Ich frage Euch…

29. September 2009

Eigentlich habe ich bereits entschieden, aber mich interessiert dennoch die Meinung von Außenstehenden. Wenn jemand versucht hat, eine Eurer Freundschaften zu zerstören, könntet Ihr das verzeihen/vergessen? Vor einigen Monaten habe ich diesen Artikel hier geschrieben. Meinerseits eine abgeschlossene Geschichte und unverzeihlich, aber wie sehen das andere Menschen? Alles genau zu schildern ist auf diesem Wege nur schwer möglich, aber die wichtigsten Eckdaten dieser Begebenheit habe ich in Form eines etwas eigenartigen Märchens wiedergegeben. Nun entscheidet, denn diese Person hat kürzlich den Kontakt zu mir gesucht, sich entschuldigt und Fehler eingestanden. Zwar zolle ich ihr großen Respekt, dass sie den Mut dafür aufgebracht hat, doch es wurde mehrfach Grenzen überschritten, die meines Erachtens unwiderruflich zum Bruch führten. Wie seht Ihr das?


Es kommt (fast) immer anders…

28. September 2009

Ursprünglich hatte ich keine konkreten Pläne für das vergangene Wochenende, aber es kam mal wieder ganz anders. Sohnemann hatte sein Papa-/Oma-Wochenende und ich hatte mich im Geiste auf zwei entspannende Tage eingerichtet. Der Freitagabend war schön ruhig und auch entspannend. Frau N. aus P. nickte erwartungsgemäß auf ihrem Sofa vor der laufenden Flimmerkiste ein, wachte mitten in der Nacht auf, machte dann die Nacht noch ein bisschen zum Tag und schlüpfte gegen 4.00 Uhr morgens aber dann doch nochmal unter ihre Bettdecke. Biorhythmus erfolgreich aus dem Gleichgewicht gebracht. Gegen 8.00 Uhr wieder raus aus den Federn – sehr spät für meine Verhältnisse.

Ich gurkte ein bisschen durch die Wohnung, las meine morgendliche Online-Zeitung und schlürfte gefühlte 64 Tassen Kaffee. Der Tag begann also genauso, wie ich es vorziehe. Ein paar Mails beantwortet, ein bisschen gesurft, ein wenig im Netz gestöbert, Geister der Vergangenheit geweckt. Letzteres eher aus Langeweile, die sich langsam breitmachte. Nix schlimmes, denn man hat ja seit einiger Zeit wieder losen Kontakt, was auf kleinere Problemchen an fremden Laptops zurückzuführen ist/war. Alles easy. Man traf sich auf eine Tasse Kaffee und ich richtete alles wieder, damit man wieder Mails abrufen könne. War nett und sogar lustig.

Am Vormittag dann war an anderer Stelle meine Hilfe benötigt und so huschte ich für einige Stunden aus der Wohnung. Dort ein bisschen Kaffee, ein bisschen Lachen und nebenbei auch dort am Laptop alles wieder geradebiegen. Ging ganz fix und die meiste Zeit konnte geplaudert werden. Nebenbei Millionen SMS tippern und am späten Nachmittag dann doch noch zu einem Filmabend überreden lassen. Zum Essen war ich dort auch gleich eingeladen und es schmeckte wirklich lecker. Man kann sagen, es gefiel mir dort, aber Details bleiben an dieser Stelle unter Verschluss.

Gestern schlurfte ich dann gegen Mittag wieder nach Hause und sah mich nicht nur aus dieser Richtung mit schwierigen Fragen konfrontiert, die mir einiges Kopfzerbrechen bereitet haben. Nach einigen Stunden Ursachenforschung denke ich, dass ich hoffentlich die richtige Entscheidung getroffen habe. Näheres, deutlicheres vielleicht zu einem passenderen Zeitpunkt. Man soll das Kind nicht mit dem Bade ausschütten, nicht wahr?! Heute morgen dann die zweite Überraschung. Eine alte Bekannte meldete sich nach Monaten der lang erkämpften Ruhe und wartet an dieser Stelle sicher auf eine Antwort von mir, aber ich brauche Zeit, um mir erstmal darüber klar zu werden, ob eine Antwort von mir überhaupt erfolgt. Ich habe dieses Thema längst zu den Akten gelegt und war ursprünglich fest entschlossen, keinen Blick zurück mehr zu tun. Warum zwingt man mich jetzt, das zu tun? Ich weiß nicht, was dieser neue Kontaktversuch bringen soll. Ich habe mir die Finger verbrannt und habe wirklich große Skrupel, auch nur in diese Richtung zu schauen, geschweige denn zu gehen. Ich fand die vorherrschende Ruhe gut und richtig. Das hier stört diese Ruhe und ich bin misstrauisch, was man bzw. frau damit bezweckt. Die “Überraschung” ist jedenfalls gelungen. Nur weiß ich nicht genau, ob ich mich jetzt freuen oder ärgern soll.

Ich weiß Leute, ich spreche mal wieder in Rätseln, aber ich kann und will an dieser Stelle nicht deutlicher werden, denn mein Blog wird mitunter auch von den Menschen gelesen, um die es hier ab und an geht. Da ich Euch aber an nahezu allem teilhaben lassen möchte, ist es notwendig, dass ich hin und wieder etwas zurückhaltender schreibe. Ich möchte hier niemanden durch ein Passwort aussperren müssen, also schreibe ich um manche Themen etwas aufwendig herum. Näheres kann man bei einer Tasse Kaffee erfahren und vielleicht auch irgendwann hier, aber jetzt muss ich das Ganze erstmal überdenken und sortieren. Nur soviel sei gesagt, es ist nichts schlimmes oder dramatisches. Es sind mal wieder alte Geister, die offenbar an mich denken, aber die ich schon vor geraumer Zeit schlafen gelegt habe. Mit einer Überdosis Valium sozusagen…


Auf Wiedersehen…

12. August 2009

Heute erreichte mich vollkommen unerwartet die Nachricht über den Tod eines ehemaligen Nachbarn. Ich bin bestürzt und angesichts dieses tragischen Ereignisses fehlen mir die Worte für das, was mir in diesen Stunden durch den Kopf geht.

Erinnerungen an meine Zeit in diesem Haus kommen hoch und ich dachte immer sehr gerne an meine Zeit dort. Vor fast genau 13 Jahren zogen wir mit unserem klitzekleinen Sohnemann in eine größere Wohnung. Dachgeschoss, helle Räume, Balkon und vor allem ein Kinderzimmer. Gleich nebenan wohnte ein älteres Ehepaar. Zwei stattliche und hochgewachsene Menschen, alle beide hatten schneeweißes Haar und sie waren es, die mir als erstes im Flur begegneten. Scott war gerade zwei Monate alt, als wir dort unser Heim einrichteten. Unsere erste Begegnung ließ gleich jedes Eis schmelzen, denn als ich mich mit Scotti im Arm die Stufen bis nach oben quälte, standen die Beiden da und strahlten mich an: “Aaaaach, eeendlich wieder Kinder im Haus. Das ist sooo schön und darüber freuen wir uns sooo sehr.”

Ich war etwas verdutzt, denn man hört derlei freudige Worte nicht oft, wenn es um oftmals schreiende und trotzende Kinder geht. Ich lächelte etwas zaghaft zurück und was in den folgenden fünf Jahren an Herzlichkeit aus der Nebenwohnung kam, war einfach unbeschreiblich. Meine liebenswerten Nachbarn vergaßen kein einziges Mal den Geburtstag meines Sohnes, ein Weihnachtsfest, den Kindertag oder Nikolausi. Immer, ja wirklich immer lag oder stand etwas Tolles auf unserem Schuhschrank. Wer jetzt glaubt, es handelte sich dabei um Kleinigkeiten, irrt gewaltig. Meine lieben Nachbarheinzelmännchen stürzten sich jedes Mal in unverschämt hohe Kosten, um meinem Sohn eine Freude zu machen. Und immer war das Geschenk in silbern glänzende Alufolie gepackt. Anfangs war ich darüber einigermaßen irritiert, aber wenn ich heute Geschenke in Alufolie sehe, denke ich jedes einzelne Mal an “meine Zänkers”.

Es dauerte nicht lange, bis mein Kater “Mephisto” das erste mal aus der Wohnung entwischte und auf direktem Weg rüber zu Zänkers rannte. Frau Zänker freute sich diebisch, denn sie mochte Haustiere sehr sehr gerne. Sie beruhigte mich, als ich meinen Kater gleich holen wollte: “Ach, das macht nichts. Lassen Sie ihn ruhig ein bisschen bei uns. Wir hatten früher einen Hund und seitdem dieser gestorben ist, vermissen wir das oft. Ich klingle nachher, wenn er zurück will.” Sprach’s und “behielt” meinen “Dicken”  für eine beachtliche Zeit. Kein Wunder, denn dort drüben durfte er nach Herzenslust in Pflanzen beißen, daran nagen und in den Blumentöpfen buddeln. Irgendwann klingelte es und Frau Zänker brachte mir mein Ungetüm zurück.

Nicht lange danach stand plötzlich eine große Pflanze im Hausflur und als ich wieder einmal die Treppen hochhechelte, strahlte mich die große Frau von nebenan wieder an und sagte: “Der Blumenstock ist für Mephisto. Den darf er ruhig aufessen, der steht extra für ihn hier, falls wir mal nicht zuhause sind.” Ich kicherte und fand das mehr als süß. Lächelnd schloss ich die Tür und so vergingen die Monate im neuen Zuhause. Scotti wurde zusehens mobiler und morgens klopfte er gerne mit den Fersen an die Wand, wenn er wach wurde. Mir war das peinlich, denn ich wollte niemanden stören oder für Unruhe im Haus sorgen. Aber meine Nachbarn waren regelrecht erfreut, wenn sie den kleinen Mann mal hörten.

Als er endlich laufen konnte, verbrachte nicht nur mehr Mephisto seine Zeit nebenan, sondern es kam immer häufiger vor, dass auch Scotti hinterher tippelte und auch zu den netten Nachbar wollte. Auch das war mir höchst unangenehm. Meine Nachbarn allerdings bettelten regelrecht darum, auf Scotti aufpassen zu dürfen und peinlich berührt willigte ich ein. Von Stund an klingelte Scott fast täglich dort drüben und “Tante Rosi und Onkel Harald” öffneten jedesmal freudestrahlend die Tür. Es wurde kurz rübergewinkt und dann schlossen sich die Wohnungstüren wieder. Es war goldig, das zu sehen, denn die Beiden genossen die Zeit mit Scotti sehr. Sie feierten mit ihm Fasching, malten ihn an, brachten ihm lustige Worte bei – Tante Rosi nannte ihren Harald oft im Scherz “Sausack”. Mehr muss ich nicht sagen.

Diese und noch viele andere Erinnerungen kommen heute wieder zum Vorschein. Als ich barfuß und im Badeanzug bei Rosi telefonieren musste, weil ich mich ausgesperrt hatte, als die Nachbarn ihr Bad komplett verschönern ließen und eine Woche meine Toilette benutzten, als mir Onkel Harald Schnäpschen einflößte und und und… Irgendwann tauschten wir auch die Wohnungsschlüssel. Die tollsten Nachbarn, die man sich wünschen kann und herzlich wie kaum jemand sonst. Eine schöne Zeit hatten wir dort, dank ihnen. Sie sahen Scotti laufen und sprechen lernen, die verfolgten seine Entwicklung mit großem Interesse und waren immer liebevoll zu ihm und auch zu mir. Danke für alles und auf Wiedersehen, denn ich möchte im Nirvana gerne wieder neben Euch wohnen. Es war schön mit und bei Euch. Ich bin sehr traurig heute und ich werde heute Bilder von damals anschauen, weil mir danach ist.

Tante Rosi, sei tapfer und behalt’ den Mut. Es ist schwer, sehr schwer und alle, die Dich und Deinen Onkel Harald kennen, wissen, wie groß die Lücke ist, die er bei Dir und allen Menschen hinterlässt. Ich denke an Euch!!!

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Aufwärts…

11. Mai 2009

Die Bloggingfaulheit erreicht so langsam ihren Höhepunkt und da schon erste Beschwerden eingegangen sind, gibt’s heute endlich mal wieder etwas zum Lesen. Meine Woche verlief im Großen und Ganzen wirklich gut. Auto ist endlich in Behandlung und wird aller Wahrscheinlichkeit nach im Laufe der Woche wieder fahrbereit sein. Wenn ich großes Pech habe, erwartet mich allerdings schon die nächste Reparatur – Ölwanne. Aber daran möchte ich jetzt noch nicht denken. Beruflich habe ich nun erst mal andere Pläne geschmiedet und auch schon fleißig in diese Richtung agiert. Ab kommenden Monat packe ich auf meine bisherigen Kenntnisse noch einiges an Wissen drauf und mache eine fachspezifische Weiterbildung*, die dann bis Ende Januar andauert. Schaden wird’s mir nicht, da ja Lernen nie falsch ist und ob sich das erneute Drücken der Schulbank auszahlt, werden wir danach sehen. Selbst wenn nicht, dann habe ich zumindest meine Möglichkeiten ausgeschöpft.

