor solchen Menschen ohnehin nicht haben, also sind sie auch keinen einzigen Gedanken mehr wert. Dieser Herr hat sich als ernst zunehmender Mensch auf ganzer Linie selbst disqualifiziert. Tzzz…
Königin von Scheißegalien, ja das bin ich in diesen Tagen und es tut sooo gut.
Kein Baby-Photo, aber dennoch eines meiner liebsten Bilder von Sohnemann, weil er so mäuschensüß mit seinen angemalten Zähnchen und Schnurbarthaaren ausschaut. Bei Frau Sterntau aufgehoben, reiche ich hiermit das Stöckchen an alle Freiwilligen weiter…
Der Tag hat noch nicht begonnen, aber ich habe in aller Stille und voller Freude im Bauch endlich die Kaution für meine neue Wohnung eingezahlt. In genau drei Wochen werden dann Sohnemann und ich mit Hilfe von einigen hilfsbereiten Freunden in unsere neue Bleibe ziehen und all den Geschehnissen hier endgültig den Rücken kehren. Zwar kostet uns dieser (hoffentlich wirklich letzte) Umzug noch einmal viel Kraft und Nerven, aber wir sind immerhin schon soweit genesen, dass wir sagen können, dass wir ohne diese große Enttäuschung hier wohl nie eine solch hübsche Wohnung beziehen würden. Zugegebenermaßen ist dieses bezaubernde Kleinod ein wahrer Glücksgriff und eher Zufall gewesen, aber so verbirgt sich wenigstens auch in dieser schlechten Erfahrung etwas wunderbar positives. Leider versäumte ich bisher bei jeder Begehung, ein paar Photos zu schießen. Aber allerspätestens, wenn wir umgezogen sind und uns einigermaßen eingerichtet haben, holen wir das nach – versprochen!
So langsam erwacht der Tag und ich habe heute so einiges vor. Der Einkauf will erledigt werden, im Baumarkt muss ich noch diverse Kleinigkeiten für unser neues Zuhause organisieren, im benachbarten Ausland verbilligte Fluppen holen, die Noch-Wohnung wenigstens ein ganz klein wenig in Ordnung bringen, zum x-ten Male zu Pfennigpfeifer gondeln, weil die Schule unfähig ist, alle benötigten Arbeitsmaterialien zum Schulbeginn mitzuteilen. Bei Letzterem wachsen mir langsam rote Haare, ehrlich. Als Sohnemann noch in die Grundschule ging, gab es am Ende jeden Schuljahres einen großen Zettel, auf dem alle notwendigen Dinge verzeichnet waren, die er für das neue Schuljahr braucht. Das war eine wunderbar unkomplizierte Sache und alle Lehrer sprachen sich ab, was für ihr jeweiliges Fach vonnöten ist. Seit er die Mittelschule besucht, erweisen sich die dortigen Lehrer als unfähig, genau das in unkomplizierter Form zu tun. Wöchentlich tippeln wir nun los und müssen diese und jene Kleinigkeit noch kaufen. Was um alles in der Welt ist so schwer daran, den Kindern vor Beginn des Schuljahres mitzuteilen, welche Dinge sie für ihre Fächer brauchen?
Vier Jahre lang reichte es, dass wir mit einem großen Zettel bewaffnet bei Pfennigpfeifer einfielen und die Regale plünderten, auf dem Rückweg gleich die Bücher kauften und dann war der Marathon erledigt. Das zweite Jahr in Folge ist es nun so, dass wir erst die Bücher kaufen, Hefter und Blätter auf Verdacht, neue Stifte und derlei Dinge ebenfalls und alles, was die Damen und Herren Pädagogen sonst noch gerne auf den Schulbänken sehen würden, wird den Kindern auf Raten mitgeteilt. Selbst mein Sohn ist hochgradig genervt und sagt: „Mir platzt hier langsam der Kopf. Mein Tag endet ja mittlerweile nicht mehr vor abends 20.00 Uhr.“ Es ist mir ein Rätsel, wie kompliziert man die einfachsten Dinge gestalten kann. Wäre es denn so schwer, wenn sich jeder Fachlehrer bemüht, eine kleine Liste zu erstellen, was die Kinder für das entsprechende Fach noch organisieren müssen – VOR Beginn des neuen Schuljahres? Nein, das geht offenbar nur in der Grundschule. Dass die Lehrer sich jedoch selbst mehr Arbeit machen, als nötig, realisieren sie nicht. Lieber wird diese Liste in Raten während des laufenden Schulbetriebes abgearbeitet und wertvolle Zeit vergeudet, die die Erfüllung der Lehrpläne gefährdet.
