Gestern prophezeite der Wetterfrosch schon morgens nichts Gutes. Gegen Mittags strahlte zwar die Sonne verheißungsvoll, aber am frühen Nachmittag verdunkelte sich der Himmel zusehens. Trotz der schlechten Wetterprognosen wurde im “Leih”-Garten ein kleines Grillgelage anberaumt. Also flitzte ich zum Bäcker, besorgte frische Semmeln, ließ dafür gewohnt gedankenlos mein eigenes Grillgut im Tiefkühlschrank liegen und tippelte Richtung Gartensparte. Dort angekommen fiel mir dann auch fristgerecht ein, dass ich meine Fleischspieße zuhause vergessen hatte, was aber nicht weiter tragisch war, da Frau W. aus P. für reichlich Ersatz gesorgt hatte. Sie hatte wirklich an alles gedacht und gleich nach meinem Eintreffen wurde der Grill angeheizt. Unter einem riesigen Sonnenschirm platziert, landeten neben kleinen Hähnchenflügeln auch diese ultraflachen Hamburger-hackfleischscheiben auf dem Rost. Da wir unsere Hamburger selbst zusammenbauen durften, konnte jeder nun auch selbst bestimmen, wie hoch und wie breit das Teil wird. Wir verwendeten statt der üblichen Hamburgerbrötchen ganz handelsübliche Bäckersemmeln.
Auf meinem Hamburger landeten also eine dieser Hackfleischscheiben, Remoulade, Käse, saure Gürkchen und ordentlich Knoblauchsoße. Das alles hübsch appetitlich in einer Semmel arrangiert, bot nicht nur einen äußerst verlockenden Anblick, sondern schmeckte ganz vorzüglich. Insgesamt drei dieser Bauwerke fanden den Weg in meinen recht leeren Magen und der unverhältnismäßig reichliche Genuss besagter Knoblauchsoße wirkt sich nun seit dem frühen Morgen “begünstigend und entschlackend” auf den internen “Nahrungsmittelver-wertungsapparat” aus, was dafür Sorge trägt, dass ich die Türklinke zum heimischen “Reststoffentsorgungsmodul” heute schon recht häufig in der Hand hatte. Aber was soll’s, mit dieser Soße schmeckte der Hamburger Marke Eigenbau einfach am besten und irgendwas ist ja immer. Photos gibt es von dieser kleinen Grillparty im strömenden Regen auch, aber die Veröffentlichung dieser Schnappschüsse wurde mir unter Androhung empfindlicher und ebenso schwerwiegender Strafen untersagt. Man schämt sich für überraschte Gesichter, faltige Popos und schlecht sitzendes Haar. Jetzt muss ich lachen…
Mein Plan für gestern geriet aufgrund des mittwöchlichen (<— wat’n Wort!!!) Besucheransturmes komplett ins Wanken und so einige Teile meiner geplanten Vorhaben kamen schlichtweg nicht zur Vollendung. Unvorhergesehen standen am Ende dann vier Besucher in meiner Küche und eine Besucherin davon kam vollkommen überraschend. Nach einem halben Päckchen Kaffee bekam ich dann endlich auch Kammerflimmern. Ich fand’s aber richtig lustig und es hebt mich auch nicht sonderlich an, dass ich irgendwie zu nix kam. Kann ich alles heute oder sonst wann erledigen, weil nix wirklich wichtiges dabei war. Kindchen fand es auch klasse, da er bis tief in die Nacht ungestört im Internet rumstolpern konnte und irgendwann hundemüde freiwillig ins Bettchen schlich. Vor sage und schreibe zwei Minuten ist er aus den Federn gekrochen (Anm. d. Red.: Es ist jetzt 10.54 Uhr). So und damit der gestrige Tag so richtig schön abgerundet ist, entdeckte ich dann auch noch, dass mein Avocado-Experiment von Erfolg gekrönt ist. Der Kern ist an einer anderen Stelle regelrecht aufgeplatzt und in diesem Spalt verstecken sich zwei kleine Keime. Photobeweise? Na klar, hier bitteschön!!!
Im Bäuchlein rumpelt es zwar noch ordentlich, aber ansonsten normalisiert sich alles wieder. Schauen wir mal, ob diese Besserung anhält und weiter fortschreitet oder ob es herbe Rückfälle geben wird – man bzw. frau hofft es nicht. Die Stadt ist heute in dicken Nebel eingehüllt und erschwert den gewohnten Panoramablick aus dem Küchenfenster. Irgendwie schaut das witzig aus und dieser Anblick untermauert die Theorie, dass die Erde doch eine Scheibe ist und “der Rand” genau in der Ost liegt. Hinter der gegenüberliegenden Häuserzeile hört die Stadt einfach auf, dort ist sie “zuende”.
Man könnte auch davon ausgehen, dass die Ostvorstadt der Bauchnabel dieser Scheibe sei, denn rund um unser Haus bietet sich der gleiche Anblick. Der Rest der Bevölkerung befindet sich also auf der “Unterseite” der Scheibe und schläft noch friedlich, denn dort müsste noch tiefste Nacht herrschen. Ist nun auf der Unterseite die Süd oder ein anderer Stadtteil der Vogtlandmetropole? Folgerichtig ist auch der Mond eine Scheibe, der sich seitlich dieser “Ostscheibe” befindet und seine Rückseite ist die Sonne, die momentan in der Ost für Tageslicht sorgt. Nein, der Mond ist also kein Schnapprollo, wie böse Zungen immer wieder behaupten.