Das Wochenende begann ja bei uns schon am Mittwochabend, was am Schicht- und Urlaubsplan anderer Leute lag. Der Donnerstag verlief dann im Grund recht gewöhnlich. Auto in eine andere Werkstatt bringen, bisschen dumm in der Gegend rumgucken und sonst nix Aufregendes. Freitag war eigentlich Grillen geplant, aber der Wetterbericht versprach nicht das entsprechende Wetter dazu, also planten wir um und erledigten Banalitäten, die nun mal notwendig sind. Am Samstag waren wir zum Geburtstag eingeladen. Die Tante eines nicht namentlich erwähnten Herrn feierte ganz groß ihren 50. Jahrestag und alles was laufen kann, war eingeladen. Aufgetafelt wurde im Handelshaus und ich war überrascht, wie schön es dort ist. Bis nachts wurde dort gefeiert und schön vollgefuttert liefen wir dann gemütlich nach Hause. Nein, nicht volltrunken, aber trotzdem gut gelaunt.

Gestern dann ließen wir das Wochenende auf dem Trödelmarkt im Stadtpark ausklingen und beendeten den Abend seit langem mal wieder mit einer Pizza, auf der extrem viel Knoblauch lauerte. Grinsend über den fürchterlichen “Duft” ließen wir uns das Schmankerl schmecken und verfolgten “Das Streben nach Glück”. Guter Film, bedrückend, aufrüttelnd, nachdenklich stimmend und beispielhaft. Nicht unbedingt nachahmenswert, denn existenziell bedrohliche Lebensumstände hatte ich bereits mehrfach, wenn auch nicht in diesem Maße, aber so manches Mal knapp davor. Schöner Film, der zwingend ein Happy End hatte, sonst wäre jeder Zuschauer deprimiert und absolut demotiviert. Macht Mut und spornt an, denn Ehrgeiz und Zielstrebigkeit sind die Motive für diesen Film. Eine hauchdünne Scheibe von all dem könnte man sich dann doch hin und wieder abschneiden, Bildung schadet nicht. Hab’ ich sowas heute nicht schon mal geschrieben?

* Sofern Euch das entsprechende PDF-Plugin für den Browser fehlt, könnt Ihr das Dokument auch per Rechtsklick + “Ziel speichern unter…” abspeichern und dann ganz normal mit Adobe Acrobat Reader anschauen. Bei Fragen oder Problemen könnt Ihr Euch gerne bei mir melden.


Orgelpfeifen und Duplofinger…

19. April 2009

SNV30915 SNV30911 SNV30912 SNV30914

Meine Amaryllis thront in voller Pracht an ihrem Fensterplatz und aus dem Avocadoexperiment scheint ein wahres Wunderwerk zu werden. Sage und schreibe fünf Sprösslinge schieben sich dem Tageslicht entgegen und ich komme aus dem Staunen nicht heraus. Unter dem alten Senfglas, das als Miniaturgewächshaus fungiert, wächst und gedeiht dieser Kern besser als ich zu hoffen gewagt habe. Ich habe für Euch bewusst das Datum auf den Bildern belassen, damit Ihr sehen könnt, welche Fortschritte dieses Pflänzchen seit der ersten Regung macht. Zwar dauerte es eine kleine Ewigkeit, bis man überhaupt etwas verzeichnen konnte, aber nun wächst mein Sprössling in bemerkenswerter Geschwindigkeit.

Den gestrigen Abend habe ich meinem Sohn zuliebe hier bei ihm verbracht, denn die Tränenströme wollten nicht ohne weiteres versiegen. Stundenlang lag er traurig und deprimiert in seinem Bett. Er ist mit zunehmendem Alter eigentlich recht hart im Nehmen geworden, aber gestern verlor mein Kindchen dann doch die Fassung. Wie gerne hätte er den Samstag noch einmal im Kreise seiner Freunde verbracht, doch das war rein organisatorisch einfach nicht machbar, was ihm schwerer als erwartet zusetzte. Weder leckere Köstlichkeiten aus dem heimischen Vorratsschrank noch die schrägsten Dicht- und Bespaßungskünste seiner alten Frau Mama zeigten Wirkung und wenn ihm dann doch mal ein Kichern entfleuchte, ermahnte er mich, dass er jetzt nicht in der Stimmung zum Lachen sei.

Mir brach das Mutterherz und ich beschloss endgültig, hier bei ihm zuhause zu bleiben. Den ganzen Tag hatte ich schon überlegt, ob ich nun zum “Resteficken” gehe, aber es hätte mir wohl wenig Vergnügen bereitet, meinen Sohn allein und tieftraurig hier in seinem Zimmer zu wissen. Also ließ ich uns ein schönes Schaumbad ein, weil Sohnemann das über alle Maßen liebt und wir führten nach langer Zeit mal wieder unsere intimen Männergespräche unterm Badeschaum. Er liebte diese banale Zeremonie schon als kleiner Steppke und er mag es noch heute. Ihm ging es danach besser und ich fühlte mich angesichts seiner wieder lächelnden Augen auch sehr erleichtert. In unsere Schlafanzüge gekuschelt und schön gemütlich auf dem Sofa sitzend bzw. eher halb liegend, verfolgten wir noch ein bisschen das Abendprogramm und schlichen gegen Mitternacht mit noch immer anhaltenden “Duplofingern”* in unsere Betten.

Es gibt durchaus noch weitere Kuriositäten zu berichten, die Euch ganz sicher in höchstes Erstaunen versetzen würden, aber davon berichte ich Euch an anderer Stelle. Unerwartete Geständnisse bringen mich gewissermaßen etwas aus dem Gleichgewicht und ich brauche sehr viel Zeit, um Klarheit zu erlangen. Eine schlaflose Nacht hat mich das bereits gekostet und ich befürchte, dass noch weitere folgen werden. Fakt ist, dass das alles unvorhergesehen passiert ist und passiert ist im eigentlichen Sinne noch gar nichts. Gebrannte Kinder scheuen das Feuer, vor allem aber, wenn sie dem Pyromanen ein zweites oder gar drittes Mal begegnen. Ich bin auf der Hut, befinde mich in der absoluten Defensive und dort bleibe ich in naher Zukunft auch. Nein, ich möchte mir nicht mehr den Kopf über das Tun und Handeln anderer Menschen zerbrechen. Ich will das nicht mehr. Der Übeltäter steht vor einem fast unlösbaren Problem – meinem Misstrauen und meiner fast unbezwingbaren Skepsis. Ich kann derzeit nicht abschätzen, ob er diesen beiden Gegnern auch nur ansatzweise gewachsen ist.

* “Duplofinger” nennt man die Gliedmaßen der Hand, die nach zu langem Baden ihre Oberflächeneigenschaften verändern. Die schrumpelige Haut der Finger erinnert an die längste Praline der Welt bzw. deren Oberflächenstruktur und das Wort “Duplofinger” wurde vor vielen Jahren von meinem Sohnemann erfunden.


Ein kurzer Blick zurück…

7. April 2009

Es ist gegenwärtig unmöglich, all die Schatten der Vergangenheit abzuschütteln, die wie Gespenster unsere Gedanken an Ort und Stelle binden, und doch ist es unumgänglich, uns von ihnen zu befreien, wollen wir erleichtert und mit klaren Blicken weit hinaus in die Zukunft sehen.
© Bülent Kacan, (*1975), Student der Linguistik und Literaturwissenschaft, Lyriker, Aphoristiker und Autor

Weder die Zukunft noch die Gegenwart quält uns. Es ist die Vergangenheit, von der wir uns lösen müssen, um den Qualen zu entgehen.
© Benjamin Stramke, (*1984)

Wenn heute ein Prinz daher geritten käme und mich erretten wollte, müsste er im Mindesten mit Ross und Wagen vorfahren, um all mein altes Gepäck aufladen zu können.
© Margot S. Baumann, (*1964), Schweizer Lyrikerin und Aphoristikerin

Allmählich haben wir unsere Vergangenheit bewältigt, immer öfter macht sie nun brav Männchen und bettelt um Happen vom Tisch unserer zurückeroberten Unschuld.
© Nikolaus Cybinski, (*1936), deutscher Lehrer und Aphoristiker
Quelle : »Der Rest im Risiko«, Verlag Waldemar Lutz, Lörrach

Der Schüler ging zum Meister und fragte ihn: "Wie kann ich mich von dem, was mich an die Vergangenheit heftet, lösen?" Da stand der Meister auf, ging zu einem Baumstumpf und umklammerte ihn und jammerte: "Was kann ich tun, damit dieser Baum mich loslässt?"
Aus dem Zen-Buddhismus
Quelle : Das Zen entstand im 6./7. Jahrhundert in China aus Meditationsbuddhismus und Taoismus

Wenn über eine dumme Sache endlich Gras gewachsen ist,
kommt sicher ein Kamel gelaufen, das alles wieder runterfrisst.
Wilhelm Busch, (1832 – 1908), deutscher Zeichner, Maler und Schriftsteller

Einen alten Dreck sollte man nicht aufrühren, sonst stinkt er.
Aus der Schweiz

Auf Dinge, die nicht mehr zu ändern sind, muss auch kein Blick zurück mehr fallen! Was getan ist, ist getan und bleibt’s.
William Shakespeare, (1564 – 1616), englischer Dichter, Dramatiker, Schauspieler und Theaterleiter

Ist eine Sache geschehen, dann rede nicht mehr darüber; es ist schwer, verschüttetes Wasser wieder einzusammeln.
Aus China

Hake jeden Tag ab und betrachte ihn als erledigt. Du hast dein Bestes getan. Irrtümer und Fehler sind immer möglich. Vergiss sie so schnell wie möglich.
Ralph Waldo Emerson, (1803 – 1882), US-amerikanischer Geistlicher, Lehrer, Philosoph und Essayist


Schau’n wir mal…

21. März 2009

Mal angenommen, man müsste mich mit einem einzigen Wort beschreiben. Welches Wort stünde für Frau N. aus P.? Kam mir grad beim Stöbern im Netz so in den Sinn und ich reiche diese Frage an meine Leser weiter. Ich bin sehr gespannt auf Eure (hoffentlich zahlreichen) Kommentare. Ich bin auf sämtliche Gemeinheiten, schonungslose Wahrheiten oder auch Bauchpinseleien vorbereitet, aber ich warne jeden Kommentator: Ich weiß, wo Euer Haus wohnt!

charakter


Freitag, der 13. …

13. März 2009

Da wachste morgens auf und in Deinem Kopf spucken schon wieder irgendwelche Gesichter von irgendwelchen Menschen herum, die Du schon vor langer Zeit in die ewige Verdammnis verbannt hast. Du wischst diese Gesichter energisch weg und stehst schon leicht gereizt auf, weil Du es hasst, wenn ein Tag mit solchen Fratzen beginnt. Dir huscht aber dann doch ein gehässiges Grinsen übers Gesicht, weil diesem Antlitz  entscheidende Attribute fehlen, die es unverwechselbar machen. In Deinen Gedanken gibt es diese Attribute nicht. Gut so, denn dieser Mensch ist für Dich schon sehr lange nichts besonderes mehr. Dann öffnest Du die Schlafzimmertür und kämpfst mit Fräulein Katze, die den Weg zur Küche nicht freigibt, weil sie sofort jetzt gleich auf der Stelle ihre Streicheleinheiten einfordert, ohne warten zu wollen, dass Du wenigstens mal das Licht angeknipst hast. Leise fluchst Du und verscheuchst das drängelnde Tierchen erstmal schimpfend.

Du aktivierst die 4×60-Watt-Beleuchtung Deiner Küche und erblindest just in diesem Augenblick. Du schlägst die Hände vors Gesicht und läufst instinktiv weiter bis zur Kaffeemaschine, denn Du kennst den Weg genau. Langsam musst Du die Finger spreizen, damit sich Deine verschlafenen Augen an die Helligkeit gewöhnen und dann füllst Du eilig die Kaffeemaschine, denn Tage wie dieser dürfen nicht ohne einen ordentlichen Schluck Koffein beginnen, sonst enden sie so, wie sie begonnen haben – mit Groll im Bauch. Nein, nicht weil heute Freitag der 13. ist, denn die 13 ist meine Zahl, meine ganz persönliche Glückzahl. Viele guten Dinge aus meinem Leben und so manche schicksalhafte Begebenheit stehen mit der 13 in Verbindung und ich habe schon vor Jahren meinen Frieden mit dieser Zahl gemacht, denn sie suchte mich immer wieder heim. Wir sind Freunde geworden und inzwischen gehört sie zu meinem Leben, also macht mir der 13. – ganz egal, ob nun Freitag oder Mittwoch oder sonstwas für’n Tag – keinerlei Angst mehr. Nein, im Gegenteil…

Es ist nun auch schon wieder eine ganze Woche her, dass er nicht mehr bei uns ist. Manchmal drängt sich der Verlust in den Vordergrund, manchmal bekommt man wieder diese Wut über das Verhalten des Menschen, der das alles verschuldet hat und manchmal wünscht man sich einfach, dass man die Zeit zurückdrehen könnte, denn dann hätte keiner von uns zugelassen, dass so etwas jemals passiert. Leider sind wir alle dagegen machtlos und können nur akzeptieren, was geschehen ist. Es fällt mir schwer, immer noch. Jeden Tag. Es gelingt mir noch nicht so recht, zu realisieren, dass er nicht mehr zur Tür rein getobt kommt und einen mit seiner unwiderstehlichen Art begrüßt. Masochistisch, wie man in solchen Momenten veranlagt ist, habe ich mir einige der damaligen Beiträge durchgelesen, als der kleine Herr L. aus P. hier eine Woche alles im Chaos versinken ließ und ich gäbe ein Königreich dafür, wenn ich etwas an seinem Schicksal hätte ändern können. Ach was, ein Königreich… Die Welt würde ich geben…

Es gibt viel zu tun heute, ich muss mich aufraffen. Ich wünsche allen Lesern ein schönes Wochenende und Entspannung. Ich werde morgen ein bisschen unter Menschen gehen und mich mal wieder amüsieren. Habe ich gestern schon und es tat gut. Ein bisschen Ablenkung von alldem und das Lachen nicht verlernen. Verlernt haben wir es nicht, aber es fällt ein bisschen schwer im Moment, zumindest manchmal. Morgen lassen wir das alles mal ein paar Stunden hinter uns und ich bin gespannt, was ich Euch (spätestens) am Montag zu berichten habe. Unverhofft kommt ja oft…


Wir haben den Kampf verloren…

7. März 2009

Frosch


Geschützt: Unfassbar…

6. März 2009

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Ich brauch’ ein bisschen Zeit…

22. Februar 2009

pause


Geschützt: Ohne ein Wort…

22. Februar 2009

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Geschützt: Manchmal weint man nicht…

21. Februar 2009

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Ähm, nur mal so…

18. Februar 2009

nutella

Gut, geklaut hab’ ich es nicht, aber ich habe gerade eins gegessen und wusste gar nicht mehr, wie gut das schmeckt. Heute bin mal zuhause geblieben, weil ich gestern erst spät ins Bett kriechen konnte. Gute Gespräche bei Frau M., Kurzweil mit Frau W. und zu vorgerückter Stunde sogar noch lecker Pizza bei einem guten Freund waren daran “schuld”. Herr S. aus P. lag längst im Bett als ich endlich nach Hause kam. Plauen und Umgebung sind dick eingeschneit und ich habe mir heute Zeit genommen und mal nur an mich gedacht. Habe über die eine oder andere Sache mehr oder minder intensiv nachgedacht und für mich festgestellt, dass nichts ohne Grund passiert. Manches ist lehrreich, manches unnötig und manches muss ganz einfach geschehen, damit man darüber nachdenkt und daraus lernt.