Unsere Kinder halten dem straffen Tempo ohnehin manchmal nur mit Mühe stand und dann sowas. Das soll Muttern ruhig bleiben. Vor allem werden die Kinder auch noch unter Druck gesetzt, dies und jenes solle gefälligst bis gestern ran geschafft sein. Aber es ist nicht etwa so, dass man ihnen dann eine Hausaufgabe weniger aufbürdet. Nein, im Moment sieht es so aus, dass Söhnchen noch immer über seinen Aufgaben sitzt, wenn ich abends gegen 19.30 Uhr von der Arbeit komme. Keine Freizeit mehr, Kopfschmerzen, Lustlosigkeit und immer kleiner werdende Motivation sind die Folge. So soll Kindern Schule noch Spaß machen? Vom ersten Tag an wurden die Sechstklässler seiner Schule mit Hausaufgaben und To-Do-Listen regelrecht zu geschissen und Sohnemann kommt seither jeden Tag mit hängenden Schultern aus der Schule. Seine Mundwinkel sind auf Höhe seiner Schnürsenkel und sein Hausaufgabenheft gleicht einem Tagebuch, denn die Seiten sind vollgeschrieben. Wann bitte soll das Kind mal entspannen? Oft ist es so, dass er dann noch die Aufgaben mit mir erledigt, für die seine Konzentration nicht mehr reichte. Ich könnte vor Wut strampeln…
Bin gestern früh ins Bett, da ich nun durch den Neubeginn der Schule morgens wieder in aller Herrgottsfrühe hoch muss. Der Wecker klingelte also um 5.00 Uhr und ich quälte heute auch nicht erst die Schlummertaste, sondern sprang verhältnismäßig ausgeruht aus dem Bettchen, kuschelte mich in meinen flauschigen Bademantel und befüllte eifrig die Kaffeemaschine, denn ohne meinen morgendlichen Milchkaffee geht üüüberhaupt nix. Sohni schläft noch, aber damit ist es in spätestens einer viertel Stunde auch vorbei. Er zog sich gestern eine größere Verletzung zu, was erstmal für ‘nen Riesenschreck meinerseits sorgte, denn ich erfuhr folgendermaßen davon:
(klingelndes Telefon auf Arbeit)
„Tattoostudio Plauen, Hallo…?!“
„Guten Tag, ich würde gerne Frau N. sprechen.“
„Die ist am Apparat…“
„Guten Tag, hier spricht Frau X. vom Kinderschutzbund.“ (mein Herz blieb ein paar Sekunden stehen)
„Ja bitte…?“
„Ihr Sohn hat sich beim Spielen eine Verletzung am Knie zugezogen. Es ist nicht sooo schlimm, aber ich habe ihn verbunden und wollte fragen, ob er jetzt nach Hause gehen soll. Allerdings klappt es nicht mehr so ganz mit dem Radfahren. Aber er könnte laufen.“ (die Dame war ehrenamtliche Mitarbeiterin im „Kindercafé Mücke“, wo sich der kleine Unfall ereignete / meine Schweißperlen trockneten langsam)
„Herrje… Könnte ich bitte mit meinem Sohn sprechen? Ich möchte ihn lieber selbst fragen.“
„Natürlich, gerne…“
(der kleine Stuntman geht ans Telefon)
„Wie ist das denn passiert, Knollo…?“
„Wir haben Fangen gespielt und da bin ich über die Beine von jemandem gestolpert und hingefallen.“
„Ist es schlimm?“
„Geht so, hab’ ‘nen Verband am Knie.“ (er ist kein Mann großer Worte)
„Kannst Du laufen?“
„Ja, kann ich…“ (Wozu hab’ ich ihm eigentlich das Sprechen mit vielen Worten beigebracht?)
