Heute erreichte mich vollkommen unerwartet die Nachricht über den Tod eines ehemaligen Nachbarn. Ich bin bestürzt und angesichts dieses tragischen Ereignisses fehlen mir die Worte für das, was mir in diesen Stunden durch den Kopf geht.
Erinnerungen an meine Zeit in diesem Haus kommen hoch und ich dachte immer sehr gerne an meine Zeit dort. Vor fast genau 13 Jahren zogen wir mit unserem klitzekleinen Sohnemann in eine größere Wohnung. Dachgeschoss, helle Räume, Balkon und vor allem ein Kinderzimmer. Gleich nebenan wohnte ein älteres Ehepaar. Zwei stattliche und hochgewachsene Menschen, alle beide hatten schneeweißes Haar und sie waren es, die mir als erstes im Flur begegneten. Scott war gerade zwei Monate alt, als wir dort unser Heim einrichteten. Unsere erste Begegnung ließ gleich jedes Eis schmelzen, denn als ich mich mit Scotti im Arm die Stufen bis nach oben quälte, standen die Beiden da und strahlten mich an: “Aaaaach, eeendlich wieder Kinder im Haus. Das ist sooo schön und darüber freuen wir uns sooo sehr.”
Ich war etwas verdutzt, denn man hört derlei freudige Worte nicht oft, wenn es um oftmals schreiende und trotzende Kinder geht. Ich lächelte etwas zaghaft zurück und was in den folgenden fünf Jahren an Herzlichkeit aus der Nebenwohnung kam, war einfach unbeschreiblich. Meine liebenswerten Nachbarn vergaßen kein einziges Mal den Geburtstag meines Sohnes, ein Weihnachtsfest, den Kindertag oder Nikolausi. Immer, ja wirklich immer lag oder stand etwas Tolles auf unserem Schuhschrank. Wer jetzt glaubt, es handelte sich dabei um Kleinigkeiten, irrt gewaltig. Meine lieben Nachbarheinzelmännchen stürzten sich jedes Mal in unverschämt hohe Kosten, um meinem Sohn eine Freude zu machen. Und immer war das Geschenk in silbern glänzende Alufolie gepackt. Anfangs war ich darüber einigermaßen irritiert, aber wenn ich heute Geschenke in Alufolie sehe, denke ich jedes einzelne Mal an “meine Zänkers”.
Es dauerte nicht lange, bis mein Kater “Mephisto” das erste mal aus der Wohnung entwischte und auf direktem Weg rüber zu Zänkers rannte. Frau Zänker freute sich diebisch, denn sie mochte Haustiere sehr sehr gerne. Sie beruhigte mich, als ich meinen Kater gleich holen wollte: “Ach, das macht nichts. Lassen Sie ihn ruhig ein bisschen bei uns. Wir hatten früher einen Hund und seitdem dieser gestorben ist, vermissen wir das oft. Ich klingle nachher, wenn er zurück will.” Sprach’s und “behielt” meinen “Dicken” für eine beachtliche Zeit. Kein Wunder, denn dort drüben durfte er nach Herzenslust in Pflanzen beißen, daran nagen und in den Blumentöpfen buddeln. Irgendwann klingelte es und Frau Zänker brachte mir mein Ungetüm zurück.
Nicht lange danach stand plötzlich eine große Pflanze im Hausflur und als ich wieder einmal die Treppen hochhechelte, strahlte mich die große Frau von nebenan wieder an und sagte: “Der Blumenstock ist für Mephisto. Den darf er ruhig aufessen, der steht extra für ihn hier, falls wir mal nicht zuhause sind.” Ich kicherte und fand das mehr als süß. Lächelnd schloss ich die Tür und so vergingen die Monate im neuen Zuhause. Scotti wurde zusehens mobiler und morgens klopfte er gerne mit den Fersen an die Wand, wenn er wach wurde. Mir war das peinlich, denn ich wollte niemanden stören oder für Unruhe im Haus sorgen. Aber meine Nachbarn waren regelrecht erfreut, wenn sie den kleinen Mann mal hörten.
Als er endlich laufen konnte, verbrachte nicht nur mehr Mephisto seine Zeit nebenan, sondern es kam immer häufiger vor, dass auch Scotti hinterher tippelte und auch zu den netten Nachbar wollte. Auch das war mir höchst unangenehm. Meine Nachbarn allerdings bettelten regelrecht darum, auf Scotti aufpassen zu dürfen und peinlich berührt willigte ich ein. Von Stund an klingelte Scott fast täglich dort drüben und “Tante Rosi und Onkel Harald” öffneten jedesmal freudestrahlend die Tür. Es wurde kurz rübergewinkt und dann schlossen sich die Wohnungstüren wieder. Es war goldig, das zu sehen, denn die Beiden genossen die Zeit mit Scotti sehr. Sie feierten mit ihm Fasching, malten ihn an, brachten ihm lustige Worte bei – Tante Rosi nannte ihren Harald oft im Scherz “Sausack”. Mehr muss ich nicht sagen.
Diese und noch viele andere Erinnerungen kommen heute wieder zum Vorschein. Als ich barfuß und im Badeanzug bei Rosi telefonieren musste, weil ich mich ausgesperrt hatte, als die Nachbarn ihr Bad komplett verschönern ließen und eine Woche meine Toilette benutzten, als mir Onkel Harald Schnäpschen einflößte und und und… Irgendwann tauschten wir auch die Wohnungsschlüssel. Die tollsten Nachbarn, die man sich wünschen kann und herzlich wie kaum jemand sonst. Eine schöne Zeit hatten wir dort, dank ihnen. Sie sahen Scotti laufen und sprechen lernen, die verfolgten seine Entwicklung mit großem Interesse und waren immer liebevoll zu ihm und auch zu mir. Danke für alles und auf Wiedersehen, denn ich möchte im Nirvana gerne wieder neben Euch wohnen. Es war schön mit und bei Euch. Ich bin sehr traurig heute und ich werde heute Bilder von damals anschauen, weil mir danach ist.
Tante Rosi, sei tapfer und behalt’ den Mut. Es ist schwer, sehr schwer und alle, die Dich und Deinen Onkel Harald kennen, wissen, wie groß die Lücke ist, die er bei Dir und allen Menschen hinterlässt. Ich denke an Euch!!!
Mir fehlen noch immer die Worte für diesen Verlust. Während meiner gesamten Kindheit und Jugend warst Du für mich der größte und einzig wahre Künstler. Ich sammelte jeden Fetzen Papier, jede Kassette, jede noch so unbedeutende Kleinigkeit von Dir, ganz egal was, wenn nur Dein Name darauf stand. Mit Deinem Tod nimmst Du einen Teil meiner Jugend mit Dir, denn Du warst ein wichtiger Bestandteil meines Lebens. Deine Musik war das Größte für mich und mit 14 Jahren schrieb ich Dir einen Brief, der nie beantwortet wurde. Dein plötzlicher Tod löste bei mir tiefe Bestürzung und Ungläubigkeit aus und die Nachricht wird noch lange nachhallen. Ich werde niemals vergessen, wo ich in diesem Augenblick war und wer Dich nicht annähernd so bewundert hat, wie ich es einst getan habe, wird nie ermessen können, wie entsetzlich traurig ich über Dein Fortgehen bin. Auch wenn man mich für vollkommen verrückt erklären wird, gestehe ich, dass ich geweint habe und das Gefühl habe, ein Familienmitglied sei gestorben. Damals warst Du das für mich und irgendwie bist Du das immer geblieben, denn ich habe Dich wirklich sehr verehrt und kindlich geliebt.
Grüße an Bon Scott, Jimmy Hendrix, John Lennon, Bob Marley und all die anderen großen Idole, die viel zu früh gegangen sind. Du warst jedoch das Größte von allen für mich. Danke für Deine Musik und danke dafür, dass ich ein Kind Deiner Zeit sein durfte.
Da wachste morgens auf und in Deinem Kopf spucken schon wieder irgendwelche Gesichter von irgendwelchen Menschen herum, die Du schon vor langer Zeit in die ewige Verdammnis verbannt hast. Du wischst diese Gesichter energisch weg und stehst schon leicht gereizt auf, weil Du es hasst, wenn ein Tag mit solchen Fratzen beginnt. Dir huscht aber dann doch ein gehässiges Grinsen übers Gesicht, weil diesem Antlitz entscheidende Attribute fehlen, die es unverwechselbar machen. In Deinen Gedanken gibt es diese Attribute nicht. Gut so, denn dieser Mensch ist für Dich schon sehr lange nichts besonderes mehr. Dann öffnest Du die Schlafzimmertür und kämpfst mit Fräulein Katze, die den Weg zur Küche nicht freigibt, weil sie sofort jetzt gleich auf der Stelle ihre Streicheleinheiten einfordert, ohne warten zu wollen, dass Du wenigstens mal das Licht angeknipst hast. Leise fluchst Du und verscheuchst das drängelnde Tierchen erstmal schimpfend.
Du aktivierst die 4×60-Watt-Beleuchtung Deiner Küche und erblindest just in diesem Augenblick. Du schlägst die Hände vors Gesicht und läufst instinktiv weiter bis zur Kaffeemaschine, denn Du kennst den Weg genau. Langsam musst Du die Finger spreizen, damit sich Deine verschlafenen Augen an die Helligkeit gewöhnen und dann füllst Du eilig die Kaffeemaschine, denn Tage wie dieser dürfen nicht ohne einen ordentlichen Schluck Koffein beginnen, sonst enden sie so, wie sie begonnen haben – mit Groll im Bauch. Nein, nicht weil heute Freitag der 13. ist, denn die 13 ist meine Zahl, meine ganz persönliche Glückzahl. Viele guten Dinge aus meinem Leben und so manche schicksalhafte Begebenheit stehen mit der 13 in Verbindung und ich habe schon vor Jahren meinen Frieden mit dieser Zahl gemacht, denn sie suchte mich immer wieder heim. Wir sind Freunde geworden und inzwischen gehört sie zu meinem Leben, also macht mir der 13. – ganz egal, ob nun Freitag oder Mittwoch oder sonstwas für’n Tag – keinerlei Angst mehr. Nein, im Gegenteil…
Es ist nun auch schon wieder eine ganze Woche her, dass er nicht mehr bei uns ist. Manchmal drängt sich der Verlust in den Vordergrund, manchmal bekommt man wieder diese Wut über das Verhalten des Menschen, der das alles verschuldet hat und manchmal wünscht man sich einfach, dass man die Zeit zurückdrehen könnte, denn dann hätte keiner von uns zugelassen, dass so etwas jemals passiert. Leider sind wir alle dagegen machtlos und können nur akzeptieren, was geschehen ist. Es fällt mir schwer, immer noch. Jeden Tag. Es gelingt mir noch nicht so recht, zu realisieren, dass er nicht mehr zur Tür rein getobt kommt und einen mit seiner unwiderstehlichen Art begrüßt. Masochistisch, wie man in solchen Momenten veranlagt ist, habe ich mir einige der damaligen Beiträge durchgelesen, als der kleine Herr L. aus P. hier eine Woche alles im Chaos versinken ließ und ich gäbe ein Königreich dafür, wenn ich etwas an seinem Schicksal hätte ändern können. Ach was, ein Königreich… Die Welt würde ich geben…
Es gibt viel zu tun heute, ich muss mich aufraffen. Ich wünsche allen Lesern ein schönes Wochenende und Entspannung. Ich werde morgen ein bisschen unter Menschen gehen und mich mal wieder amüsieren. Habe ich gestern schon und es tat gut. Ein bisschen Ablenkung von alldem und das Lachen nicht verlernen. Verlernt haben wir es nicht, aber es fällt ein bisschen schwer im Moment, zumindest manchmal. Morgen lassen wir das alles mal ein paar Stunden hinter uns und ich bin gespannt, was ich Euch (spätestens) am Montag zu berichten habe. Unverhofft kommt ja oft…
Nach den Ereignissen der letzten Tage und Wochen fällt es mir etwas schwer, so einfach zur Tagesordnung überzugehen, doch das Leben geht weiter und der Alltag fordert unsere Aufmerksamkeit. Am vergangenen Wochenende haben wir alle uns etwas Ruhe und Erholung gegönnt, haben versucht, die Geschehnisse zu akzeptieren und aufzuarbeiten. Leicht fällt das nicht, aber Stillstand ist der Tod, sagt man. Verhindern konnte niemand seinen Tod, jeder opferte sich auf und griff selbst nach dem kleinsten Strohhalm. Ich möchte an dieser Stelle allen Helfern noch einmal ausdrücklich danken und ich bin nachhaltig beeindruckt, wie konsequent all diese Menschen um diesen kleinen Wirbelwind gekämpft haben. In Zeiten wie diesen ist das keine Selbstverständlichkeit, wenn auch das Schicksal uns keinen Erfolg gönnte. Ich bereue keine Sekunde, keinen Handschlag und würde es immer wieder genauso machen. Ich denke, ich spreche im Namen aller, wenn ich sage, dass wir jederzeit wieder unsere Kraft und Energie an derartiger Stelle einsetzen würden, wenn auch nur ein Fünkchen Hoffnung bestünde.