Eines dieser Dinge erregte die Sorge meiner Leser vor ein paar Tagen und hierzu kann ich bilanzierend nur noch sagen, dass manche Menschen besser großen Abstand voneinander nehmen. Was im Anschluss vergleichsweise banaler Dinge an Äußerungen folgte – die einem zwangsläufig zu Ohren kommen – grenzt an Unverschämtheit und entspricht einfach nicht den Tatsachen, denn hier wurden wesentliche Details einfach weggelassen oder irrwitzige Behauptungen aufgestellt, die ich so im Raum stehen lassen werde, da es unter meinem Niveau ist, auf derlei “Furz” noch weiter einzugehen. Gute Besserung!!! Sie sollten den Arzt wechseln!!! Ich werde nicht ins gleiche Horn stoßen und Rechnungen aufstellen, denn das ist unter meiner Würde. Dass das den Gepflogenheiten dieser Person entspricht, ist mir nicht neu, denn es ist nicht das erste Mal und ganz sicher auch nicht das letzte Mal, aber was mich betrifft, wird es kein nächstes Mal geben, denn entweder bin ich gerne für jemanden da oder ich lasse es. Ich werde mich auf keinen Fall mehr mit den Problemchen befassen, die für Menschen meines Alters einfach nur unnötig sind.

Der Schnee draußen sieht wunderbar weich aus und ich werde mich nachher mit einer guten CD ins Badezimmer verdrücken und mir ein wohltuendes Bad gönnen. Heute Abend lese ich endlich mein Buch weiter, dass seit Tagen unberührt auf dem Nachtschrank liegt und hoffe, dass ich diese Lektüre heute beenden kann. Herr S. aus P. hat Spätschicht und wird nachts sicher eiskalt unter die Decke kriechen und mit seinen eisigen Fingern Frostbeulen verursachen. Derzeit gestaltet es sich etwas schwierig, bei offenem Fenster zu schlafen, denn da mein Bett genau drunter steht, weht immer wieder Schnee durch die geöffneten Dachfenster und ladet in unseren Gesichtern und auf den Kissen. Man hört die Flocken sogar leise auf den Stoff der Bettwäsche rascheln – unglaublich. Der angenehme Nebeneffekt ist, dass der Schnee die Fenster so abdeckt, dass die aufgehende Sonne bzw. das Tageslicht gedämpft im Zimmer ankommt, was ich im Schlafzimmer als angenehm empfinde.

Morgen dann stehen wieder ein paar Erledigungen an und anschließend lasse ich meine Haare etwas gesundschnippeln, was mal wieder nötig ist. Die Gute will mir dann auch zeigen, wie man mit vier (!!!) Strähnen einen Zopf flechten kann, denn das ist mir vollkommen neu gewesen. Ich habe einen solchen Zopf auch noch nie gesehen und bin sehr gespannt. Probiert habe ich noch nie, ob das Flechten mit mehr als drei Strähnen möglich ist und ich werde mich morgen überraschen lassen. Nach eventuellen Schnappschüssen muss nicht erst gefragt werden. Ich seh’ von vorne schon dämlich aus und von hinten erst recht. Sohnemann ist nach wie vor in Mechel und scheint sich dort pudelwohl zu fühlen, was kein Wunder ist, da ich hier in der Ost nicht mit zwei Kumpels aufwarten kann, die Tag und Nacht bei uns sein dürfen können. Ich wäre nach kürzester Zeit reif für die Jacke, wo der Reißverschluss hinten ist. Dafür bewundere ich die Mutter der beiden Rabauken und für ihre scheinbar unendliche Geduld. Respekt…!!!


Gedankensprünge…

14. Februar 2009

Wunderbar – die erste Tasse Kaffee des Tages.

Unglaublich – der Schrott, mit dem Deutschland in den internationalen Vergleich zum Grand Prix zu starten bereit war.

Allerhand – was sich der Kommentator für Baden-Württemberg bei der Punktevergabe mit seiner Kollegin erlaubte.

Herrlich – die Ruhe, die im Augenblick noch über der Stadt liegt.

Schade – dass ich mich gestern über jemanden sehr geärgert habe.

Gut – dass man deshalb immer wieder neu zum Denken angeregt wird.

Unentschlossen – welche Konsequenz ich für mich daraus ziehen werde.

Nervig – dass wir heute noch einkaufen müssen.

Fraglich – wann Sohnemann sich aus Mechel zurückmeldet.

Fürsorglich – wie ich heute Nacht zugedeckt wurde, weil ich wohl sonst im Bett erfroren wäre.

Überflüssig – der heutige Valentinstag.


Alles wird gut…

8. Februar 2009

Manchmal wendet sich das Blatt ganz unerwartet, wenn man nicht mehr damit rechnet. Dafür bin ich gerade sehr dankbar und verabschiede mich erstmal für einige Tage, denn meine alten Nerven brauchen etwas Erholung. Von solchen Berg- und Talfahrten wird der alten Frau ganz schlimm schlecht. Euch fallen gerade die Augen raus? Mir auch, aber vor Erschöpfung, denn all das hat mich unverhältnismäßig viel Kraft gekostet, aber wenn man etwas will und rechtzeitig aufwacht und kämpft oder sich einfach nur offenbart, dann kann man vieles ertragen, was allein nur schwer zu bewältigen ist. In diesem Sinne wünsche ich all meinen treuen Lesern und virtuellen Weggefährten eine gute Nacht und bedanke mich für den Zuspruch, den Ihr mir entgegen gebracht habt.

Und mein persönlicher Übeltäter ist bis zur nächsten Klatsche rehabilitiert. Sage ich jetzt mal ganz optimistisch… ;-)

Gute Nacht und bis ganz bald…!!!


Reden ist Silber, Schweigen ist Blech…

8. Februar 2009

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Genauso wenig wie manches Gerede nicht den besten Eindruck
hinterlässt, ist nicht immer das Schweigen der beste Verbündete.
 

Wer schweigt, gibt damit keineswegs unter allen Umständen etwas zu;
sicher ist nur, dass er nichts bestreitet.

Schweigen ist das wirkungsvollste und infamste aller Gifte.

Das Wort ist ein Schwert,
aber Schweigen kann noch viel mehr Unheil anrichten.

Zu viel und zu wenig Verschwiegenheit in den eigenen Angelegenheiten –
beides verrät gleicherweise eine schwache Seele.

Es genügt nicht, nichts zu sagen,
denn das versteht kein Mensch.

Oft ist Schweigen der leichteste und gleichzeitig der feigste Ausweg.

Schweigen ist der sicherste Wege für den,
der sich selbst nicht traut.

Schweigen kann die grausamste Lüge sein.

Vor dem Jähzornigen halte dich etwas zurück,
vor dem, der gar nichts sagt, völlig.


Geschützt: Sag’ es laut…

7. Januar 2009

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Auf ins Neue Jahr…

4. Januar 2009

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Endlich geht’s hier weiter. Nach zahlreichen Beschwerden möchte ich Euch nun nicht länger auf dem Trockenen sitzen lassen und berichte von den Feiertagen, dem Jahreswechsel und den ersten Tagen des niegelnagelneuen Jahres. Wie Ihr bereits wisst, habe ich in diesem Jahr mit allen Traditionen gebrochen und im Kreise einiger Freunde Weihnachten bzw. den Heiligabend zelebriert. Ich muss sagen, dass dieser Abend sehr viel gelöster und erfüllender war, als all jene Familienabende zur Weihnachtszeit. Es war durchaus besinnlich, aber so völlig anders und es hat mir gefallen, sehr gefallen…

Am ersten Feiertag dann „plante“ ich einen ruhigen Tag, aber es kam wieder mal ganz anders. In bequeme Kleidung gehüllt liebäugelte ich mit meiner Couch, der Weihnachtsstress lag bereits hinter mir. Einer meiner Gäste vom Vorabend – nennen wir ihn in Zukunft einfach Herr S. aus P. – lud mich ganz spontan auf ein Getränk meiner Wahl in einer Lokalität meiner Wahl ein und ich verabschiedete mich in Gedanken etwas schwerfällig von meinem Couchabend. Also schwang sich Frau N. aus P. dann doch in ihre Badewanne und brachte ihren Allgemeinzustand in ein salonfähiges Format. Kurz vorm Verlassen meiner Wohnung klingelte noch eine Freundin an, die an Langeweile zu Sterben drohte. Mein Samariter-Herz regte sich und ich beschloss kurzerhand über den Kopf meines „Einladers“, dass die junge Frau uns begleiten wird, den niemand sollte über Weihnachten zuhause allein versauern.

Nachdem ich mich nun endlich auf den Weg gemacht und meinen Begleiter über die kleine Planänderung informiert hatte, holten wir die junge Dame ab und begannen unseren weihnachtlichen Streifzug durch die Kneipen der Vogtlandmetropole. Der Abend begann mit einer netten Plauderei unter alten Bekannten und endete um einen weiteren Gast erweitert in einer recht unspektakulären Lokalität im Zentrum der Stadt. Nach einigen hochprozentigen Getränken wurde die Zunge von Frau N. aus P. genauso schwer, wie ihre Gliedmaßen und das werte Fräulein wurde kurzerhand über die Schulter geworfen und aus der Kneipe getragen. Jammernd vor Kälte und „ich-will-nach-Hause“ wurde sie ins Auto gesetzt und ordnungsgemäß zuhause ins Bett dirigiert. Dort wollte sie natürlich auch nicht so recht schlafen und nötigte ihren „Heim-Schlepper“ zu Dingen, die nur unter Alkoholeinfluss geschehen. An dieser Stelle folgen nun keine schmutzigen Details, denn ich bin mir sicher, dass Ihr auch ohne diese Details wisst, was passiert sein könnte. Das überlasse ich Eurer abgrundtief schmutzigen Phantasie.

Nun denn, am nächsten Tag bekam ich all meine Schandtaten mit einem herzhaften Lachen genauestens protokolliert und schämte mich auch ordnungsgemäß in Grund und Boden. Der junge Mann allerdings zeigte sich nicht im Mindesten schockiert und plante vorsichtig weitere Unternehmungen mit der Skandalnudel. Offenbar schreckte ihn das unorthodoxe Verhalten der Frau N. aus P. nicht wirklich ab. Man verbrachte also auch den folgenden Tag zusammen und den darauf folgenden auch und alle weiteren bis heute, so auch Silvester. Bevor ich jetzt hier einen überaus langweiligen Roman schreibe, was wir wo Silvester veranstaltet haben, beschränke ich mich auf die Feststellung, dass sich auf beiden Seiten im Verlauf dieser wenigen Tage klitzekleine Schmetterlinge in allen Ecken der beiden Mägen eingenistet haben und die Wahrscheinlichkeit steigt, dass dieser Herr S. aus P. hier im Laufe des angebrochenen Jahres auftaucht.

Ein recht oberflächlicher Beitrag hier, das gebe ich zu, aber die letzten Tage waren ruhig, sehr schön und alles andere als nyiriüblich, denn ich habe diese wohltuende Ruhe des Herrn S. wirklich sehr genossen und auf mich wirken lassen. Dieser Mensch trägt diese Ruhe in sich, die mir irgendwie so fremd ist, die in mir aber Wohlbefinden verursacht und genau das ist eine jener „Gewürzmischungen“, die mich fesseln und die ich so überaus anziehend finde. Wir werden also abwarten und sehen, wohin das führt und Ihr werdet zumindest oberflächlich daran teilhaben dürfen, denn das Neue Jahr beginnt besser als erwartet, spannender als geplant und aufregender als vorhersehbar. Es flattert und herzelt im Gebälk und es fühlt sich verdammt gut an, Leute…


„Ja, es gibt ihn…“

24. Dezember 2008

Im Jahr 1897 wollte es die achtjährige Virginia O’Hanlon aus New York ganz genau wissen: Gibt es wirklich einen Weihnachtsmann? Darum schickte sie ihre Frage an die New Yorker Tageszeitung „Sun“.