„Traust Du Dir zu, nach Hause zu laufen? Frau X. sagte mir, das ginge noch.“
„Ja.“
„Wirklich? Oder soll ich Dich fahren, dauert aber ‘nen Moment, müsste erst Bescheid sagen.“
„Nee, ich trau’ mir das zu.“
„Wirklich, echt?“ (man wird ja heutzutage schnell mal als Rabenmutter bezeichnet)
„Jahaaa…“ (is’ ja gut, ich wollt’ wenigstens gefragt haben)
„Ok, dann lauf schön vorsichtig heim und ich komm’ dann gleich nach Hause.“
„Ok.“
„Bis dann.“
„Ja, bis dann.“
Etwas verwirrt legte ich auf und verwarf die Gedanken, dass er seine lose Kniescheibe in einer Tupperdose nach Hause jongliert. Zuhause angekommen erkundigte ich mich natürlich sofort nach seiner Verletzung und stand vor einem komplett bandagierten Knie. Der kleine Mann schien das alles mit Fassung zu tragen und sagte beiläufig, dass das Fahrrad auch schon im Keller stünde. Ich glotzte ihn ungläubig an und bemerkte, dass die gute Frau am Telefon doch vorhin gesagt hätte, mit dem Fahren ginge das nicht so gut. Sohnemann winkte ab und stellte die Sachlage richtig. T.s Mutter hätte ihn nach Hause gefahren und das Fahrrad mit ins Auto gepackt. Großartig, jetzt bin ich doch ‘ne Rabenmutter. Gesagt hat’s keiner, aber ich ahne es. Gerade als er loslaufen wollte, klinkte sich T.s Mama ein und sagte, Scott könne so nicht nach Hause laufen, sie würde ihn fahren. An sich ein wirklich netter Zug von ihr, gar keine Frage. In mir jedoch regte sich lautstark das schlechte Gewissen einer Mutter. Was mag die Frau jetzt von mir denken? Ich will’s lieber gar nicht wissen, es kann nix gutes sein…
Sohnemann zumindest saß ziemlich lässig in seinem Chefsessel und spielte seine Verletzung herunter. Er hatte sich inzwischen sogar selbst Abendessen gemacht und schmauste seine geliebte Zwiebelmettwurst auf ofenfrischen Brötchen mit Tomatensalat. Die Nudeln vom Vorabend seien ihm zu scharf gewesen und ihm hätte davon nicht nur der Mund, sondern die Nase, der Rücken und sein verwundetes Knie gebrannt. Ich lächelte und war schon ein bisschen stolz auf meinen Jungen, denn er ist so wunderbar selbständig, was nicht zuletzt ein Ergebnis meiner Erziehung ist. Mir war nicht klar, dass die Geschmacksknospen meiner Zunge so abgehärtet sind, denn ich hatte mir am Vorabend lecker Kolbász unter die Nudeln geschnippelt. Sohnemanns Zunge ist zwar durch meine Kochweise so einiges gewöhnt, aber das war selbst ihm zuviel. Offenbar sind meine Geschmacksknospen aufgrund des geliebten scharfen Essens schon zu Schmeckeknubbeln verkümmert. Keine Ahnung…
Ja und entsprechend meiner Gemütslage heute wieder ein Video samt Musik und natürlich auch den Text dazu – wie gehabt in englischer Sprache, weil Krebsgeschwüre keine Fremdsprachen beherrschen…
Hey
I'm your life
I'm the one who takes you there
Hey
I'm your life
I'm the one who cares
They
They betray
I'm your only true friend now
They
They'll betray
I'm forever there
I'm your dream, make you real
I'm your eyes when you must steal
I'm your pain when you can't feel
Sad but true
I'm your dream, mind astray
I'm your eyes while you're away
I'm your pain while you repay
You know it's sad but true
You
You're my mask
You're my cover, my shelter
You
You're my mask
You're the one who's blamed
Do
Do my work
Do my dirty work, scapegoat
Do
Do my deeds
For you're the one who's shamed
I'm your dream, make you real
I'm your eyes when you must steal
I'm your pain when you can't feel
Sad but true
I'm your dream, mind astray
I'm your eyes while you're away
I'm your pain while you repay
You know it's sad but true
Hate
I'm your hate