Ein bisschen sind wir alle mit gestorben, ganz gewiss, aber wir dürfen nicht innehalten und müssen jeder für sich weitermachen. Ich für meinen Teil muss heute, wie so oft, Behördengänge erledigen und werde danach zum Ort des Geschehens fahren, um nach dem Rechten zu sehen. Dort gibt es noch viel Arbeit, denn der Krankheitsverlauf des kleinen Schwarzen hat dort nachhaltig Spuren hinterlassen, die das Wohlbefinden seiner Pflegemama stark beeinträchtigen. Eventuell kann ich dort mit Hilfe von Bekannten oder Freunden etwas Gutes tun und hoffe, dass sich auch dieser vorerst letzte Einsatz lohnt, denn der Mensch, dem sie das kranke Tier während der letzten Wochen abgenommen hat, zieht sich jetzt feige aus der Affäre und lässt sie im Stich, so wie er seinen Hund im Stich gelassen hat. Die Gedanken, die einen heimsuchen, wenn man derartiges mit ansehen muss, möchte ich hier nicht wiedergeben.
Dieser Mensch versteckte sich während der gesamten Zeit hinter seinem Mitleid, das ihn handlungsunfähig gemacht habe, als ob uns das alles leichter als ihm gefallen wäre. Keiner von uns konnte diesen Anblick gut ertragen, jeder von uns ging über seine Grenzen hinaus, aber ausgerechnet er rannte davon und schob uns sämtliche Verantwortung zu. Wie feige das war, haben wir ihm bereits gesagt, als der Hund noch lebte, aber auch jetzt hat sich an seinem Verhalten nichts geändert. Die nackte Wut packt mich, wenn ich sehe, dass er eher in Selbstmitleid versinkt, statt sich verantwortungsvoll zu verhalten. Ich glaube, ich bin mit diesen Gedanken nicht allein, denn ich erwarte von einem Tierhalter sehr viel mehr Einsatzbereitschaft, wenn es um das Wohl seines Tieres geht. Das von ihm gezeigte Verhalten, dieses defensive “Ich-kann-das-nicht” finde ich unverzeihlich und verwerflich. Solche Menschen sollten keine Haustiere halten dürfen.
Leb’ wohl, mein Fröschlein!!! Du wirst uns sehr fehlen.
Sohnemann ist bereits in der Schule und der Halbinvalide liegt nach dem gestrigen Ärztemarathon noch schlafend im Nest. Am Wochenende stand eigentlich nochmal Schlittenfahren in Schöneck auf dem Plan, aber für den hinkenden Beifahrer dürfte das eher eine Zumutung werden. Diagnose gestern war: Gelenk gedehnt (nein, nicht die Bänder) und offenbar einige Blutgefäße abgerissen. Ich weiß zwar nicht, wie zum Geier man das Gelenk dehnen kann und die Bänder davon unberührt bleiben, aber da ich kein Mediziner bin, muss ich das auch nicht wissen. Hinken tut der alte Mann natürlich immer noch und ist die ganze nächste Woche krank geschrieben. Oberschwester Nyiri wird währenddessen Tabletten und Extrem-Couching verordnen. Die Mittelschicht für nächste Woche fällt somit aus und die Bloggerei kommt zwecks Sonderschicht im Pflegedienst wahrscheinlich auch zu kurz. Bedankt Euch bei dem Herrn mit dem temporären Gehfehler.
Frau N. aus P. verabschiedet gerade ihren Besuch, da klingelt Sohnemann unten an der Haustür, obwohl er einen Schlüssel hat. Muttern drückt auf den Türöffner und da wir unterm Dach wohnen, dauert es eine Weile, bis Besucher an der Wohnungstür stehen. Mein Füchslein verlässt gerade meine Wohnung und ich stehe oben an der Treppe, als ich sie meinen Sohn fragen höre: „Was hast denn Du gemacht?“ Ich kann diese Frage nicht so recht einordnen und warte geduldig oben an der Küche, bis Sohnemann die Stufen in der Wohnung erklommen und die Küche erreicht hat. Was ich dann sah, übertraf meine Erwartungen mal wieder. Herr Sohn hatte einen blutverschmierten Mund und eine dicke Lippe riskiert. Ich staunte nicht schlecht und fragte nach, was denn geschehen sei. Er berichtete, er hätte mit seinen Kumpels Fangen gespielt und dabei sei er mit einem seiner Kumpels unglücklich zusammengestoßen. Hinterkopf vs. Lippe sozusagen…
Das sah natürlich im ersten Moment viel schlimmer aus, als es letztendlich war. Erstmal wies ich ihn an, seinen Mund und das blutverschmierte Gesicht vorsichtig ein bisschen abzutupfen und dann verabreichte ich ihm ein feuchtes Handtuch mit Kühlkissen innen drin. Tat ihm offensichtlich auch gut und er saß für die nächsten zwei Stunden erstmal ganz ruhig im wohnzimmerlichen Sessel. Nun ja, was lässt sich mit einer solch negriden Lippe eigentlich essen? Ich erinnerte mich an meine dicke Lippe in der Kindheit, gegen die das geschwollene Dingens meines Sprösslings allerdings ein lächerlicher Kindergeburtstag war und beschloss, kleine Nüdelchen zu kochen, die sich ohne Abbeißen und ohne brennenden Salzgeschmack in den Mund befördern lassen. Süppchen läge zwar näher, aber da die Miniplatzwunde relativ dicht an der Mundschleimhaut lag, hätte die Suppe bzw. das darin enthaltene Salz sicherlich unangenehm gebrannt.
Zwar bin ich ein äußerst schadenfroher Mensch, aber das wäre fies gewesen. Also bereitete ich die seltenste aller Speisen zu, die unsere Augen jemals gesehen haben – Nudeln. Sohnemann freute sich natürlich diebisch und ich konnte am Ende des Tages zufrieden feststellen, dass ich als Krankenschwester zumindest Puls messen dürfte, denn die Lippe war fast nicht mehr dick und man sah kaum noch, was passiert war. Eine kleine Schwellung hat er natürlich noch, aber in einer Woche ist das vergessen. Wenn ich da an meine Glanzleistung in der 4. Klasse denke, wird mir heute noch schlecht. Nicht nur dass ich mir beinahe alle Zähne rausgekloppt hätte, nein, man konnte wunderbar bei geschlossenem Mund meine Zähne sehen und an essen war für glatte vier Wochen nicht mehr zu denken. Und ich hatte auch gleich ganze Arbeit geleistet. Ober- und Unterlippe waren außer Gefecht, denn nur oben oder nur unten kann ja Jeder.
Außer einer völlig verknorpelten Unterlippe und einer vernarbten Oberlippe blieb davon nichts zurück. Die Narben befinden sind im Mund und die kleine Narbe der unteren Außenseite saß nicht nur dicht am Lippenrand, sondern verwuchs sich im Laufe der Jahre so hübsch, dass man davon nichts mehr sieht. Nur innen sieht es aus wie ein geflickter Fahrradreifen, aber rauchen, saufen und Fressattacken lassen sich damit bestens bewältigen. Bei Sohnemann dürfte man schon in wenigen Tagen/Wochen nichtmal mehr eine Narbe sehen. Er bevorzugt bei seinen Verletzungen bisher immer die Standardvariante. Seine Mutter nahm immer die Deluxe-Ausführung. Loch im Kopf? Sohnemann hatte eins in der 1. Klasse, Mutter „besorgte“ sich gleich zwei im Kindergarten. Ich sah dermaßen abgeschlachtet aus, dass meine Mutter auf dem Weg zum Arzt erstmal zuhause zwischenstoppte und dem Töchterlein die Haare wusch. Lasst sie ruhig verbluten, Hauptsache sie hat frisch gewaschenes und duftendes Haar… Kein hässlicher Kommentar über Folgeschäden, liebe Mädels, ja?
Heute ist einer jener zwiespältigen Tage für mich, denn er vereint Trauer und Vorfreude. Ab morgen dürfen die Weihnachtssachen aufgestellt werden, aber im Laufe des Nachmittages werde ich aller Voraussicht nach mit einer schlichten weißen Rose in der Hand zum Grabe meiner Großmutter gehen und diese Rose auf ihrem Grab hinterlassen. Das tue ich immer an all jenen Tagen, die ich für richtig erachte. Dazu zählt ihr Geburtstag, der Todestag, Weihnachten und natürlich der Totensonntag. Ich bin nicht so geübt im Besuchen von Gräbern, aber ich komme niemals mit leeren Händen. Ich bringe ihr jedes einzelne Mal diese weiße Rose mit und verharre einige Minuten im stillen Zwiegespräch mit ihr. Uns verbanden nicht nur gute Zeiten und ich trage noch immer so manchen Konflikt in mir, aber mein innerer Konflikt ist schon klein genug, um ihr während des gesamten Jahres mehrmals eine Rose zu bringen, denn sie liebte Blumen wirklich sehr. Und ich wähle immer die Farbe weiß, denn diese Farbe verkörpert für mich Reinheit, Neubeginn und Verletzlichkeit. Rot erscheint mir zu präsent, gelb zu fröhlich, rosa zu kitschig, orange zu knallig und lila hasse ich ganz einfach. Weiß ist gut, weiß ist dennoch aussagekräftig und weiß ist auch eine Farbe der Ruhe für mich.