Die Sache war dem Chefredakteur der „Sun“ so wichtig, dass er einen erfahrenen Kolumnisten, Francis P. Church, beauftragte, eine Antwort zu entwerfen – für die Titelseite. Mehr als ein halbes Jahrhundert druckte die Zeitung den Briefwechsel, bis zur Einstellung des Blattes im Jahr 1950.

Hier dürft Ihr nun diese bezaubernde Antwort lesen, die seit 1977 nun alljährlich zur Weihnachtszeit in der „Welt am Sonntag“ erscheint.

„Ich bin acht Jahre alt. Einige meiner Freunde sagen, es gibt keinen Weihnachtsmann. Papa sagt, was in der ,Sun’ steht, ist immer wahr. Bitte sagen Sie mir: Gibt es einen Weihnachtsmann?“

„Virginia, Deine kleinen Freunde haben nicht recht. Sie sind angekränkelt vom Skeptizismus eines skeptischen Zeitalters. Sie glauben nur, was sie sehen: Sie glauben, dass es nicht geben kann, was sie mit ihrem kleinen Geist nicht erfassen können. Aller Menschengeist ist klein, Virginia, ob er nun einem Erwachsenen oder einem Kind gehört.

Im Weltall verliert er sich wie ein winziges Insekt. Solcher Ameisenverstand reicht nicht aus, die ganze Wahrheit zu erfassen und zu begreifen.

Ja, Virginia, es gibt einen Weihnachtsmann.

Es gibt ihn so gewiss wie die Liebe und die Großherzigkeit und die Treue. Und du weißt ja, dass es all das gibt, und deshalb kann unser Leben schön und heiter sein. Wie dunkel wäre die Welt, wenn es keinen Weihnachtsmann gäbe! Sie wäre so dunkel, als gäbe es keine Virginia. Es gäbe keinen Glauben, keine Poesie – gar nichts, was das Leben erst erträglich machte. Ein Flackerrest an sichtbarem Schönen bliebe übrig. Aber das ewige Licht der Kindheit, das die Welt erfüllt, müsste verlöschen.

Es gibt einen Weihnachtsmann, sonst könntest Du auch den Märchen nicht glauben.

Gewiss, Du könntest Deinen Papa bitten, er solle an Heiligabend Leute ausschicken, den Weihnachtsmann zu fangen. Und keiner von ihnen bekäme den Weihnachtsmann zu Gesicht – was würde das beweisen?

Kein Mensch sieht ihn einfach so. Das beweist gar nichts. Die wichtigsten Dinge bleiben meistens Kindern und Erwachsenen unsichtbar. Die Elfen zum Beispiel, wenn sie auf Mondwiesen tanzen. Trotzdem gibt es sie. All die Wunder zu denken – geschweige denn sie zu sehen -, das vermag nicht der Klügste auf der Welt.

Was Du auch siehst, Du siehst nie alles. Du kannst ein Kaleidoskop aufbrechen und nach den schönen Farbfiguren suchen. Du wirst einige bunte Scherben finden, nichts weiter. Warum? Weil es einen Schleier gibt, der die wahre Welt verhüllt, einen Schleier, den nicht einmal die größte Gewalt auf der Welt zerreißen kann.

Nur Glaube und Poesie und Liebe können ihn lüften. Dann werden die Schönheit und Herrlichkeit dahinter auf einmal zu erkennen sein. ,Ist das denn auch wahr?’ kannst Du fragen. Virginia, nichts auf der ganzen Welt ist wahrer, und nichts ist beständiger.

Der Weihnachtsmann lebt, und ewig wird er leben. Sogar in zehn mal zehntausend Jahren wird er da sein, um Kinder wie Dich und jedes offene Herz mit Freude zu erfüllen.

Frohe Weihnacht, Virginia! Dein Francis Church“

(Quelle: Bild)

Als Erwachsener verliert man im Laufe der Jahre den Glauben an diesen dickbäuchigen, bärtigen Rotrock, aber dafür lernt man im Laufe seines Lebens viele andere Weihnachtsmänner und auch -frauen kennen. Manchmal verstecken sie sich, aber manchmal leben sie Tür an Tür mit Dir und bringen genauso viel Glück und Freude in Dein Haus, wie diese alte Mann mit dem roten Mantel und dem weißen Bart. Frohe Weihnachten, Leute…


Danke…

20. Dezember 2008

Das vergangene Jahr brachte so einiges an Veränderungen mit sich und nicht alles war ausschließlich niederschmetternd. Mit gesundem Abstand betrachtet, kann ich nunmehr sagen, dass ich jede einzelne Erfahrung inzwischen als Lehrstunde betrachten kann und nicht mehr in Gut oder Schlecht unterteilen muss. Alles hatte seinen Sinn und ich habe wieder viel gelernt. Manches muss ich so kein zweites Mal haben, anderes wiederum lenkt meine Wege in vollkommen neue Richtungen und zeigte mir unerwartete Perspektiven, führte mich zu Menschen, die ich teilweise verkannte und zeigte mir überdies, wer wirklich authentisch ist. Ich schließe nicht aus, dass mir auch im kommenden Jahr Fehler unterlaufen, dass ich Menschen oder Situationen falsch einschätze oder aber nicht weitere gute oder schmerzhafte Erfahrungen machen werde. Aber ich kann rückblickend sagen, dass nichts ohne Grund geschah, dass alles der Erfahrung diente und ich gelobe auch weiterhin, zu lernen, zu begreifen und zu reifen. Ich gelobe desweiteren, auch in Zukunft meinen Humor nicht verlieren, noch mehr Nachsicht zu üben, geduldiger zu werden und noch toleranter zu sein.

Ziel ist es, im hohen Alter nichts bereuen zu müssen, den Großteil meines Tuns als richtig und gesund zu empfinden und auf ein erfülltes und interessantes Leben zurückschauen zu können, in dessen Verlauf mir viele interessante Menschen begegnet sind, die mich bis ans Ende begleitet haben. Manchen halte ich die Treue, anderen gehe ich früher oder später aus vielerlei Gründen aus dem Weg. Aber jeder einzelne von ihnen hat mich zu dem gemacht, was ich bin und dafür gebührt auch dem unbequemsten Zeitgenossen Dank, denn sie haben mich geformt und reifen lassen – ob nun in positver oder negativer Hinsicht. Manche haben die Vorsicht in mir wieder geweckt, meine Augen und Sinne geschärft, andere wiederum reichten mir ihre Hand, standen mir bei oder erwiesen sich irgendwie sonst als Freunde. Manchmal traten Menschen aus der Masse hervor und gingen einen Schritt auf mich zu, was ich mit großem Erstaunen quittierte. Am Jahresende nun möchte ich mich bei einigen von diesen Menschen ganz explizit bedanken und allen anderen – ob nun Freund oder „Feind“ – wünsche ich besinnliche Feiertage, einen gesegneten Jahrwechsel und alles Gute für ihren weiteren Weg. Ich habe mit jedem einzelnen meinen ganz persönlichen Frieden gemacht, mal mit Worten, mal in Gedanken, aber ich kann getrost sagen, dass ich mich im kommenden Jahr nicht mehr mit alten Zöpfen befassen werde, sondern ausschließlich die positiven Gedanken mit ins neue Jahr nehme.

Besonderer Dank geht daher an C., die mir wie niemand anderes Beistand und Hilfe geleistet hat und noch immer an meiner Seite ist. Danke, meine Kleene, ich habe Dich anfangs verkannt, aber ich bekam unerwartet die Möglichkeit hinter Deine Fassade zu blicken und ich bin stolz und glücklich, Dich in meiner Nähe zu wissen. Ich kann mit Dir lachen und weinen, kann auf Dich zählen, wenn es eng wird und Du bist mit Volldampf in mein Leben gestolpert, aber mit Dir kann ich all das tun, was das Leben lebenswert macht und mit Dir kann ich auch traurig und depremiert sein. Danke für alles und ich wünsche mir, dass Du mich auf meinem Weg noch lange begleitest. Du bist und bleibst meine Lieblingschaotin und führst die diesjährigen Charts an. Du rockst mein gestörtes Ego, weil Du auch so kaputt bist, aber gerade diese Gewürzmischung schmeckt mir und das muss unbedingt so bleiben.

Danke auch an S., die mir immer eine gute und loyale Kollegin und Weggefährtin war. Unsere Wege haben sich kürzlich zwar beruflicherseits getrennt, aber Du bist ein äußerst liebenswürdiger Mensch, der mir immer in Erinnerung bleiben wird. Ich wünsche Dir ganz persönlich alles Glück der Welt, ich wünsche Dir Menschen, die Dich lieben und achten und ich wünsche auch Deiner kleinen Motte alles Liebe. Wir haben zusammen gelacht und geweint, uns gegenseitig Halt gegeben und großzügig über die kleinen Schönheitsfehler des anderen hinwegsehen können, weil wir uns sehr mochten und schätzten. Bleib’ wie Du bist, denn das macht Dich aus und deshalb mag ich Dich so furchtbar gerne.

Danke an meine Mama, die mir in allergrößter Not immer ein Halt war. Danke für Deine Liebe und Dein Vertrauen in mich. Danke, dass ich eine so großartige Frau als meine Mutter habe und Danke, dass Du zu den wenigen Menschen gehörst, mit denen ich verwandt bin UND sie auch als Familie beschreibe. Du bist mein Anker in der Not und Du lässt mich nie vergessen, dass ich Dein Kind bin und bleibe, ganz egal wie alt ich auch sein werde. Es macht mich stolz, Dich als Mutter zu haben und ich sage auch in diesem Jahr wieder, dass ich die beste Mutter von allen habe. Bussi!!!

Danke an M., die mir vor einer kleinen Weile zufällig begegnet ist und mit der ich bis vor kurzem hin und wieder sporadisch plauderte, die mir aber in den letzten Wochen aus einer Perspektive begegnete, die mich vor Erstaunen sprachlos macht. Auch sie stand mir bei, richtete mich auf und stärkte mir wiederholt den Rücken. Sie half in einem Maße, welches ich niemals erwartet habe und sie ist mir eine gute Freundin geworden. Ich hoffe sehr, dass ich all das irgendwann zurückgeben kann und verspreche hiermit, dass ich ihr in guten oder schlechten Zeiten ebenso beistehen werde, wie sie mir, denn auch sie gehört zu den Menschen, die ich nicht gleich richtig eingeschätzt habe. Vielmehr sah ich nicht genau genug hin, aber das habe ich nachgeholt und ich bin glücklich über das, was mir entgegen gebracht wurde und noch immer wird.

Danke an J., die mich während der vergangenen zehn Jahre oft auffing, die mir half, wo sie konnte und die mir tage- und nächtelang eine beste Freundin war. Mittlerweile hat sie ihr Glück gefunden, worauf sie unmenschlich lange warten musste. Ich wünsche Dir alles Glück der Welt, viel Liebe und ewige Gesundheit. Wir hatten eine schöne und aufregende Zeit, in deren Verlauf es nichts zu bereuen gibt. Auch im Nachgang ist der bittere Beigeschmack verflogen und kann ohne Wehmut oder Groll dieses Kapitel schließen. Danke für die zehn Jahre an Deiner Seite und für alles andere…

Danke an die andere J., die vor nichtmal einer Woche die Größe bewies und alte Unstimmigkeiten einfach in die Tonne geklopft hat. Es ist immer wieder ein Freudenfest, zu sehen, wie sich Menschen weiterentwickeln und immer weiter reifen. Nach acht Jahren Ruhe und konsequent getrennten Wegen begegnen wir uns neu und erinnern und dennoch gemeinsam an die guten alten Zeiten. Auf ein Neues, meine Liebe. Lass es uns besser machen und anderswo neu anknüpfen. Man muss nicht alles gut finden, was ein anderer tut, aber man kann sich in Toleranz und Großmütigkeit üben und sich auf das Wesentliche beschränken. Du warst in meinen wichtigsten Lebensabschnitten meine Gefährtin und mit etwas Glück und einem feinfühligen Händchen kommen wir genau an diesem Punkt wieder an.

Danke auch an A., der mir nicht nur immer Chef war, sondern auch Kumpel. Auch unsere Wege trennen sich hier, was nichts schlechtes bedeuten muss. Manchmal muss man sich aus dem Weg gehen, um seine Lebensgrundsätze nicht mehr verletzen zu müssen. Ich betrachte die Zeit bei Dir als Erfahrung und gehe jetzt neue Wege. Den sprichwörtlichen Strich unter diesem Abschnitt habe ich gemacht und ich bedanke mich für die guten und auch schlechten Zeiten unter Deiner Hand. Es gibt so vieles, für das ich Dir ewig dankbar bin und nur das wird für mich im neuen Jahr und in ferner Zukunft von Belang sein und in Erinnerung bleiben. Alles weniger Gute lasse ich im alten Jahr und schließe auch dieses Buch.

