Ausgeknockt²…

27. Oktober 2009

Ich bin davon ausgegangen, dass ich diese Woche wieder gesund geschrieben werde, aber das war nur eine Annahme. Gestern tippelte ich artig zur Nachuntersuchung und mein Herr Doktor verordnete mir eine weitere Woche Genesungszeit und viel frische Luft, nachdem ich das vergangene Wochenende nun schon brav in Decken gewickelt auf dem Sofa verbracht habe. Das “Brummen” in meiner Lunge sei noch nicht vollständig beseitigt und müsse noch eine weitere Woche auskuriert werden. Nun gut, dann tue ich das. Heute früh dann wieder Halsweh, danke auch. Gestern Abend hat’s dann noch meine gute, alte Fritteuse entschärft. Ich hasse solche Tage.

Zwar sind Fritteusen heutzutage nicht mehr allzu teuer, aber sowas passiert immer genau dann, wenn man das Teil benutzen will und für solche Neuanschaffungen irgendwie grad nix übrig ist, weil in knapp zwei Monaten auch Weihnachten vor der Tür lauert. Obendrein wurde das gute Stück erst vor dem letzten Einsatz aufwendig und gründlichst  gereinigt, was keine schöne Arbeit ist. Aber ich werde einen Teufel tun und auf meinen Wunschzettel für den Rotrock mit dem dicken Bauch und dem Rauschebart eine Fritteuse schreiben. Niemals… Wer will zu Weihnachten schon ein Bügeleisen, einen Schnellkochtopf oder ein Salatbesteck? Ich nicht, sowas find’ ich doof.

So, ich melde mich nun auch schon wieder Richtung Sofa ab, zum gesund werden…


Gänseblümchenfüße…

4. Mai 2009

Ein traumhaftes Wochenende liegt hinter mir. Der Freitag war normal, alltäglich, notwendig, wie nahezu alle Werktage. Am Samstag vergnügte sich Sohnemann mit seinen Freunden vom Lande und übernachtete auch gleich dort. Die beiden verbliebenen alten Leutchen fuhren dann halt ohne ihn ins benachbarte Umland, um dort eine Freundin zu besuchen. Angedacht waren eigentlich nur 1-2 Stunden, geblieben sind wir dann bis weit nach Einbruch der Dunkelheit und hatten somit völlig unerwartet den ganzen Tag dort verbracht. Gegrillt wurde dann auch noch und so fuhren wir satt und durchgefroren wieder nach Hause.

Sonntagmorgen strahlte trotz anders lautenden Wetterprognosen die Sonne mit aller Kraft und so wurde ohne Zögern beschlossen, den Tag im “Leih”-Garten zu verbringen. Fix ein paar leckere Steaks, ein bisschen Nudelsalat, ein paar Getränke und Notwendigkeiten ins Körbchen gepackt und auf geht’s. Dort angekommen wurde dann fix ein bisschen gearbeitet und für den Rest des Tages ließen wir auf den Sonnenstühlen die Seele im Windhauch baumeln. Die Haut freute sich und ‘s Gemüt auch. Am späten Nachmittag wurde dann noch schön gegrillt, der Garten wieder aufgeräumt, Sohnemann aus dem Kurzurlaub abgeholt  und dann ließen wir das Wochenende genauso friedvoll ausklingen, wie es begonnen hatte.

Nee, Leute, eigentlich passierte nix Aufregendes, nix Spektakuläres, nicht mal was halbwegs Außergewöhnliches. Nein, es war schön ruhig, entspannend, trotzdem lustig und wunderbar erholsam. Ich hab’s genossen, fand es traumhaft und sah Dinge, die ich mir nicht anders ausmalen würde, wenn man mir einen kunterbunten Stift geben würde, um ein Wochenende zu zeichnen. Alles war genauso, wie ich es brauche, damit ich mich wohlfühle und absolut nichts vermisse. Danke für das wunderschöne Wochenende und Danke für alles andere. War schee und soll so bleiben!!!

Gänseblümchenfüße


Ein kurzer Blick zurück…

7. April 2009

Es ist gegenwärtig unmöglich, all die Schatten der Vergangenheit abzuschütteln, die wie Gespenster unsere Gedanken an Ort und Stelle binden, und doch ist es unumgänglich, uns von ihnen zu befreien, wollen wir erleichtert und mit klaren Blicken weit hinaus in die Zukunft sehen.
© Bülent Kacan, (*1975), Student der Linguistik und Literaturwissenschaft, Lyriker, Aphoristiker und Autor

Weder die Zukunft noch die Gegenwart quält uns. Es ist die Vergangenheit, von der wir uns lösen müssen, um den Qualen zu entgehen.
© Benjamin Stramke, (*1984)

Wenn heute ein Prinz daher geritten käme und mich erretten wollte, müsste er im Mindesten mit Ross und Wagen vorfahren, um all mein altes Gepäck aufladen zu können.
© Margot S. Baumann, (*1964), Schweizer Lyrikerin und Aphoristikerin

Allmählich haben wir unsere Vergangenheit bewältigt, immer öfter macht sie nun brav Männchen und bettelt um Happen vom Tisch unserer zurückeroberten Unschuld.
© Nikolaus Cybinski, (*1936), deutscher Lehrer und Aphoristiker
Quelle : »Der Rest im Risiko«, Verlag Waldemar Lutz, Lörrach

Der Schüler ging zum Meister und fragte ihn: "Wie kann ich mich von dem, was mich an die Vergangenheit heftet, lösen?" Da stand der Meister auf, ging zu einem Baumstumpf und umklammerte ihn und jammerte: "Was kann ich tun, damit dieser Baum mich loslässt?"
Aus dem Zen-Buddhismus
Quelle : Das Zen entstand im 6./7. Jahrhundert in China aus Meditationsbuddhismus und Taoismus

Wenn über eine dumme Sache endlich Gras gewachsen ist,
kommt sicher ein Kamel gelaufen, das alles wieder runterfrisst.
Wilhelm Busch, (1832 – 1908), deutscher Zeichner, Maler und Schriftsteller

Einen alten Dreck sollte man nicht aufrühren, sonst stinkt er.
Aus der Schweiz

Auf Dinge, die nicht mehr zu ändern sind, muss auch kein Blick zurück mehr fallen! Was getan ist, ist getan und bleibt’s.
William Shakespeare, (1564 – 1616), englischer Dichter, Dramatiker, Schauspieler und Theaterleiter

Ist eine Sache geschehen, dann rede nicht mehr darüber; es ist schwer, verschüttetes Wasser wieder einzusammeln.
Aus China

Hake jeden Tag ab und betrachte ihn als erledigt. Du hast dein Bestes getan. Irrtümer und Fehler sind immer möglich. Vergiss sie so schnell wie möglich.
Ralph Waldo Emerson, (1803 – 1882), US-amerikanischer Geistlicher, Lehrer, Philosoph und Essayist


Schlumpftag…

15. März 2009

So, Frau N. aus P. ist wach und hat auch mal wieder ordentlich Zeit zum Bloggen. Ich habe heute mal richtig lange geschlafen, nicht zuletzt weil ich auch spät ins Bett kam. Seit Stunden regnet es und der März zeigt sich nicht von seiner besten Seite. Zwar sind die Temperaturen einigermaßen erträglich, aber das Einheitsgrau verlockt nicht gerade zum Rausgehen. Also bleibe ich heute schön gemütlich zuhause und werde weiter meinen Kleiderschrank entrümpeln. Die ersten Kleidermitbringsel wurden gestern schon freudig in Empfang genommen. Der Sonntag wird also wunderbar ruhig und potentielle Stressfaktoren gibt es heute schlichtweg nicht. Handys aus, Fernseher an und Füße hoch – so muss das zum Sonntag sein. Gestern Abend war’s schön lustig und nach einer Überdosis frischer Luft bin ich wunderbar müde ins Bett geplumpst und denke heute nicht im Traum daran, irgendwas zu tun, was schweißtreibend sein könnte. Gegessen habe ich auch schon und wenn ich so nachdenke, kann der Kleiderschrank auch noch bis kommende Woche warten. Am siebten Tage sollst Du ruhen, hat mal einer gesagt und das mach’ ich heute – basta… Tschüssikowski… :-D

sonntag


Wir haben den Kampf verloren…

7. März 2009

Frosch


Ich brauch’ ein bisschen Zeit…

22. Februar 2009

pause


Ähm, nur mal so…

18. Februar 2009

nutella

Gut, geklaut hab’ ich es nicht, aber ich habe gerade eins gegessen und wusste gar nicht mehr, wie gut das schmeckt. Heute bin mal zuhause geblieben, weil ich gestern erst spät ins Bett kriechen konnte. Gute Gespräche bei Frau M., Kurzweil mit Frau W. und zu vorgerückter Stunde sogar noch lecker Pizza bei einem guten Freund waren daran “schuld”. Herr S. aus P. lag längst im Bett als ich endlich nach Hause kam. Plauen und Umgebung sind dick eingeschneit und ich habe mir heute Zeit genommen und mal nur an mich gedacht. Habe über die eine oder andere Sache mehr oder minder intensiv nachgedacht und für mich festgestellt, dass nichts ohne Grund passiert. Manches ist lehrreich, manches unnötig und manches muss ganz einfach geschehen, damit man darüber nachdenkt und daraus lernt.

Eines dieser Dinge erregte die Sorge meiner Leser vor ein paar Tagen und hierzu kann ich bilanzierend nur noch sagen, dass manche Menschen besser großen Abstand voneinander nehmen. Was im Anschluss vergleichsweise banaler Dinge an Äußerungen folgte – die einem zwangsläufig zu Ohren kommen – grenzt an Unverschämtheit und entspricht einfach nicht den Tatsachen, denn hier wurden wesentliche Details einfach weggelassen oder irrwitzige Behauptungen aufgestellt, die ich so im Raum stehen lassen werde, da es unter meinem Niveau ist, auf derlei “Furz” noch weiter einzugehen. Gute Besserung!!! Sie sollten den Arzt wechseln!!! Ich werde nicht ins gleiche Horn stoßen und Rechnungen aufstellen, denn das ist unter meiner Würde. Dass das den Gepflogenheiten dieser Person entspricht, ist mir nicht neu, denn es ist nicht das erste Mal und ganz sicher auch nicht das letzte Mal, aber was mich betrifft, wird es kein nächstes Mal geben, denn entweder bin ich gerne für jemanden da oder ich lasse es. Ich werde mich auf keinen Fall mehr mit den Problemchen befassen, die für Menschen meines Alters einfach nur unnötig sind.