Immer nur eine Blume, eine Rose, ein bisschen was Grünes drumrum und sonst nichts. Auch die Farben und Blumen für das Grabgesteck bei ihrer Beerdingung habe ich ausgesucht. Meine Mutter war damals mit mir im Blumengeschäft und stand neben mir. Wortlos und über den Tod ihrer Mutter betrübt habe ich sie unter meine Obhut genommen und gesagt: „Wir suchen Blumen für Oma aus, komm…“ Sie lächelte müde und ließ es geschehen. Ich stellte ein Arrangement aus weißen Blüten zusammen. Schlicht, edel, zart und weiß, einfach nur weiß. Ich ordnete den genauen Wortlaut der Inschrift auf den Trauerbändern an und bestimmte auch deren Farbe – dunkelgrün mit goldener Schrift. Meine Mutter bestand darauf, alles zu bezahlen und sagte mit einem dankbaren Lächeln: „Das sieht schön aus, danke, mein Kind…“ Ich hakte mich unter und wir verließen den Laden. Der Trauerfeier blieb ich fern. Ich wollte und konnte nicht in die heucherlischen Gesichter derer sehen, die nun plötzlich aus der Versenkung auftauchten.
Und ich wusste, diese Trauerfeier würde wieder in einem Skandal enden, was auch geschah, denn meine Mutter berichtete mir davon. Persönliche Gründe verboten mir, dieser Feier beizuwohnen und ich hatte mich längst auf meine Art verabschiedet. Als sie starb, war ich gerade auf Arbeit. Mein Handy klingelte und am anderen Ende sagte meine Frau Mama in mütterlichem Befehlston: „Komm sofort nach Hause! Oma ist gestorben.“ Ich empfand diesen Ton weniger befehlend, sondern verstand das viel mehr als Warnschuss, dass die elende Schlammschlacht der Heuechelei nun beginnen würde. So war es auch. Ich fuhr ohne Umwege zum Pflegeheim, wohin sie von meinem Großvater abgeschoben worden war, „weil das komische Krankenhausbett in der Wohnung doch unmöglich aussähe“ und sah mich mit einem betrunkenen Großvater, einer ebenfalls betrunkenen Tante und den zwei verbliebenen Schwestern meiner Großmutter konfrontiert. Meine Mutter lehnte an der Wand und verbarg das Gesicht an jeder Wand in ihren Händen.
Mein Großvater stammelte wirres Zeug, was angesichts seines Alkoholpegels kein Wunder war. Ich schämte mich für die Tatsache, dass meine werte Tante und mein ehrenwerter Großvater 100 m entfernt im Garten gesessen und sich betrunken hatten, während meine Großmutter ihren letzten Atemzug tat. Auch die unmittelbare Nähe zum Pflegeheim hatte nur für einen einzigen täglichen Besuch gereicht. Meine Mutter hingegen war aus Saarbrücken angereist und hatte angekündigt, so lange zu bleiben, bis Oma gestorben sei, denn wir beide wussten, dass es zuende geht. Schon vor Monaten hatte ich zu meiner Mutter gesagt: „Das lange Sterben von Oma hat begonnen.“ Ich sollte recht behalten. Nach und nach verließen alle Angehörigen den Raum, in dem meine tote Großmutter lag und mein betrunkener Großvater forderte mich schwankend auf, mitzukommen. Ich weigerte mich, ohne ihn anzusehen. Ich war angewidert und distanzierte mich von allen. Meine Mutter wusste, warum.
Als alle gegangen waren, betrat ich schweigend den Raum, nahm mir einen Stuhl und setzte mich an ihr Bett. Ich wies die Pflegeschwestern an, mich bis zum Eintreffen des Bestattungsunternehmens mit ihr allein zu lassen. Freundlich nickend wurde meine Bitte erfüllt und man reichte mir wortlos anteilnehmend ein Päckchen Tempos. Ich schloss die Tür zum Zimmer und setze mich noch näher ans Bett. Ich starrte meine tote Großmutter an und erst jetzt konnte ich weinen. Eine ganze Stunde war ich allein mit ihr und ich weinte, sprach sie immer wieder leise an und fand kein Wort außer „Oma“… Ich versuchte zu begreifen, dass sie vor mir lag und mich trotzdem nicht mehr hören konnte. Ich wollte ihre Hand berühren, aber jedesmal hielt ich wenige Millimeter vor ihrer Hand inne. Das konnte ich nicht, das ging mir zu weit. Ich starrte sie eine Stunde lang an und sah nichts anderes an, denn ich wollte keine Sekunde damit verschwenden, meine Aufmerksamkeit anderen Dingen zu schenken, als diesem letzten Moment, diesem letzten Beisammensein, nur sie und ich.
Irgendwann öffnete sich die Tür und zwei schwarz gekleidete Herren betraten den Raum, wünschten mir anstandsvoll Beileid und warteten in gebührendem Abstand, bis ich mich erhob und den Raum verließ, ohne mich ein letztes Mal umzudrehen. Ich lief wortlos zum Treppenhaus und sah kein einziges Mal zurück. In diesem Augenblick beschloss ich auch, nicht zur Trauerfeier zu erscheinen, denn die Szenerie mit zwei betrunkenen Angehörigen hatte mir gereicht. Nein, ich hatte mich verabschiedet, auf meine Weise, in aller Stille und in Zweisamkeit, so wie ich es wollte. Meine Mutter verstand das und was der Rest dachte, ging mir am Arsch vorbei. Ich setzte mich in mein Auto und stand noch lange auf dem Parkplatz. Der schlichte Sarg mit dem Leichnam meiner Großmutter wurde vor meinen Augen in den Wagen gehoben, einer der Bestatter trat an meinen Wagen und reichte mir eine Visitenkarte. Er notierte einige Hinweise, was für die Beisetzung notwendig sei und verabschiedete sich respektvoll. Ich hatte den Eindruck, dass jeder Mensch, der mir in diesen Stunden begegnete, mich als Verantwortliche für alle Belange rund um den Tod meiner Großmutter betrachtete. Niemand sprach meine Verwandten an.
Als ich endlich nach Hause fuhr, kam dieses Lied aus dem CD-Player meines Radios und es erinnert mich seither an den Tod meiner Großmutter:
I hope you’re feeling happy now
I see you feel no pain at all it seems
I wonder what you’re doin’ now
I wonder if you think of me at all
Do you still play the same moves now
Or are those special moods
For someone else
I hope you’re feeling happy now.
Just because you feel good
Doesn’t make you right (oh no)
Just because you feel good
Still want you here tonight
Does laughter still discover you
I see through all those smiles
That look so right
Do you still have the same friends now
To smoke away your
Problems and your life
Oh how do you remember
Me the one that made
You laugh until you cried
I hope you’re feeling happy now
Just because you feel good
Doesn’t make you right (oh no)
Just because you feel good
Still want you here tonight
Just because you feel good
Doesn’t make you right (oh no)
Just because you feel good
Still want you here tonight
I wonder what you’re doing now
I hope you’re feeling happy now
I wonder what you’re doing now
I hope you’re feeling happy now
Mit Interesse verfolge ich täglich, woher meine Besucher kommen und beobachte genauso interessiert, welche Suchbegriffe beim Auffinden meines Blogs eingegeben werden. Bei den Referrer-Links gibt es keine nennenswerten Abnormitäten, bei den Suchbegriffen allerdings schon, wie ich finde. Seit längerem tauchen dort Suchbegriffe auf, die mich nicht nur mit dem Kopf schütteln lassen, sondern sie verursachen Abscheu und Ekel. Was an Deutschlands Schreibtischen und Computern als Suchbegriffe eingetippt wird, rollt mir die Fußnägel auf. Ich bin weiß Gott keine militante Emanze, die prinzipiell gegen Pornographie ist, was jedoch Kinder angeht, vertrete ich eine erbarmungslose Haltung. Zwar fahre ich nicht mit jenen Heckscheibenaufklebern herum, auf denen die Todesstrafe für Kinderschänder gefordert wird, aber ich bin heimliche Sympatisantin dieser Autofahrer. Nein, wir diskutieren hier nicht über die Todesstrafe an sich, denn daraus ergäbe sich eine weitere Kontroverse, da nachweislich Menschen hingerichtet wurden, deren Unschuld nach ihrem Tode bewiesen wurde.
Nein, mir geht es um Kinderpornographie und deren Opfer – die Kinder. Entschuldigt bitte einstweilige verbale Entgleisungen, aber welche kranke Sau sucht bitte mit aller Regelmäßigkeit mit einschlägigen und unmissverständlichen Worten genau nach solchen Bildern? Es mag wohl sein, dass ich in meinem Blog all jene Worte aufweisen kann, jedoch nie in einer Phrase, sondern völlig zusammenhangslos. Da steht beispielsweise in meiner „Philosophie“ rechts an der Seite das böse F-Wort. Dann schwirren hier unzählige Male die Worte „Mutter“ und „Sohn“ umher. Sucht nun jemand nach jenen Worten, wenn er damit einen genauso ekelerregenden Satz bildet – was leider auch möglich ist – landet er auf meinem Blog. Fakt ist jedoch auch, dass diese Suchbegriffe schon vorher zu meinem Blog führten, auch ohne das F-Wort, welches ich im Zusammenhang mit meiner Lebensphilosophie durchaus legitim finde. Es mag so manches Gemüt erregen, dass ich so harte Worte für das tägliche Leben finde, aber ich finde meine Wortwahl nicht im Mindesten so verwerflich, wie die Suchphrasen, die an deutschen Rechnern getippt werden.
Nur die tägliche Blogstatistik erinnert an derlei Abscheulichkeiten, die man/frau solange erfolgreich verdrängt, bis sie wieder ganz nah an einen selbst rücken. Gottlob blieb mir bisher der Kontakt mit Betroffenen erspart, denn die Wunden solchen Missbrauchs sind für uns „Nicht-Betroffene“ mit aller Wahrscheinlichkeit nicht in Worte zu fassen und als Außenstehende/r säße man vermutlich sprachlos, wütend und handlungsunfähig zugleich vor jenen Opfern. Keine Umarmung, kein Wort und kein Blick dieser Welt könnte die Wunden heilen, den Schmerz lindern und die Qualen vergessen machen, die solche Erlebnisse hinterlassen. Die Wut steigt in mir auf, wenn ich mir ausmale, dass all jene Pädophile und Päderasten nicht einen Gedanken daran verschwenden, was den Kindern auf solchen Bildern an Schmerzen, Seelenleid und körperlichen Qualen zugefügt wird, nur um den widerlichen Markt der Pädophilie zu bedienen und jenen Schweinen Befriedigung zu verschaffen. Jeden Tag habe ich diese Wut im Bauch, wenn ich diese verdammten Suchbegriffe sehe. Mit aller Verlässlichkeit tauchen sie mindestens 1x pro Woche auf und ich wünschte, man könnte diese „Suchenden“ zurück verfolgen. Oh, wenn ich nur könnte…
Wir dürfen nie vergessen, dass es da draußen Kinder gibt, denen es nicht ansatzweise so gut geht, wie unseren kleinen Quälgeistern. Niemals…!!! Wegschauen heißt mitmachen, das sollte jedem klar sein.
Der Sonntag begann ruhig und in aller Gemütlichkeit. Ich genoss meinen Kaffee, hatte bewusst keine Pläne für diesen Tag gemacht und gedachte, das Wochenende schön gemächlich ausklingen zu lassen. Aber wie das mit Plänen so ist, kam wieder alles anders als geplant. Am frühen Nachmittag hatte ich kurz Besuch und freute mich auch sehr über diese spontane Begegnung. Ein Stündchen Plauderei und eine Tasse Kaffee brachten dann doch etwas Abwechslung in den Sonntag. Danach wollte ich nur kurz meinen Emaileingang überprüfen und sah, dass C. online war. Ich tippte eine kurze Begrüßung und prompt klingelte mein Telefon. Natürlich nahm ich das Gespräch an und nach wenigen Minuten wurde beschlossen, dass man den Rest des Nachmittages gemeinsam verbringen sollte. Also machte ich nicht viel Aufhebens und tauschte meine Schlafanzughose gegen eine bequeme Knautschehose, stieg in mein Auto und gondelte Richtung Schleiz.