Danke an all meine Umzugshelfer und an all meine Handwerksburschen, die mir tatkräftig beim Abschneiden alter Zöpfe behilflich waren. Ihr tragt allesamt das Herz am rechten Fleck und ich bin sehr sehr stolz, Euch in meinem Freundeskreis zu wissen. Manch einer wird diese Zeilen niemals lesen, aber ich hoffe, dass Euch meine Gedanken durch den vogtländischen Buschfunk dennoch erreichen. Danke an P., W., B., K., R. und alle, die ich jetzt im Eifer des Gefechts vergessen habe. Jeder einzelne von Euch hat großes geleistet und meinen Neustart überhaupt erst möglich gemacht. Ihr habt mein Zuhause und auch mein Leben bereichert und ich möchte jeden einzelnen von Euch auch weiterhin zu meinen Freunden zählen dürfen, denn die schlechtesten Momente der jüngsten Vergangenheit haben mir einmal mehr aufgezeigt, dass ich Menschen in meinem Umfeld habe, die ihr letztes Hemd gegeben haben, um mir ein Freund zu sein. Jungs, Ihr wart und seid Spitzenklasse und ich kann Euch nicht genug danken. Manche standen mit kräftigen Händen an meiner Seite, andere erwiesen sich auch aus der Ferne als Leidensgenossen, die man nicht missen möchte. Ein großartiges Match habt Ihr alle zusammen mit mir bestritten und das war ganz großes Tennis.

Danke

Ich diesem Sinne wünsche ich all diesen Leuten frohe Festtage, weiterhin genau diesen Zusammenhalt und immer den richtigen Menschen im Gefolge, denn nichts ist so wertvoll wie ein wahrer Freund, die Liebe und der Rückhalt einer Familie und der innere Friede mit sich und seinem Umfeld. Alles andere erledigt sich von selbst und ich werde mich auch weiterhin bemühen, mit dem zufrieden zu sein, was ich habe, weiter zu lernen und zu reifen und ich werde all die schlechten Gedanken des vergangenen Jahres im alten Jahr zurücklassen und versuchen, positiv zu denken und zu handeln. Abrechnung ist erfolgt, alles ist gesagt und nach mir die Sinnflut.

Lasst es im neuen Jahr rocken, ich mach’s auch!!!


Es ist an der Zeit…

17. Dezember 2008

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Das alte Jahr neigt sich dem Ende entgegen und so langsam wird es Zeit, sich für das kommende Jahr erstrebenswerte Ziele zu setzen. Bisher habe ich das tunlichst unterlassen, da man diese guten Vorsätze spätestens in der zweiten Januarwoche vergessen will oder schon vergessen hat. Der Mensch ist ja im Allgemeinen so gestrickt, dass er nur etwas ändert, wenn ihm das Wasser bis zum Halse steht und ich nehme mich davon nicht aus. Das vergangene Jahr jedoch hat mir dermaßen viele Veränderungen aufgezwungen, wovon ich einige hätte vermeiden können, wenn ich mich auf mein Gefühl und meine einstigen Prioritäten beschränkt hätte. Letztere warf ich leichtsinnig über Board im Vertrauen auf die Authentizität der Menschen, mit denen ich zu tun hatte. Mein Leichtsinn hatte zur Folge, dass noch mehr Unruhe in mein Leben kam und ich mich seither mindestens 14x pro Tag in den Arsch beiße, nicht meinem Riecher vertraut zu haben, denn so manches Mal stank es ganz gewaltig. Nun ja, wir sind lernfähig und nehmen uns für 2009 folgendes vor:

  • kein Umzug in jeglicher Form
  • berufliche Neuorientierung von Grund auf
  • gesündere und bewusstere Ernährung
  • keinerlei Kompromisse mehr auf privater Ebene
  • Besinnen auf alte Prioritäten
  • keine halben Sachen mehr
  • Auto endlich mal in eine Waschstraße stopfen
  • Auto von innen komplett grundreinigen
  • weniger rauchen
  • wenn überhaupt, dann maßvoller trinken
  • Wäsche immer gleich nach dem Trocknen zusammenlegen
  • letzte Schönheitsarbeiten zuhause verrichten
  • jeden Cent sparen, damit Urlaub machbar wird

Der wichtigste Vorsatz jedoch ist, dass ich Ruhe finden möchte – für meinen Sohn, für mich und für unser beider Leben.

Fortsetzung folgt…


Mein Wochenende…

16. Dezember 2008

So, mit ein bisschen Verspätung folgt nun der Bericht vom vergangenen Wochenende und dem gestrigen Montag. Am Freitag Abend tuckerte ich nun in Richtung S. zwischen P. und S., um dort gemeinsam mit Frau F. das gigantöse Weihnachtsgeschenk für deren Liebsten aufzubauen. Der Laptop von F. brauchte auch dringend eine Wurmkur, was ich gleich am Freitag in Angriff nahm. Also raffte ich nahezu meine komplette Technik hier zusammen und stopfte alles in meinen Mädchenchrysler. Da ich mir zum Fahren nur ein paar Gucklöcher in den Schnee geschaufelt hatte und guten Mutes war, dass der Rest der endlich eingetroffenen Schneemassen sich während der Fahrt verabschieden würde, war meine Sicht anfangs stark eingeschränkt. Nun war ich auch nicht gerade in salonfähiger Kleidung – also eher in Gemütlichhosen, Wuschelpulli und Zauselhaaren – und beeilte mich zugegebenermaßen, schleunigst in mein Auto zu kommen.

Es hatte herrlich geschneit, wurde ja auch Zeit. Mit eigenem Laptop, externer Festplatte, gefühlten 482.000 CDs und 15 km Kabelsalat im Gepäck verließ ich die Ost und schielte mehr schlecht als recht über den Schneeberg auf meiner Motorhaube. Wie Frauen nunmal so sind, spekulierte ich darauf, dass genau dieser Schneeberg sich durch den Fahrtwind und auch die entstehende Wärme unter der Motorhaube früher oder später verflüchtigen würde. Dass dies reine Spekulation war, bestätigte sich spätestens in Mehlteuer, denn dort stieg Frau N. aus P. dann entnervt aus ihrem Mädchenchrysler und wollte in der Parktasche einer Bushaltestelle im Dunkeln dann die restlichen Schneemassen entfernen. Natüüürlich kam ausgerecnet in diesem Moment der Bus und ich musste fluchtartig die Parktasche verlassen. Meckernd und keifend suchte ich die nächstbeste Einmündung, was aber im Dunkeln und mit geschwächten Linsen meist in letzter Sekunde erfolgt und bei verschneiten Straßen nicht ganz ungefährlich ist.

Irgendwo bei Drochaus schlenkerte ich dann nochmal zu den Parkflächen vor ein paar Glascontainern und vollendete meinen Versuch, die Sicht nach vorn durch die endgültige Entfernung der nunmehr wirklich störenden Schneehügel zu verbessern. Meine Theorie war nicht ganz aufgegangen, typisch Weiber. Abgekämpft und trotzdem schon wieder kichernd kam ich bei Frau F. an und schleppte meinen ganzen Plunder in deren Hütte. Ein bisschen schnattern, ein bisschen Kaffee, ein bisschen zuviele Zigaretten und ein paar Stunden später war die grobe Arbeit am fremden Laptop erledigt und den Feinschliff hob ich mir für Samstag/Sonntag auf. Mit der sprichwörtlichen Kehrschaufel am Arsch kroch ich auf die niegelnagelneue Couch und sah mit den beiden Dorfheinis noch ein bisschen fern. So ziemlich gegen Mitternacht übermannte Frau F. dann doch noch ein Hüngerchen und so gab es mitten in der Nacht noch Farfalle mit dieser amerikanischen Tomatentunke und fein gekrümeltem Käse. Nein, kein Parmesankäse, sollte das unklar sein.

Geschlafen war dann fix und nach einer angenehmen Dusche machte ich mich morgens dann über die Feinheiten der Neuinstallation. Die seltsame Kaffeemaschine der Frau F. verweigerte mir den morgens unabdingbaren Kaffee, aber da besagte Frau F. mich in der Küche rumoren hörte, war selbige schnell zur Stelle und löste mein fundamentales Problemchen und kurz danach plätscherte mein geliebter Morgenkaffee durch sämtliche Herzkammern. Am frühen Nachmittag ordnete ich für das verliebte Pärchen einen kulinarischen Abstecher ins naheliegende Umland an und verordnete angesichts der dortigen Schneepracht auch noch den Bau eines ansehnlichen Schneemannes. Die Beiden leisteten artig Folge und Frau N. aus P. verabschiedete sich für einige Stunden ins benachbarte Ausland, um dort feinste Tabakwaren zu erstehen. Auf dem Hinweg organisierte ich noch schnell die Festplatte für den Laptop von Frau Mama, der hier auf seine Reparatur wartete und gönnte mir ein kleines Akustikschmankerl von den „Korn“-Jungens, welches ich auch gleich in den Player meines Gefährts stopfte, wo den Lautstärkeknopf unaufhörlich drückte.

Fröhlich gröhlend und beschwingt setzte ich meine kleine Reise fort und kurz vor Einbruch der Dunkelheit traf ich wieder in der ländlichen Idylle des Plauener Umlandes ein. Herr H. aus M. brach am frühen Abend zu seiner anstehenden Weihnachtsfeier auf und wir Mädels konnten nun endlich mit dem Aufbau seines Geschenkes beginnen. Es versteht sich von selbst, dass Frau F. mich nicht informierte, welches Werkzeug ich eventuell noch mitbringen könnte, weil sie vergessen hatte, den Akku ihres Schraubers zu laden und nur einen ausgeleierten Bit besaß. Also packten wir erstmal die 248 Kartons mit den darin befindlichen 7329 Beutelchen voller Schrauben und Unterlegscheiben aus. Mir kamen beim Anblick dieser Einzelteile fast die Tränen, ich schwör’s Euch. Die folgenden 4-5 Stunden verbrachten wir nun mit Lesen der Montageanleitung und dem Aufbau. Irgendwie blieben natürlich jede Menge Schrauben übrig, aber das Teil stand wie eine deutsche Eiche und wir vergnügten und mit der ersten Inbetriebnahme. Genaueres darf ich an dieser Stelle leider nicht verraten, da Herr H. aus M. ja auch gerne hier stöbert.

Am Sonntag Mittag dann trat ich die Heimreise an und stürzte mich auch gleich auf dem Mama-Laptop, der inzwischen wieder schnurrt wie ein Kätzchen. Fix ist er, funktioniert einwandfrei und Mama, Schwesterlein und Gatte/Papa freuen sich sicher, wenn der gute Klapperkasten endlich wieder im Saarland eintrifft. Endlich konnte ich meinen Saarländern auch mal was gutes tun, was mir sonst nicht so einfach mal möglich ist, da uns ja einige hundert Kilometer trennen.

Zu guter Letzt war ich nun gestern an einem ganz ungewöhnlichen Ort zum Kaffee eingeladen und möchte meine Bewunderung ausdrücken. In den letzten Jahren herrschte zwischen ihr und mir eigentlich fast komplette Funkstille. Zwar verbinden uns enorm viele Kindheits- und Jugenderinnerungen, aber persönliche Entwicklungen und Meinungsverschiedenheiten führten vor einigen Jahren dazu, dass sich unsere Wege konsequent trennten. Böse Worte und ebenso böse Blicke waren die Folge und so war keiner wirklich traurig darüber, dass der Kontakt abbrach. Vor einiger Zeit entstand nun wieder vorsichtiger Umgang, nicht zuletzt durch das Internet und gemeinsam besuchte Plattformen. Einer Bemerkung meinerseits bezüglich Silvester folgte ihrerseits eine völlig unerwartete Einladung und ich wiederum schlug einen Kaffeeplausch vor, der so vollkommen unerwartet angenehm verlief. Nach Jahren des Schweigens saßen die beiden Frauen an einem Tisch, die sich in den vergangenen (fast) acht Jahren (!!!) mit dem sprichwörtlichen Arsch nicht ansahen. Ich bin ein äußerst nachtragender Mensch und bin einigermaßen beschämt, dass die Gegenseite das nicht zu sein scheint.

Gestern nun tratschten und lachten wir erstaunlich entspannt und tranken ordentlich viel Kaffee. Ich durfte einen Blick in die heiligen Hallen werfen und den heimischen Hund wurschteln. Ich danke Dir sehr für diese Einladung und spreche Dir hier an dieser Stelle offen meine Hochachtung vor Deiner Gutmütigkeit aus, denn Du bist weniger nachtragend als ich und kannst offenbar sehr viel schneller über Deinen Schatten springen. Es war schön, über Erinnerungen sprechen zu können und mir gefällt das dunkle Laminat in Deinem Wohnzimmer über alle Maßen. Gnihihi… Ich sehe, dass Du Dich in den letzten Jahren sichtbar weiterentwickelt hast und bin in hohem Maße erstaunt, dass das gestern so passiert ist. Wir unterscheiden uns nach wie vor enorm und trotzdem fand ich es wirklich toll, wie leicht Dir dieser Schritt zu fallen schien. Ich fuhr mit gemischten Gefühlen in Deine Richtung und habe rein gar nichts erwartet. Wer nichts erwartet, kann bekanntermaßen nicht enttäuscht werden. Ich als alter Skeptiker betrat nun recht zaghaft Dein Heim und wurde herzlich empfangen und meine anfängliche Scheu legte sich nach einigem Zögern. Danke nochmal, ich bin immer noch ziemlich überrascht, denn ich hatte mit allem gerechnet, nur nicht damit…


Adventsterror…

2. Dezember 2008

Weihnachten2008Liebe Leute, nun geht’s weiter. Frau Mama wurde einigermaßen „repariert“ aus dem Krankenhaus entlassen und befindet sich nun zuhause auf dem Wege der Besserung. Ihre überdimensionale Narbe hatte sich wieder geöffnet, was den Blick auf ihre Innereien mit sich brachte. Grusel… Sie nahm das mit mehr Gelassenheit als ich hin und scheint sich an die andauernde „Schneiderei“ an ihrem Körper gewöhnt zu haben. Durch die erneute OP fällt nun auch der Besuch über die Feiertage flach, da dies für sie mit unnötigen Anstrengungen verbunden wäre. Also müssen Sohnemann und seine Frau Mutter im Vogtland bleiben, was mir persönlich nicht besonders gefällt. Den Besuch holen wir irgendwann nach. Ich hatte mich schon so gefreut, Weihnachten mal wieder im Kreise meiner eigenen Familie zu zelebrieren, was mir seit vielen Jahren nicht mehr möglich war, da immer irgendwelche unvorhergesehenen Lebensumstände jeden noch so vage ins Auge gefassten Plan zunichte machten.