Der Schnee draußen sieht wunderbar weich aus und ich werde mich nachher mit einer guten CD ins Badezimmer verdrücken und mir ein wohltuendes Bad gönnen. Heute Abend lese ich endlich mein Buch weiter, dass seit Tagen unberührt auf dem Nachtschrank liegt und hoffe, dass ich diese Lektüre heute beenden kann. Herr S. aus P. hat Spätschicht und wird nachts sicher eiskalt unter die Decke kriechen und mit seinen eisigen Fingern Frostbeulen verursachen. Derzeit gestaltet es sich etwas schwierig, bei offenem Fenster zu schlafen, denn da mein Bett genau drunter steht, weht immer wieder Schnee durch die geöffneten Dachfenster und ladet in unseren Gesichtern und auf den Kissen. Man hört die Flocken sogar leise auf den Stoff der Bettwäsche rascheln – unglaublich. Der angenehme Nebeneffekt ist, dass der Schnee die Fenster so abdeckt, dass die aufgehende Sonne bzw. das Tageslicht gedämpft im Zimmer ankommt, was ich im Schlafzimmer als angenehm empfinde.

Morgen dann stehen wieder ein paar Erledigungen an und anschließend lasse ich meine Haare etwas gesundschnippeln, was mal wieder nötig ist. Die Gute will mir dann auch zeigen, wie man mit vier (!!!) Strähnen einen Zopf flechten kann, denn das ist mir vollkommen neu gewesen. Ich habe einen solchen Zopf auch noch nie gesehen und bin sehr gespannt. Probiert habe ich noch nie, ob das Flechten mit mehr als drei Strähnen möglich ist und ich werde mich morgen überraschen lassen. Nach eventuellen Schnappschüssen muss nicht erst gefragt werden. Ich seh’ von vorne schon dämlich aus und von hinten erst recht. Sohnemann ist nach wie vor in Mechel und scheint sich dort pudelwohl zu fühlen, was kein Wunder ist, da ich hier in der Ost nicht mit zwei Kumpels aufwarten kann, die Tag und Nacht bei uns sein dürfen können. Ich wäre nach kürzester Zeit reif für die Jacke, wo der Reißverschluss hinten ist. Dafür bewundere ich die Mutter der beiden Rabauken und für ihre scheinbar unendliche Geduld. Respekt…!!!


Wochenendbericht…

16. Februar 2009

Ein entspanntes Wochenende liegt hinter uns und wir haben es endlich mal geschafft, die DVD anzuschauen, die ich schon vor Wochen gekauft hatte – “Das Parfum”. Ich gebe zu, dieser Film beginnt vielversprechend und besticht eher durch einigermaßen charismatische Darsteller als durch schockierende Bilder. Die mittelalterliche Szenerie gefiel mir ausnehmend gut, doch das Ende dieses Streifens verursachte bei uns dann doch eher befremdliches Stirnrunzeln. Vielleicht ist das Buch ja doch besser, wir werden sehen.

Kulinarisch betrachtet, haben wir es uns auch dieses Wochenende wieder ausgesprochen gut gehen lassen. Herr S. aus P. machte sich in der Küche wieder unentbehrlich und irgendwann muss ich dort nur noch meinen leergegessenen Teller abstellen, denn er lernt sehr schnell und macht seine Sache wirklich gut. Es ist ungewohnt, beim Kochen so unterstützt zu werden, aber es bringt eigentlich nur Vorteile mit sich, wenn man so ein fleißiges Helferlein an seiner Seite hat.

Organisatorisch gesehen waren wir recht faul und keiner fand es schlimm. Mir ist es ohnehin zu kalt draußen und wenn die ersten warmen Sonnenstrahlen funkeln, werden wir auch wieder vor die Türe gehen. Zuhause auf dem Sofa ist es auch schön und dort draußen gibt es derzeit nichts, was mich hinterm Ofen hervorlocken könnte. Alles in allem nix neues hier, wie anderswo auch. Ruhig ja, langweilig überhaupt nicht. Zwischenzeitlich habe ich meine uralte Spielkonsole mal rausgekramt und versucht, Herrn S. aus P.in die Welt von Donkey Kong eintauchen zu lassen, aber das ist nicht sein Ding. Macht aber nix, man muss ja nicht alles mögen oder können. Dafür spielt er gerne mal so Ballerspiele, die mich nun wieder gar nicht interessieren.

Meine alte Stereoanlage steht jetzt auch endlich im Schlafzimmer hoch oben auf dem Schrank. Das wollte ich ja schon seit Wochen mal erledigen, aber entweder fehlte die Zeit, der Nerv oder einfach nur die Lust. Herr S. übernahm diese Aufgabe gerne und jetzt können wir auch dort drüben lecker Musik hören. Sohnemann verweilt nach wie vor in Mechel und am Sonntag habe ich dort auch mal angerufen, denn die Stille hier ist zwar schön, aber trotzdem fehlt einem ab und an dieses “Mama, was gibt’s ‘n heut zu essen???” Ihm geht’s gut, uns auch und wahrscheinlich wird die Woche genauso ruhig wie das Wochenende, also schön locker durch die Hose atmen…


Mit jedem Tag…

14. Februar 2009

Abgehakt…erhöht sich die Zahl derer, die mich am Arsch lecken können. Ausweinen will man sich, eine ehrliche Meinung ist jedoch nicht erwünscht. Man verlangt, es solle trotz allem Widersinn beigepflichtet werden. Nein, das kann ich nicht und das will ich nicht. Augenwischerei war noch nie mein Ding und wird es niemals sein. Ewiges Genörgel macht jeden irgendwann mürbe, so auch mich. Ich mag nicht mehr… Nein, es geht nicht um Männer… ;-) Und es nervt mich zunehmend, wenn jemand immer mit Gewalt “anders als die anderen” sein muss, nur weil das dringende Bedürfnis besteht, sich zu unterscheiden. Wozu? Selbst um den Preis, sich lächerlich zu machen?! Nein, ich muss nicht für alles Verständnis haben und eines sei gesagt: Es nervt nicht nur mich langsam, sondern ausgesprochen hat das vor nicht allzu langer Zeit jemand, von dem es nicht erwartet wurde. Peng… Danke für alles, aber hier ist Schluss. Ich brauche endlich Ruhe und wenn man jemandem sehr oft und gerne Gehör geschenkt hat und dann selbst mal ein Ohr braucht, kommt etwas, was all dem ferner als sonst was liegt. Das hatte mit Ehrlichkeit nix zu tun, absolut gar nix. Und sowas nehme ich übel.


Nix Neues in der Ost…

13. Januar 2009

Dienstag – der Tag beginnt erwartungsgemäß ruhig. Um 4.00 Uhr klingelt der Wecker zum ersten Mal. Der Radiowecker plärrt irgendwelche Musik ins Dunkel und irgendjemand sagt: „Kannst den Wecker ganz ausmachen, mein Handy weckt mich gleich nochmal.“ Ich führe den Befehl aus und schlafe weiter. Minuten später leuchtet etwas auf und klassische Musik dudelt durch den Raum. Ich öffne die Augen und schaue den Herrn auf der Beifahrerseite des Bettes irritiert an. Er grinst und sagt nichts. Kopfschüttelnd ziehe ich die Decke bis hoch zur Nase und werde ausgeschimpft, weil mein rechter Arm eiskalt ist. Leise steht der Schimpfer auf und erledigt in bemerkenswert rücksichtsvoller Stille all die Kleinigkeiten, die morgens so anliegen. Kaffeekochen, Zähneputzen, Anziehen, Katze nicht treten, lautloses durch die Wohnung laufen. Die Schlafzimmertür öffnet sich ein letztes Mal, jemand kriecht vorsichtig durch die Berge von warmen Decken und tastet das Bett nach mir ab. Man verabschiedet sich superleise und schließt geräuschlos die Wohnungstür. Ich bin es nicht gewohnt, dass jemand so leise sein kann und bin plötzlich hellwach.

Ich stehe auf, halte mir das ganze Gesicht zu, weil diese verdammten vier 60-Watt-Glüharschlöcher mir fast die Haut vom Gesicht brennen und mein Augenlicht bedrohen. Intuitiv tapse ich zur Kaffeemaschine und kneife die Augen zusammen, denn meine Hände brauche ich jetzt zum Kaffeekochen. Mietzo schleicht leise um meine Beine und maunzt. Schnell das arme Tier füttern und die Heizung noch ein klitzekleines Bisschen hochschrauben, weil Frau N. aus P. fröstelt. Schnell hole ich mir aus dem Bad meinen Flauschibademantel und registriere lächelnd die Zahnpastatube auf dem Waschbeckenrand. Der Herr hat also doch kleine Macken, denn so langsam komme ich mir blöd vor, weil ich jede Menge davon habe. Ich lasse den benutzten Kaffeefilter in der Maschine, bis ich die Maschine neu befülle – er nicht. Ich spüle die Kanne nicht gleich aus, wenn sie leer ist – er schon. Ich werfe meine Klamotten vorm Schlafen auch gerne mal vor’s Bett – er nicht. Ja, ich räume das morgens immer gleich weg, aber er verursacht gar nicht erst dieses Chaos. Aber wenigstens lässt er morgens immer die Zahncréme am Waschbeckenrand liegen – ich nicht. Aber ich bin erleichtert, denn ein Mensch ohne Ticks wäre mir unheimlich.

Sohnemann und ich haben den Tag dann sehr viel geräuschvoller begonnen. So sind wir eben und das wird nächste Woche lustig, denn dann schläft Herr S. aus P. noch und wird garantiert wach. Vorbereitet ist er, denn ich habe ihn eindringlich gewarnt. Er will’s nicht anders, also kriegt er die volle Packung. Bei uns wird morgens erst leise, dann ziemlich energisch geweckt, dann wird über die Kleiderwünsche von Sohnemann gestritten, diskutiert und nebenbei werden Brötchen aufgebacken, geschmiert, Kühlschranktür auf zu auf zu auf zu, Wasserhahn & Co. auf zu auf zu auf zu, Besteckgeklapper, Antreiben vom Nachwuchs mit vorwurfsvollem Blick auf die Uhr, noch ein kleiner Zank und dann ab in die Schule. Mal sehen, wie lange Herr S. seine Ruhe behält. Nur eines dürfen wir nicht vergessen: Wir müssen für Herrn N. aus P. schon am Vorabend die gewünschten Anziehsachen zusammensuchen, denn sonst erstrahlen morgens gegen 6.00 Uhr zwei unmenschlich helle Halogenstrahler im Schlafzimmer und das dürfte Herrn S. überhaupt nicht gefallen. Vermute ich jetzt mal so…

Schönen Tach Euch allen da draußen…


Geschützt: Sag’ es laut…

7. Januar 2009

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Auf ins Neue Jahr…

4. Januar 2009

sekt

Endlich geht’s hier weiter. Nach zahlreichen Beschwerden möchte ich Euch nun nicht länger auf dem Trockenen sitzen lassen und berichte von den Feiertagen, dem Jahreswechsel und den ersten Tagen des niegelnagelneuen Jahres. Wie Ihr bereits wisst, habe ich in diesem Jahr mit allen Traditionen gebrochen und im Kreise einiger Freunde Weihnachten bzw. den Heiligabend zelebriert. Ich muss sagen, dass dieser Abend sehr viel gelöster und erfüllender war, als all jene Familienabende zur Weihnachtszeit. Es war durchaus besinnlich, aber so völlig anders und es hat mir gefallen, sehr gefallen…

Am ersten Feiertag dann „plante“ ich einen ruhigen Tag, aber es kam wieder mal ganz anders. In bequeme Kleidung gehüllt liebäugelte ich mit meiner Couch, der Weihnachtsstress lag bereits hinter mir. Einer meiner Gäste vom Vorabend – nennen wir ihn in Zukunft einfach Herr S. aus P. – lud mich ganz spontan auf ein Getränk meiner Wahl in einer Lokalität meiner Wahl ein und ich verabschiedete mich in Gedanken etwas schwerfällig von meinem Couchabend. Also schwang sich Frau N. aus P. dann doch in ihre Badewanne und brachte ihren Allgemeinzustand in ein salonfähiges Format. Kurz vorm Verlassen meiner Wohnung klingelte noch eine Freundin an, die an Langeweile zu Sterben drohte. Mein Samariter-Herz regte sich und ich beschloss kurzerhand über den Kopf meines „Einladers“, dass die junge Frau uns begleiten wird, den niemand sollte über Weihnachten zuhause allein versauern.