Dort angekommen durfte ich frisch gezapfte Kuhmilch kosten und nach dem ersten Kaffee folgte ein überaus schmackhafter Cappuccino. Etwas später gesellte sich ein sehr guter Kumpel von C. zu uns und es war entspannt. Ich weiß nicht, ob es klug ist, nun das aufzuschreiben, was dann folgte, aber zumindest bleibt uns dieser Abend wohl noch eine kleine Weile in Erinnerung. Da C. in diesen Tagen und Wochen in etwa das Gleiche durchlebt wie ich während der letzten Monate, gährte in ihr im Laufe des Abends der Wunsch, die Klamotten und Habseligkeiten ihres Ex’ aus ihrer Wohnung zu verfrachten. Was dazu führte, bleibt hier aus privaten Gründen unter Verschluss, aber als Freunde packten wir mit an und versuchten, ihr zu helfen. Natürlich kam der Delinquent zu früh nach Hause und so kam es, dass wir just in dieser Sekunde alles fallenließen, was wir gerade in den Händen hatten und flohen zurück ins Wohnzimmer.
Zugegebenermaßen plagte mich mein Gewissen etwas, denn der junge Mann hatte mir erst kürzlich beim Umzug geholfen und hatte sich als wirklich große Hilfe erwiesen. Aber wie das im Leben manchmal so ist, musste ich klar Stellung beziehen und beteiligte mich schweren Herzens an der „Aufräumaktion“. Da die Gründe hierfür äußerst schmerzhaft für C. waren, brauchte sie jetzt Unterstützung. Diskret blieben Kumpel H. und meine Wenigkeit im Wohnzimmer sitzen und hielten uns verbal komplett raus. Es folgte ein kurzes Wortgefecht im Treppenaufgang und dann war Stille. Mit trauriger Miene kam C. zurück und setzte sich irgendwie erschöpft zu uns. Müde und enttäuscht lehnte sie sich an mich und meine Kehle schnürte sich langsam zu, da ich selbst erst kürzlich eine Trennung hinter mich gebracht habe. Gottlob habe ich die schlimmsten Tage bereits hinter mir und war dennoch irgendwie starr, da dieser Schmerz so überwältigend ist, dass nichts und niemand einen trösten kann.
Ein paar Tränen flossen und bald folgten Rachegedanken. Wir lachten wieder und schmiedeten – vermeintlich hypothetische – Pläne. Tja und einige davon wurden dann an diesem Abend noch in die Tat umgesetzt, denn jedes Kind weiß, dass es nun wirklich keinen schlimmeren Feind geben kann, als eine gekränkte und verletzte Frau. Nun fragt sich der eine oder andere Leser sicher, was sie/wir getan hat/haben, aber das bleibt unser Geheimnis. Es sei nur soviel gesagt, dass niemandem körperlich oder materiell geschadet wird. Ob es richtig oder falsch ist, bleibt offen. Es ist jedoch unbestritten, dass er ihr Vertrauen und ihre Liebe gewissenlos ausgenutzt hat, wenn sich die Verdachtsmomente bewahrheiten sollten. Zwar ist mir derartiges nicht geschehen, aber ich kann die Wut und Enttäuschung durchaus nachvollziehen. Absolut…
Kleines, ich wünsche Dir für die kommende Zeit ganz viel Kraft und Durchhaltevermögen. Es wird nicht leicht und so manches Mal wirst Du denken, dass Du daran zerbrichst, aber Du bist nicht allein und weißt, wo Du uns findest, wenn Du Halt und eine Schulter zum Weinen brauchst. Halt durch und sieh nach vorne, auch wenn die Sommersprossen des Lebens im Moment eher aussehen wie Durchfallspritzer… Wir sind für Dich da und machen jeden Quatsch mit, der Dir dabei hilft, dass es Dir bald besser geht…
da ich nicht genau weiß, ob ich morgen früh noch die Zeit finde, hier meinen morgendlichen Artikel zu verfassen, tue ich das vorsorglich jetzt. Es ist Donnerstag, der 18. September 2008 genau 20.50 Uhr. Sohnemann ist der Einzige, der noch halbwegs Normalität in seinem Zimmer genießen darf und der junge Mann macht sich gerade bettfertig. Abendessen ist erledigt, Hausaufgaben auch und morgen darf Söhnchen dann die Ruhe bei Papa/Oma genießen. Er war bei den bisher erledigten Umzugsarbeiten wirklich sehr fleißig und hat mir geholfen wie ein richtiger Mann. Artig erfüllte er alle Aufgaben, die ich ihm überlassen habe und meckerte kein einziges Mal. Seine Zahnspange hat er heute gleich komplett bekommen, womit wir nicht gerechnet hatten. Die Kieferorthopädin bat das Labor der Zahntechnik darum, das Oberteil doch bitte gleich mit fertigzustellen, da wir uns so einen weiteren Termin sparen können. Die erfüllten diesen Wunsch prompt und wir müssen nun erst wieder in sechs Wochen antreten zur Kontrolle. Die neue Spange drückt und quält den kleinen Mann ziemlich, aber er erträgt es mit Fassung. Er weiß, dass das anfangs nunmal so ist und hofft auf Besserung.
Nach getaner Arbeit im Studio haben wir zusammen heute so einiges geschafft:
Küchenschränke restlos geleert
Vorratsschrank fast vollständig transportfähig gemacht
Jalousien abmontiert (außer Kinderzimmer)
Schlafzimmer bis auf die Klamotten und meine blöde Reisematratze komplett leergeräumt
Tisch und Stühle aus der Küche geräumt
Geschirrspüler ein letztes Mal befüllt und in Betrieb genommen
Töpfe, Pfannen, Teller, Tassen, Besteck und den ganzen Kram verpackt und reisefertig gemacht
Für den morgigen Freitag ist bereits alles durchgeplant, was noch von Dringlichkeit ist und ich denke, dass ich morgen Abend maximal 2½ Minuten zum Einschlafen brauche. Meine Nacht ist gegen 5.00 Uhr vorbei und dann muss ich bis abends durchziehen. Wenn meine Organisation hinhaut, werden wir morgen folgendes erledigen:
in der neuen Wohnung Kleiderschrank aufbauen
Kabeltechnik-Kumpel überprüft, welches Material ich für zwei weitere TV-Anschlüsse benötige
Großteil der Verpflegung für Umzugshelfer/innen einkaufen
Sohnemann mit neuem Wohnungsschlüssel in den Wochenendurlaub verabschieden
Kinderzimmer komplett umzugsfertig machen
in allen Räumen Nägel, Haken und Schrauben entfernen
Badartikel weitestgehend einpacken
Küche vollständig abmontieren
Wenn ich das morgen alles schaffe, falle ich abends vollkommen platt ins Bett, aber sehe dem Samstag sehr viel gelassener entgegen. Alle angesagten Helfer haben heute ihre Teilnahme bestätigt und so treten am Samstagmorgen punkt 9.00 Uhr hier satte neun Leute an, vielleicht sogar zehn, denn einer wollte eventuell noch Verstärkung mitbringen. Sohnemanns Papa hilft auch fleißig mit, was ich bemerkenswert nett finde, denn er hat mich in solchen Situationen trotz allem nie im Stich gelassen. Absolut feiner Zug von ihm, egal was mal zwischen uns war. Er hilft mir und damit auch seinem Sohn. Solche Ex-Männer hat man nicht oft, denke ich. Wir sind dann alles in allem drei Mädels und der Rest sind alles feine Kerls, die ohne groß zu grübeln ihre Hilfe zugesagt haben. Gerne würde ich diese tollen Leute hier namentlich erwähnen, weiß aber nicht so recht, ob sie ihre Namen hier gerne veröffentlicht wissen. Es sei nur soviel gesagt, dass ich die meisten von ihnen zwar schon viele Jahre kenne, manche davon aber wiederum erst relativ kurz. Nichts desto trotz haben alle schon mehr als einmal tatkräftig geholfen und ich freue mich, solche Menschen zu meinem Umfeld zählen zu dürfen. Auf sie ist Verlass und jeder Einzelne von ihnen hat was gut bei mir. Das kann mich im Extremfall zwar die Teilnahme an mindestens neun Umzügen kosten, aber das bin ich jedem von ihnen schuldig, denn am Samstag geht’s ins Dachgeschoss und das schmerzt in allen Muskelfasern.
Ganz am Schluss möchte ich meiner Kollegin und mittlerweile guten Freundin S. und ihrem „Schatzi“ (wie sie ihn nennt), meinem Chef aufrichtig für die Unterstützung und Geduld der letzten Wochen und Monate danken. So manches Mal kroch ich auf dem Zahnfleisch zur Arbeit, konnte kaum noch geradeaus denken, vergaß sicher vieles, war oft handlungsunfähig, aber niemand war mir ernsthaft böse und man hatte Nachsehen mit mir. Ich war dünnhäutig, nervlich angeschlagen und lief wochenlang mit Scheuklappen durch die Welt, nur um nicht noch mehr in die Knie zu gehen. Alles tat weh und ich schlug um mich, wie ein verwundetes Tier. Wie oft habe ich damit genau die Beiden getroffen, die jeden Tag mit mir arbeiten mussten. Ich funktionierte auf Sparflamme, aber Kopf und Herz lagen regelrecht geprügelt vor mir auf dem Boden. Mit genügend Abstand konnte ich mich einigermaßen erholen und befinde mich mittlerweile auf einem heilsamen Weg der Besserung. Ich habe noch keine Zeit, um Kräfte zu tanken, aber die Wunden sind ganz frisch vernarbt und hören langsam auf zu schmerzen. Ich blute nicht mehr, nur noch in größeren Abständen und dann meist auch ohne Tränen. Es wird besser und das emotionale Chaos liegt hinter mir. Nur der Abstand machte das möglich. Ihr Beide habt mich dabei begleitet, mal schweigend, mal zuhörend und oft auch im Gespräch, obwohl ich zeitweise ein schrecklich sturer Gesprächspartner war, der nur noch weglaufen wollte.
Mein Dank ist nicht in Worte zu fassen und ich hoffe, dass ich eines Tages eine Möglichkeit oder einen Weg finde, um Euch meine Dankbarkeit zu zeigen, zurückgeben zu können oder anderweitig Ausdruck zu verleihen, denn Ihr habt Durchhaltevermögen und Geduld mit mir bewiesen. Und für was ich Euch alles zu danken habe, wisst nur Ihr allein. Wenn ich Euch in meinem Schmerz oft so verletzt habe, tut es mir aufrichtig leid und ich weiß nicht, ob alle Worte dieser Welt reichen, um das aufzuwiegen, was Ihr mir entgegen gebracht habt. Aber ich möchte es dennoch versuchen, irgendwann, irgendwie…
Danke auch an meine beste Freundin J., die mich so oft ertragen hat, wenn ich geflohen bin. Sie allein kann ermessen, welch schwieriger Mensch ich in solchen Lebenslagen bin und trotzdem ist auch sie geduldig und nie nachtragend. Und ich danke all denen, die mir Zuversicht und Zuspruch gaben, als ich vor dem Nichts stand. Danke Euch allen, ich bin froh, dass ich jeden Einzelnen von Euch kenne und nur zu gerne würde ich die Namen all derer nennen, die mir ihre Freundschaft und ihre Gedanken gewidmet haben.