I'm your hate when you want love
Pay
Pay the price
Pay, for nothing's fair
Hey
I'm your life
I'm the one who took you here
Hey
I'm your life
And I no longer care
I'm your dream, make you real
I'm your eyes when you must steal
I'm your pain when you can't feel
Sad but true
I'm your truth, telling lies
I'm your reasoned alibis
I'm inside open your eyes
I'm you
Bin gestern (mal wieder) auf der Couch eingeschlafen und mitten in der Nacht reumütig in mein Bett geschlichen. Sohnemann schläft noch friedlich und kam gestern mit neuem bzw. altem Ohrloch aus Mechel zurück. Ich staunte nicht schlecht, da ich immer mal wieder nachgefragt hatte, ob wir nicht mal schauen wollen, ob das (seit Jahren vorhandene) Ohrloch noch „gebrauchsfähig“ sei. Ich mag das ja zu gerne, wenn kleine Jungs schicke Ohrringe tragen. Er hat nun schon seit seinem 5. Lebensjahr ein solches und „benutzte“ es seit der 1. oder 2. Klasse nun nicht mehr. Ihn nervte dieses ständige Raus und Rein wegen dem Sportunterricht und eines Tages vergaßen wir schlichtweg, seinen Ohrring wieder einzusetzen. Als ich Abhilfe schaffen wollte, winkte er ab und meinte, dass er das ohnehin blöd fände, den Schmuck dauernd rausmachen zu müssen und er wolle keinen mehr. Schulterzuckend nahm ich damals diese Aussage hin und ließ ihn einige Jahre damit in Ruhe. In letzter Zeit fragte ich dann doch immer wieder mal nach, da man den Stichkanal noch sehr deutlich sehen konnte und ich mir sicher war, dass dieser noch offen sei. Ist wohl eine Berufskrankheit und als Piercerin juckte es mich schon sehr, mein Söhnchen mit schickem Ohrschmuck auszustatten und notfalls eigenhändig ein neues Loch zu stechen.
Nun kam also Sohnemann gestern aus Mechel zurück und hatte zum einen ein fremdes T-Shirt an und als ich eher zufällig sein linkes Ohr in Sichtweite bekam, glitzerte mich da ein Ohrstecker an. Mein Mund stand erstmal sekundenlang offen und ich berührte ungläubig sein Ohrläppchen. Da glotzte mich doch tatsächlich ein Ohrstecker in Form des bekannten Puma-Logos an. Klein, silbern und in jenem Ohrloch, dass mich seit Jahren verwaist angelächelt hat. Mein Mutti-Herz frohlockte und ich fand’s klasse. Da flehe ich den Jungen seit mehreren Jahren an, doch wieder einen hübschen Ohrring zu tragen und dann liegt’s wohl doch nur am passenden Motiv. Hätt’ ich das eher gewusst, hätte ich natüüürlich einen Lukas-Podolski-Ohrring besorgt, denn den hätte er huuundertprozentig reingemacht.
Der August soll ja laut Wetterfrosch der heißeste Monat des Jahres sein. Wenn ich aus dem Fenster sehe, kann ich das kaum glauben. Es ist kühl, nass und grau draußen. Wüsste ich es nicht besser, würde ich denken, es ist April. Zwar lässt der Regen mittlerweile etwas nach, aber die Sonne hat sich offenbar selbst in den Urlaub verabschiedet und Sohnemann wird wohl in seiner letzten Ferienwoche auch wieder nicht baden gehen können. Sehnsüchtig haben wir bereits diese Woche auf wärmeres Klima gewartet und sind am Mittwoch todesmutig nach Pöhl gefahren. Der kleine Mann wagte sogar den Sprung in die Talsperre, saß aber danach bibbernd und in 92 Handtücher und Decken gewickelt da und trotzte dem Wind, der uns dort erbarmungslos um die Ohren pfiff. Von seinen sechs Wochen Ferien hatte er prozentual gesehen verschwindend wenige Sonnentage. Diese jedoch nutzte er glücklicherweise fast immer für einen Ausflug ins Freibad. Nur die letzten beiden Wochen scheinen meteorologisch wie verhext zu sein und mir tut es fast schon leid, dass er seine letzten Ferientage nicht planschend und badend verbringen kann.