Draußen vor der Tür lauert Weihnachten und ich hasse das von Jahr zu Jahr mehr. Nicht nur, dass Weihnachten immer mehr zum Konsumterror ausartet, sondern dieser lange vor Weihnachten einsetzende Hype und die Einkaufshysterie der Menschen machen mich wahnsinnig. Ein großer Dorn im Auge ist mir dabei der Weihnachtsmarkt. Letztes Jahr besuchte ich selbigen schon mit Widerwillen und dieses Jahr werde ich diese Veranstaltung endgültig komplett boykottieren. Wie gerne bin ich als Kind über diesen Weihnachtsmarkt geschlendert. Überall roch es nach Geröstetem, an der nächsten Ecke nach gebrannten Mandeln und Lebkuchen. Nur der Glühwein reizte mich schon damals nicht. Schmeckt mir einfach nicht. Holzschnitzereien aus dem Erzgebirge wurden feil geboten. Schneeflocken tanzten durch die Straßen und der Weihnachtsmarkt war noch richtig weihnachtlich.

Heutzutage ist von diesem besonderen Jahrmarkt nichts mehr übrig geblieben. Es wird dort einfach alles verkauft, was lohnenswert erscheint und wenn Du noch kein Taschenmesser oder keinen Eierkocher hast, kannst Du das notfalls auch zwischen kandiertem Apfel und heißer Schokolade auf dem Weihnachtsmarkt kaufen. Mich schüttelt’s bei der Vorstellung, ehrlich. Andernorts hat man sich den Weihnachtsmarkt in traditioneller Form erhalten und dort würde mir ein solcher Besuch sicher große Freude bereiten, aber hier leider schon lange nicht mehr. Also gehe ich in diesem Jahr nicht hin. Wer jetzt mitleidig an meinen Sohn denkt, sei beruhigt. Oma und Papa lassen keinen Tag ungenutzt und werfen ihr Geld in jede noch so klapprige Bude, damit Sohnemann nicht zu kurz kommt. Ihm ist es vollkommen Wurscht, wer ihm die Zuckerwatte kauft und er weiß auch, warum ich nicht mehr gerne dorthin gehe.

Ja ich mag den Weihrauchduft, ich liebe auch die Stimmung rund um Weihnachten, aber ich hasse es, schon im September Lebkuchen im Supermarkt zu sehen. Ich bin genervt, wenn überall nur noch gestresste Menschen beim Geschenkekauf anzutreffen sind. Der Brauch, dass man die Adventzeit und den damit verbunden „Schmück-mer-uns’re-Fenster“-Brauch erst nach dem Totensonntag beginnt, wird vom Handel schon immer ignoriert und da meldet sich mein leicht abergläubiges Ich zu Wort. Weihnachten ist nur noch Konsum und so macht mir Weihnachten keinen Spaß mehr. Ich find’s traurig und ich find’s extrem doof. Meine verstorbene Oma konnte aus Weihnachten diese wunderbare Heimlichkeitengeschenkebiszumschlussverstecken-Veranstaltung machen und ich habe das gleichermaßen geliebt und gehasst. Jedes Jahr mit aller Verlässlichkeit durfte ich das Wohnzimmer am Heiligabend den ganzen Tag nicht betreten. Nichtmal durch die Milchglasscheibe der Tür durfte ich blinzeln und wenn ich das trotzdem versuchte, keifte Oma drinnen wie ein Droschkenkutscher und scheuchte mich erfolgreich weg.

Aus dem Wohnzimmer drang geheimnisvolles Knistern, verheißungsvolles Rascheln und Opa kochte gespielt desinteressiert das Neunerlei zusammen. Nichts brachte ihn aus der Ruhe und er hielt all meinen nörgelnden Versuchen stand, vorzeitig in Erfahrung zu bringen, was der Weihnachtsmann für das kleine Fräulein N. aus P. denn im Sack haben könnte. Er pfiff immer ein Liedchen vor sich hin, rührte im Sauerkraut herum und lächelte immer nur, wenn ich ihm wieder auf den Senkel ging. Oma hingegen kam manchmal für einen kurzen Moment aus der Heimlichtuerstube und ignorierte mich immer mit diesem Heimlichtuerlächeln. Wenns ihr dann mal zu bunt wurde, wenn ich ihr während dieser kurzem Moment brutal auf den Sender ging, warf sie mich kurzerhand einfach raus in den Schnee zu all den anderen Kindern, die die gleichen Sorgen hatten wie ich. Draußen schimpften wir dann gemeinsam über diesen Heiligabend und vergnügten uns mit Schlitten und Pudelmützen.

Gegen 18.00 Uhr durften wir dann alle nach Hause, aber in meinem großmütterlichen Heim war weiterhin Geduld gefragt. Oma tischte betont langsam das Neunerlei auf und überwachte mit Adleraugen jede meiner Bewegungen, vor allem meiner Augen. Die Wohnzimmertür war fest verschlossen und hinter der Milchglastür war alles so gekonnt plaziert, dass man nichtmal am Umriss erkennen konnte, was dort los war. Genervt und hochgradig ungeduldig schaufelte ich dann immer das Essen in mich, ohne irgendwas zu schmecken, denn all meine Sinne waren im Schlüsselloch des Wohnzimmers. Oma und Opa grinsten sich fortwährend an und nach dem Essen verpisste ich mich freiwillig nochmal zu meinen Leidensgenossen in die Kälte. Frierend und ständig auf die Uhren anderer Kinder glotzend bibberte ich der magischen Acht entgegen, denn dann war endlich Bescherung. Freudig rannten wir nahezu gleichzeitig nach Hause und rissen uns die Wintersachen vom Leibe.

Jedes Jahr aufs Neue war ich erstaunt darüber, was Oma hinter dieser Glastür vollbracht hatte. Da stand ein Weihnachtsbaum, der irgendwie immer wie von Geisterhand in die Wohnung gelangte. Prachtvoll geschmückt, überall duftete es nach Räucherkerzchen – selbstverständlich nur nach den schwarzen – und alle Geschenke standen oder lagen perfekt verpackt rund um den Baum. Kerzenlicht tauchte den Raum in wunderbar heimeliges Licht und Oma stand mit einem Glöckchen da und flötete voller Vorfreude auf die leuchtenden Kinderaugen „Bescheeeruuung“. Und wie in jedem Jahr stand ich erstmal einige Wimpernschläge lang in der Tür und war hingerissen von all dem Zauber. Das war der Inbegriff von Weihnachten für mich und das ist er bis heute. Meine Großeltern schafften es jedes Jahr wieder, all meine Kinderwünsche zu erfüllen. Irgendwie organisierten sie immer genau das, was ich mir gewünscht hatte, egal, was es auch war.

Ich erinnere mich an ein besonderes Geschenk. Mitten im Sommer fragte mich mein Großvater – ich muss so etwa in der 4. Klasse gewesen sein -, was ich mir den zum Weihnachtsfest wünsche und ich hatte einen ganz konkreten Wunsch. Es sollte ein metallic-blaues Klapprad sein, mit schwarzen Griffen und einem schwarzen Sattel. Auf keinen Fall eine andere Farbe und auf keinen Fall graue Griffe oder ein grauer Sattel. Dieses sollte es sein und kein anderes. Opa nickte beiläufig und nach wenigen Tagen hatte ich diese kurze Unterredung vergessen. Als ich in diesem Jahr endlich ins Wonzimmer durfte stand es da, mein Traumfahrrad in meiner Traumfarbe mit schwarzem Sattel und schwarzen Griffen. Und weil Opa wusste, dass ich gleich fahren will, waren die Pedale schon montiert und der Sitz war für die Zwergenenkelin auf niedrigster Stufe festgezurrt. Das war mein schönstes Weihnachtsfest, wirklich… Ich fuhr den ganzen Heiligabend die drei Meter vom Baum bis zur Tür immer hin und her und ich wurde nicht müde dabei. Und meine Großeltern freuten sich über meine Augen, denn die strahlten wie der Weihnachtsstern.

Und wenn ich heute vom Weihnachten meiner Kindheit erzähle, dann fällt mir immer dieses besondere Weihnachten ein. Immer dieses, weil das was ganz besonderes war und wer wie ich in der ehemaligen DDR aufgewachsen ist, weiß, dass es keineswegs normal war, dass Wünsche in Erfüllung gingen. Das passierte nur sehr selten, aber meine Großeltern machten immer alles möglich. Auch alle anderen Wünsche blieben nie unerfüllt, egal ob Schlitten, Schneeschuhe oder sonstwas. Aber das Fahrrad entlockte mir die meisten und lautesten Jauchzer und wenn ich zurückdenke, ist das bis heute das schönste Geschenk von allen gewesen. Wohl auch, weil Oma und Opa Weihnachten immer zu etwas ganz Besonderem machten. Danke dafür…

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Zu guter Letzt…

28. November 2008

Andere zu kritisieren,
ist das übliche Mittel,
sich selbst in ein besseres Licht zu setzen.


Eine emotionale Ohrfeige ist der Freundschaft Tod!

Ein Freund ist ein Mensch,
der für Dich lächelt,
wenn Du weinst.

Wenn Du Dich zum Richter über Deine Freunde aufschwingst,
kannst Du leicht zum Henker Deiner Freundschaften werden.

Ein Freund ist jemand,
der Deinen kaputten Zaun übersieht,
aber die Blumen Deines Gartens bewundert.

Freundschaft heißt vergessen, was man gab
und in Erinnerung behalten, was man empfing.


Zerrissene Freundschaft knüpft sich nicht wieder zusammen,
ohne dass der Knoten sichtbar oder fühlbar bliebe.

In Krisenzeiten offenbaren sich die wahren Freunde.
Je weniger Du hast, desto weniger reden auf Dich ein,
was Du verkehrt gemacht hast oder zu tun gehabt hättest.
Umso größer ist die Chance, dass Du in Dir selbst,
Deinen eigenen Weg erkennen darfst.

Abrechnen ist das Ende der Freundschaft.

signatur3


27. November 2008

Die Zeit ist die Arznei der Seele.

Zu den wertvollsten aller Gaben zählt,
sich Zeit zu nehmen und zu haben
und zum Kostbarsten seit Menschengedenken,
jemandem diese Zeit zu schenken.

Der Weise sagt:
Eine Sekunde Zorn und Wut kann mehr zerstören,
als Du in einem Jahr Arbeit aufbauen kannst.

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Totensonntag…

23. November 2008

3 marmor engel mit blumen grabstein

Heute ist einer jener zwiespältigen Tage für mich, denn er vereint Trauer und Vorfreude. Ab morgen dürfen die Weihnachtssachen aufgestellt werden, aber im Laufe des Nachmittages werde ich aller Voraussicht nach mit einer schlichten weißen Rose in der Hand zum Grabe meiner Großmutter gehen und diese Rose auf ihrem Grab hinterlassen. Das tue ich immer an all jenen Tagen, die ich für richtig erachte. Dazu zählt ihr Geburtstag, der Todestag, Weihnachten und natürlich der Totensonntag. Ich bin nicht so geübt im Besuchen von Gräbern, aber ich komme niemals mit leeren Händen. Ich bringe ihr jedes einzelne Mal diese weiße Rose mit und verharre einige Minuten im stillen Zwiegespräch mit ihr. Uns verbanden nicht nur gute Zeiten und ich trage noch immer so manchen Konflikt in mir, aber mein innerer Konflikt ist schon klein genug, um ihr während des gesamten Jahres mehrmals eine Rose zu bringen, denn sie liebte Blumen wirklich sehr. Und ich wähle immer die Farbe weiß, denn diese Farbe verkörpert für mich Reinheit, Neubeginn und Verletzlichkeit. Rot erscheint mir zu präsent, gelb zu fröhlich, rosa zu kitschig, orange zu knallig und lila hasse ich ganz einfach. Weiß ist gut, weiß ist dennoch aussagekräftig und weiß ist auch eine Farbe der Ruhe für mich.

Immer nur eine Blume, eine Rose, ein bisschen was Grünes drumrum und sonst nichts. Auch die Farben und Blumen für das Grabgesteck bei ihrer Beerdingung habe ich ausgesucht. Meine Mutter war damals mit mir im Blumengeschäft und stand neben mir. Wortlos und über den Tod ihrer Mutter betrübt habe ich sie unter meine Obhut genommen und gesagt: „Wir suchen Blumen für Oma aus, komm…“ Sie lächelte müde und ließ es geschehen. Ich stellte ein Arrangement aus weißen Blüten zusammen. Schlicht, edel, zart und weiß, einfach nur weiß. Ich ordnete den genauen Wortlaut der Inschrift auf den Trauerbändern an und bestimmte auch deren Farbe – dunkelgrün mit goldener Schrift. Meine Mutter bestand darauf, alles zu bezahlen und sagte mit einem dankbaren Lächeln: „Das sieht schön aus, danke, mein Kind…“ Ich hakte mich unter und wir verließen den Laden. Der Trauerfeier blieb ich fern. Ich wollte und konnte nicht in die heucherlischen Gesichter derer sehen, die nun plötzlich aus der Versenkung auftauchten.