Aufgestanden sind wir ziemlich zeitig, dann wurde erstmal ordentlich gefrühstückt, danach flitzte Frau N. aus P. nochmal schnell in den Supermarkt, weil wir kurzerhand beschlossen hatten, dass wir einen Maulwurfkuchen und einen Marmorkuchen backen wollten. Zwischenzeitlich meldete sich das Füchslein mit Anhang zum Mittagessen an und somit brauchten wir noch mehr Zutaten für’s Mittagessen. Zuhause wieder angekommen, war’s Füchslein schon angereist und Herr H. aus M. spielte mit Sohnemann schon fleißig Playstation. Meinereiner kochte fix ein Käffchen und schlürfte eine Tasse mit. Nach und nach verdünnisierten sich alle Anwesenden ins Kinderzimmer und ich begann mit der Zubereitung des Mittagessens. Auf dem Speiseplan standen „Beffsteggs“ mit Kartoffelpürree und gebratenen Zwiebeln. Also losmatschen und die Teile ausbraten. Wuppte alles bestens und nach kürzester Zeit roch man in allen Zimmern, was heute auf den Teller kommt.
‘S Füchslein fühlte sich nicht so, also verließen Herr H. aus M. und seine Frau F. aus S. zwischen P.und S. schon kurz nach dem Mittagessen meine Wohnung, damit das Füchslein zuhause auf dem Sofa gesunden kann. Schon bei ihrer Ankunft sah sie nicht besonders gut aus und ihr Zustand verschlechterte sich zusehens. Nachdem die Beiden gegangen waren, begann ich mit dem Marmorkuchen. Scheiße, die Margarine is’ alle und Eier haben wir nach dem Backen dann auch keine mehr. Also huschte Herr S. aus P. nochmal fix zum Supermarkt um die Ecke und sorgte für Nachschub. Plangemäß landete dann der erste Kuchen im Ofen und Herr S. meldete sich zur Zubereitung des Maulwurfkuchens an. Ich überließ ihm die Küche und wollte eigentlich im Bad verschwinden, aber es kam mal wieder ganz anders. Erst klingelte mein Telefon, dann klingelte gleich nochmal das Telefon und dann klingelte mein Nachbar und dann klingelte noch ein später Besucher. Ratzfatz war es 22.00 Uhr und der Tag war rum.
Also minimierte ich meine Badezimmerpläne auf das Nötigste und beschränkte mich auf die übliche Reinigungsprozedur. Die ausgiebige Variante werde ich dann eben heute praktizieren. Küchendienst am Herd hat heute Herr S. aus P. und das lasse ich mir gerne gefallen, denn sonst koche ja ich immer. Kuchen haben wir nun in rauen Mengen, „Beffsteggs“ gibt’s auch noch zum Zwischendurchessen und wenn jetzt hier noch einer hungert, dann ist er/sie selbst schuld, denn der Kühlschrank platzt aus allen Nähten und unter’m Bett lauert der Maulwurfkuchen, allerdings wird der bewacht. Das Korrekturlesen fällt heute aus, denn es kann sich nur noch um Minuten handeln, bis die Männer wach werden und mich wieder in Beschlag nehmen. Wer also Rechtschreibe- oder Grammatikfehler findet, darf sie behalten…
Dienstag – der Tag beginnt erwartungsgemäß ruhig. Um 4.00 Uhr klingelt der Wecker zum ersten Mal. Der Radiowecker plärrt irgendwelche Musik ins Dunkel und irgendjemand sagt: „Kannst den Wecker ganz ausmachen, mein Handy weckt mich gleich nochmal.“ Ich führe den Befehl aus und schlafe weiter. Minuten später leuchtet etwas auf und klassische Musik dudelt durch den Raum. Ich öffne die Augen und schaue den Herrn auf der Beifahrerseite des Bettes irritiert an. Er grinst und sagt nichts. Kopfschüttelnd ziehe ich die Decke bis hoch zur Nase und werde ausgeschimpft, weil mein rechter Arm eiskalt ist. Leise steht der Schimpfer auf und erledigt in bemerkenswert rücksichtsvoller Stille all die Kleinigkeiten, die morgens so anliegen. Kaffeekochen, Zähneputzen, Anziehen, Katze nicht treten, lautloses durch die Wohnung laufen. Die Schlafzimmertür öffnet sich ein letztes Mal, jemand kriecht vorsichtig durch die Berge von warmen Decken und tastet das Bett nach mir ab. Man verabschiedet sich superleise und schließt geräuschlos die Wohnungstür. Ich bin es nicht gewohnt, dass jemand so leise sein kann und bin plötzlich hellwach.
Ich stehe auf, halte mir das ganze Gesicht zu, weil diese verdammten vier 60-Watt-Glüharschlöcher mir fast die Haut vom Gesicht brennen und mein Augenlicht bedrohen. Intuitiv tapse ich zur Kaffeemaschine und kneife die Augen zusammen, denn meine Hände brauche ich jetzt zum Kaffeekochen. Mietzo schleicht leise um meine Beine und maunzt. Schnell das arme Tier füttern und die Heizung noch ein klitzekleines Bisschen hochschrauben, weil Frau N. aus P. fröstelt. Schnell hole ich mir aus dem Bad meinen Flauschibademantel und registriere lächelnd die Zahnpastatube auf dem Waschbeckenrand. Der Herr hat also doch kleine Macken, denn so langsam komme ich mir blöd vor, weil ich jede Menge davon habe. Ich lasse den benutzten Kaffeefilter in der Maschine, bis ich die Maschine neu befülle – er nicht. Ich spüle die Kanne nicht gleich aus, wenn sie leer ist – er schon. Ich werfe meine Klamotten vorm Schlafen auch gerne mal vor’s Bett – er nicht. Ja, ich räume das morgens immer gleich weg, aber er verursacht gar nicht erst dieses Chaos. Aber wenigstens lässt er morgens immer die Zahncréme am Waschbeckenrand liegen – ich nicht. Aber ich bin erleichtert, denn ein Mensch ohne Ticks wäre mir unheimlich.