Nachdem ich mich nun endlich auf den Weg gemacht und meinen Begleiter über die kleine Planänderung informiert hatte, holten wir die junge Dame ab und begannen unseren weihnachtlichen Streifzug durch die Kneipen der Vogtlandmetropole. Der Abend begann mit einer netten Plauderei unter alten Bekannten und endete um einen weiteren Gast erweitert in einer recht unspektakulären Lokalität im Zentrum der Stadt. Nach einigen hochprozentigen Getränken wurde die Zunge von Frau N. aus P. genauso schwer, wie ihre Gliedmaßen und das werte Fräulein wurde kurzerhand über die Schulter geworfen und aus der Kneipe getragen. Jammernd vor Kälte und „ich-will-nach-Hause“ wurde sie ins Auto gesetzt und ordnungsgemäß zuhause ins Bett dirigiert. Dort wollte sie natürlich auch nicht so recht schlafen und nötigte ihren „Heim-Schlepper“ zu Dingen, die nur unter Alkoholeinfluss geschehen. An dieser Stelle folgen nun keine schmutzigen Details, denn ich bin mir sicher, dass Ihr auch ohne diese Details wisst, was passiert sein könnte. Das überlasse ich Eurer abgrundtief schmutzigen Phantasie.

Nun denn, am nächsten Tag bekam ich all meine Schandtaten mit einem herzhaften Lachen genauestens protokolliert und schämte mich auch ordnungsgemäß in Grund und Boden. Der junge Mann allerdings zeigte sich nicht im Mindesten schockiert und plante vorsichtig weitere Unternehmungen mit der Skandalnudel. Offenbar schreckte ihn das unorthodoxe Verhalten der Frau N. aus P. nicht wirklich ab. Man verbrachte also auch den folgenden Tag zusammen und den darauf folgenden auch und alle weiteren bis heute, so auch Silvester. Bevor ich jetzt hier einen überaus langweiligen Roman schreibe, was wir wo Silvester veranstaltet haben, beschränke ich mich auf die Feststellung, dass sich auf beiden Seiten im Verlauf dieser wenigen Tage klitzekleine Schmetterlinge in allen Ecken der beiden Mägen eingenistet haben und die Wahrscheinlichkeit steigt, dass dieser Herr S. aus P. hier im Laufe des angebrochenen Jahres auftaucht.

Ein recht oberflächlicher Beitrag hier, das gebe ich zu, aber die letzten Tage waren ruhig, sehr schön und alles andere als nyiriüblich, denn ich habe diese wohltuende Ruhe des Herrn S. wirklich sehr genossen und auf mich wirken lassen. Dieser Mensch trägt diese Ruhe in sich, die mir irgendwie so fremd ist, die in mir aber Wohlbefinden verursacht und genau das ist eine jener „Gewürzmischungen“, die mich fesseln und die ich so überaus anziehend finde. Wir werden also abwarten und sehen, wohin das führt und Ihr werdet zumindest oberflächlich daran teilhaben dürfen, denn das Neue Jahr beginnt besser als erwartet, spannender als geplant und aufregender als vorhersehbar. Es flattert und herzelt im Gebälk und es fühlt sich verdammt gut an, Leute…


Es ist an der Zeit…

17. Dezember 2008

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Das alte Jahr neigt sich dem Ende entgegen und so langsam wird es Zeit, sich für das kommende Jahr erstrebenswerte Ziele zu setzen. Bisher habe ich das tunlichst unterlassen, da man diese guten Vorsätze spätestens in der zweiten Januarwoche vergessen will oder schon vergessen hat. Der Mensch ist ja im Allgemeinen so gestrickt, dass er nur etwas ändert, wenn ihm das Wasser bis zum Halse steht und ich nehme mich davon nicht aus. Das vergangene Jahr jedoch hat mir dermaßen viele Veränderungen aufgezwungen, wovon ich einige hätte vermeiden können, wenn ich mich auf mein Gefühl und meine einstigen Prioritäten beschränkt hätte. Letztere warf ich leichtsinnig über Board im Vertrauen auf die Authentizität der Menschen, mit denen ich zu tun hatte. Mein Leichtsinn hatte zur Folge, dass noch mehr Unruhe in mein Leben kam und ich mich seither mindestens 14x pro Tag in den Arsch beiße, nicht meinem Riecher vertraut zu haben, denn so manches Mal stank es ganz gewaltig. Nun ja, wir sind lernfähig und nehmen uns für 2009 folgendes vor:

  • kein Umzug in jeglicher Form
  • berufliche Neuorientierung von Grund auf
  • gesündere und bewusstere Ernährung
  • keinerlei Kompromisse mehr auf privater Ebene
  • Besinnen auf alte Prioritäten
  • keine halben Sachen mehr
  • Auto endlich mal in eine Waschstraße stopfen
  • Auto von innen komplett grundreinigen
  • weniger rauchen
  • wenn überhaupt, dann maßvoller trinken
  • Wäsche immer gleich nach dem Trocknen zusammenlegen
  • letzte Schönheitsarbeiten zuhause verrichten
  • jeden Cent sparen, damit Urlaub machbar wird

Der wichtigste Vorsatz jedoch ist, dass ich Ruhe finden möchte – für meinen Sohn, für mich und für unser beider Leben.

Fortsetzung folgt…


Geht doch…

7. Dezember 2008

Schaefchen zaehlen klein

Durchschnittlich müde bin ich gestern in mein Bett gekrochen und bei laufendem Fernseher eingeschlafen. Nach gefühlten zwei Stunden Schlaf wachte ich auf und sah ungläubig auf die rot leuchtenden Ziffern des Radioweckers. Dort stand in unmissverständlichen Leuchtzahlen, dass es bereits 5.30 Uhr sei und ich war etwas fassungslos darüber, dass ich mal wieder durchgeschlafen hatte. Ich freue mich über diese Tatsache, denn ich schlafe höchst selten durch. Ich zwang mich, noch ein bisschen liegen zubleiben und schlief für eine weitere Stunde ein. Gegen 6.30 Uhr wachte ich erneut auf und beschloss auch diesmal liegen zubleiben. Nach wiederum einer Stunde schlüpfte ich dann doch in meine warmen Pantoffeln, warf mir den Flauschibademantel über und setzte meine Kaffeemaschine in Gang. Wunderbar ausgeruht habe ich mir für heute jede Menge Hausarbeit vorgenommen und hoffe, Euer Tag beginnt genauso wie meiner. Einen schönen zweiten Advent Euch allen…

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Zu guter Letzt…

28. November 2008

Andere zu kritisieren,
ist das übliche Mittel,
sich selbst in ein besseres Licht zu setzen.


Eine emotionale Ohrfeige ist der Freundschaft Tod!

Ein Freund ist ein Mensch,
der für Dich lächelt,
wenn Du weinst.

Wenn Du Dich zum Richter über Deine Freunde aufschwingst,
kannst Du leicht zum Henker Deiner Freundschaften werden.

Ein Freund ist jemand,
der Deinen kaputten Zaun übersieht,
aber die Blumen Deines Gartens bewundert.

Freundschaft heißt vergessen, was man gab
und in Erinnerung behalten, was man empfing.


Zerrissene Freundschaft knüpft sich nicht wieder zusammen,
ohne dass der Knoten sichtbar oder fühlbar bliebe.

In Krisenzeiten offenbaren sich die wahren Freunde.
Je weniger Du hast, desto weniger reden auf Dich ein,
was Du verkehrt gemacht hast oder zu tun gehabt hättest.
Umso größer ist die Chance, dass Du in Dir selbst,
Deinen eigenen Weg erkennen darfst.

Abrechnen ist das Ende der Freundschaft.

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27. November 2008

Die Zeit ist die Arznei der Seele.

Zu den wertvollsten aller Gaben zählt,
sich Zeit zu nehmen und zu haben
und zum Kostbarsten seit Menschengedenken,
jemandem diese Zeit zu schenken.

Der Weise sagt:
Eine Sekunde Zorn und Wut kann mehr zerstören,
als Du in einem Jahr Arbeit aufbauen kannst.

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Totensonntag…

23. November 2008

3 marmor engel mit blumen grabstein

Heute ist einer jener zwiespältigen Tage für mich, denn er vereint Trauer und Vorfreude. Ab morgen dürfen die Weihnachtssachen aufgestellt werden, aber im Laufe des Nachmittages werde ich aller Voraussicht nach mit einer schlichten weißen Rose in der Hand zum Grabe meiner Großmutter gehen und diese Rose auf ihrem Grab hinterlassen. Das tue ich immer an all jenen Tagen, die ich für richtig erachte. Dazu zählt ihr Geburtstag, der Todestag, Weihnachten und natürlich der Totensonntag. Ich bin nicht so geübt im Besuchen von Gräbern, aber ich komme niemals mit leeren Händen. Ich bringe ihr jedes einzelne Mal diese weiße Rose mit und verharre einige Minuten im stillen Zwiegespräch mit ihr. Uns verbanden nicht nur gute Zeiten und ich trage noch immer so manchen Konflikt in mir, aber mein innerer Konflikt ist schon klein genug, um ihr während des gesamten Jahres mehrmals eine Rose zu bringen, denn sie liebte Blumen wirklich sehr. Und ich wähle immer die Farbe weiß, denn diese Farbe verkörpert für mich Reinheit, Neubeginn und Verletzlichkeit. Rot erscheint mir zu präsent, gelb zu fröhlich, rosa zu kitschig, orange zu knallig und lila hasse ich ganz einfach. Weiß ist gut, weiß ist dennoch aussagekräftig und weiß ist auch eine Farbe der Ruhe für mich.