Schwermütige Zeilen zum Abschied waren eigentlich nicht meine Absicht, als ich vor knapp zwei Stunden mit dem Schreiben begonnen habe. Mein Sohn liegt längst im Bett. Minutenlang saß ich an seinem Bett und wir plauderten ein letztes Mal vorm Einschlafen, denn heute ist seine letzte Nacht hier in diesem Mauern. Meine eigene letzte Nacht verbringe ich allein und ich bin unendlich froh, dass das Warten vorbei ist. So froh… Unser neues Leben beginnt am Samstag und wir haben sehr viel gelernt. Über Menschen und ihre Versprechungen, über Menschen mit zwei Gesichtern, über Freundschaft, über Lügner, über selbstlose Hilfsbereitschaft, über uns selbst und unser Innerstes… Wir sind vorsichtiger, dankbarer und etwas demütiger, denn wir haben im größten Schmerz genau die getroffen, die uns helfen wollten und es trotz allem noch immer tun.
Danke J.H., M.S., S.W., A.K., I.D., C.F., A.?., L.C., D.P., K., C.K., R.L., S.G.B., meiner Familie P.+J.P.S.+C.S. und allen, die ich zu so später Stunde vergessen habe.
Wir sehen uns „drüben“ in der neuen Wohnung. Und vielleicht finde ich morgen früh ein paar Minuten Zeit, Euch einen guten Morgen zu wünschen… *wink*
Manchmal passieren im Leben Dinge, die uns fast um den Verstand bringen und dennoch verbirgt sich in jenen Augenblicken etwas, das wir längst verloren glaubten. Sie können uns einander wieder so nahe bringen, wie man lange Zeit nicht mehr war. Man vergisst, was einen kränkte, schiebt seinen verletzten Stolz und seine Enttäuschung beiseite und ist einfach nur füreinander da. Es ist nicht fair, dass erst solche Dinge geschehen müssen, um sich auf das zu besinnen, was wirklich wichtig ist. Gestern stellte das Schicksal Dich auf eine dieser harten Proben und eigentlich sollte dieser Tag sicherlich anders verlaufen. Schon als ich Dich morgens sah, erkannte ich, dass es Dir sehr sehr schlecht geht. Ich hörte diskret weg, als Du mit A. kurz ein paar Worte gewechselt hast und in diesem Moment verfluchte ich nicht zum ersten Mal die Stille zwischen uns, der ich bereits mit meinem letzten Eintrag hier ohne Dein Wissen ein Ende setzen wollte, weil ich durchaus sehen konnte, wie sehr Dich das belastet. Allerdings wusste ich auch, dass Du meine Zeilen erst heute lesen können würdest, denn der Donnerstag ist Euer freier Tag. Ich wusste genau, Du würdest die Gelegenheit nicht versäumen, das heute nachzuholen. Irgendwann gegen Nachmittag bist Du leise durchs Studio geschlichen, bist am Tresen stehen geblieben, aber dennoch so, dass ich Dich nicht direkt sehen konnte. Es muss Dir unendlich schwer gefallen sein, nicht genauso schweigend wie ich in all den Tagen einfach weiterzugehen, denn ich habe Dir durch meinen Rückzug eigentlich nie die Chance auf eine vorsichtige Annäherung gelassen. Ich wollte allein sein mit meinem Schmerz und ich wollte nicht reden.
Als Du da so gestanden hast, regte sich erneut in mir das ungute Gefühl, dass es Dir schlecht geht und dass der Grund ein anderer als Tage zuvor war. Ich hab’s gespürt, gesehen, gerochen und als Du leise etwas gesagt hast, was ich kaum verstand, fragte ich Dich ohne hochzusehen, was mit Dir los sei. Du warst blass und in all Deinen Gesten und Worten lag eine Niedergeschlagenheit, die man schon fast körperlich wahrnehmen konnte. Hemmungslos hast Du losgeschluchzt und mir den Grund für Deine Verfassung preisgegeben. In diesem Moment wischte ich all meine Gedanken an die letzten Tage weg und kam um den Tresen auf Dich zu. Du hattest die Arme auf dem Tresen verschränkt und Dein Gesicht darin verborgen. Sanft aber bestimmt nahm ich Deinen Arm und zog Dich an mein Herz. Ganz ganz fest hast Du mich gedrückt, so fest wie man sich nur drücken kann, wenn eine unglaubliche Last von einem abfällt, wenn man froh über die Nähe des anderen ist und wenn man genau diese Nähe jetzt so dringend braucht. Deine Tränen taten mir furchtbar weh und es dauerte nur wenige Augenblicke, bis auch bei mir die Tränen rollten. Alles brach heraus, all der Schmerz und der Kummer und es tat so unendlich gut. Minutenlang standen wir so da und Du hast Dich so an mich geklammert, dass ich auch ohne Worte verstand, wie wichtig Dir das war.
Du kannst nicht ermessen, was das in mir geweckt hat. Zum ersten Mal seit vielen Wochen fühlte ich mich wieder zuhause, ich fühlte mich wieder unendlich wohl und ich merkte, wie sehr ich dieses Gefühl vermisst habe. Zum ersten Mal geriet ich ins Wanken, was meine Entscheidung anging. Zum ersten Mal fuhr ich lächelnd nach Hause und ich werde heute zum ersten Mal wieder mit einem wohligen Gefühl zur Arbeit fahren. An den Ort, der so oft Zuflucht war, an den Ort, der ein Zuhause für mich ist. Wer kann das schon von sich sagen? Und mir wurde klar, wie wichtig Du mir trotz allem bist, S…. Aus den Augenwinkeln habe ich Dich beim Lesen meiner Zeilen verstohlen beobachtet, denn ich weiß, meine Worte gehen nicht an Dir vorbei. Sie treffen Dich dort, wo ich meinen eigenen Schmerz sitzen habe und sie bewegen Dich. Das wusste ich immer und ich wusste, dass ein geschriebenes Wort für Dich genauso viel Gewicht hat, wie für mich auch. Ich kenne nur wenige Menschen, die so viel Gespür dafür besitzen und in den meisten Menschen lebt der Zwiespalt zwischen einem gesprochenen und einem geschriebenen Wort. In Dir jedoch nicht. Du siehst und fühlst, dass es manchen Menschen leichter fällt, über Gefühle und Gedanken zu schreiben, weil sie die Ruhe und Einsamkeit brauchen, um sich offenbaren zu können. Ich bin ein solcher Mensch und ich denke, das hast Du schon vor langer Zeit erkannt. Und gerade weil ich das wusste, habe ich meinen Gedanken jeden Tag auf’s Neue hier an dieser Stelle Worte verliehen. Zum Reden war ich nicht imstande, also schrieb ich mir die Finger wund und ich wusste mir alles vernichtender Gewissheit, dass Du das Wort für Wort lesen würdest, dass Du die Lieder anhören wirst und dass Du auch die Texte in Dich aufnimmst.
Diese stille Anteilnahme war mir immer gewiss, auch wenn wir manches Mal kein Wort darüber verloren. Und ich sah auch, wann Du gelesen hast, Kleines. Sicher erschrickst Du jetzt ein bisschen, aber ich kann Dir sogar die Uhrzeiten sagen. Ich will, dass Du weißt, dass ich das immer zu schätzen wusste und ich will auch, dass Du weißt, dass ich froh bin, Dich kennengelernt zu haben. Menschen wie Dich trifft man nur sehr selten und nicht oft im Leben war mir jemand nach so kurzer Zeit so wichtig. Du hast Dich mit Deiner sanften und überaus sensiblen Art in einer Geschwindigkeit in meinem Gemüt breit gemacht, dass ich selbst erstaunt bin. Ich bin Fremden gegenüber ein äußert misstrauischer Mensch, aber bei Dir hatte ich dieses Misstrauen nie. Du bist alles, was ich nicht bin. Du bist warm, feinfühlig und trägst das alles nach außen. Du bist rein und pur, so unverfälscht und Deine sanfte Art lässt nicht einmal mich kalt. Du bist ehrlich und aufrichtig und Dir kann man nie mit dem Herzen böse sein. Sicher war das Leben auch zu Dir nicht immer gerecht und auch Du musstest viel Leid erfahren, aber vielleicht bist Du genau deshalb so authentisch. Ich weiß nicht, wieviele Menschen das in Dir sehen, aber ich vermute, die wenigsten Leute in Deinem nahen Umfeld empfinden das, was ich in Dir sehe. Du bist eine der Wenigen, die ich als Freundin bezeichne. Nein, Du bist nicht nur eine Kollegin, Du bist viel viel mehr und ich bewundere Deine Geduld, die Du mit A. und auch mir immer wieder unter Beweis stellst. Du bist kein nörgelnder Mensch, Du strahlst selbst unter großem Stress eine Wärme aus, die gut tut. Und Du hast Dich nie geschämt, Gefühle zu zeigen. Niemals…
Wie Du an meinen Schmerzen so oft teilgehabt hast, verschlägt mir die Sprache. Obwohl es Dich nie betraf, liefen bei Dir Tränen, wie ich sie selbst geweint habe. Sie waren so herzlich und mit Dir konnte ich wirklich mein Leid teilen. Du hattest die unglaubliche Fähigkeit, mir einen Teil dieser Qualen abzunehmen und vor allem hast Du alles selbst gefühlt. Die meisten Menschen sitzen hilflos daneben und ihr Trost kann einem nicht annähernd das geben, was Du mit Deinem Wesen geben kannst. Ich kann nur hoffen, dass es in Deinem Umfeld wenigstens eine Handvoll Menschen gibt, die genau das sehen und festhalten, denn eine Freundin wie Dich findet man nur mit viel viel Glück und mit genügend Weitsicht und Gespür erkennt man, was Du geben kannst und wie heilsam Du sein kannst. Mir fehlen die Worte für das, was ich eigentlich sagen will. Und ich habe auch nicht die geringste Ahnung, wieviele Menschen außer A. Dir wirkliche nahe sind, aber ich hoffe, dass Du immer so bleibst, egal was Dir im Leben noch widerfährt, denn das was Du gibst, ist unendlich wertvoll und unbezahlbar…
Sag mal, hast du das gesehen,
wie sie lachen, wie sie gehen?
Manche Wesen sind so schön.
Innen wie aussen. Sie verwöhnen
deine Sinne und gewöhnen
dich wieder an Liebe, die du kennst,
zu der du immer wieder rennst.
Diese Liebe ist real,
so real wie Höllenqualen.
Doch Höllenqualen sind egal,
wenn sich die Liebe dir entfacht.
Doch es ist gut, wie es ist.
Der Mensch lernt nur, wenn er Scheiße frisst,
sonst reift er nicht.
Er weiß doch nichts.
Ich weiß noch nicht,
wann verstreicht die Frist?
Das hat die Welt noch nicht gesehen.
Trotzdem ist Liebe wunderschön,
ist unsichtbar und trotzdem da.
Freude und Leid das ganze Jahr,
man nimmt das Leben sonst nicht wahr.
Denn mit dem Herz sind wir meist blind.
Wer von uns ist schon wie ein Kind?
Offen für alles wie der Wind,
der doch dem Meer den Regen bringt
Er ist so frei und doch gewillt.
Gib mir einen Koffer für mein Herz,
der ist unendlich viel mehr wert,
wenn du ihn mitnimmst, wenn du gehst,
ihn bei dir trägst von früh bis spät,
ihn dann zurück bringst unversehrt.