Sohnemann und ich haben den Tag dann sehr viel geräuschvoller begonnen. So sind wir eben und das wird nächste Woche lustig, denn dann schläft Herr S. aus P. noch und wird garantiert wach. Vorbereitet ist er, denn ich habe ihn eindringlich gewarnt. Er will’s nicht anders, also kriegt er die volle Packung. Bei uns wird morgens erst leise, dann ziemlich energisch geweckt, dann wird über die Kleiderwünsche von Sohnemann gestritten, diskutiert und nebenbei werden Brötchen aufgebacken, geschmiert, Kühlschranktür auf zu auf zu auf zu, Wasserhahn & Co. auf zu auf zu auf zu, Besteckgeklapper, Antreiben vom Nachwuchs mit vorwurfsvollem Blick auf die Uhr, noch ein kleiner Zank und dann ab in die Schule. Mal sehen, wie lange Herr S. seine Ruhe behält. Nur eines dürfen wir nicht vergessen: Wir müssen für Herrn N. aus P. schon am Vorabend die gewünschten Anziehsachen zusammensuchen, denn sonst erstrahlen morgens gegen 6.00 Uhr zwei unmenschlich helle Halogenstrahler im Schlafzimmer und das dürfte Herrn S. überhaupt nicht gefallen. Vermute ich jetzt mal so…
Endlich geht’s hier weiter. Nach zahlreichen Beschwerden möchte ich Euch nun nicht länger auf dem Trockenen sitzen lassen und berichte von den Feiertagen, dem Jahreswechsel und den ersten Tagen des niegelnagelneuen Jahres. Wie Ihr bereits wisst, habe ich in diesem Jahr mit allen Traditionen gebrochen und im Kreise einiger Freunde Weihnachten bzw. den Heiligabend zelebriert. Ich muss sagen, dass dieser Abend sehr viel gelöster und erfüllender war, als all jene Familienabende zur Weihnachtszeit. Es war durchaus besinnlich, aber so völlig anders und es hat mir gefallen, sehr gefallen…
Am ersten Feiertag dann „plante“ ich einen ruhigen Tag, aber es kam wieder mal ganz anders. In bequeme Kleidung gehüllt liebäugelte ich mit meiner Couch, der Weihnachtsstress lag bereits hinter mir. Einer meiner Gäste vom Vorabend – nennen wir ihn in Zukunft einfach Herr S. aus P. – lud mich ganz spontan auf ein Getränk meiner Wahl in einer Lokalität meiner Wahl ein und ich verabschiedete mich in Gedanken etwas schwerfällig von meinem Couchabend. Also schwang sich Frau N. aus P. dann doch in ihre Badewanne und brachte ihren Allgemeinzustand in ein salonfähiges Format. Kurz vorm Verlassen meiner Wohnung klingelte noch eine Freundin an, die an Langeweile zu Sterben drohte. Mein Samariter-Herz regte sich und ich beschloss kurzerhand über den Kopf meines „Einladers“, dass die junge Frau uns begleiten wird, den niemand sollte über Weihnachten zuhause allein versauern.
Nachdem ich mich nun endlich auf den Weg gemacht und meinen Begleiter über die kleine Planänderung informiert hatte, holten wir die junge Dame ab und begannen unseren weihnachtlichen Streifzug durch die Kneipen der Vogtlandmetropole. Der Abend begann mit einer netten Plauderei unter alten Bekannten und endete um einen weiteren Gast erweitert in einer recht unspektakulären Lokalität im Zentrum der Stadt. Nach einigen hochprozentigen Getränken wurde die Zunge von Frau N. aus P. genauso schwer, wie ihre Gliedmaßen und das werte Fräulein wurde kurzerhand über die Schulter geworfen und aus der Kneipe getragen. Jammernd vor Kälte und „ich-will-nach-Hause“ wurde sie ins Auto gesetzt und ordnungsgemäß zuhause ins Bett dirigiert. Dort wollte sie natürlich auch nicht so recht schlafen und nötigte ihren „Heim-Schlepper“ zu Dingen, die nur unter Alkoholeinfluss geschehen. An dieser Stelle folgen nun keine schmutzigen Details, denn ich bin mir sicher, dass Ihr auch ohne diese Details wisst, was passiert sein könnte. Das überlasse ich Eurer abgrundtief schmutzigen Phantasie.
Nun denn, am nächsten Tag bekam ich all meine Schandtaten mit einem herzhaften Lachen genauestens protokolliert und schämte mich auch ordnungsgemäß in Grund und Boden. Der junge Mann allerdings zeigte sich nicht im Mindesten schockiert und plante vorsichtig weitere Unternehmungen mit der Skandalnudel. Offenbar schreckte ihn das unorthodoxe Verhalten der Frau N. aus P. nicht wirklich ab. Man verbrachte also auch den folgenden Tag zusammen und den darauf folgenden auch und alle weiteren bis heute, so auch Silvester. Bevor ich jetzt hier einen überaus langweiligen Roman schreibe, was wir wo Silvester veranstaltet haben, beschränke ich mich auf die Feststellung, dass sich auf beiden Seiten im Verlauf dieser wenigen Tage klitzekleine Schmetterlinge in allen Ecken der beiden Mägen eingenistet haben und die Wahrscheinlichkeit steigt, dass dieser Herr S. aus P. hier im Laufe des angebrochenen Jahres auftaucht.