Immer nur eine Blume, eine Rose, ein bisschen was Grünes drumrum und sonst nichts. Auch die Farben und Blumen für das Grabgesteck bei ihrer Beerdingung habe ich ausgesucht. Meine Mutter war damals mit mir im Blumengeschäft und stand neben mir. Wortlos und über den Tod ihrer Mutter betrübt habe ich sie unter meine Obhut genommen und gesagt: „Wir suchen Blumen für Oma aus, komm…“ Sie lächelte müde und ließ es geschehen. Ich stellte ein Arrangement aus weißen Blüten zusammen. Schlicht, edel, zart und weiß, einfach nur weiß. Ich ordnete den genauen Wortlaut der Inschrift auf den Trauerbändern an und bestimmte auch deren Farbe – dunkelgrün mit goldener Schrift. Meine Mutter bestand darauf, alles zu bezahlen und sagte mit einem dankbaren Lächeln: „Das sieht schön aus, danke, mein Kind…“ Ich hakte mich unter und wir verließen den Laden. Der Trauerfeier blieb ich fern. Ich wollte und konnte nicht in die heucherlischen Gesichter derer sehen, die nun plötzlich aus der Versenkung auftauchten.

Und ich wusste, diese Trauerfeier würde wieder in einem Skandal enden, was auch geschah, denn meine Mutter berichtete mir davon. Persönliche Gründe verboten mir, dieser Feier beizuwohnen und ich hatte mich längst auf meine Art verabschiedet. Als sie starb, war ich gerade auf Arbeit. Mein Handy klingelte und am anderen Ende sagte meine Frau Mama in mütterlichem Befehlston: „Komm sofort nach Hause! Oma ist gestorben.“ Ich empfand diesen Ton weniger befehlend, sondern verstand das viel mehr als Warnschuss, dass die elende Schlammschlacht der Heuechelei nun beginnen würde. So war es auch. Ich fuhr ohne Umwege zum Pflegeheim, wohin sie von meinem Großvater abgeschoben worden war, „weil das komische Krankenhausbett in der Wohnung doch unmöglich aussähe“ und sah mich mit einem betrunkenen Großvater, einer ebenfalls betrunkenen Tante und den zwei verbliebenen Schwestern meiner Großmutter konfrontiert. Meine Mutter lehnte an der Wand und verbarg das Gesicht an jeder Wand in ihren Händen.

Mein Großvater stammelte wirres Zeug, was angesichts seines Alkoholpegels kein Wunder war. Ich schämte mich für die Tatsache, dass meine werte Tante und mein ehrenwerter Großvater 100 m entfernt im Garten gesessen und sich betrunken hatten, während meine Großmutter ihren letzten Atemzug tat. Auch die unmittelbare Nähe zum Pflegeheim hatte nur für einen einzigen täglichen Besuch gereicht. Meine Mutter hingegen war aus Saarbrücken angereist und hatte angekündigt, so lange zu bleiben, bis Oma gestorben sei, denn wir beide wussten, dass es zuende geht. Schon vor Monaten hatte ich zu meiner Mutter gesagt: „Das lange Sterben von Oma hat begonnen.“ Ich sollte recht behalten. Nach und nach verließen alle Angehörigen den Raum, in dem meine tote Großmutter lag und mein betrunkener Großvater forderte mich schwankend auf, mitzukommen. Ich weigerte mich, ohne ihn anzusehen. Ich war angewidert und distanzierte mich von allen. Meine Mutter wusste, warum.

Als alle gegangen waren, betrat ich schweigend den Raum, nahm mir einen Stuhl und setzte mich an ihr Bett. Ich wies die Pflegeschwestern an, mich bis zum Eintreffen des Bestattungsunternehmens mit ihr allein zu lassen. Freundlich nickend wurde meine Bitte erfüllt und man reichte mir wortlos anteilnehmend ein Päckchen Tempos. Ich schloss die Tür zum Zimmer und setze mich noch näher ans Bett. Ich starrte meine tote Großmutter an und erst jetzt konnte ich weinen. Eine ganze Stunde war ich allein mit ihr und ich weinte, sprach sie immer wieder leise an und fand kein Wort außer „Oma“… Ich versuchte zu begreifen, dass sie vor mir lag und mich trotzdem nicht mehr hören konnte. Ich wollte ihre Hand berühren, aber jedesmal hielt ich wenige Millimeter vor ihrer Hand inne. Das konnte ich nicht, das ging mir zu weit. Ich starrte sie eine Stunde lang an und sah nichts anderes an, denn ich wollte keine Sekunde damit verschwenden, meine Aufmerksamkeit anderen Dingen zu schenken, als diesem letzten Moment, diesem letzten Beisammensein, nur sie und ich.

Irgendwann öffnete sich die Tür und zwei schwarz gekleidete Herren betraten den Raum, wünschten mir anstandsvoll Beileid und warteten in gebührendem Abstand, bis ich mich erhob und den Raum verließ, ohne mich ein letztes Mal umzudrehen. Ich lief wortlos zum Treppenhaus und sah kein einziges Mal zurück. In diesem Augenblick beschloss ich auch, nicht zur Trauerfeier zu erscheinen, denn die Szenerie mit zwei betrunkenen Angehörigen hatte mir gereicht. Nein, ich hatte mich verabschiedet, auf meine Weise, in aller Stille und in Zweisamkeit, so wie ich es wollte. Meine Mutter verstand das und was der Rest dachte, ging mir am Arsch vorbei. Ich setzte mich in mein Auto und stand noch lange auf dem Parkplatz. Der schlichte Sarg mit dem Leichnam meiner Großmutter wurde vor meinen Augen in den Wagen gehoben, einer der Bestatter trat an meinen Wagen und reichte mir eine Visitenkarte. Er notierte einige Hinweise, was für die Beisetzung notwendig sei und verabschiedete sich respektvoll. Ich hatte den Eindruck, dass jeder Mensch, der mir in diesen Stunden begegnete, mich als Verantwortliche für alle Belange rund um den Tod meiner Großmutter betrachtete. Niemand sprach meine Verwandten an.

Als ich endlich nach Hause fuhr, kam dieses Lied aus dem CD-Player meines Radios und es erinnert mich seither an den Tod meiner Großmutter:

I hope you’re feeling happy now
I see you feel no pain at all it seems
I wonder what you’re doin’ now
I wonder if you think of me at all
Do you still play the same moves now
Or are those special moods
For someone else
I hope you’re feeling happy now.

Just because you feel good
Doesn’t make you right (oh no)
Just because you feel good
Still want you here tonight

Does laughter still discover you
I see through all those smiles
That look so right
Do you still have the same friends now
To smoke away your
Problems and your life
Oh how do you remember
Me the one that made
You laugh until you cried
I hope you’re feeling happy now

Just because you feel good
Doesn’t make you right (oh no)
Just because you feel good
Still want you here tonight

Just because you feel good
Doesn’t make you right (oh no)
Just because you feel good
Still want you here tonight

I wonder what you’re doing now
I hope you’re feeling happy now
I wonder what you’re doing now
I hope you’re feeling happy now

signatur-kraftig11


Chronische Unlust…

20. November 2008

Ich habe keine Lust. Wieso? Weiß nicht. Wann schreibe ich wieder so wie sonst? Weiß ich auch nicht. Bin ich müde? Ein bisschen. Warum lege ich mich nicht einfach wieder ins Bett? Wenn mich einer hin trägt und zudeckt, gerne…

Trotzdem allen Leserinnen (und den zwei Kerls hier) einen schönen und einigermaßen entspannten Tag!!!

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Urlaubsreif…

4. November 2008

ausgeglichen KopieMädels, ich habe den Hundesittermarathon (fast) geschafft. Knapp sechs Tage lang habe ich „Lucky“ nun in meiner Obhut gehabt und bin echt reif für die Insel. Die einzigen ruhigen Momente gönnte er mir nachts und ich sehne mich nach Ruhe. Im Augenblick liegt er einigermaßen friedlich auf meinem Sofa und wartet irgendwie darauf, dass irgendwas passiert. Es liegt ihm fern, morgens still und entspannt zu sein und genau das ist es, was mich während der letzten Tage völlig nervös macht. Wie Ihr längst wisst, bin ich ein Frühaufsteher und genieße die morgendliche Stille ungemein. Seit letzten Donnerstag wird mir das erfolgreich vorenthalten und heute ist damit endlich Schluss. Gegen Mittag darf die kleine Nervensäge wieder nach Hause und ich werde tagelang mit Wäschewaschen beschäftigt sein, um den leidigen Hundegeruch aus meiner Wohnung zu bekommen. Nein, es ist nicht so, dass er stinkt, aber als „Nicht-Hundebesitzer“ riecht man die Anwesenheit eines solchen Tieres sofort. Also werde ich heute sämtliche Decken, Kissen, Jacken und alles, woran er geschlabbert und gekuschelt hat, in die Waschmaschine stopfen und neu beduften.

Auch meine Katze wird dankbar sein, wenn sie sich wieder frei bewegen darf. Gedurft hätte sie schon, aber sie mag den Hund nicht wirklich und fauchte ohne Unterbrechung, wenn sie ihm versehentlich begegnete. Also quartierte ich die kleine Dame vorsichtshalber im Kinderzimmer bei Sohnemann ein. Die Bilanz der vergangenen sechs Tage sieht ernüchternd aus. Fräulein Mietzos Kratzbaum wurde angenagt, sämtliche Decken, Kissen und Plüschhausschuhe wurden liebevoll abgeleckt, in so manche Ecke wurde gepullert, die Couch wurde ebenfalls beleckt, diverse Plüschtiere von meiner Katze wurden erlegt und nur mit Mühe von mir gerettet, die Ruhe im Haus ging komplett flöten und meine Pflanzen am Fenster hielten dem Forscherdrang des Welpen auch nicht wirklich stand. Ich werde Tage brauchen, um die häusliche Ordnung wieder herzustellen.

Von abendlicher Entspannung und Ruhe war nichts mehr übrig geblieben und wenn man die Ereignisse der letzten Tage auf wenige Worte reduziert, kann man getrost sagen, dass Herr L. aus P. hier für ordentlich Leben in der Bude gesorgt hat. Von morgens bis spät abends hielt er uns alle auf Trab und Frau N. aus P. fiel nachts halbtot in ihre Kissen, die sie sich dann auch noch mit dem Quälgeist teilen musste. Gottlob hielt er wenigstens nachts ein paar Stunden still und so teilte ich mein Nachtlager freiwillig mit ihm, denn tagsüber war nicht im Entferntesten an Siesta oder ähnliches zu denken. Das Schlimmste für mich waren die spätabendlichen Gassirunden, wenn man sich eigentlich gemütlich auf der Couch einrichtet und zurücklehnen wollte. Es kostete mich jeden Abend aufs Neue große Überwindung, nochmal aufzustehen und in die Kälte zu müssen.