Am 25. August geht der Ernst des Lebens wieder los und er startet in die 6. Klasse. Leistungstechnisch hat er während der 5. Klasse ein beachtliches Tempo vorgelegt und sein Zeugnis gab keinerlei Anlass für Sorgenfalten. Angesichts dieser Zensuren schwoll meine mütterliche (nicht vorhandene) Brust zu silikonverdächtigen Ausmaßen an. Nach kleinen und größeren Einbrüchen scheint bei ihm der Knoten geplatzt zu sein und es kommt viel Eigeninitiative von ihm. Ich muss ihn nicht mehr ermahnen, seine Hausaufgaben zu erledigen. Er packt seine Schultasche selbständig und einigermaßen gewissenhaft und es zahlt sich endlich aus, dass ich ihn von Anfang an die Konsequenzen ausbaden ließ, die sein (Nicht-)Tun und Handeln schulisch nach sich ziehen. Zwar fiel mir das nicht immer leicht, aber der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Nun kann er gut gewappnet das neue Schuljahr beginnen und hält seinen Erfolgskurs hoffentlich lange bei. Ich bin mir durchaus bewusst, dass die Pubertät bereits an die Türe klopft, aber ich bin guten Mutes, dass mein Sohn seine kindlichen Prioritäten so gesteckt hat, dass aus ihm ein verantwortungsbewusster und geradliniger Mensch wird.
Bisher war Sohnemann ja größtenteils bei Verwandten/Freunden unterwegs und tagelang außer Haus, aber das jetzige Wochenende haben wir trotzdem schon reichlich ausgenutzt:
gestern Abend Autokino (Kung Fu Panda) inklusive Gummibärchen und Getränke
heute Schwimmbad und anschließender Einkaufsbummel mit lecker wat ins Bäuchlein / heute Abend eventuell noch ein bisschen rumspazieren und Männergespräche führen
Am Montag ist der kleine Mann dann auch schon wieder unterwegs und verbringt eine ganze Woche mit Papa, der in den nächsten Tagen Geburtstag hat. Bis auf die letzten beiden Ferienwochen war mein Zögling entgegen aller Erwartungen dann fast nie zuhause. Ihn freut’s und mich auch, denn ursprünglich war Balkonien auf dem nicht vorhandenen Balkon angesagt.
Zwölf Jahre ist es nun her, als Du Dich unter sinneraubenden Schmerzen ans Licht der Welt gekämpft hast. Genau um 20.45 Uhr an einem Samstag hörte ich den ersten Pieps von Dir und verliebte mich genau in dieser Sekunde in Dich und liebe Dich auch seit dieser Sekunde mit der gleichen Wucht. Zwölf Jahre voller Freude, Sorgen, Wunder und so manchem aufgeschlagenen Knie.
Ich wünsche Dir alles Glück der Welt, beständige Liebe, Erfolg und Gesundheit auf all Deinen künftigen Wegen. Du machst mich stolz und ich kann mir keinen tolleren Sohn wünschen als Dich, mein kleiner Scotti…
Meine Doppelschichten neigen sich dem Ende entgegen, meine Kollegin wird am Samstag wieder in heimischen Gefilden eintreffen, was mich froh macht. Die 14 Tage ohne sie waren trostlos und langweilig. Anstrengend waren sie obendrein, was man nicht erwähnen bräuchte. Nun muss ich noch den heutigen Freitag und den Samstag bewältigen und dann kehrt der gewohnte Arbeitsalltag wieder ein, den ich während der letzten beiden Wochen mehr als einmal schmerzlich vermisst habe.
Sohnemann ist heute zur Hochzeit seiner Tante väterlicherseits eingeladen und sitzt bereits in festlicher Kleidung in seinem Zimmer. Er ist aufgeregt und weiß nicht so recht, was ihn da heute erwartet. Dass er dabei nur ein Zaungast von vielen ist, kann er noch nicht überschauen – es ist ja seine erste Hochzeit. Zwar habe ich mit einfach Worten versucht, ihm diesen Tag ein bisschen zu beschreiben, aber seine Aufregung hat sich bisher nicht im Mindesten gelegt. Ich bin sehr gespannt auf seine Eindrücke, die er von diesem Tag mit nach Hause bringen wird. Und das wird er ganz sicher…
Sohnemann reist heute anlässlich der fast geschafften 5. Klassenstufe im Pfaffengut zur Lesenacht an und freut sich tierisch, mit seinen Klassenkameraden im Schlafanzug und mit Taschenlampe bewaffnet, eine Halligallidrecksauparty zu feiern. Tasche steht gepackt bereit und ich vermute, dass er heute so schnell wie noch nie aus der Schule nach Hause rennt.