Ein recht oberflächlicher Beitrag hier, das gebe ich zu, aber die letzten Tage waren ruhig, sehr schön und alles andere als nyiriüblich, denn ich habe diese wohltuende Ruhe des Herrn S. wirklich sehr genossen und auf mich wirken lassen. Dieser Mensch trägt diese Ruhe in sich, die mir irgendwie so fremd ist, die in mir aber Wohlbefinden verursacht und genau das ist eine jener „Gewürzmischungen“, die mich fesseln und die ich so überaus anziehend finde. Wir werden also abwarten und sehen, wohin das führt und Ihr werdet zumindest oberflächlich daran teilhaben dürfen, denn das Neue Jahr beginnt besser als erwartet, spannender als geplant und aufregender als vorhersehbar. Es flattert und herzelt im Gebälk und es fühlt sich verdammt gut an, Leute…
Da ich nun schon die ersten Beschwerden über die derzeitige Schreibpause erhalten habe, möchte ich Euch wenigstens wissen lassen, dass Frau N. aus P. Weihnachten und auch Silvester im Kreise sehr netter Menschen verbracht und über alle Maßen genossen habe. Sogar der eine oder andere kleine und größere Wunsch wurde mir erfüllt und am ersten Weihnachtsfeiertag fand ich dann noch ein verspätetes und vollkommen unerwartetes Geschenk, von dem Ihr vielleicht im Laufe diesen Jahres noch das eine oder andere hören bzw. lesen werdet.
Der Heiligabend ist vorbei und nun will die Tante Nyiri gerne wissen, wie Ihr Euren Heiligabend verbracht habt und was der alte Rotrock für Euch im Sack hatte…
Ich habe hier sehr nette Gäste gehabt, zum Teil überraschend, denn eigentlich hatte ich nur eine Freundin eingeladen, am Ende saßen jedoch fünf Personen an meinem Tisch und es wurde ein überaus lustiger Abend. Als erstes ging ein Teller mit Kartoffelsalat, Würstchen, Eiersalat und ordentlich Senf zu Boden. Dem Gast war’s furchtbar peinlich, der Rest der Gemeinde lachte sich natürlich kaputt. Dann hat Frau Nyiri ein vollkommen neues Spiel erfunden und das geht so:
Spielanleitung:
Man kaufe sich eine große Schachtel „Edle Tropfen“ oder lasse sich diese schenken. Dann biete man den Gästen selbige an. Diese Pralinenschachtel beinhaltet feinstes Konfekt mit vier verschiedenen Sorten Hochprozentigem (Whiskey, Calvados, Cognac und Grappa). Alle Pralinen müssen in etwa gleich aussehen und sind innerhalb der Schachtel nach Inhalt beschriftet. Dann nehme man die Schachtel aus dem Schrank, werfe sie mit einer gekonnten Drehung auf den Teppich, wobei sie sich vollständig entleeren sollte. Dann sortiert man die umherliegenden Pralinen wieder in die Schachtel und ignoriere dabei, dass die Reihenfolge eingehalten werden sollte. Nun stelle man die frisch sortierte Schachtel mit einem gespielt entschuldigendem Lächeln auf den Tisch und ermuntere die Gäste, beherzt zuzugreifen. Ziel des Spieles ist, den Inhalt der einzelnen Pralinen zu erraten. Gewonnen hat der-/diejenige, der/die die meisten Pralinen essen musste, weil er/sie immer falsch geraten hat und demzufolge nach dem vollständigen Verzehr der Schachtel zwei Klingeln am Spazierstock hat.
Die Damen hielten sich gepflegt im Hintergrund und stellten sich milde lächelnd zwei Flaschen Asti Cinzano in den Hals. Gegen 1.00 Uhr verabschiedete sich die illustre Gesellschaft dann kichernd und gackern in die Nacht und Frau N. aus P. fiel todmüde in ihr Bett und widmete sich einem ihrer Geschenke vom liebsten Füchslein auf Erden: „Feuchtgebiete“ von Charlotte Roche. Um meinen Hals baumelt das Geschenk meines Sohnes, welches er mit viel Sorgfalt und Liebe in einem Schmuckgeschäft seines Vertrauens erworben hat. Alles in Allem war das ein wunderbarer Heiligabend und vom Unterhaltungswert einer der schönsten, die ich bisher erleben durfte.
Nachdem ich den gestrigen Abend in S. zwischen P. und S. bei Frau F. verbracht habe und gelinde gesagt Tränen gelacht habe, entschied ich mich heute kurzerhand für einen sehr entspannten und absolut femininen Abend. Eigentlich bevorzuge ich ja die Sorte Filme, bei denen angemessen viel Gänsehaut entsteht, aber heute wollte ich endlich den Film des vergangenen Sommers sehen, der mir glatt durch die Lappen gegangen war – „Sex and the City“. Wer diese Kultserie kennt und liebt, muss diesen Film auch sehen, nicht wahr? Also machte ich auf dem Rückweg von Frau F. einen Zwischenstop beim nahegelegenen DVD-Dealer meines Vertrauens und besorgte mir das Frauen-Must-Have des Jahres. Noch eine große Tüte Cashewkerne dazu und fix nach Hause…
Mädels, der Film entspricht ganz den Erwartungen, spart nicht an den altbekannten Storys, nur eben hübsch in Spielfilmlänge verpackt und auch diesmal nicht ohne Happy End. Ich verrate nichts, schaut Euch den Film an und legt ein paar Tempos bereit – nur für den Notfall. Wer sich kürzlich getrennt hat, wird vielleicht den einen oder anderen Seitenhieb kassieren müssen und wem seine beste Freundin abhanden gekommen ist, der wird sicher jene Drehbuchautoren verfluchen, die das Thema Frauenfreundschaft so wunderbar aufbereitet haben. Alles in allem ein wirklich schöner Film, der meinetwegen noch weitere vier Stunden hätte dauern dürfen. Der perfekte Streifen für einen schönen Weiberabend mit Prosecco und Plüschpantoffeln – einfach wunderbar. Und wer schon mal testen will, welcher SATC-Typ er/sie ist, kann das hier tun.