Mein Résumé:

  1. Gassigehen ist doof.
  2. Hunde essen alles (auch Dinge, die nicht zum Essen gedacht sind).
  3. Hunde riechen nicht so gut wie Katzen.
  4. Hunde sind das personifizierte Chaos.
  5. Hunde bestehen nur aus Magen, Enddarm und übervoller Blase.
  6. Hunde bellen immer dann, wenn Krach peinlich ist.
  7. Hunde springen nicht sachte auf die Couch.
  8. Hunde freuen sich mit dem ganzen Körper.
  9. Hunde setzen ihren treudoofen Blick zur Bestechung ein – es funktioniert immer.
  10. Hunde fressen Kratzbäume/Hosen/Strümpfe/Hausschuhe etc. (siehe auch Punkt 2).
  11. Die innere Uhr eines Hundes geht immer eine Stunde vor.
  12. Das Laufverhalten eines jungen Hundes gleicht dem Flugverhalten eines Pferdestechers/Nachtfalters (kreuz, quer, vor, zurück, rechts, links – alles gleichzeitig).
  13. Die Industrie könnte Millionen einsparen, wenn sie auf die Kenntlichmachung verzichten würde, welche Produkte für Hunde geeigent sind, denn dem Hund ist es grundsätzlich egal, was auf der Dose/Tüte/Schachtel steht. Ein Katzenbild beeinträchtigt den Appetit des Hundes nicht im Mindesten.
  14. Nasse Tempos von der Straße schmecken ganz ausgezeichnet.
  15. Nasse Tempos werden unzerkaut verschluckt.
  16. Man kann den Arm bis zum Ellbogen in ein Hundemaul stecken und bringt dabei gar sonderbare Dinge zum Vorschein (z.B. nasse Tempos von der Straße).
  17. Ein Hund kann sich mit seiner eigenen Leine fesseln und trotzdem die Treppe hochstolpern.
  18. Man kann einem pullernden Hund eine Schüssel drunterstellen, er pinkelt ungestört weiter.
  19. Hunde träumen sehr anschaulich und fressen dann Dinge, die für uns Menschen unsichtbar sind.
  20. Und zu guter Letzt: Hunde mögen nackte Beine und Füße von kleinen Jungs. Die kleinen Jungs allerdings mögen es nicht, dass Hunde das mögen.

Ich brauche Ferien. Dringend…!!! Fehlen wird er mir trotzdem ein bisschen, ich geb’s ja zu…


Es wird Herbst…

27. Oktober 2008

wald herbst

Spätestens beim Blick aus den Fenstern wird einem klar, dass der Sommer sich endgültig verabschiedet hat. Immer öfter verbirgt sich die Sonne hinter einer dichten und grauen Wolken decke und auch die herbstlichen Regentage nehmen zu. Die Temperaturen fallen langsam aber ebenso sicher immer weiter in den Keller und das bunte, welke Laub raschelt um die Schuhe. Morgens findet man auf seinem Auto garantiert jede Menge Blätter und selbst im Lüftungsgebläse rascheln verirrte Laubstücken und bringen mich zur Weißglut. Bekleidungstechnisch muss die Strickjacke nun einer dickeren Jacke weichen und auch die Flipflops legen sich bis zum kommenden Sommer in ihr Winterlager. Eigentlich ist der Herbst sehr schön. Die Farben und das Wetter zwingen einem eine ganze besondere Form der Gemütlichkeit auf. Man muss die Heizung immer öfter aufdrehen, der Regen zwingt die Menschen unter Schirme oder in ihr Heim und die Tropfen, die ans Fenster trommeln, verbreiten angenehme Stimmung.

Noch schlummern die schwarzen Räucherkerzchen in den Schubladen, warten aber ungeduldig auf ihren ersten Einsatz. Das Erste dieser Kerzchen riecht immer am besten und diesen Moment spare ich mir noch ein paar Tage oder Wochen auf. Jede Jahreszeit birgt für mich ihre ganz unvergleichlichen Reize und duftet immer gleich. Der Frühling riecht so oft nach feuchter, frischer Erde. Die Pflanzen recken und strecken sich ausgehungert den ersten Sonnenstrahlen entgegen und die Menschen laufen trotz immer noch kühler Temperaturen mit offenen Jacken umher. Der Sommer besticht natürlich in erster Linie durch seine Wärme und die vielen Sonnentage. Grillgerüche schwängern stets und ständig die Luft und alles wächst und gedeiht. Die Abende und Nächte sind lau und jedermanns Haut ist sonnenverwöhnt und am Morgen sind die Wiesen voller Tautropfen. Der Herbst ist wunderbar bunt, Sonne und Regen laufen um die Wette, die Temperaturen schwanken oftmals drastisch auf und nieder. Ja und der Winter ist im Idealfall eisig kalt und herrlich weiß. Die Stille, die der Schnee den Menschen auferlegt, ist einfach herrlich. Nur das Knirschen der Schuhe im Schnee und die weit hörbaren Stimmen lassen auf das Leben in der Stadt schließen, wenn die Dunkelheit eingebrochen ist. Die gezuckerten Dächer und Bäume bieten einen unvergleichlich schönen Anblick und aus den Schornsteinen steigt überall Rauch auf, denn zuhause sitzen die Menschen in warme Decken gehüllt und trinken heißen Tee oder Kakao. Zumindest stellt sich Frau N. aus P. das genauso vor.

Ich freue mich auf den Winter, auf die Stille und auf die warmen Füße unter weichen Decken. Auf den heißen Kakao, in den ich Buttersemmeln tunke und auch auf die Schneestürme, die nachts um die Häuser fegen. Selbst auf das morgendliche Schneeschaufeln, um das Auto fahrtauglich zu machen und auf die Geräusche, wenn man mit schneebedeckten Schuhen und Anziehsachen im Hausflur an der Tür stampft und klopft, um keinen Schnee mit in die warme Wohnung zu tragen. Ich hoffe sehnlichst, dass wir in diesem Jahr wieder soviel Schnee bekommen, wie wir das hier im Vogtland eigentlich gewohnt sind. Während der letzten zwei Jahre war dies leider nicht der Fall und ich spekuliere auf Besserung. Kakao habe ich in rauhen Mengen hier und Milchvorräte gehen bei mir fast nie zur Neige. Die gängigsten Teesorten habe ich immer im Haus und der Winter kann erbarmungslos über uns hereinbrechen, denn aus Erfahrung weiß ich inzwischen, dass nahezu jedes Jahr rund um den 15. November der erste Schnee fällt. Mal geschieht dies einige Tage vorher, mal mit einigen Tagen Verspätung, aber der 15. November ist meist nicht weit entfernt und der ist nun recht nah.

Heute muss ich die Ganztagsschicht übernehmen, das Chef mitsamt Kollegin erst heute Abend wieder im Vogtland aufschlagen. Der Tag wird sicher recht ruhig und das trübe Wetter dort draußen tut sein Übriges. Sohnemann hat noch eine weitere Woche Ferien und weiß angesichts des Wetters noch nicht so richtig, was er heute tun soll. Fürs Mittagessen ist aber zumindest gesorgt und zur Not wird er sicher ein bisschen fernsehen. Was sollen Kinder bei dem Mistwetter auch draußen machen? Im Normalfall stört ihn weder Regen noch Sturm, aber das gilt leider nicht für seine Kameraden. Die verstecken sich dann immer zuhause und alleine spielen macht dann auch meinem Sohn nicht wirklich Spaß, was man durchaus verstehen kann. Also stelle ich ihm zusätzlich ein paar leckere Lebkuchen und Kekse bereit, damit er sich im Zweifelsfall den Nachmittag zuhause versüßen kann.

In diesem Sinne wünsche ich allen Leserinnen und Lesern einen guten Start in die neue Woche und verabschiede mich langsam in Richtung Dusche und auf Arbeit. Frau F. aus S. zwischen P.und S. hat heute Geburtstag und bekommt heute einen fetten Schmatzer, wenn ich sie erwische… :-)


Erstaunlich…

18. Oktober 2008

stille

Nun wohne ich auf den Tag genau einen Monat hier (also kalendarische vier Wochen) und bin gestern zu meinem Leidwesen zum x-ten Male auf meiner Couch entschlummert. Ich gehöre zu den Menschen, die dann auch nicht reuevoll ins Bett kriechen, wenn sie mitten in der Nacht wach werden. Ich bleibe müde und faul genau dort liegen, wo ich mich gerade befinde. Es ist ja nicht so, dass meine Couch bequemer als mein Bett ist, aber ich kann mich nie aufraffen, dann doch aufzustehen und rüber zu schlurfen. Mir fehlt die Lust, die Kraft, der Wille. So auch letzte Nacht und als ich gefühlte drei Stunden nach meinem Ausflug in die ewigen Jagdgründe zur Wanduhr zwinkere, staune ich nicht schlecht. Ich habe doch tatsächlich innerhalb dieser lächerlichen vier Wochen nahezu durch geschlafen. Wer mich und meine absonderlichen Schlafgewohnheiten kennt, weiß, dass dies nur sehr selten der Fall ist. Wo die Ursachen für meine Schlaflosigkeit zu suchen sind, weiß ich nicht genau, aber fakt ist, dass ich nie mehr als drei Stunden am Stück durchschlafe und nach der ersten Schlafration von besagten drei Stunden mit aller Verlässlichkeit im Stundentakt aufwache und morgens dementsprechend matt und erschlagen bin.

Nun mag die Leserschaft denken, dass ich mich in professionelle Hände begeben sollte. Darüber nachgedacht habe ich bereits mehrfach, denn dieser Zustand hält nun seit mehr als 12 Jahren an. Da ich mich mit diesem Umstand aber im Laufe der Jahre arrangiert habe, belasse ich es einfach so. Gesund ist das sicherlich nicht, aber vielleicht hat meine jahrelange Reise und die damit verbundene Ruhelosigkeit eine erhebliche Mitschuld daran und vielleicht finde ich hier gerade meine Ruhe und meinen Schlaf wieder. Zumindest bin ich fast schon entsetzt darüber, dass ich innerhalb weniger Wochen bereits zum zweiten Mal so ausdauernd geschlafen habe und fühle mich daher heute auch fit wie ein Tennisball. Da ich hier keinen Zwängen außer meinen eigenen erlegen bin, gönne ich mir seit meinem Einzug immer dann Pausen, wenn ich sie für nötig erachte. Dies war während dem Zusammenleben mit diversen Partnern so nie möglich, auch wenn man immer Rücksicht auf mich nahm.

Die innere Ruhe konnte mir niemand so geben, wie ich sie als ruhevoll empfinde. Führt mich diese Wohnung hier tatsächlich dorthin, wo ich eigentlich immer sein wollte? Es ist paradox, denn hier herrscht sehr viel mehr Leben vor der Haustür als in der alten Gegend und trotzdem kann ich hier besser entspannen. Warum ist das so? Sollte ich es diesmal wirklich richtig gemacht haben? Sollte es für mich und mein Ich das einzig richtige gewesen sein, alles genauso zu tun, wie ich es gemacht habe? Liegt es daran, dass ich konsequent aufarbeite, dabei beharrlich bleibe, meinen Gedanken Worte verleihe? Ja, ich nehme mir Zeit dafür, gehe in mich, wenn es mein Kopf verlangt und setze mich bewusst mit meinem bisherigen Leben auseinander. Und so abstrus meine Wege auch in den letzten Wochen erschienen sein mögen, scheint mein Weg doch der Richtige zu sein, denn ich fühle mich hier sehr wohl. Diese Wohnung hier vermittelt mir etwas, was ich längst verloren glaubte – Ruhe…

Und wenn mein bisheriger Weg und das dazugehörige Leben der Preis war, den ich zahlen musste, um diese lang ersehnte Ruhe endlich zu finden, dann bin ich mehr als dankbar für jeden einzelnen Nackenschlag den ich bis hierher ertragen musste, denn diese Ruhe ist für mich unbezahlbar und so unentbehrlich wie jeder einzelne Atemzug, der uns am Leben erhält. Dabei löse ich mich von alten Zwängen, ordne mein Leben und mein Umfeld neu, distanziere mich von Dingen, die mich behindern oder nicht mehr in mein Denken passen. Das anfängliche Chaos löst sich langsam auf und ich beginne mich zu entspannen. Entspannung ist das falsche Wort für das, was ich derzeit empfinde. Nach außen stehe ich zwar am selben Punkt wie schon so oft, aber in mir hat sich vieles verändert und ich empfinde diese Wandlung als sehr heilsam.