Ich lauf des öfteren Gefahr,
zu vergessen wie schön das Leben bisher war.
Mit dir von Anfang an verflochten bis ans Ende meiner Zeit.
Wir lieben das Leben und sind dafür bereit.
Denn wir alle werfen Schatten auf des Nächsten Licht.
Lass dich nicht zerbrechen und fürchte dich nicht
vor dem, was da kommt,
vor dem, was du fühlst,
vor dem, was du liebst.
Das hat die Welt noch nicht gesehen.
Trotzdem ist Liebe wunderschön,
ist unsichtbar und trotzdem da.
Freude und Leid das Ganze, ja,
man nimmt das Leben sonst nicht wahr.
Denn mit dem Herz sind wir meist blind.
Wer von uns ist schon wie ein Kind?
Offen für alles wie der Wind,
der doch dem Meer den Regen bringt
Er ist so frei und doch gewillt.
Das hat die Welt noch nicht gesehen.
Trotzdem ist Liebe wunderschön,
ist unsichtbar und trotzdem da.
Freude und Leid das Ganze, ja,
man nimmt das Leben sonst nicht wahr.
Denn mit dem Herz sind wir meist blind.
Wer von uns ist schon wie ein Kind?
Offen für alles wie der Wind,
der doch dem Meer den Regen bringt
Er ist so frei und doch gewillt.
love is unseen
love is your dream
but love is no dream
love is so real
even though its unseen
love is unseen
love is your dream
but love is no dream
love is so real
even though its unseen
love is unseen
love is your dream
but love is no dream
love is so real
even though its unseen
love is the best feeling i ever had
you and me have the cherished love
love keep me warm
love keeps you warm
love is something you have to cherish
Das hat die Welt noch nicht gesehen.
Trotzdem ist Liebe wunderschön,
ist unsichtbar und trotzdem da.
Freude und Leid das Ganze, ja,
man nimmt das Leben sonst nicht wahr.
Denn mit dem Herz sind wir meist blind.
Wer von uns ist schon wie ein Kind?
Offen für alles wie der Wind,
der doch dem Meer den Regen bringt
Er ist so frei und doch gewillt.
Das hat die Welt noch nicht gesehen.
Trotzdem ist Liebe wunderschön,
ist unsichtbar und trotzdem da.
Freude und Leid das Ganze, ja,
man nimmt das Leben sonst nicht wahr.
Denn mit dem Herz sind wir meist blind.
Wer von uns ist schon wie ein Kind?
Offen für alles wie der Wind,
der doch dem Meer den Regen bringt
Er ist so frei und doch gewillt.
Bin gestern früh ins Bett, da ich nun durch den Neubeginn der Schule morgens wieder in aller Herrgottsfrühe hoch muss. Der Wecker klingelte also um 5.00 Uhr und ich quälte heute auch nicht erst die Schlummertaste, sondern sprang verhältnismäßig ausgeruht aus dem Bettchen, kuschelte mich in meinen flauschigen Bademantel und befüllte eifrig die Kaffeemaschine, denn ohne meinen morgendlichen Milchkaffee geht üüüberhaupt nix. Sohni schläft noch, aber damit ist es in spätestens einer viertel Stunde auch vorbei. Er zog sich gestern eine größere Verletzung zu, was erstmal für ‘nen Riesenschreck meinerseits sorgte, denn ich erfuhr folgendermaßen davon:
(klingelndes Telefon auf Arbeit)
„Tattoostudio Plauen, Hallo…?!“
„Guten Tag, ich würde gerne Frau N. sprechen.“
„Die ist am Apparat…“
„Guten Tag, hier spricht Frau X. vom Kinderschutzbund.“ (mein Herz blieb ein paar Sekunden stehen)
„Ja bitte…?“
„Ihr Sohn hat sich beim Spielen eine Verletzung am Knie zugezogen. Es ist nicht sooo schlimm, aber ich habe ihn verbunden und wollte fragen, ob er jetzt nach Hause gehen soll. Allerdings klappt es nicht mehr so ganz mit dem Radfahren. Aber er könnte laufen.“ (die Dame war ehrenamtliche Mitarbeiterin im „Kindercafé Mücke“, wo sich der kleine Unfall ereignete / meine Schweißperlen trockneten langsam)
„Herrje… Könnte ich bitte mit meinem Sohn sprechen? Ich möchte ihn lieber selbst fragen.“
„Natürlich, gerne…“
(der kleine Stuntman geht ans Telefon)
„Wie ist das denn passiert, Knollo…?“
„Wir haben Fangen gespielt und da bin ich über die Beine von jemandem gestolpert und hingefallen.“
„Ist es schlimm?“
„Geht so, hab’ ‘nen Verband am Knie.“ (er ist kein Mann großer Worte)
„Kannst Du laufen?“
„Ja, kann ich…“ (Wozu hab’ ich ihm eigentlich das Sprechen mit vielen Worten beigebracht?)
„Traust Du Dir zu, nach Hause zu laufen? Frau X. sagte mir, das ginge noch.“
„Ja.“
„Wirklich? Oder soll ich Dich fahren, dauert aber ‘nen Moment, müsste erst Bescheid sagen.“
„Nee, ich trau’ mir das zu.“
„Wirklich, echt?“ (man wird ja heutzutage schnell mal als Rabenmutter bezeichnet)
„Jahaaa…“ (is’ ja gut, ich wollt’ wenigstens gefragt haben)
„Ok, dann lauf schön vorsichtig heim und ich komm’ dann gleich nach Hause.“
„Ok.“
„Bis dann.“
„Ja, bis dann.“
Etwas verwirrt legte ich auf und verwarf die Gedanken, dass er seine lose Kniescheibe in einer Tupperdose nach Hause jongliert. Zuhause angekommen erkundigte ich mich natürlich sofort nach seiner Verletzung und stand vor einem komplett bandagierten Knie. Der kleine Mann schien das alles mit Fassung zu tragen und sagte beiläufig, dass das Fahrrad auch schon im Keller stünde. Ich glotzte ihn ungläubig an und bemerkte, dass die gute Frau am Telefon doch vorhin gesagt hätte, mit dem Fahren ginge das nicht so gut. Sohnemann winkte ab und stellte die Sachlage richtig. T.s Mutter hätte ihn nach Hause gefahren und das Fahrrad mit ins Auto gepackt. Großartig, jetzt bin ich doch ‘ne Rabenmutter. Gesagt hat’s keiner, aber ich ahne es. Gerade als er loslaufen wollte, klinkte sich T.s Mama ein und sagte, Scott könne so nicht nach Hause laufen, sie würde ihn fahren. An sich ein wirklich netter Zug von ihr, gar keine Frage. In mir jedoch regte sich lautstark das schlechte Gewissen einer Mutter. Was mag die Frau jetzt von mir denken? Ich will’s lieber gar nicht wissen, es kann nix gutes sein…
Sohnemann zumindest saß ziemlich lässig in seinem Chefsessel und spielte seine Verletzung herunter. Er hatte sich inzwischen sogar selbst Abendessen gemacht und schmauste seine geliebte Zwiebelmettwurst auf ofenfrischen Brötchen mit Tomatensalat. Die Nudeln vom Vorabend seien ihm zu scharf gewesen und ihm hätte davon nicht nur der Mund, sondern die Nase, der Rücken und sein verwundetes Knie gebrannt. Ich lächelte und war schon ein bisschen stolz auf meinen Jungen, denn er ist so wunderbar selbständig, was nicht zuletzt ein Ergebnis meiner Erziehung ist. Mir war nicht klar, dass die Geschmacksknospen meiner Zunge so abgehärtet sind, denn ich hatte mir am Vorabend lecker Kolbász unter die Nudeln geschnippelt. Sohnemanns Zunge ist zwar durch meine Kochweise so einiges gewöhnt, aber das war selbst ihm zuviel. Offenbar sind meine Geschmacksknospen aufgrund des geliebten scharfen Essens schon zu Schmeckeknubbeln verkümmert. Keine Ahnung…
Ja und entsprechend meiner Gemütslage heute wieder ein Video samt Musik und natürlich auch den Text dazu – wie gehabt in englischer Sprache, weil Krebsgeschwüre keine Fremdsprachen beherrschen…
Hey
I'm your life
I'm the one who takes you there
Hey
I'm your life
I'm the one who cares
They
They betray
I'm your only true friend now
They
They'll betray
I'm forever there
I'm your dream, make you real
I'm your eyes when you must steal
I'm your pain when you can't feel
Sad but true
I'm your dream, mind astray
I'm your eyes while you're away
I'm your pain while you repay
You know it's sad but true
You
You're my mask
You're my cover, my shelter
You
You're my mask
You're the one who's blamed
Do
Do my work
Do my dirty work, scapegoat
Do
Do my deeds
For you're the one who's shamed
I'm your dream, make you real
I'm your eyes when you must steal
I'm your pain when you can't feel
Sad but true
I'm your dream, mind astray
I'm your eyes while you're away
I'm your pain while you repay
You know it's sad but true
Hate
I'm your hate
I'm your hate when you want love
Pay
Pay the price
Pay, for nothing's fair
Hey
I'm your life
I'm the one who took you here
Hey
I'm your life
And I no longer care
I'm your dream, make you real
I'm your eyes when you must steal
I'm your pain when you can't feel
Sad but true
I'm your truth, telling lies
I'm your reasoned alibis
I'm inside open your eyes
I'm you
Es gibt Momente, die vergisst man nicht und solche, die man vergessen muss, um leben zu können.
Wenn auch die Fähigkeit zu täuschen ein Zeichen von Scharfsinn und Macht zu sein scheint, so beweist doch die Absicht zu täuschen ohne Zweifel Bosheit und Schwäche.
Ich weiß aus bitterer Erfahrung, wie trügerisch mitunter das Äußere sein kann, dass sich unter Blumen manchmal eine Schlange verbirgt.
Die uns so täuschend echt vormachen, von angenehmer Wesensart zu sein, die entlarven sich immer wieder viel zu spät als eine unangenehme Art von Wesen.
Ich erweise mich nicht zum ersten Mal als ungeduldiger Mensch. Ich warte seit Tagen und Wochen sehnsüchtig, dass der Schmerz über das Geschehene und in den frischen Wunden endlich nachlässt. Nichts kann ihn betäuben, nichts lindert ihn, niemand kann mir einen Teil davon abnehmen. Ich weiß, dass er eines Tages verschwunden sein wird, aber die Zeit bis dahin erscheint mir ewig. An manchen Tagen geht es mir erschreckend gut. Dann wieder wache ich an anderen Tagen morgens auf und spüre bereits beim ersten Wimpernschlag, wie sich meine Augen mit Tränen füllen. Nein, ich sehne mich nicht mehr nach diesem Menschen, seiner Anwesenheit oder seiner Nähe. Nein, es ist vielmehr die Enttäuschung darüber, wie er sich aus dieser Beziehung „verabschiedet“ hat – gar nicht. Er lief einfach davon, erwies sich als kein bisschen standhaft und täuschte Verzweiflung vor, die nur gespielt sein konnte, denn sein Verhalten sagt dies mehr als deutlich. Einem solchen Schauspieler aufgesessen zu sein, quält mich am schlimmsten. Alles andere lässt sich ertragen. Ich muss dankbar sein, dass ich nicht noch mehr Zeit an diesen Dramatiker verschwendet habe, auch wenn ich ihm zum Abschied gerne vor die Füße spucken würde. Wer so mit Gefühlen spielt und Emotionen vortäuscht, die er nicht in sich trägt, hat weniger Charakter als ein totes Stück Holz. Unter dem Vorwand, diese Liebe brächte ihn um, zog er feige den Schwanz ein und entpuppte sich als wahres Ekel. Mein Sohn kann Zeugnis darüber ablegen, denn ihn ignorierte er von Stund an und das sagt sehr viel über den Charakter eines Menschen aus. Wer seine Konflikte auf dem Rücken von Kindern auslebt, hat weder Achtung noch Respekt verdient.