Und für meine treuen Mädels, die über die kurzweilige Schließung meines Blogs so enttäuscht waren, gibt es morgen ganz außergewöhnliche Bilder von einem eigentlich gar nicht so außergewöhnlichen Abend – zumindest begann er ganz harmlos. Lasst Euch überraschen, es wird lustig…
Guten Morgen, liebe Blogger-Gemeinde, heute weiß ich wirklich nicht, was ich Euch hier hinterlassen könnte, also bin ich vorhin durch meine Wohnung geschlichen und habe versucht, ein paar Momente einzufangen, wobei hier noch nicht wirklich viel los ist. Alle schlafen noch und die Stille, die ich morgens so genieße, ist überall zu „hören“. Oben seht Ihr meinen Arbeitsplatz, von dem aus ich Euch jeden Morgen mit meinen Erlebnissen oder Gedanken quäle. Zwingend erforderliches Arbeitszeug habe ich rot gekennzeichnet, denn ohne diese drei Dinge kriege ich keinen Artikel zustande. Ja, ich bin leidenschaftlicher Kaffeetrinker, exzessiver Raucher und ohne Laptop nix Blog. Ja, vom Rauchen kriegt man schwarze Brustwarzen, ich weiß, aber die schwarzen Pinorkel passen ganz gut zu meinen ebenfalls schwarzen Haaren und sehen gar nicht so schlimm aus, wie man meinen möchte.
Auf dem zweiten Bild habe ich versucht, wirklich nur versucht, den derzeit vollen Mond einzufangen. Ich habe sehr zaghaft geknipst, denn ich hatte echt meine Bedenken, dass mir meine Kamera aus den Händen flutscht, über die Dachziegel poltert und dann vernichtend in den Hinterhof kracht, um dort ihr Dasein geräuschvoll und absolut endgültig zu beenden. Ich bin da echt ‘ne Zimperliese und Ihr müsst genau deswegen mit diesem halbherzigen Versuch leben. Draußen ist es – wie Ihr unschwer erkennen könnt – stockfinster und der Vollmond steht hoch am Himmel. Die Stadt ist nur notdürftig beleuchtet und allenorts schläft man noch. Nur eine Bewohnerin schlurft schon geschäftig durch die Räume und das scheine ich zu sein. Von draußen dringt noch kein Alltagslärm herein, die Fenster sind überall noch finster und in spätestens einer Stunde hört man die Nachbarschaft, die sich zur täglichen Arbeit mit oder ohne Fahrzeug von dannen macht.
Da sonst keiner bereit für ein Guten-Morgen-Photo war, musste meine schwarze Arschlocke herhalten, was ihr offenbar nicht wirklich gefiel. Ich blitzte sie mehrmals mit der Kamera voll und meist schaut sie auf Bildern dann genauso missmutig, wie hier oben. Ein Phänomen, dass ich seit längerem beobachte, denn obwohl auch Katzen eine recht ausgeprägte Mimik beherrschen, schaut sie immer irgendwie „genervt“ in die Kamera. Da aber ich hier im Hause die Miete bezahle, hat sie diese Späße über sich ergehen zu lassen und Ihr stellt Euch jetzt einfach vor, sie würde lächeln, wie sie das sonst eigentlich immer tut. Ich schwör’s… Ich habe gerade beschlossen, meine Cam in Zukunft auch wieder in der Handtasche mit mir zu führen, denn da draußen gibt es doch hin und wieder Leute, Sachen oder Geschehnisse, die ein Bild wert wären. Mir kommt in diesem Moment der Gedanke, dass ich Herrn N. aus P. beim Schlafen knipsen könnte. Ihr kennt das, wenn man solche Schnapsideen hat, kann man nicht anders und setzt sie um. Also bis gleich…
Da liegt er nun selig schlummernd und kann noch eine volle Stunde schlafen. Wer sich über diese Wasserflasche am unteren Bildrand wundert, muss wissen, dass Sohnemann diese Angewohnheit einst entwickelt hat, als er in jüngeren Jahren unter einem Schnupfen litt. Angefangen hat das alles mit einer Packung Tempos, die er dort für die Nacht deponierte, um nicht dauernd aufstehen zu müssen. Er weigert sich ja seit Jahren beharrlich, sein geliebtes Hochbett einzumotten, was die Anschaffung eines herkömmlichen Nachtschränkchens erschwert, denn die sind in der Regel nicht besonders hoch. Ein Brett an der Seite würde dieses Problem zwar lösen, stellt aber eine potentielle Beulenverursachungsmaschinerie dar und würde unschön in die Luft ragen.
So begann Sohnemann, die Dinge, die er nachts gebrauchen könnte, kurzerhand an die Seite zu stapeln und neben der lebensnotwendigen Trinkflasche liegen oftmals Taschentücher, neue Spielzeuge, Fernbedienungen oder sonstiges Geraffel, was nachts notwendig sein könnte, um sich so wenig wie möglich bewegen zu müssen. Nur die Toilette passt nicht an die Seite, aber ich bin mir sicher, auch die würde er nachts mit ins Bett nehmen, wenn das ginge. Wenn das allerdings möglich wäre, stellt sich gleich die nächste Frage: Wie würde Sohnemann reagieren, wenn Muttern dann nachts neben ihm im Bett auf der Schüssel hockt? Interessante Theorie…
Spätestens beim Blick aus den Fenstern wird einem klar, dass der Sommer sich endgültig verabschiedet hat. Immer öfter verbirgt sich die Sonne hinter einer dichten und grauen Wolken decke und auch die herbstlichen Regentage nehmen zu. Die Temperaturen fallen langsam aber ebenso sicher immer weiter in den Keller und das bunte, welke Laub raschelt um die Schuhe. Morgens findet man auf seinem Auto garantiert jede Menge Blätter und selbst im Lüftungsgebläse rascheln verirrte Laubstücken und bringen mich zur Weißglut. Bekleidungstechnisch muss die Strickjacke nun einer dickeren Jacke weichen und auch die Flipflops legen sich bis zum kommenden Sommer in ihr Winterlager. Eigentlich ist der Herbst sehr schön. Die Farben und das Wetter zwingen einem eine ganze besondere Form der Gemütlichkeit auf. Man muss die Heizung immer öfter aufdrehen, der Regen zwingt die Menschen unter Schirme oder in ihr Heim und die Tropfen, die ans Fenster trommeln, verbreiten angenehme Stimmung.