Besinnliches zum Wochenende für mich und vielleicht auch für Euch…


Gemüüütlich…

14. Oktober 2008

Gestern habe ich es endlich mal geschafft, in mein Bett zu kriechen und auch dort zu schlafen. Ich ertappte mich zu vorgerückter Stunde schon wieder dabei, wie ich meine Kuscheldecke auf der Couch angriffelte und mich dort langmachen wollte. Ich zwang mich regelrecht, aufrecht sitzenzubleiben und als die Abstände zwischen den Gähnanfällen immer kürzer wurden, schlich ich ins Schlafzimmer. Als ich dann so in meinem weichen Bettchen lag, seufzte ich laut und wohlig, ganz für mich alleine. Ich fragte mich zum x-ten Male, wieso um alles in der Welt ich ständig auf dem Sofa einschlafe und nicht wenigstens nach dem ersten Aufwachen in mein Bett gehe. Es ist so urgemütlich und weich und überhaupt kein Vergleich zu irgendwas. Und dann hatten wir gestern noch so einen prallen Mond, dass das ganze Zimmer in sanftes Licht getaucht war. Draußen rauschte der Wind und verfing sich in den Dächern, was sich so schön einschläfernd auswirkte. Ich weiß nicht, wie oft ich vor Gemütlichkeit geseufzt habe, aber heute Morgen empfand ich das Gleiche. Ich habe mir da ein unendlich gemütliches Nachtlager geschaffen und habe heute früh versucht, das mal zu knipsen, was mir nicht so recht gelingen wollte. Ich kriege das Zimmer ums Verrecken nicht komplett in die Linse, weil es eher einer Puppenstube gleicht. Aber ich hab’s versucht, seht selbst…


Verabschiedung… (nicht für lange)

18. September 2008

Liebe Mädels und diesmal auch die Jungs,

da ich nicht genau weiß, ob ich morgen früh noch die Zeit finde, hier meinen morgendlichen Artikel zu verfassen, tue ich das vorsorglich jetzt. Es ist Donnerstag, der 18. September 2008 genau 20.50 Uhr. Sohnemann ist der Einzige, der noch halbwegs Normalität in seinem Zimmer genießen darf und der junge Mann macht sich gerade bettfertig. Abendessen ist erledigt, Hausaufgaben auch und morgen darf Söhnchen dann die Ruhe bei Papa/Oma genießen. Er war bei den bisher erledigten Umzugsarbeiten wirklich sehr fleißig und hat mir geholfen wie ein richtiger Mann. Artig erfüllte er alle Aufgaben, die ich ihm überlassen habe und meckerte kein einziges Mal. Seine Zahnspange hat er heute gleich komplett bekommen, womit wir nicht gerechnet hatten. Die Kieferorthopädin bat das Labor der Zahntechnik darum, das Oberteil doch bitte gleich mit fertigzustellen, da wir uns so einen weiteren Termin sparen können. Die erfüllten diesen Wunsch prompt und wir müssen nun erst wieder in sechs Wochen antreten zur Kontrolle. Die neue Spange drückt und quält den kleinen Mann ziemlich, aber er erträgt es mit Fassung. Er weiß, dass das anfangs nunmal so ist und hofft auf Besserung.

Nach getaner Arbeit im Studio haben wir zusammen heute so einiges geschafft:

  • Küchenschränke restlos geleert
  • Vorratsschrank fast vollständig transportfähig gemacht
  • Jalousien abmontiert (außer Kinderzimmer)
  • Schlafzimmer bis auf die Klamotten und meine blöde Reisematratze komplett leergeräumt
  • Tisch und Stühle aus der Küche geräumt
  • Geschirrspüler ein letztes Mal befüllt und in Betrieb genommen
  • Töpfe, Pfannen, Teller, Tassen, Besteck und den ganzen Kram verpackt und reisefertig gemacht

Für den morgigen Freitag ist bereits alles durchgeplant, was noch von Dringlichkeit ist und ich denke, dass ich morgen Abend maximal 2½ Minuten zum Einschlafen brauche. Meine Nacht ist gegen 5.00 Uhr vorbei und dann muss ich bis abends durchziehen. Wenn meine Organisation hinhaut, werden wir morgen folgendes erledigen:

  • in der neuen Wohnung Kleiderschrank aufbauen
  • Kabeltechnik-Kumpel überprüft, welches Material ich für zwei weitere TV-Anschlüsse benötige
  • Großteil der Verpflegung für Umzugshelfer/innen einkaufen
  • Sohnemann mit neuem Wohnungsschlüssel in den Wochenendurlaub verabschieden
  • Kinderzimmer komplett umzugsfertig machen
  • in allen Räumen Nägel, Haken und Schrauben entfernen
  • Badartikel weitestgehend einpacken
  • Küche vollständig abmontieren

Wenn ich das morgen alles schaffe, falle ich abends vollkommen platt ins Bett, aber sehe dem Samstag sehr viel gelassener entgegen. Alle angesagten Helfer haben heute ihre Teilnahme bestätigt und so treten am Samstagmorgen punkt 9.00 Uhr hier satte neun Leute an, vielleicht sogar zehn, denn einer wollte eventuell noch Verstärkung mitbringen. Sohnemanns Papa hilft auch fleißig mit, was ich bemerkenswert nett finde, denn er hat mich in solchen Situationen trotz allem nie im Stich gelassen. Absolut feiner Zug von ihm, egal was mal zwischen uns war. Er hilft mir und damit auch seinem Sohn. Solche Ex-Männer hat man nicht oft, denke ich. Wir sind dann alles in allem drei Mädels und der Rest sind alles feine Kerls, die ohne groß zu grübeln ihre Hilfe zugesagt haben. Gerne würde ich diese tollen Leute hier namentlich erwähnen, weiß aber nicht so recht, ob sie ihre Namen hier gerne veröffentlicht wissen. Es sei nur soviel gesagt, dass ich die meisten von ihnen zwar schon viele Jahre kenne, manche davon aber wiederum erst relativ kurz. Nichts desto trotz haben alle schon mehr als einmal tatkräftig geholfen und ich freue mich, solche Menschen zu meinem Umfeld zählen zu dürfen. Auf sie ist Verlass und jeder Einzelne von ihnen hat was gut bei mir. Das kann mich im Extremfall zwar die Teilnahme an mindestens neun Umzügen kosten, aber das bin ich jedem von ihnen schuldig, denn am Samstag geht’s ins Dachgeschoss und das schmerzt in allen Muskelfasern.

Ganz am Schluss möchte ich meiner Kollegin und mittlerweile guten Freundin S. und ihrem „Schatzi“ (wie sie ihn nennt), meinem Chef aufrichtig für die Unterstützung und Geduld der letzten Wochen und Monate danken. So manches Mal kroch ich auf dem Zahnfleisch zur Arbeit, konnte kaum noch geradeaus denken, vergaß sicher vieles, war oft handlungsunfähig, aber niemand war mir ernsthaft böse und man hatte Nachsehen mit mir. Ich war dünnhäutig, nervlich angeschlagen und lief wochenlang mit Scheuklappen durch die Welt, nur um nicht noch mehr in die Knie zu gehen. Alles tat weh und ich schlug um mich, wie ein verwundetes Tier. Wie oft habe ich damit genau die Beiden getroffen, die jeden Tag mit mir arbeiten mussten. Ich funktionierte auf Sparflamme, aber Kopf und Herz lagen regelrecht geprügelt vor mir auf dem Boden. Mit genügend Abstand konnte ich mich einigermaßen erholen und befinde mich mittlerweile auf einem heilsamen Weg der Besserung. Ich habe noch keine Zeit, um Kräfte zu tanken, aber die Wunden sind ganz frisch vernarbt und hören langsam auf zu schmerzen. Ich blute nicht mehr, nur noch in größeren Abständen und dann meist auch ohne Tränen. Es wird besser und das emotionale Chaos liegt hinter mir. Nur der Abstand machte das möglich. Ihr Beide habt mich dabei begleitet, mal schweigend, mal zuhörend und oft auch im Gespräch, obwohl ich zeitweise ein schrecklich sturer Gesprächspartner war, der nur noch weglaufen wollte.

Mein Dank ist nicht in Worte zu fassen und ich hoffe, dass ich eines Tages eine Möglichkeit oder einen Weg finde, um Euch meine Dankbarkeit zu zeigen, zurückgeben zu können oder anderweitig Ausdruck zu verleihen, denn Ihr habt Durchhaltevermögen und Geduld mit mir bewiesen. Und für was ich Euch alles zu danken habe, wisst nur Ihr allein. Wenn ich Euch in meinem Schmerz oft so verletzt habe, tut es mir aufrichtig leid und ich weiß nicht, ob alle Worte dieser Welt reichen, um das aufzuwiegen, was Ihr mir entgegen gebracht habt. Aber ich möchte es dennoch versuchen, irgendwann, irgendwie…

Danke auch an meine beste Freundin J., die mich so oft ertragen hat, wenn ich geflohen bin. Sie allein kann ermessen, welch schwieriger Mensch ich in solchen Lebenslagen bin und trotzdem ist auch sie geduldig und nie nachtragend. Und ich danke all denen, die mir Zuversicht und Zuspruch gaben, als ich vor dem Nichts stand. Danke Euch allen, ich bin froh, dass ich jeden Einzelnen von Euch kenne und nur zu gerne würde ich die Namen all derer nennen, die mir ihre Freundschaft und ihre Gedanken gewidmet haben.

Schwermütige Zeilen zum Abschied waren eigentlich nicht meine Absicht, als ich vor knapp zwei Stunden mit dem Schreiben begonnen habe. Mein Sohn liegt längst im Bett. Minutenlang saß ich an seinem Bett und wir plauderten ein letztes Mal vorm Einschlafen, denn heute ist seine letzte Nacht hier in diesem Mauern. Meine eigene letzte Nacht verbringe ich allein und ich bin unendlich froh, dass das Warten vorbei ist. So froh… Unser neues Leben beginnt am Samstag und wir haben sehr viel gelernt. Über Menschen und ihre Versprechungen, über Menschen mit zwei Gesichtern, über Freundschaft, über Lügner, über selbstlose Hilfsbereitschaft, über uns selbst und unser Innerstes… Wir sind vorsichtiger, dankbarer und etwas demütiger, denn wir haben im größten Schmerz genau die getroffen, die uns helfen wollten und es trotz allem noch immer tun.