Und ich wusste, diese Trauerfeier würde wieder in einem Skandal enden, was auch geschah, denn meine Mutter berichtete mir davon. Persönliche Gründe verboten mir, dieser Feier beizuwohnen und ich hatte mich längst auf meine Art verabschiedet. Als sie starb, war ich gerade auf Arbeit. Mein Handy klingelte und am anderen Ende sagte meine Frau Mama in mütterlichem Befehlston: „Komm sofort nach Hause! Oma ist gestorben.“ Ich empfand diesen Ton weniger befehlend, sondern verstand das viel mehr als Warnschuss, dass die elende Schlammschlacht der Heuechelei nun beginnen würde. So war es auch. Ich fuhr ohne Umwege zum Pflegeheim, wohin sie von meinem Großvater abgeschoben worden war, „weil das komische Krankenhausbett in der Wohnung doch unmöglich aussähe“ und sah mich mit einem betrunkenen Großvater, einer ebenfalls betrunkenen Tante und den zwei verbliebenen Schwestern meiner Großmutter konfrontiert. Meine Mutter lehnte an der Wand und verbarg das Gesicht an jeder Wand in ihren Händen.

Mein Großvater stammelte wirres Zeug, was angesichts seines Alkoholpegels kein Wunder war. Ich schämte mich für die Tatsache, dass meine werte Tante und mein ehrenwerter Großvater 100 m entfernt im Garten gesessen und sich betrunken hatten, während meine Großmutter ihren letzten Atemzug tat. Auch die unmittelbare Nähe zum Pflegeheim hatte nur für einen einzigen täglichen Besuch gereicht. Meine Mutter hingegen war aus Saarbrücken angereist und hatte angekündigt, so lange zu bleiben, bis Oma gestorben sei, denn wir beide wussten, dass es zuende geht. Schon vor Monaten hatte ich zu meiner Mutter gesagt: „Das lange Sterben von Oma hat begonnen.“ Ich sollte recht behalten. Nach und nach verließen alle Angehörigen den Raum, in dem meine tote Großmutter lag und mein betrunkener Großvater forderte mich schwankend auf, mitzukommen. Ich weigerte mich, ohne ihn anzusehen. Ich war angewidert und distanzierte mich von allen. Meine Mutter wusste, warum.

Als alle gegangen waren, betrat ich schweigend den Raum, nahm mir einen Stuhl und setzte mich an ihr Bett. Ich wies die Pflegeschwestern an, mich bis zum Eintreffen des Bestattungsunternehmens mit ihr allein zu lassen. Freundlich nickend wurde meine Bitte erfüllt und man reichte mir wortlos anteilnehmend ein Päckchen Tempos. Ich schloss die Tür zum Zimmer und setze mich noch näher ans Bett. Ich starrte meine tote Großmutter an und erst jetzt konnte ich weinen. Eine ganze Stunde war ich allein mit ihr und ich weinte, sprach sie immer wieder leise an und fand kein Wort außer „Oma“… Ich versuchte zu begreifen, dass sie vor mir lag und mich trotzdem nicht mehr hören konnte. Ich wollte ihre Hand berühren, aber jedesmal hielt ich wenige Millimeter vor ihrer Hand inne. Das konnte ich nicht, das ging mir zu weit. Ich starrte sie eine Stunde lang an und sah nichts anderes an, denn ich wollte keine Sekunde damit verschwenden, meine Aufmerksamkeit anderen Dingen zu schenken, als diesem letzten Moment, diesem letzten Beisammensein, nur sie und ich.

Irgendwann öffnete sich die Tür und zwei schwarz gekleidete Herren betraten den Raum, wünschten mir anstandsvoll Beileid und warteten in gebührendem Abstand, bis ich mich erhob und den Raum verließ, ohne mich ein letztes Mal umzudrehen. Ich lief wortlos zum Treppenhaus und sah kein einziges Mal zurück. In diesem Augenblick beschloss ich auch, nicht zur Trauerfeier zu erscheinen, denn die Szenerie mit zwei betrunkenen Angehörigen hatte mir gereicht. Nein, ich hatte mich verabschiedet, auf meine Weise, in aller Stille und in Zweisamkeit, so wie ich es wollte. Meine Mutter verstand das und was der Rest dachte, ging mir am Arsch vorbei. Ich setzte mich in mein Auto und stand noch lange auf dem Parkplatz. Der schlichte Sarg mit dem Leichnam meiner Großmutter wurde vor meinen Augen in den Wagen gehoben, einer der Bestatter trat an meinen Wagen und reichte mir eine Visitenkarte. Er notierte einige Hinweise, was für die Beisetzung notwendig sei und verabschiedete sich respektvoll. Ich hatte den Eindruck, dass jeder Mensch, der mir in diesen Stunden begegnete, mich als Verantwortliche für alle Belange rund um den Tod meiner Großmutter betrachtete. Niemand sprach meine Verwandten an.

Als ich endlich nach Hause fuhr, kam dieses Lied aus dem CD-Player meines Radios und es erinnert mich seither an den Tod meiner Großmutter:

I hope you’re feeling happy now
I see you feel no pain at all it seems
I wonder what you’re doin’ now
I wonder if you think of me at all
Do you still play the same moves now
Or are those special moods
For someone else
I hope you’re feeling happy now.

Just because you feel good
Doesn’t make you right (oh no)
Just because you feel good
Still want you here tonight

Does laughter still discover you
I see through all those smiles
That look so right
Do you still have the same friends now
To smoke away your
Problems and your life
Oh how do you remember
Me the one that made
You laugh until you cried
I hope you’re feeling happy now

Just because you feel good
Doesn’t make you right (oh no)
Just because you feel good
Still want you here tonight

Just because you feel good
Doesn’t make you right (oh no)
Just because you feel good
Still want you here tonight

I wonder what you’re doing now
I hope you’re feeling happy now
I wonder what you’re doing now
I hope you’re feeling happy now

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Es wird Herbst…

27. Oktober 2008

wald herbst

Spätestens beim Blick aus den Fenstern wird einem klar, dass der Sommer sich endgültig verabschiedet hat. Immer öfter verbirgt sich die Sonne hinter einer dichten und grauen Wolken decke und auch die herbstlichen Regentage nehmen zu. Die Temperaturen fallen langsam aber ebenso sicher immer weiter in den Keller und das bunte, welke Laub raschelt um die Schuhe. Morgens findet man auf seinem Auto garantiert jede Menge Blätter und selbst im Lüftungsgebläse rascheln verirrte Laubstücken und bringen mich zur Weißglut. Bekleidungstechnisch muss die Strickjacke nun einer dickeren Jacke weichen und auch die Flipflops legen sich bis zum kommenden Sommer in ihr Winterlager. Eigentlich ist der Herbst sehr schön. Die Farben und das Wetter zwingen einem eine ganze besondere Form der Gemütlichkeit auf. Man muss die Heizung immer öfter aufdrehen, der Regen zwingt die Menschen unter Schirme oder in ihr Heim und die Tropfen, die ans Fenster trommeln, verbreiten angenehme Stimmung.

Noch schlummern die schwarzen Räucherkerzchen in den Schubladen, warten aber ungeduldig auf ihren ersten Einsatz. Das Erste dieser Kerzchen riecht immer am besten und diesen Moment spare ich mir noch ein paar Tage oder Wochen auf. Jede Jahreszeit birgt für mich ihre ganz unvergleichlichen Reize und duftet immer gleich. Der Frühling riecht so oft nach feuchter, frischer Erde. Die Pflanzen recken und strecken sich ausgehungert den ersten Sonnenstrahlen entgegen und die Menschen laufen trotz immer noch kühler Temperaturen mit offenen Jacken umher. Der Sommer besticht natürlich in erster Linie durch seine Wärme und die vielen Sonnentage. Grillgerüche schwängern stets und ständig die Luft und alles wächst und gedeiht. Die Abende und Nächte sind lau und jedermanns Haut ist sonnenverwöhnt und am Morgen sind die Wiesen voller Tautropfen. Der Herbst ist wunderbar bunt, Sonne und Regen laufen um die Wette, die Temperaturen schwanken oftmals drastisch auf und nieder. Ja und der Winter ist im Idealfall eisig kalt und herrlich weiß. Die Stille, die der Schnee den Menschen auferlegt, ist einfach herrlich. Nur das Knirschen der Schuhe im Schnee und die weit hörbaren Stimmen lassen auf das Leben in der Stadt schließen, wenn die Dunkelheit eingebrochen ist. Die gezuckerten Dächer und Bäume bieten einen unvergleichlich schönen Anblick und aus den Schornsteinen steigt überall Rauch auf, denn zuhause sitzen die Menschen in warme Decken gehüllt und trinken heißen Tee oder Kakao. Zumindest stellt sich Frau N. aus P. das genauso vor.

Ich freue mich auf den Winter, auf die Stille und auf die warmen Füße unter weichen Decken. Auf den heißen Kakao, in den ich Buttersemmeln tunke und auch auf die Schneestürme, die nachts um die Häuser fegen. Selbst auf das morgendliche Schneeschaufeln, um das Auto fahrtauglich zu machen und auf die Geräusche, wenn man mit schneebedeckten Schuhen und Anziehsachen im Hausflur an der Tür stampft und klopft, um keinen Schnee mit in die warme Wohnung zu tragen. Ich hoffe sehnlichst, dass wir in diesem Jahr wieder soviel Schnee bekommen, wie wir das hier im Vogtland eigentlich gewohnt sind. Während der letzten zwei Jahre war dies leider nicht der Fall und ich spekuliere auf Besserung. Kakao habe ich in rauhen Mengen hier und Milchvorräte gehen bei mir fast nie zur Neige. Die gängigsten Teesorten habe ich immer im Haus und der Winter kann erbarmungslos über uns hereinbrechen, denn aus Erfahrung weiß ich inzwischen, dass nahezu jedes Jahr rund um den 15. November der erste Schnee fällt. Mal geschieht dies einige Tage vorher, mal mit einigen Tagen Verspätung, aber der 15. November ist meist nicht weit entfernt und der ist nun recht nah.

Heute muss ich die Ganztagsschicht übernehmen, das Chef mitsamt Kollegin erst heute Abend wieder im Vogtland aufschlagen. Der Tag wird sicher recht ruhig und das trübe Wetter dort draußen tut sein Übriges. Sohnemann hat noch eine weitere Woche Ferien und weiß angesichts des Wetters noch nicht so richtig, was er heute tun soll. Fürs Mittagessen ist aber zumindest gesorgt und zur Not wird er sicher ein bisschen fernsehen. Was sollen Kinder bei dem Mistwetter auch draußen machen? Im Normalfall stört ihn weder Regen noch Sturm, aber das gilt leider nicht für seine Kameraden. Die verstecken sich dann immer zuhause und alleine spielen macht dann auch meinem Sohn nicht wirklich Spaß, was man durchaus verstehen kann. Also stelle ich ihm zusätzlich ein paar leckere Lebkuchen und Kekse bereit, damit er sich im Zweifelsfall den Nachmittag zuhause versüßen kann.

In diesem Sinne wünsche ich allen Leserinnen und Lesern einen guten Start in die neue Woche und verabschiede mich langsam in Richtung Dusche und auf Arbeit. Frau F. aus S. zwischen P.und S. hat heute Geburtstag und bekommt heute einen fetten Schmatzer, wenn ich sie erwische… :-)


Falscher Film?

23. Oktober 2008

Du kommst abends nach Hause, machst für Deinen Nachwuchs und Dich noch schnell etwas zu essen und wenn der Nachwuchs dann ins Bett verschwindet, schleichst Du noch einige Minuten im Internet umher, rufst Deine Mails ab, schaust ein bisschen in den Foren und liest ein paar Blogs anderer Leute. An sich nicht unbedingt ein ungewöhnlicher Abend und doch sitze ich so manches Mal kopfschüttelnd vor dem Laptop. Frau ist ja in zahlreichen Foren und Communitys Mitglied, stöbert gerne und auch überall und denkt sich nichts dabei. Warum auch? Man vertreibt sich die Zeit und tut dies ohne Hintergedanken. Hin und wieder wird man von wildfremden Leuten angetextet, was ich meinerseits recht schnell im Keim ersticke. Frau will nur schauen und sonst nix. Mittlerweile kann man ja in jenen Foren auch angeben, warum man hier oder dort Mitglied ist und dort wird auch die Option geboten, man sei nur zum Spaß hier.

Ich wähle immer diese Option, weil sie schlichtweg der Wahrheit entspricht. Und mit immer wiederkehrender Gewissheit wird genau das mit aller Konsequenz ignoriert. Die Herren der Schöpfung fallen immer wieder durch konsequentes Nichtlesen und durch mindestens genauso plattes Geschreibe auf, dass sich in aller Regelmäßigkeit meine Fußnägel aufrollen. Zumeist handelt es sich um Herren, die ihr Leben momentan als Single fristen, was ja nicht unangenehm sein muss. Aber offenbar herrscht bei so manchem dieser Herren ein derartiger Notstand, das wirklich alle Register gezogen werden, um ihr Gegenüber möglichst schnell und ohne viel Aufwand zu einem Treffen zu überreden. Ich persönlich lehne solche Treffen kategorisch ab und mache keine Ausnahmen.