Noch schlummern die schwarzen Räucherkerzchen in den Schubladen, warten aber ungeduldig auf ihren ersten Einsatz. Das Erste dieser Kerzchen riecht immer am besten und diesen Moment spare ich mir noch ein paar Tage oder Wochen auf. Jede Jahreszeit birgt für mich ihre ganz unvergleichlichen Reize und duftet immer gleich. Der Frühling riecht so oft nach feuchter, frischer Erde. Die Pflanzen recken und strecken sich ausgehungert den ersten Sonnenstrahlen entgegen und die Menschen laufen trotz immer noch kühler Temperaturen mit offenen Jacken umher. Der Sommer besticht natürlich in erster Linie durch seine Wärme und die vielen Sonnentage. Grillgerüche schwängern stets und ständig die Luft und alles wächst und gedeiht. Die Abende und Nächte sind lau und jedermanns Haut ist sonnenverwöhnt und am Morgen sind die Wiesen voller Tautropfen. Der Herbst ist wunderbar bunt, Sonne und Regen laufen um die Wette, die Temperaturen schwanken oftmals drastisch auf und nieder. Ja und der Winter ist im Idealfall eisig kalt und herrlich weiß. Die Stille, die der Schnee den Menschen auferlegt, ist einfach herrlich. Nur das Knirschen der Schuhe im Schnee und die weit hörbaren Stimmen lassen auf das Leben in der Stadt schließen, wenn die Dunkelheit eingebrochen ist. Die gezuckerten Dächer und Bäume bieten einen unvergleichlich schönen Anblick und aus den Schornsteinen steigt überall Rauch auf, denn zuhause sitzen die Menschen in warme Decken gehüllt und trinken heißen Tee oder Kakao. Zumindest stellt sich Frau N. aus P. das genauso vor.
Ich freue mich auf den Winter, auf die Stille und auf die warmen Füße unter weichen Decken. Auf den heißen Kakao, in den ich Buttersemmeln tunke und auch auf die Schneestürme, die nachts um die Häuser fegen. Selbst auf das morgendliche Schneeschaufeln, um das Auto fahrtauglich zu machen und auf die Geräusche, wenn man mit schneebedeckten Schuhen und Anziehsachen im Hausflur an der Tür stampft und klopft, um keinen Schnee mit in die warme Wohnung zu tragen. Ich hoffe sehnlichst, dass wir in diesem Jahr wieder soviel Schnee bekommen, wie wir das hier im Vogtland eigentlich gewohnt sind. Während der letzten zwei Jahre war dies leider nicht der Fall und ich spekuliere auf Besserung. Kakao habe ich in rauhen Mengen hier und Milchvorräte gehen bei mir fast nie zur Neige. Die gängigsten Teesorten habe ich immer im Haus und der Winter kann erbarmungslos über uns hereinbrechen, denn aus Erfahrung weiß ich inzwischen, dass nahezu jedes Jahr rund um den 15. November der erste Schnee fällt. Mal geschieht dies einige Tage vorher, mal mit einigen Tagen Verspätung, aber der 15. November ist meist nicht weit entfernt und der ist nun recht nah.
Heute muss ich die Ganztagsschicht übernehmen, das Chef mitsamt Kollegin erst heute Abend wieder im Vogtland aufschlagen. Der Tag wird sicher recht ruhig und das trübe Wetter dort draußen tut sein Übriges. Sohnemann hat noch eine weitere Woche Ferien und weiß angesichts des Wetters noch nicht so richtig, was er heute tun soll. Fürs Mittagessen ist aber zumindest gesorgt und zur Not wird er sicher ein bisschen fernsehen. Was sollen Kinder bei dem Mistwetter auch draußen machen? Im Normalfall stört ihn weder Regen noch Sturm, aber das gilt leider nicht für seine Kameraden. Die verstecken sich dann immer zuhause und alleine spielen macht dann auch meinem Sohn nicht wirklich Spaß, was man durchaus verstehen kann. Also stelle ich ihm zusätzlich ein paar leckere Lebkuchen und Kekse bereit, damit er sich im Zweifelsfall den Nachmittag zuhause versüßen kann.
In diesem Sinne wünsche ich allen Leserinnen und Lesern einen guten Start in die neue Woche und verabschiede mich langsam in Richtung Dusche und auf Arbeit. Frau F. aus S. zwischen P.und S. hat heute Geburtstag und bekommt heute einen fetten Schmatzer, wenn ich sie erwische…
Da steht Frau N. aus P. heute Morgen viel zu früh auf und will gewohnheitsmäßig aus dem leicht geöffneten Dachfenster schauen und sieht erstmal nix. Hat’s geregnet? Die Scheibe is’ irgendwie nicht mehr durchsichtig. Muss ich etwa jetzt schon Fenster putzen? Nee, oder??? Ich steh’ vor dem Fenster und glotze zugegebenermaßen etwas dämlich und dann geht mir ein Licht auf: Das komische Zeug außen auf der Scheibe ist doch tatsächlich Raureif. Huuu…, sofort fröstelt Frau N. aus P. und sucht panisch ihren Bademantel im Dunkeln zusammen. Miezefurz jammert schon vor der Tür und ich taste mich in Richtung Küche. Leichtsinnig drücke ich auf den Lichtschalter und vier gut funktionierende 60-Watt-Lämpchen lassen mich genau in diesem Moment fast erblinden. Ich halte mir die Augen zu und taste mich zur Kaffeemaschine. Langsam blinzelt Frau N. zwischen ihren Fingern durch, um ihre nachtschlafenen Augen an das grelle Licht zu gewöhnen. Vorsichtig nimmt sie die Hände weg und lässt vorerst noch ein Auge zu. Mit Restmüdigkeit in den Knochen und nur einem Auge befüllt sie ihren Kaffeeautomat. Selbst der Glöckner von Notre Dame hatte mit Sicherheit eine würdevollere Körperhaltung als ich vorhin.