Die Wochen bis zum ersehnten Umzug ziehen sich endlos hin und ich quäle mich durch jeden einzelnen Tag, bis ich diese Mauern endlich verlassen kann. Diese Wohnung, dieser Stadtteil, alles hier ist mir zuwider. Noch nie habe ich einen Wohnungswechsel so herbei gesehnt wie diesen. Meinem Sohn und mir wird diese Veränderung gut tun und die noch anstehenden Ereignisse sind zwar weniger erfreulich, aber sie werden mir helfen, einen endgültigen Strich unter alldem zu ziehen. Kleine und auch große Opfer gebe ich dafür und nicht mit allem stoße ich auf Verständnis – zumindest nicht bei Jedem -, aber da es keine Alternativen gibt, bleibt mir keine andere Wahl. Ich kehre allem und jedem den Rücken, der mich an jene Dinge erinnert, die meinem Sohn und mir hier widerfahren sind. Das bin ich mir und auch meinem Sohn schuldig, auch wenn’s so mancher Mensch nicht versteht.
In Krisenzeiten offenbaren sich die wahren Freunde. Je weniger du hast, desto weniger reden auf dich ein, was du verkehrt gemacht hast oder zu tun gehabt hättest. Umso größer ist die Chance, dass du in dir selbst deinen eigenen Weg erkennen darfst.
Es tat gut, gestern Abend mal wieder in Gesellschaft einer wahren Freundin zu sein, die all mein Tun und Handeln der jüngsten Vergangenheit und der nahenden Zukunft mit dem Herzen verstand und mir die Gewissheit gab, dass ihre Sicht der Dinge sich von meiner nicht unterscheidet. Ich beschrieb ihr die Geschehnisse der Vergangenheit, zeigte ihr Dokumente dessen und ließ sie selbst entscheiden, was sie darüber denken und was sie empfinden sollte. Unter Berücksichtigung all jener Dokumente pflichtete sie mir bei, dass die Entscheidung zur Wiedererlangung meines Seelenfriedens die richtige sei, die andernorts derzeit für großen Unmut sorgt. Ich erinnere mich an ein Gespräch vor einigen Monaten, als ich jemanden fragte, was sie tun würde, wenn ihre Beziehung zerbrechen würde. Damals sagte sie, sie würde sich sofort zurückziehen und nach einer anderen Arbeitsgelegenheit suchen und nun reagiert man genau aus dieser Richtung zwar partiell mit verbalem Verständnis, jedoch versteht man offenbar nicht wirklich, was in mir vorgeht. Die größte Schuld an der Entwicklung mancher Dinge trage ich selbst, das ist mir durchaus klar. Ich habe eigenhändig den Zutritt zu meiner Arbeitsstelle verschafft, habe Einladungen zusammen mit dem jeweiligen Partner angenommen und somit Tür und Tor bis in den letzten Winkel meines beruflichen und privaten Lebens geöffnet. Nun fällt mir genau das auf die Füße, aber ich habe für die Zukunft daraus gelernt.
Dem vermeintlichen Verständnis für mein Sehnen nach Ruhe sind klare Grenzen gesetzt worden. Mit Vorwürfen und Trotz steht man mir nun gegenüber und verschließt die Augen vor dem, was mir Kraft raubt. Man möchte es auch nicht verstehen und zeigt mir klarer als zuvor, wie gering man mich wertschätzt. Die Enttäuschung ist groß, doch die Erkenntnis darüber ermahnt mich zumindest, meine Kraft und Energie nicht mehr in falsche Richtungen zu lenken. Um zu genesen, muss ich spätestens jetzt endlich egoistisch sein und mir die Dinge und Menschen vom Leibe schaffen, die Ursache für alles sind. Wer das nicht verstehen will, hat nicht wirklich Anteil genommen und offenbar nur einen Bruchteil dessen begriffen, was ich gezeigt und gesagt habe. Man unterstellt mir subtil, ich würde jemanden vor die Wahl stellen. Nein, das tue ich keineswegs, denn ich habe abgewartet und dann die Konsequenzen ziehen müssen, damit ich Aussicht auf die Ruhe habe, die ich so dringend brauche. Und wenn das der Preis ist, den ich dafür zahlen muss, dann gehe ich diesen Weg, da mir von anderer Seite hierbei wissentlich Steine in den Weg gelegt werden. Es ist in dieser Form das erste Mal, dass sich nach einer Trennung solche Probleme und Konflikte vor mir auftun, aber es lässt mich die Definition des Wortes Freundschaft neu überdenken.
Manchmal muss man sich für oder gegen jemanden entscheiden, da man beides nicht vereinbaren kann – ob es nun in unserer Macht steht oder nicht. Für oder gegen wen entscheidet man dann? Für jemanden, den man bis vor einem Jahr nicht kannte, der seine Loyalität noch nie unter Beweis gestellt hat und sich vielleicht nur mit dieser erschlichenen „Freundschaft“ schmückt, weil der neu erworbene Freund Rang und Namen in der Stadt hat? Oder gegen jemanden, der auf Gedeih und Verderb auf dem steigenden und auch sinkenden Schiff die Stellung hielt und dessen Bekanntschaft man seit mehr als 1 ½ Jahrzehnten pflegt? Wer genießt nun höhere Priorität? Die Antwort lag von Anfang an auf der Hand und widerspricht meiner eigenen Philosophie, was wahre Freundschaft betrifft. In meinem engsten Freundeskreis war es niemals eine Frage, wer in solchen Situationen zur sprichwörtlichen Spreu gehörte, die sich vom Weizen trennt. Nie verlor man ein Wort darüber und jede/r handelte gleich. Ob nun ich gegenüber einer Freundin oder einem Freund oder aber meine eigenen Freunde oder Freundinnen mir gegenüber.
Erschütterung macht sich breit, wenn ich mich all jenen Freunden offenbare, die mir immer beistanden und dieses hier nun miterleben. Verständnislosigkeit und Missbilligung wohnen nun nicht mehr nur in meiner Brust, sondern auch in der jener Menschen, denen ich wichtig bin. Ich habe daraus sehr viel über Freundschaft und meine Mitmenschen gelernt, das steht fest. Ich bin in den ersten Momenten meiner Qual in die falsche Richtung geflüchtet und habe gottlob erkannt, wer wirklich bedingungslos hinter mir steht und nicht nur vorgibt, mich zu verstehen, aber gegenteiliges Handeln von mir erwartet. Darüber darf ich enttäuscht sein und die Beschwerden über mein darauf folgendes Schweigen wird als „schlechtes Klima“ gewertet. Wenn das die einzige Form von „Verständnis“ sein soll, dann war nie wirklich Verständnis da und ich kann nicht erwarten, dass sich daran etwas ändert. Mir lagen diese beiden Menschen wirklich sehr am Herzen, aber angesichts dieser Dinge ist es nur gesund, wenn ich gehe. „Ein Unternehmen kann nur funktionieren, wenn es den Angestellten gut geht.“ Wenn aber wissentlich in Kauf genommen wird, dass es unter gewissen Bedingungen nicht möglich ist, dass diese Angestellten sich gut und sicher fühlen, muss man Prioritäten setzen. Dann nimmt der Unternehmer skurrilerweise billigend in Kauf, dass es den Untergebenen schlecht geht und handelt gegensätzlich. Und wenn jene Angestellten dann ihrerseits die Konsequenz ziehen, reagiert man lieber mit Zorn und Abweisung. Geahnt habe ich den Ausgang dieser Geschichte, also kam es nicht ganz unerwartet, aber dieser hohe Preis ist es wert, wenn ich durch ihn Ruhe erfahre. Zwei Freunde weniger und um vieles reicher an Erfahrung.
Zu Dank bin ich Beiden in hohem Maße verpflichtet, aber Enttäuschung bleibt dennoch zurück und wird mich eine kleine Ewigkeit auf meinem kommenden Weg begleiten und noch vorsichtiger machen.
Enttäuschung schmerzt am meisten, wenn sie vorhersehbar war, denn dann hatte man sich selbst getäuscht.
Enttäuschung bringt Erkenntnis und raubt Nerven.
Es kann unter Menschen kein gerechterer Grund zum Schmerze entstehen, als wenn sie von einer Seite, von der sie mit Recht Dankbarkeit und Wohlwollen erwarten mussten, Kränkung und Schaden erleiden.
Nach jeder Enttäuschung beginnt im Menschen eine Eiszeit.
Gegen Enttäuschungen anzukommen, ist ein schwieriger Kampf und selten ein Sieger.
Jede durchdachte Enttäuschung beinhaltet die Erkenntnis, den ersten Schritt in die richtige Richtung getan zu haben.
Enttäuschung über einen Menschen ist schlimm – sie verwandelt ein Foto in ein Negativ.
Ein starker Entschluss verwandelt mit einem Schlage äußerstes Unheil in einen erträglichen Zustand.
Eine Lösung ist eine Entscheidung, die den Konflikt
in dieser Sache für die Zukunft ausschließt.
Mit jemandem, der stärker ist als du, fange keine Feindschaft an. Ruhe aber nicht eher, als bis du dir den Feind, der schwächer ist als du, vom Halse geschafft hast.
Seinen Feinden begegnet man am besten, wenn man ihnen aus dem Weg geht.
Ich weiß wohl, vor wem ich fliehen soll, aber nicht zu wem?
Wer entschlossen ist und dem Feind dreist zu Leibe geht, der hat schon den halben Sieg.
Es gibt mehr als eine Straße, die zum Leben nach dem Leben führt, es gibt mehr als eine Art zu lieben, es gibt mehr als einen Weg, die andere Hälfte seines Selbst in einem anderen Menschen zu finden, es gibt mehr als eine Art, den Feind zu bekämpfen.
Das Schlimme sind nicht die schrecklichen Erkenntnisse, die dein Inneres stürzen; noch grausamer ist die Ohnmacht, die betäubt aus deiner Seele schreit…
Im Moment fehlt mir der Nerv und die Muse, meinen Gedanken Worte zu verleihen. Man möge mir verzeihen, dass ich jene Weisheiten für mich sprechen lasse und übergebe mich den bereits jetzt einsetzenden Nachwehen jener Veränderungen, die mich in naher und ferner Zukunft erwarten. Auf manche dieser Neuerungen hatte ich keinen aktiven Einfluss, auf andere wiederum schon. Vieles geschah ohne meine Initiative, anderes führte ich bewusst herbei. Die Entscheidungen, die ich selbst getroffen habe, traf ich nur aus einem einzigen Grunde – um mich selbst zu schützen. Eine Wunde immer wieder auf’s Neue aufzureißen und mit Salz zu bestreuen, verzögert nicht nur den Heilungsprozess, sondern macht ihn nahezu unmöglich.
Es gibt nichts, aber auch gar nichts, das jemand, der dich verraten hat, sagen kann, um dafür zu sorgen, dass du ihm wieder vertraust. Man verlässt sich nicht auf jemanden, der einen im Stich gelassen hat.