Tja, und meinereiner ist seit heute morgen Gemüseguru. Jetzt arbeite ich an meinem dritten Garten, den ich mir mittels Coins und ordentlich Knete aus meinen Obst- und Gemüseverkäufen sicher auch bald leisten kann. Nein, ich kaufe keine Coins per Paypal oder SMS, ich kaufe sie (wenn auch völlig überteuert) am Markt im Wurzelimperium und muss dafür kein echtes Geld ausgeben. Zumindest scheint diese Strategie ganz gut zu funktionieren, denn seit dem Erwerb meines zweiten Gartens wuppt der Umsatz richtig gut und ich kann täglich meinen Marktstand bestücken. Jauchz…
Draußen regnet es Bindfäden, aber das stört mich heute nicht die Bohne. Der einzige Wermutstropfen vor dem Wochenende ist, dass meine Kollegin morgen früh für 14 Tage in den Urlaub fährt. Zwar gönne ich ihr die freien Tage von Herzen, aber ich werde ihre Gesellschaft schwer vermissen, weil ich total gerne mit ihr arbeite.
Meine liebe Sandra,
ich wünsche Dir und Deiner kleinen Motte ein paar wunderschöne Tage mit ganz viel Sonne. Erholt Euch gut und schreibt uns mal eine Karte. Ich freu’ mich tierisch, wenn Du wieder da bist. Ohne Dich ist es hier fuuurchtbar langweilig, das weiß ich jetzt schon. Schnief…
Scott hat heute Wandertag und nach einem sicherlich beachtlichen Fußmarsch von der Kemmlerschule bis zum Sportpark Plauen verbringt er den Tag mit seiner Klasse in der Soccerhalle. Er hat sich bereits gestern darauf „vorbereitet“ und wollte „vorschriftsmäßig“ morgens in Fußballhosen zum Wandertag an der Schule antreten. Es sei erwähnt, dass jene Hosen nur bis zum Knie reichen und dass hier im Vogtland derzeit morgens um die 0° Celsius herrschen. Das beeindruckte Herrn Nyíri nicht im Geringsten und seine alte Mutter musste ihm in schärferem Ton klar machen, dass es mir vollkommen Wurscht ist, was die Dame angeblich gesagt hat, denn eine Lungenentzündung und Eiszapfen an unaussprechlichen Körperstellen können wohl kaum einem Beteiligten dienlich sein, geschweige denn ist die Zeitersparnis des entfallenden Umziehens für den Tagesablauf erheblich. Nun denn, Herr Ich-bin-clever zog dienstbeflissen seine Hose unter die Jeans und packte noch diverse Notwendigkeiten ein (Fußball, Stollenschuhe, Dress, Apfelschorle, Brotbüchse, Schlüssel, heimliches Taschengeld (5-11 Cent???), drei Fußballjacken, ein weiteres Paar Turnschuhe und und und…). Das Kind flitzte dann in freudiger Erregung die Treppe runter, um dann fünf Minuten später erneut zu klingeln, da er „was vergessen“ habe. Sichtlich gestresst, dass sein Freudentag mit Verzögerung beginnt, hastete er in sein Zimmer und wühlte die Taschen seiner anderen Jacke durch, wo er seinen Wohnungsschlüssel vermutete. Schlussendlich tauchte das gute Stück in einer seiner drei Jacken auf, die sich in seinem Rucksack (fein säuberlich auf dem Rücken angeschnallt) drängelten. Kinder… Wobei wir wieder bei der These wären, dass alle Kinder als Männer zur Welt kommen!!!
Scotti trat den Weg zur Schule an und anschließend widme ich mich, wie so oft, dem Bloggen. Mit Kaffeetasse und anderen Notwendigkeiten bewaffnet, beginne ich den Morgen mit Gold und Glorie und meinem Wurzelimperium. Ein bisschen Kurzweil schadet nicht… Übrigens hat sich Scott nun für den Schwimmsport entschieden und ich bin eifrig daran, Informationen für ihn zu sammeln.