Hinter mir starb Miezepups bereits einen erbärmlichen Hungertod. Fix das arme Tier mit Futter versorgt und während die Maschine blubberte, öffnete ich das Wohnzimmerfenster, um die eisige Morgenluft hereinzulassen. Gegen 10.00 Uhr lässt sich Sohnemann zu seinen Kumpels nach Mechel fahren, denn er wurde schon zu Beginn der Herbstferien dorthin eingeladen. Das bedeutet für mich, dass ich heute Abend meine Wohnung ganz für mich allein habe. Pläne habe ich bisher noch keine, aber ich bin mir sicher, dass ich die Ruhe sehr genießen werde. Vielleicht wage ich es noch einmal, einen billigen Horrorfilm mit lecker Tee in Angriff zu nehmen. Aaaber, ich schalte dann diesmal das Handy aus und lege vorsichtshalber auch gleich die Türklingel lahm. Vielleicht kommt aber auch wieder alles ganz anders. Wer weiß… Irgendwer schafft es bestimmt, ein Steinchen bis ans Dachgeschossfenster zu schießen und mir meinen Abend zu ruinieren…
Ihr glaubt gar nicht, wieviel Freude es mir jeden Tag macht, dort oben im Titel die Tage rückwärts zu zählen. In Gedanken laufe ich bereits jeden Morgen durch die neuen Räume und sehe das Szenario vor mir, wie ich ständig in die falsche Richtung laufe, wenn ich nach gewohnten Dingen greife. Ich taste im Dunkeln an den falschen Stellen nach Lichtschaltern und erschrecke bei ungewohnten Geräuschen. Ich höre Schulkinder aus den Häusern kommen, denn wir wohnen ja dann in unmittelbarer Nähe und ich trage meine Kaffeetasse an einen anderen Platz. Diese Vorstellung tut mir gut und ich empfinde sie als sehr befreiend. Die letzten Tage hier kann ich trotz Umzugschaos irgendwie genießen, weil es die letzten sein werden. Es fühlt sich komisch an, ich gehe gerne, ich werde wahrscheinlich hier nicht viel vermissen. Der Duft meiner Kindheit ist längst verflogen und auch das einstige Flair der Gartenstadt ging wahrscheinlich schon vor Jahren hier verloren. Die alten Plätze, an denen wir uns als Kinder vergnügten sind kalt und unpersönlich geworden. Ich hasse es, aus meinem Munde zu hören, dass hier nichts mehr so ist wie früher. Und nun ist es durch all die Geschehnisse sogar passiert, dass ich hier nicht mehr wohnen möchte – so oder so nicht.
Ein weinendes Auge gibt es dennoch, denn die Gartenstadt ist und bleibt die Wiege meiner schönsten Kinderjahre und die guten alten Zeiten vergisst man trotz allem nicht. Wenn ich daran denke, dass ich in meiner neuen Wohnung endlich absolute Ruhe über mir habe, frohlockt mein Herz. Jeden Morgen nehme ich in den letzten Tagen intensiver wahr, wie laut die Menschen über mir sind. Mit Blick auf das stressige Ende der Woche kann ich nun sogar darüber lächeln. Wenn ich die griesgrämigen Gesichter im Haus sehe, ärgert mich keine noch so regnerische Miene mehr, denn im neuen Haus wohnen freundliche und junge Menschen, die schon vor Wochen mit freundlich-hellen Gesichtern „Hallo“ flöteten. Das macht Laune und dieses Haus scheint nicht so tot zu sein wie das hier. Zwar poltert und rumpelt es ständig über mir, aber hier in diesem Treppenhaus sieht man niemals ein Lächeln. Alles vorbei, endlich…
Trotz aller Vorfreude wird es wirklich Zeit, dass der Stress ein Ende nimmt, denn mir geht so langsam aber sicher die Energie aus. Die Motivation sinkt stetig und die Verschnaufpausen sind immer weniger erholsam. Ich werde immer vergesslicher und der nächtliche Schlaf ist nicht mehr wirklich erquickend. Ich brauche wieder meine gewohnte Ordnung und ruhevolle Wochenenden. Man reiche mir bitte einen Eimer zum Kotzen, denn überall stehen Kartons in den Ecken, Sachen stapeln sich am Boden, weil die Schränke schon fehlen. Mein „Bett“ ist eher einem Clochard würdig und die allmorgendliche Wühlerei in den Wäschebergen geht mir gewaltig auf den Sender. Ich will endlich wieder richtig wohnen und leben. Morgens beschwingt aufstehen, fröhlich pfeifend durch die Wohnung tippeln, Kaffee schlürfend, langsam aufwachend und die frische Morgenluft schnuppernd. Aber bitte ohne Kisten und Säcke in allen Ecken, ohne provisorisch gelagerte Wäsche, ohne spärlich bestückte Schubladen und Schränke und auch ohne randvollen Terminkalender, der die Tage weit im Voraus schon zu Arschlochtagen macht. Am Sonntag fange ich gleich damit an, so ein ganz klein wenig zumindest…
Heute gibt’s mal ein Lied, bei dem mir vollkommen Wurscht ist, was die kleine Frau da singt, mir gefällt die Melodik und ich singe bei diesem Lied nie mit, nein, ich pfeife… Ehrlich… Warum? Weiß ich beim besten Willen nicht, ich pfeife ganz automatisch mit, geht nicht anders…
Gnihihi… Schaut mal rechts auf den Mini-Countdown! Nun befinden wir uns in der letzten heißen Phase vor dem Umzug. Mit der magischen „10″ beginnt doch jeder Countdown, nicht wahr? Ob es Raketenstarts sind, Domino-Day bevor der erste Stein angeschubst wird, Jahreswechsel oder die Olympischen Spiele, Welt- oder Europameisterschaften – überall zählt man von 10 auf 0… Und das tun wir ab heute auch. Es sind nur noch zehn Tage bis wir diese Mauern hier endgültig verlassen und zum ersten Mal in unserer neuen Hütte schlafen dürfen. Zehn Tage voller Stress und Arbeit. Aber in zehn Tagen beginnt unser neues Leben. Nie wieder aus diesen Fenstern schauen, nie wieder durch diese Räume gehen mit Wehmut, nie wieder die leeren Stellen an den Wänden betrachten wo einst Bilder hingen, nie wieder aufschrecken, wenn man vermeintlich vertraute Geräusche irgendwo hört, nie wieder auf dieses verdammte Namensschild am Briefkasten starren, nie wieder daran denken müssen, wie man diesen und jenen Nagel in die Wand schlug. Nie wieder… Es tut gut, zu wissen, dass all das nun in zehn Tagen ein Ende findet.