Das Vertrauen einem Menschen zu schenken, setzt zwei Gegebenheiten voraus. Weder physischer noch psychischer Gewalt ausgesetzt zu sein.
Vertrauen ist wie ein Kartenhaus: Man benötigt viel Zeit und Geduld um es aufzubauen, eine winzige Erschütterung jedoch genügt, um alles wieder zu zerstören.
Verloren gegangenes Vertrauen ist schwer zurückzugewinnen, denn Vertrauen wächst nicht nach, wie ein Zehennagel.
Ich glaube immer wieder an das Gute im Menschen, bis sie mir das Gegenteil beweisen. Die Beweise häufen sich.
Ich werde stets viel Zeit finden, um das Vertrauen von Menschen zu gewinnen, die meines Vertrauens würdig sind, aber keine verschwenden an die, die mein Vertrauen missbrauchen.
Vertrauen gibt es nur als Ganzes, entweder man traut dir, oder man traut dir nicht. Dazwischen gibt es nichts.
Selten ist ein Schmerz in seiner ersten Wucht am schwersten zu tragen, da hält die Aufregung, die Überzeugung, dass man Opfer bringen müsse, der Wille, dies mit Heroismus zu tun, Leib und Seele in Spannkraft. Solange der Kampf, die Schlacht währt, da stürmen die Kämpfenden siegesfreudig, todesmutig dahin; erst wenn die Ruhe eintritt und man sieht, was verloren ging, erst bei den Leichen und Trümmern kommt die Trauer. So auf dem Schlachtfelde, so im Leben. Erst später, nachdem die Opfer gebracht sind, wenn alles vorüber ist, wenn das Scheiden zum Nimmerwiedersehen geschehen ist, das Losreißen von dem uns Liebsten und Teuersten auf Erden, erst dann folgt das heiße und nagende Weh, das nicht ablässt von uns, nicht Tag noch Nacht, und Herz und Leib verzehrt.
Die Charakteristik des P.M.B.K.:
Ein Übel, das wir selbst gestiftet haben, pflegen wir rasch zu vergessen, während unser Gedächtnis in bezug auf das Böse, das andere uns zugefügt haben, sehr stark ist.
Die Selbstgerechtigkeit mancher Menschen ist so stark ausgeprägt, dass sie die Scherben, die sie auf ihrem vermeintlich einzig richtigen Weg hinterlassen, schlichtweg übersehen und leugnen. Wer einmal einem solchen Menschen begegnet ist, verliert rasch den Glauben an das Gute im Rest seiner Mitmenschen. Enttäuschung, Wut und Schmerz machen sich breit und lassen einen für eine Ewigkeit nicht los. Man möchte sich all derer entledigen, die jenen Emotionen mit defensiver Ratlosigkeit gegenüberstehen. Das einzige Allheilmittel scheint der Rückzug aus jenen Kreisen zu sein. Das Vertrauen weicht einem Gefühl der Ohnmacht und man verleiht seinem Schmerz immer seltener Worte. Man hört auf, über diese große, klaffende und böse eiternde Wunde zu sprechen und wendet sich von jenen Menschen ab, die dem Verursacher dieser Wunde noch Gehör schenken. Man verliert den objektiven Blick und entzieht sich diesen Menschen nach und nach unwiderruflich. Man läuft weg und konzentriert sich nur noch auf den eigenen Seelenfrieden, den man hoffentlich bald wieder erreicht. Die ständige Konfrontation mit dem Quälgeist und seinen nahen oder auch fernen Mitmenschen verschafft lediglich Schmerz und ungewollte Gedanken über Vergangenes. So flüchtet man nahezu vollständig vor der Möglichkeit, mit diesem einen Seelenterroristen zusammenzutreffen, in der Hoffnung, der Schmerz möge einen so nicht mit seiner ganzen und erbarmungslosen Wucht treffen.
Schuld trifft allein mich, denn niemand zwang mich, diesem Tumor mehr Zutritt zu meinem Leben und meinem Umfeld zu verschaffen, als mir gut tut. Mein Leichtsinn erscheint als Posten auf dieser Rechnung und auch meine alten Prioritäten – alle die ich seinetwegen über Bord warf – fallen mir nun schmerzhaft auf die Füße. Ja, es ist tatsächlich so, dass es mir mit meinen alten Grundsätzen für mein Leben erheblich besser ging in solchen Lebenslagen. Ich will zurück dorthin, wo ich vor dieser Enttäuschung stand. Eins mit mir selbst und mit einer gesunden Portion Egoismus ausgestattet, aber gerade derentwegen nicht in diesem Maße verwundbar. Man wollte 100% von mir, man forderte es lautstark ein. Ich gab diese 100% schon beinahe und vergaß dabei, dass auch mir diese 100% zustehen. Am Ende durfte ich nicht mal 5% einfordern und sah die hässliche Fratze, welche sich unter dem Lächeln und den glückverheißenden Worten verbarg. Manchmal erhaschte ich einen klitzekleinen Blick darauf, aber auf beiden Augen blind rannte ich ins offene Messer. Es steckt von vorne in meiner Brust – ohne Betäubung und ohne Erinnern an all jene Worte, die mich auf diesen verhängnisvollen Weg gebracht haben. Jedes Wort ist revidiert, allesamt nur Lippenbekenntnisse. Der Verdacht hierfür war da, bei lauter Äußerung jener Zweifel jedoch wurde bestritten, dass es nur Worte wären. Ja, es würden Taten folgen, ich würde schon sehen, man würde es mir beweisen.
Auf die Beweise und die Handfestigkeit jener Worte warte ich noch heute und nunmehr liegt es nicht mehr in meinem Interesse, sie einzufordern, denn in der schwersten Stunde verweigerte man mir all das. Sind alle Menschen so oder bin ich auf einen jener Schwätzer hereingefallen, die Dich mit Worten und gespielten Tränen fangen, die an Theatralik nicht zu überbieten sind? Ich weigerte mich, zu glauben, dass es so berechnende Menschen gibt, aber ich wurde eines besseren belehrt. Ein älterer Mann sagte einmal zu mir: „Glaube nie den Tränen eines Mannes!“ In meiner damals jugendlichen Besserwisserei wies ich diese Warnung weit von mir. Ebenso wie all die mehr oder minder lauten Warnungen, die mir nahegelegt wurden, als das Unglück mit unserer ersten Begegnung seinen unheilvollen Lauf nahm. Sein Ruf eilte ihm weit voraus, aber ich war taub und gleichgültig diesen Worten gegenüber. Anfangs sträubte sich alles in mir gegen ihn, mehrfach versuchte ich, diese Beziehung einfach den Bach runtergehen zu lassen. Jedesmal folgten seinerseits dann diese erwähnten Tränenflüsse, die an Dramatik nichts vermissen ließen. Herzzerreißende Schwüre und sein schmerzverzerrter Blick zwangen mich immer wieder zur Umkehr, obwohl ich damals schon ahnte, dass genau dieser Mensch mir eines Tages so weh tun würde, dass ich um den Verstand komme. Man mag mich für absolut verrückt erklären, dass ich dennoch bei ihm geblieben bin, aber sind wir nicht alle handlungsunfähig, wenn wir lieben?
Es klafft ein gewaltiger Unterschied zwischen ihm und mir. Ich war reinen Herzens, ohne berechnende oder falsche Motive. Ich nahm ihn, wie er war, auch wenn es nicht immer leicht fiel. Ich schwieg zu oft, wenn er mir weh tat und ich überhörte die Stimmen, die bereits in den ersten Tagen und Wochen an mein Herz appellierten, dass dieser Mensch mir nicht gut tun würde. Gute Freunde und nahe stehende Menschen betrachteten diese Beziehung mit sorgenvollem Blick und ich brachte sie gewaltsam zum Schweigen. Großer Gott, diese Menschen sahen und kannten sein wahres Gesicht. Nur ich verschloss Augen und Ohren davor. Eine kluge Frau sagte kürzlich zu mir: „Man kann auch einen Idioten lieben.“ Dieser Satz fuhr mir wie tausend feine Nadeln über die Seele. Ja, auch ich bin ein Idiot, ein großer Idiot sogar. Mein Bauch sagte mir: „Finger weg!!!“ Hätt’ ich bloß darauf gehört – auf meinen Bauch und jenen älteren Herrn. Fehler machen wir alle, große und kleine. Aber ich habe mich schuldig gemacht, nicht nur mir selbst gegenüber. Dumm, leichtsinnig und blauäugig warf ich alle Bedenken über Bord und stehe nun um mehr als eine bittere Erfahrung reicher da. Und eine Person warnte mich, die mir die Augen ungewollt zumindest ein Stück weit öffnete. Aus seinem unmittelbaren Umfeld, seinem Dunstkreis. „Er ist immer so…“ sagte sie mir und sie kennt ihn von allen Menschen am längsten. Dieser Warnschuss hallt bis heute nach und wird unvergessen bleiben. Er weiß, wen ich meine und trotz aller Widrigkeiten behielt auch sie Recht. Auch wenn er das bis zum Sanktnimmerleinstag leugnet…
Zeit heilt möglicherweise Wunden, aber auch Narben können schmerzen und das ein Leben lang… Und dieses eine Mal darf das jeder lesen. Denkt, was Ihr wollt. Dass ich dumm und naiv war. Ihr habt sogar Recht, aber diese Erkenntnis habe ich inzwischen selbst erlangt – 1 ½ Jahre zu spät…
Wie vom Donner gerührt verharrt man, wenn jemand unerwartet aus dem prallen Leben scheidet. Da auch ich erst kürzlich einen guten alten Freund auf seinem letzten Weg begleiten musste, kann ich zumindest im Ansatz den Schmerz ermessen, denn ein solcher Verlust auslöst. Als stille Mitleserin eines Blogs verfolgte ich sporadisch die Abenteuer des kleinen Moritz und seiner Familie. Einen Moment lang bleibt die Welt stehen, wenn man solche erschütternden Nachrichten lesen muss. Ein junger Mensch wird plötzlich und unvorbereitet aus der Mitte seiner Lieben gerissen und hinterlässt tiefste Trauer und Verzweiflung. Ähnlich wie bei jenem alten Freund bleiben Kinder und Familienmitglieder zurück, die nur schwer mit diesem Verlust leben können. Es dauert eine kleine Ewigkeit, bis man realisiert, dass dieser geliebte Mensch nie mehr mit einem zu Abend isst, zur Tür reinkommt, das Badezimmer blockiert oder einfach nur da sein wird. Jeder von uns musste schon einmal diese Gefühlswelten durchleben und sich mit der Tatsache konfrontiert sehen, dass der Tod etwas Unwiderrufliches ist. Es ist schwer, sehr sehr schwer…
Geben Sie Ihr Passwort ein, um Kommentare lesen zu können. | Alle, Schmerz, Trauer | Permalink Verfasst von Frau N. aus P.
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Ich liebe die Andersartigkeit der Menschen, die ihr Anderssein authentisch leben. Sich äußerlich zeigen durch Kleidung, Haartracht oder andere sichtbare Zeichen. Oder durch ihr Handeln, das sie an den Tag legen, ohne die geringsten Anzeichen der Frage: "Was mögen die anderen denken?" Ich liebe diese Echtheit, auch wenn sie manchmal nicht in mein Bild der Welt paßt.
„Jibt Dir dit Leben mal een Buff, denn weene keene Träne. Lach Dir’n Ast und setz Dir druff und boomle mit de Beene.“