Nun ja, Sohnemann schlägt sich derzeit mit dem Gedanken, nun doch wieder aktiv Sport zu treiben (abgesehen vom Schulsport laut Stundenplan) und trägt sich mit dem Gedanken, Handballer zu werden. Fußball ist wohl doch nichts für ihn, wie er nach zwei Jahren Vereinsleben festgestellt hat. Lag wohl auch nicht zuletzt am Trainer, der die Knirpse der damaligen F-Jugend ständig anbrüllte wie ein Drill Instructor. Nicht selten liefen den Zwergen damals Tränen beim Spiel hinunter, was ich als Mutter erschütternd fand. Dieser alte Mann hatte selbst nach einem Tor kein Lob für die Jungs übrig und schrie vornehmlich die Knäblein an, deren Eltern nicht am Spielfeldrand ausharrten. Also fuhr ich damals zu jedem noch so unwichtigen Spiel mit, um Scott diese Schimpftiraden zu ersparen. Es hat dennoch nichts gebracht, er warf das Handtuch und spielt seither nur noch mit Freunden auf dem Bolzplatz. Von Fußball als aktiver Spieler hatte er kurz vor dem Wechsel in die E-Jugend nachhaltig die Nase gestrichen voll.
Nun hat er vor kurzem beim Handball reingeschnuppert und überlegt angestrengt, ob er künftig statt mit den Füßen lieber mit den Händen „ballern“ soll. Sportlich ist er ja nun wirklich ein Naturtalent, keine Frage. Nur ist das bei Kindern und ihren Vorlieben immer so eine Sache. Während seiner Fußball-Ära verschlang die Anschaffung und Instandhaltung seines notwendigen „Equipments“ Unsummen an Geld und ich bin eher weniger geneigt, nun Handballsachen zu kaufen, die dann nach drei Monaten vielleicht doch wieder nur in der Ecke liegen, weil der kleine Mann vielleicht keine Lust mehr darauf hat.
Nicht nur ihm sei noch eine kleine Bedenkzeit gegönnt, sondern auch seiner Mutter…
Nachtrag: Nun hat sich Sohnemann das Video von Inrich angesehen und musste zähneknirschend zugeben, dass derart viel Körperkontakt nun wirklich nicht sein Ding ist und auch nie war. Jetzt heißt es weitersuchen – nach dem idealen Freizeitsport für Scott. Ach ja, Volleyball mag er leider überhaupt nicht und für Basketball ist er zu kurz.
Am Freitag war ja nun die angekündigte Zeugnisausgabe und Sohnemann schnitt erstklassig ab. Es tummelten sich sogar sage und schreibe zwei Bestnoten auf dem edlen Papier. Meine Fresse war/bin ich stolz. Und da stand er nun, mit einer seltsamen Plastikschachtel vor mir. Ich schaue mir das Teil flüchtig an und frage neugierig: „Was haste denn da schönes?“ Ich schaue näher hin und erblicke voller Entsetzen das Logo vom Bundesgrenzschutz. Hat mein Sohn sich schonmal vorsorglich bei den Herren in Grün beworben? Hat er gar was ausgefressen und Mama kriegt als „Bestechungsmaterial“ mal eben ‘ne grüne Schachtel, damit ’se Sohnemann nich’ haut? Oder wie jetzt???
Nee, es kam viel doller…
Scott hat eine Belobigung (!!!) von der Polimannzei und vom Bundesgrenzschutz erhalten, weil (Achtung, jetzt wird’s so richtig spannend!!!) er einen kleinen Jungen (3-4 Jahre klein) „gerettet“ hat. Besagter Knirps war zuhause ausgebüchst und spielte sorglos in der Ostvorstadt, während Mama und Papa halbwahnsinnig vor Sorge waren. Und wem läuft der Knotenfurz über den Weg??? Genauuuuu, meinem Wurzelzwerg… Der fragte den Mini aus – ohne wirklichen Erfolg und rief kurzerhand die Polizei an. Die Herren in Grün rückten wenig später an und Scott erfuhr, dass der kleine Mann schon seit Stunden vermisst wurde. Scottis Kumpel wollte den Zwerg ursprünglich in Ruhe lassen, aber der Herr Nyiri weigerte sich beharrlich, es ihm gleichzutun. „Er sei schon ganz kalt und doch noch so klein, den können wir hier nicht einfach stehen lassen.“
Bravo, mein Junge… Ich bin meeegastolz auf Dich!!! Meine Erziehung trägt offenbar doch hin und wieder zuckersüße Früchte…
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„Jibt Dir dit Leben mal een Buff, denn weene keene Träne. Lach Dir’n Ast und setz Dir druff und boomle mit de Beene.“