Danke J.H., M.S., S.W., A.K., I.D., C.F., A.?., L.C., D.P., K., C.K., R.L., S.G.B., meiner Familie P.+J.P.S.+C.S. und allen, die ich zu so später Stunde vergessen habe.

Wir sehen uns „drüben“ in der neuen Wohnung. Und vielleicht finde ich morgen früh ein paar Minuten Zeit, Euch einen guten Morgen zu wünschen… *wink*


Der letzte Montag…

15. September 2008

Guten Morgen, meine Damen (und die vereinzelten Herren)… Nun ist Gott sei Dank die letzte Woche hier in dieser verkackten Wohnung angebrochen und trotzdem noch sehr viel zu tun ist, bin ich heilfroh, dass das Ende in greifbare Nähe gerückt ist. Die letzten Wochen zogen sich wie Kaugummi und erschienen mir fast endlos. Neben mir steht frisch gekochter Kaffee und die Nachbarschaft schläft noch. Meine Nächte werden immer kürzer, denn so langsam sehne ich mich dann doch nach der Gemütlichkeit meines Bettes. Die Reisematratze tut zwar ihren Dienst, aber da sie auf dem Boden liegt, registriert man leider jeden Schritt innerhalb des ganzen Hauses. Selbst die leichten Vibrationen durch Schritte in der Wohnung spürt man und so ist an erholsamen Schlaf nicht zu denken. Nächste Woche um diese Zeit liege ich voraussichtlich noch selig schlummernd in meinem Bettchen. Meinen Urlaub kann ich zwar nicht genießen, aber zumindest muss ich dann hier nur noch wenige Stunden des Tages verbringen, um die Wände zu streichen.

Seit einer guten halben Stunde bin ich nun wach und genieße noch etwas die Ruhe, die noch über der Stadt liegt. Man mag mich für verrückt erklären, aber ich liebe es, so früh aufzustehen und den Morgen erwachen zu sehen. Alles ist so wunderbar still und man ist regelrecht gezwungen, leise und behutsam den Tag zu beginnen. In warme Puschen und meinen furchtbar rosafarbenen Bademantel gewickelt, sitzte ich dann hier am Laptop und blogge nach Herzenslust. Nur morgens habe ich diese Zeit und niemand stört mich. Der Kaffee schmeckt um diese Uhrzeit besonders gut und ich habe nicht einmal das Bedürfnis nach Beschallung aus irgendeinem Radio. Welche Katastrophen sich im Laufe der Nacht weltweit ereignet haben, erfahre ich spätestens im Studio, da dort meist das Radio läuft. Ohnehin ändert das Wissen darum nichts an der Tatsache, was wann wo warum geschieht, also halte ich mir das noch ein paar Stunden vom Leibe. Hätte mir vor 15 Jahren jemand prophezeit, dass ich eines Tages Frühaufsteher sein würde, hätte ich ihn für verrückt erklärt, aber die Stunden vor dem Erwachen der Stadt sind die schönsten, die stillsten und ruhevollsten Momente des Tages.

Söhnchen schläft noch und hat gestern begeistert festgestellt, dass er mit seinem Teleskop bis zum anderen Ende der Stadt schauen kann. Vor 1½ Jahren habe ich ihm dieses Gerät zu Weihnachten geschenkt, zusammen mit einigen Büchern über die Sternenguckerei. Damals wohnten wir teleskoptechnisch ungünstig und er konnte leider nur den Nachbarn auf die Teller schauen. Als wir dann hierher zogen, wohnten wir anfangs im Erdgeschoss, also wieder Fehlanzeige. Der letzte Umzug brachte dahingehend auch nicht die Erfüllung, erweiterte jedoch sein Blickfeld um wenigstens ein paar Häuser. Nun jedoch genießt er von seinem neuen Zimmer aus den freien Blick über die gesamte Stadt und kann tatsächlich bis zum Stadtrand sehen. Mit ein paar Einstellungen und etwas Geduld brachten wir es dann gestern zustande, dass er doch tatsächlich bis zum Bärensteinturm sehen konnte, auf dem sogar deutlich Leute zu erkennen waren, die den Turm bestiegen. Ich muss sagen, dass ich nicht erwartet habe, dass man mit diesem „Kinderspielzeug“ durchaus so weit schauen kann, denn wir wohnen ja nun doch am komplett anderen Ende der Stadt. Sohnemann „erschrak“ regelrecht, wie nah plötzlich die Häuser unterhalb des Oberen Bahnhofes rückten. Die Punkthäuser waren ganz deutlich zu erkennen und man hätte Menschen hinter deren Fenstern erkennen können, wenn sich mal einer erbarmt hätte, durch die Gardinen zu winken.

Auf jeden Fall war Sohnemann hellauf begeistert, dass er nun endlich sein Teleskop angemessen einsetzen kann und wartet schon sehnsüchtig darauf, dass er den Mond näher untersuchen kann. Ich hingegen werde mich auf den Blick in den Fernseher oder ein gutes Buch beschränken, wenn ich freue mich schon jetzt darauf, abends auf meiner Couch in eine Decke gewickelt zu sitzen und mein neues Leben hoch oben über den Dächern von Plauen zu genießen. Niemand hopst bis spät abends über mir durch die Wohnung, niemand lässt die Lampen in aller Herrgottsfrühe mehr wackeln, denn meine derzeitigen Noch-Obermieter sind dahingehend wirklich rücksichtlos, obwohl ich diesbezüglich weiß Gott nicht zimperlich bin. Aber der Lärmpegel aus der oberen Wohnung grenzt oft schon an Unverschämtheit, denn so manches Mal flackert wirklich das Licht unter den Erschütterungen. Jetzt ist es 5.45 Uhr und man hört schon wieder lautes Getrampel dort oben. Oft genug wachte Sohnemann am Sonntagmorgen genau davon auf und das will angesichts seines wahrhaft gesundes Schlafes wirklich was heißen. Ab nächste Woche ist das vorbei – endlich…

So langsam erwacht nun auch der Rest der Stadt und ich werde mich meinem Umzugschaos und dem Schmieren von Schulbrötchen widmen. Und weil Sohnemann maßgeblich daran beteiligt ist, dass wir den Stadtteil wechseln und weil er sich noch mehr Ruhe als ich verdient hat, gibt’s heute das Lied, bei dem er vor mehr als zwölf Jahren das Licht der Welt erblickt hat. Dieses Lied dudelte gerade aus dem Radio am meinem Bett, als er sein Köpfchen in die große Welt reckte…


Cape Canaveral Air Force Station

10. September 2008

Gnihihi… Schaut mal rechts auf den Mini-Countdown! Nun befinden wir uns in der letzten heißen Phase vor dem Umzug. Mit der magischen „10″ beginnt doch jeder Countdown, nicht wahr? Ob es Raketenstarts sind,  Domino-Day bevor der erste Stein angeschubst wird, Jahreswechsel oder die Olympischen Spiele, Welt- oder Europameisterschaften – überall zählt man von 10 auf 0… Und das tun wir ab heute auch. Es sind nur noch zehn Tage bis wir diese Mauern hier endgültig verlassen und zum ersten Mal in unserer neuen Hütte schlafen dürfen. Zehn Tage voller Stress und Arbeit. Aber in zehn Tagen beginnt unser neues Leben. Nie wieder aus diesen Fenstern schauen, nie wieder durch diese Räume gehen mit Wehmut, nie wieder die leeren Stellen an den Wänden betrachten wo einst Bilder hingen, nie wieder aufschrecken, wenn man vermeintlich vertraute Geräusche irgendwo hört, nie wieder auf dieses verdammte Namensschild am Briefkasten starren, nie wieder daran denken müssen, wie man diesen und jenen Nagel in die Wand schlug. Nie wieder… Es tut gut, zu wissen, dass all das nun in zehn Tagen ein Ende findet.

Endlich hier raus, endlich keine unnötigen Erinnerungen mehr und endlich alles hinter uns lassen können. Der Keller ist bereits besenrein, eine Sorge weniger. Meine Bücher befinden sich nun auch schon in der neuen Wohnung und der Rest meines Hausstandes wird in den kommenden Tagen restlos verstaut. Am kommenden Wochenende misten Sohnemann und ich sein Spielzeug aus und verknoten den brauchbaren Rest ebenfalls in Kisten und Säcke. Schritt für Schritt nach vorne, kein Zurück mehr.

Am frühen Nachmittag nehmen wir dann heute einen Termin beim Kieferorthopäden wahr, denn Sohnemann bekommt am 18. September seine erste Zahnspange – vorbereitend auf die Brackets, die ihm zu einem ansehnlichen und wohlgeratenen Gebiss verhelfen sollen. Zwar ist der Fehlstand seiner Zähne nicht wirklich dramatisch, aber es spricht nichts gegen schöne und gerade Zähne, denken wir und in 3-4 Jahren ist die Behandlung abgeschlossen, wenn alles planmäßig verläuft und Sohnemann gewissenhaft den Behandlungsplan befolgt. Mit etwas Glück und der nötigen Geduld hat er dann mit etwa 15-16 Jahren wunderbare Zähne und kann die Mädchenwelt mit seinem Lächeln um den Verstand bringen.


Endlich…

3. September 2008

Ich habe eeendlich meine Schlüssel und nun können wir unaufhaltsam in unser neues Leben starten. Wie versprochen, habe ich auch die ersten Bilder geschossen und darf Euch mein Schmuckstück präsentieren. Viel Spaß beim Stöbern. Weitere Bilder folgen in regelmäßigen Abständen, sofern Veränderungen vorgenommen wurden…

7 Days To Change Your Life – Jamie Cullum

(Datei wird mit Audioprogramm abgespielt / keine Angst, das ist kein Virus ;-) )


Ein guter Tag

25. August 2008

Nach viel zu vielen schlechten Tagen fühle ich mich heute mal wieder gut. Nein, nicht zum ersten Mal, aber doch so gut, dass ich es erwähnenswert finde. Ein guter Tag, um in die Hände zu spucken und mit einem Lied auf den Lippen mein neues Leben zu organisieren, das in 3 ½ Wochen endlich beginnt. Endlich…

First I was afraid
I was petrified
Kept thinking I could never live
without you by my side
But I spent so many nights
thinking how you did me wrong
I grew strong
I learned how to carry on
and so you’re back
from outer space
I just walked in to find you here
with that sad look upon your face
I should have changed my stupid lock
I should have made you leave your key
If I had known for just one second
you’d be back to bother me

Go on now go walk out the door
just turn around now
’cause you’re not welcome anymore
weren’t you the one who tried to hurt me with goodbye
you think I’d crumble
you think I’d lay down and die
Oh no, not I
I will survive
as long as i know how to love
I know I will stay alive
I’ve got all my life to live
I’ve got all my love to give
and I’ll survive
I will survive

It took all the strength I had
not to fall apart
kept trying hard to mend
the pieces of my broken heart
and I spent oh so many nights
just feeling sorry for myself
I used to cry
Now I hold my head up high
and you see me
somebody new
I’m not that chained up little person
still in love with you
and so you felt like dropping in
and just expect me to be free
now I’m saving all my loving
for someone who’s loving me

(Ich lächle, weil ich diesen Text verstehe und ich lache lauthals, weil die Krebsgeschwulst kein Englisch kann.)