Endlich hier raus, endlich keine unnötigen Erinnerungen mehr und endlich alles hinter uns lassen können. Der Keller ist bereits besenrein, eine Sorge weniger. Meine Bücher befinden sich nun auch schon in der neuen Wohnung und der Rest meines Hausstandes wird in den kommenden Tagen restlos verstaut. Am kommenden Wochenende misten Sohnemann und ich sein Spielzeug aus und verknoten den brauchbaren Rest ebenfalls in Kisten und Säcke. Schritt für Schritt nach vorne, kein Zurück mehr.
Am frühen Nachmittag nehmen wir dann heute einen Termin beim Kieferorthopäden wahr, denn Sohnemann bekommt am 18. September seine erste Zahnspange – vorbereitend auf die Brackets, die ihm zu einem ansehnlichen und wohlgeratenen Gebiss verhelfen sollen. Zwar ist der Fehlstand seiner Zähne nicht wirklich dramatisch, aber es spricht nichts gegen schöne und gerade Zähne, denken wir und in 3-4 Jahren ist die Behandlung abgeschlossen, wenn alles planmäßig verläuft und Sohnemann gewissenhaft den Behandlungsplan befolgt. Mit etwas Glück und der nötigen Geduld hat er dann mit etwa 15-16 Jahren wunderbare Zähne und kann die Mädchenwelt mit seinem Lächeln um den Verstand bringen.
Unglaublich… Ich habe seit vielen Monaten mal wieder durch geschlafen. Es ist gut ein halbes Jahr oder noch länger her, dass ich eine ganze Nacht bis zum Morgen komplett durch geschlafen habe. Tolle Sache an sich, aber kann das nicht mal passieren, wenn morgens der Wecker nicht klingelt? Völlig entgeistert habe ich vorhin auf den Wecker gestarrt und angestrengt überlegt, ob ich nachts wach war. Nein, war ich definitiv nicht. Sonst ja immer, mehrmals, fast stündlich und man gewöhnt sich leider daran. Nicht so diese Nacht. Wie ein Stein muss ich da gelegen haben. Ich gebe Euch dann Bescheid, wenn ich das nächste Mal irgendwann im Spätfrühling mal wieder so schön ruhig geschlafen habe. Aber dann kann ich während meiner unruhigen Nächte wenigstens in den Himmel glotzen und Sterne zählen, weil ich über meinem Bett dann zwei schicke Dachfenster habe. Ist doch auch was…
Heute nochmal eine komplette Schicht, weil Chef mit Kind und Kegel in Reutlingen auf Convention ist. Ich hoffe, dass sich wenigstens 25 Leute zum Piercen einfinden, damit sich der Tag lohnt. Danach heißt es nach Hause düsen, Handwerkerklamotten über den Arsch ziehen und Möbel abbauen. Morgen dann alles in die neue Wohnung fahren und dort gleich wieder aufbauen. Mal sehen wieviel wir schaffen. Wollen den Aufwand in 14 Tagen etwas minimieren, denn mit der Küche werden wir dann genug Arbeit haben. Geplant sind für dieses Wochenende die Betten von Sohnemann und mir, der Kleiderschrank und eventuell noch ein paar Kleinteile. Ob wir meinen Wohnzimmerschrank noch transportabel zerlegt kriegen bzw. in die neue Wohnung schleifen, weiß ich nicht, aber hoffen darf man ja. Und lustig wird’s allemal, denn wenn zwei Weiber mit Akkuschrauber und Handwerkszeug hantieren, gibt’s immer Verletzte, Schrammen im Holz oder aber jede Menge zu lachen.
Ich habe eeendlich meine Schlüssel und nun können wir unaufhaltsam in unser neues Leben starten. Wie versprochen, habe ich auch die ersten Bilder geschossen und darf Euch mein Schmuckstück präsentieren. Viel Spaß beim Stöbern. Weitere Bilder folgen in regelmäßigen Abständen, sofern Veränderungen vorgenommen wurden…
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„Jibt Dir dit Leben mal een Buff, denn weene keene Träne. Lach Dir’n Ast und setz Dir druff und boomle mit de Beene.“