Neuanfang

24. August 2008

Es gibt Momente, die vergisst man nicht und solche, die man vergessen muss, um leben zu können.

Wenn auch die Fähigkeit zu täuschen ein Zeichen von Scharfsinn und Macht zu sein scheint, so beweist doch die Absicht zu täuschen ohne Zweifel Bosheit und Schwäche.

Ich weiß aus bitterer Erfahrung, wie trügerisch mitunter das Äußere sein kann, dass sich unter Blumen manchmal eine Schlange verbirgt.

Die uns so täuschend echt vormachen, von angenehmer Wesensart zu sein, die entlarven sich immer wieder viel zu spät als eine unangenehme Art von Wesen.

Ich erweise mich nicht zum ersten Mal als ungeduldiger Mensch. Ich warte seit Tagen und Wochen sehnsüchtig, dass der Schmerz über das Geschehene und in den frischen Wunden endlich nachlässt. Nichts kann ihn betäuben, nichts lindert ihn, niemand kann mir einen Teil davon abnehmen. Ich weiß, dass er eines Tages verschwunden sein wird, aber die Zeit bis dahin erscheint mir ewig. An manchen Tagen geht es mir erschreckend gut. Dann wieder wache ich an anderen Tagen morgens auf und spüre bereits beim ersten Wimpernschlag, wie sich meine Augen mit Tränen füllen. Nein, ich sehne mich nicht mehr nach diesem Menschen, seiner Anwesenheit oder seiner Nähe. Nein, es ist vielmehr die Enttäuschung darüber, wie er sich aus dieser Beziehung „verabschiedet“ hat – gar nicht. Er lief einfach davon, erwies sich als kein bisschen standhaft und täuschte Verzweiflung vor, die nur gespielt sein konnte, denn sein Verhalten sagt dies mehr als deutlich. Einem solchen Schauspieler aufgesessen zu sein, quält mich am schlimmsten. Alles andere lässt sich ertragen. Ich muss dankbar sein, dass ich nicht noch mehr Zeit an diesen Dramatiker verschwendet habe, auch wenn ich ihm zum Abschied gerne vor die Füße spucken würde. Wer so mit Gefühlen spielt und Emotionen vortäuscht, die er nicht in sich trägt, hat weniger Charakter als ein totes Stück Holz. Unter dem Vorwand, diese Liebe brächte ihn um, zog er feige den Schwanz ein und entpuppte sich als wahres Ekel. Mein Sohn kann Zeugnis darüber ablegen, denn ihn ignorierte er von Stund an und das sagt sehr viel über den Charakter eines Menschen aus. Wer seine Konflikte auf dem Rücken von Kindern auslebt, hat weder Achtung noch Respekt verdient.

Die Wochen bis zum ersehnten Umzug ziehen sich endlos hin und ich quäle mich durch jeden einzelnen Tag, bis ich diese Mauern endlich verlassen kann. Diese Wohnung, dieser Stadtteil, alles hier ist mir zuwider. Noch nie habe ich einen Wohnungswechsel so herbei gesehnt wie diesen. Meinem Sohn und mir wird diese Veränderung gut tun und die noch anstehenden Ereignisse sind zwar weniger erfreulich, aber sie werden mir helfen, einen endgültigen Strich unter alldem zu ziehen. Kleine und auch große Opfer gebe ich dafür und nicht mit allem stoße ich auf Verständnis – zumindest nicht bei Jedem -, aber da es keine Alternativen gibt, bleibt mir keine andere Wahl. Ich kehre allem und jedem den Rücken, der mich an jene Dinge erinnert, die meinem Sohn und mir hier widerfahren sind. Das bin ich mir und auch meinem Sohn schuldig, auch wenn’s so mancher Mensch nicht versteht.


Entscheidungen

23. August 2008

In Krisenzeiten offenbaren sich die wahren Freunde. Je weniger du hast, desto weniger reden auf dich ein, was du verkehrt gemacht hast oder zu tun gehabt hättest. Umso größer ist die Chance, dass du in dir selbst deinen eigenen Weg erkennen darfst.

Es tat gut, gestern Abend mal wieder in Gesellschaft einer wahren Freundin zu sein, die all mein Tun und Handeln der jüngsten Vergangenheit und der nahenden Zukunft mit dem Herzen verstand und mir die Gewissheit gab, dass ihre Sicht der Dinge sich von meiner nicht unterscheidet. Ich beschrieb ihr die Geschehnisse der Vergangenheit, zeigte ihr Dokumente dessen und ließ sie selbst entscheiden, was sie darüber denken und was sie empfinden sollte. Unter Berücksichtigung all jener Dokumente pflichtete sie mir bei, dass die Entscheidung zur Wiedererlangung meines Seelenfriedens die richtige sei, die andernorts derzeit für großen Unmut sorgt. Ich erinnere mich an ein Gespräch vor einigen Monaten, als ich jemanden fragte, was sie tun würde, wenn ihre Beziehung zerbrechen würde. Damals sagte sie, sie würde sich sofort zurückziehen und nach einer anderen Arbeitsgelegenheit suchen und nun reagiert man genau aus dieser Richtung zwar partiell mit verbalem Verständnis, jedoch versteht man offenbar nicht wirklich, was in mir vorgeht. Die größte Schuld an der Entwicklung mancher Dinge trage ich selbst, das ist mir durchaus klar. Ich habe eigenhändig den Zutritt zu meiner Arbeitsstelle verschafft, habe Einladungen zusammen mit dem jeweiligen Partner angenommen und somit Tür und Tor bis in den letzten Winkel meines beruflichen und privaten Lebens geöffnet. Nun fällt mir genau das auf die Füße, aber ich habe für die Zukunft daraus gelernt.

Dem vermeintlichen Verständnis für mein Sehnen nach Ruhe sind klare Grenzen gesetzt worden. Mit Vorwürfen und Trotz steht man mir nun gegenüber und verschließt die Augen vor dem, was mir Kraft raubt. Man möchte es auch nicht verstehen und zeigt mir klarer als zuvor, wie gering man mich wertschätzt. Die Enttäuschung ist groß, doch die Erkenntnis darüber ermahnt mich zumindest, meine Kraft und Energie nicht mehr in falsche Richtungen zu lenken. Um zu genesen, muss ich spätestens jetzt endlich egoistisch sein und mir die Dinge und Menschen vom Leibe schaffen, die Ursache für alles sind. Wer das nicht verstehen will, hat nicht wirklich Anteil genommen und offenbar nur einen Bruchteil dessen begriffen, was ich gezeigt und gesagt habe. Man unterstellt mir subtil, ich würde jemanden vor die Wahl stellen. Nein, das tue ich keineswegs, denn ich habe abgewartet und dann die Konsequenzen ziehen müssen, damit ich Aussicht auf die Ruhe habe, die ich so dringend brauche. Und wenn das der Preis ist, den ich dafür zahlen muss, dann gehe ich diesen Weg, da mir von anderer Seite hierbei wissentlich Steine in den Weg gelegt werden. Es ist in dieser Form das erste Mal, dass sich nach einer Trennung solche Probleme und Konflikte vor mir auftun, aber es lässt mich die Definition des Wortes Freundschaft neu überdenken.

Manchmal muss man sich für oder gegen jemanden entscheiden, da man beides nicht vereinbaren kann – ob es nun in unserer Macht steht oder nicht. Für oder gegen wen entscheidet man dann? Für jemanden, den man bis vor einem Jahr nicht kannte, der seine Loyalität noch nie unter Beweis gestellt hat und sich vielleicht nur mit dieser erschlichenen „Freundschaft“ schmückt, weil der neu erworbene Freund Rang und Namen in der Stadt hat? Oder gegen jemanden, der auf Gedeih und Verderb auf dem steigenden und auch sinkenden Schiff die Stellung hielt und dessen Bekanntschaft man seit mehr als 1 ½ Jahrzehnten pflegt? Wer genießt nun höhere Priorität? Die Antwort lag von Anfang an auf der Hand und widerspricht meiner eigenen Philosophie, was wahre Freundschaft betrifft. In meinem engsten Freundeskreis war es niemals eine Frage, wer in solchen Situationen zur sprichwörtlichen Spreu gehörte, die sich vom Weizen trennt. Nie verlor man ein Wort darüber und jede/r handelte gleich. Ob nun ich gegenüber einer Freundin oder einem Freund oder aber meine eigenen Freunde oder Freundinnen mir gegenüber.

Erschütterung macht sich breit, wenn ich mich all jenen Freunden offenbare, die mir immer beistanden und dieses hier nun miterleben. Verständnislosigkeit und Missbilligung wohnen nun nicht mehr nur in meiner Brust, sondern auch in der jener Menschen, denen ich wichtig bin. Ich habe daraus sehr viel über Freundschaft und meine Mitmenschen gelernt, das steht fest. Ich bin in den ersten Momenten meiner Qual in die falsche Richtung geflüchtet und habe gottlob erkannt, wer wirklich bedingungslos hinter mir steht und nicht nur vorgibt, mich zu verstehen, aber gegenteiliges Handeln von mir erwartet. Darüber darf ich enttäuscht sein und die Beschwerden über mein darauf folgendes Schweigen wird als „schlechtes Klima“ gewertet. Wenn das die einzige Form von „Verständnis“ sein soll, dann war nie wirklich Verständnis da und ich kann nicht erwarten, dass sich daran etwas ändert. Mir lagen diese beiden Menschen wirklich sehr am Herzen, aber angesichts dieser Dinge ist es nur gesund, wenn ich gehe. „Ein Unternehmen kann nur funktionieren, wenn es den Angestellten gut geht.“ Wenn aber wissentlich in Kauf genommen wird, dass es unter gewissen Bedingungen nicht möglich ist, dass diese Angestellten sich gut und sicher fühlen, muss man Prioritäten setzen. Dann nimmt der Unternehmer skurrilerweise billigend in Kauf, dass es den Untergebenen schlecht geht und handelt gegensätzlich. Und wenn jene Angestellten dann ihrerseits die Konsequenz ziehen, reagiert man lieber mit Zorn und Abweisung. Geahnt habe ich den Ausgang dieser Geschichte, also kam es nicht ganz unerwartet, aber dieser hohe Preis ist es wert, wenn ich durch ihn Ruhe erfahre. Zwei Freunde weniger und um vieles reicher an Erfahrung.

Zu Dank bin ich Beiden in hohem Maße verpflichtet, aber Enttäuschung bleibt dennoch zurück und wird mich eine kleine Ewigkeit auf meinem kommenden Weg begleiten und noch vorsichtiger machen.