Es ist viele Jahre her, dass ich mit einer Freundin einen Ausflug in den Harz zu einem Chattertreffen unternommen habe. Wir hatten unglaublich viel Spaß, keine Frage, aber in Zeiten wie diesen beschränke ich mich mittlerweile nur noch auf das Stöbern und Schauen. Kontakte möchte ich online nicht knüpfen, geschweige denn im Netz auf Partnersuche gehen. Schauen und wieder gehen, mehr möchte ich nicht, denn frau zieht es vor, Menschen lieber vor der Haustür im reellen Leben kennenzulernen. Ich gebe also immer die gleichen Antworten, wenn ich gefragt werde, „was ich hier suche“. Muss frau immer suchen, damit sie dort angemeldet sein darf? Und warum darf ich nicht einfach nur schauen?

Wie dem auch sei, gestern dann schreibt mich ein Herr an, der von Alters wegen eigentlich gefestigt sein sollte, was sich allerdings als großer Irrtum herausstellte. Jener Herr ist seit 20 (!!!) Jahren in einer festen Partnerschaft und sucht trotzdem. Ich frage mich angesichts solcher Profilangaben immer, was dort zuhause abgeht oder besser gesagt nicht abgeht. Die erste Chatanfrage lehnte ich wie immer ab und widmete mich unterdessen der täglichen Lektüre einer bundesweit bekannten Boulevardzeitung. Ich lese nur zu gerne solche Klatschblätter und kann dabei wunderbar entspannen. Der Herr allerdings gab sich mit meiner Ablehnung mittels Klick nicht zufrieden und ich beschloss, diesem Quälgeist auf den Zahn zu fühlen, was denn seine Ehegattin davon hält, wenn sie vom Treiben ihres Mannes erfahren würde.

Die Chatunterhaltung begann und es dauerte nicht lange, bis mein Gegenüber auf ein Treffen spekulierte. Ich fragte sehr direkt, warum in alles in der Welt ich mich mit fremden Menschen zu einem Blind Date verabreden sollte und ich machte auch kein Hehl daraus, was ich von solchen Treffen halte. Das beeindruckte den Herrn nicht im Mindesten und ich saß schon wieder kopfschüttelnd hier. Ich hakte nach und erkundigte mich danach, was seine Frau zu alledem sagt. Was dann kam, endete meinerseits in absoluter Verständnislosigkeit. Seine Frau sei in ihrer Ehe weniger neugierig als ich vermuten würde und sie wisse durchaus, dass ihr Mann keine Gelegenheit ausließe, wenn sich eine solche bieten würde. Ich glotzte nicht schlecht, Mädels.

Wie ignorant muss man denn sein, um mit Gewalt die silberne Hochzeit feiern zu können? Muss man ab einer gewissen Beziehungsphase erblinden, um seine Ehe oder auch Partnerschaft am Leben zu erhalten? Von Toleranz kann hier keine Rede sein, denn auf die Frage, ob er/sie eine sogenannte offene Beziehung/Ehe führen, kam eine Wischiwaschi-Antwort, die dennoch alles offenlegte, was von Interesse war. Sie frage nicht nach und habe es nun schon 20 Jahre mit ihm ausgehalten und ihr reiche das Wissen, dass sie seine unangefochtene Nr.1 sei und auch bliebe. Wie bitte??? Also getreu dem Motto „Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß.“ Welche Frau mit Hirn und Verstand tut sich eine solche Ehe/Partnerschaft an? Bin ich jetzt blöd oder diese Frau?

Wieder versuchte dieser Herr mich am gleichen Abend auf ein Getränk meiner Wahl zu treffen. Wieder lehnte ich ab, nicht ohne den Hinweis, dass ich keinesfalls seiner Zielgruppe entspräche. Natürlich kam die Frage, woher ich wisse, wer seine Zielgruppe sei. Meine darauf folgende Antwort beseitigte alle Zweifel an meiner Haltung diesbezüglich. Ich wies ihn darauf hin, dass er doch in erster Linie Frauen suche, die sich a) mit wildfremden Männern treffen wollen, b) wissentlich die Nr.2 für jemanden sein wollen und c) keinen Stolz und kein Gewissen haben. Um die letzten Unklarheiten zu beseitigen, stellte ich klar, dass ich weder a) noch b) noch c) sei, sondern d) eine Frau mit klaren Prinzipien, einem funktionierendem Gehirn, Stolz und Selbstbewusstsein. Und eine Frau der Kategorie d) würde sich in 100 Jahren nicht von einem solchen Mann finden lassen wollen, geschweige denn einen solchen Mann treffen wollen.

Peng, das saß und ich wünschte dem Spacken trotzdem viel Glück bei seiner weiteren Suche, auch wenn das diesmal nicht wirklich ehrlich gemeint war, denn ich grübelte, welche Art von Frau sich auf solche Spielchen einlassen würde. Sicher gibt es diese Frauen, aber ich wage zu bezweifeln, dass diese Damen auch nur annähernd soviel Herz und Hirn haben, wie es wünschenswert wäre.

In diesem Sinne wünsche ich vor allem meinen Mädels einen beschwöngten Donnerstag…


Erstaunlich…

18. Oktober 2008

stille

Nun wohne ich auf den Tag genau einen Monat hier (also kalendarische vier Wochen) und bin gestern zu meinem Leidwesen zum x-ten Male auf meiner Couch entschlummert. Ich gehöre zu den Menschen, die dann auch nicht reuevoll ins Bett kriechen, wenn sie mitten in der Nacht wach werden. Ich bleibe müde und faul genau dort liegen, wo ich mich gerade befinde. Es ist ja nicht so, dass meine Couch bequemer als mein Bett ist, aber ich kann mich nie aufraffen, dann doch aufzustehen und rüber zu schlurfen. Mir fehlt die Lust, die Kraft, der Wille. So auch letzte Nacht und als ich gefühlte drei Stunden nach meinem Ausflug in die ewigen Jagdgründe zur Wanduhr zwinkere, staune ich nicht schlecht. Ich habe doch tatsächlich innerhalb dieser lächerlichen vier Wochen nahezu durch geschlafen. Wer mich und meine absonderlichen Schlafgewohnheiten kennt, weiß, dass dies nur sehr selten der Fall ist. Wo die Ursachen für meine Schlaflosigkeit zu suchen sind, weiß ich nicht genau, aber fakt ist, dass ich nie mehr als drei Stunden am Stück durchschlafe und nach der ersten Schlafration von besagten drei Stunden mit aller Verlässlichkeit im Stundentakt aufwache und morgens dementsprechend matt und erschlagen bin.

Nun mag die Leserschaft denken, dass ich mich in professionelle Hände begeben sollte. Darüber nachgedacht habe ich bereits mehrfach, denn dieser Zustand hält nun seit mehr als 12 Jahren an. Da ich mich mit diesem Umstand aber im Laufe der Jahre arrangiert habe, belasse ich es einfach so. Gesund ist das sicherlich nicht, aber vielleicht hat meine jahrelange Reise und die damit verbundene Ruhelosigkeit eine erhebliche Mitschuld daran und vielleicht finde ich hier gerade meine Ruhe und meinen Schlaf wieder. Zumindest bin ich fast schon entsetzt darüber, dass ich innerhalb weniger Wochen bereits zum zweiten Mal so ausdauernd geschlafen habe und fühle mich daher heute auch fit wie ein Tennisball. Da ich hier keinen Zwängen außer meinen eigenen erlegen bin, gönne ich mir seit meinem Einzug immer dann Pausen, wenn ich sie für nötig erachte. Dies war während dem Zusammenleben mit diversen Partnern so nie möglich, auch wenn man immer Rücksicht auf mich nahm.

Die innere Ruhe konnte mir niemand so geben, wie ich sie als ruhevoll empfinde. Führt mich diese Wohnung hier tatsächlich dorthin, wo ich eigentlich immer sein wollte? Es ist paradox, denn hier herrscht sehr viel mehr Leben vor der Haustür als in der alten Gegend und trotzdem kann ich hier besser entspannen. Warum ist das so? Sollte ich es diesmal wirklich richtig gemacht haben? Sollte es für mich und mein Ich das einzig richtige gewesen sein, alles genauso zu tun, wie ich es gemacht habe? Liegt es daran, dass ich konsequent aufarbeite, dabei beharrlich bleibe, meinen Gedanken Worte verleihe? Ja, ich nehme mir Zeit dafür, gehe in mich, wenn es mein Kopf verlangt und setze mich bewusst mit meinem bisherigen Leben auseinander. Und so abstrus meine Wege auch in den letzten Wochen erschienen sein mögen, scheint mein Weg doch der Richtige zu sein, denn ich fühle mich hier sehr wohl. Diese Wohnung hier vermittelt mir etwas, was ich längst verloren glaubte – Ruhe…

Und wenn mein bisheriger Weg und das dazugehörige Leben der Preis war, den ich zahlen musste, um diese lang ersehnte Ruhe endlich zu finden, dann bin ich mehr als dankbar für jeden einzelnen Nackenschlag den ich bis hierher ertragen musste, denn diese Ruhe ist für mich unbezahlbar und so unentbehrlich wie jeder einzelne Atemzug, der uns am Leben erhält. Dabei löse ich mich von alten Zwängen, ordne mein Leben und mein Umfeld neu, distanziere mich von Dingen, die mich behindern oder nicht mehr in mein Denken passen. Das anfängliche Chaos löst sich langsam auf und ich beginne mich zu entspannen. Entspannung ist das falsche Wort für das, was ich derzeit empfinde. Nach außen stehe ich zwar am selben Punkt wie schon so oft, aber in mir hat sich vieles verändert und ich empfinde diese Wandlung als sehr heilsam.

Besinnliches zum Wochenende für mich und vielleicht auch für Euch…


Fast geschafft…

17. Oktober 2008

stone B

Manchmal wachst Du nachts auf und denkst, das wird ein Tag wie jeder andere. Nach einem Blick durch die Dachfenster auf den Dreiviertelmond und einem anschließenden Blick auf den Radiowecker findest Du wieder in den Schlaf und schlummerst weiter bis wenige Minuten vor jener Zeit, die Du diesem Radiowecker in Auftrag gegeben hast, Dich zu wecken. Und Du denkst, „Erstaunlich, ich fühle mich wohl. Es ist schön hier. Mein Bett ist so weich und alles ist gut so wie es jetzt ist.“. Und Du hast diesen Gedanken noch nicht zuende gedacht und grübelst ein bisschen weiter. „Warum geht es mir heute Morgen so gut?“ Sonst fragt man sich immer, wieso es einem schlecht geht, womit man all das verdient hat. Nein, nicht heute… Heute habe ich mich gefragt, warum es mir trotz all dem Stress, der hinter mir liegt, so auffallend gut geht. Schreitet die Heilungsphase erfolgreich voran oder ist es eine jener euphorischen Phasen, die den Schmerz nur ab und an unterbrechen? Ich bin so naiv, zu sagen, dass genau das nicht der Fall ist. Ich bin entspannt, sehr entspannt…

Ich stehe auf, schließe die Fenster, mache mein Bett wieder schick und verlasse das Schlafzimmer. Vor der Tür sitzt wie immer meine schwarze Püppi und wartet schon auf mein Erscheinen. Leise maunzend umschmeichelt sie meine Beine und ich sehe, dass Sohnemann ihr nachts wieder Zutritt zu seinem Zimmer gewährt hat, denn sie verschafft sich mitten in der Nacht recht oft Gehört bei ihm und bittet um Einlass. Er mag das und somit darf sie auch bei ihm schlafen. Sie verhält sich still und sucht ein bisschen Nähe. Leise schließe ich die Kinderzimmertür und beginne mit meinen täglichen Gepflogenheiten. Ich befülle die Kaffeemaschine und während mein Kaffee durch die Maschine gluckert, bekommt die Püppi frisches Futter. Gierig drängelt sie sich an ihre Futterstelle und ich öffne derweil alle Fenster, um die frische Luft des Morgens in die Räume zu lassen. Es riecht nach Herbst und noch ist es dunkel da draußen.

Ich fange wieder an zu denken. „Ich habe mich noch nirgendwo so wohl gefühlt wie hier in dieser bezaubernden Wohnung. So schnell so wohl gefühlt…“ Meine Küche ist so herrlich gemütlich, dass es mir jeden Morgen aufs Neue Freude bereitet, hier Alltägliches zu verrichten. Und ich frage mich, warum ist das so? Liegt es daran, dass ich mich bewusst mit all den Dingen auseinandergesetzt habe, die mich hierher gebracht haben? Liegt es daran, dass ich mir diesmal auffallend viel Zeit dafür nehme, alles aufzuarbeiten? Liegt es daran, dass ich mich zu diesem Zwecke auch sehr oft zurückziehe? Oder liegt es einfach daran, dass all die Wunden langsam aber um so sicherer heilen und nur noch erträglich schmerzen? Woher kommt diese Erträglichkeit? Habe ich sie mir erarbeitet oder täuscht mein Bauch mir das alles nur vor, damit ich nicht mehr traurig bin? Traurig bin ich nur noch selten, was mich ebenfalls nachdenklich stimmt.

Leise dudelt Musik aus der Anlage und ich sitze hier mit meinem Schlafanzug und einer Weihnachtstasse voller Milchkaffee, auf der zwei Rentiere den Weihnachtsmann durch den lila Milkahimmel ziehen. Bewusst habe ich heute Morgen diese Tasse gewählt und habe dabei gedacht „Weihnachten steht sowieso schon fast vor der Tür. Du hast Lebkuchen im Schrank, hast schon welche gegessen, also ist heute schon mal ein kleines bisschen Weihnachten.“ Es macht mir keine Angst, das Fest alleine mit Sohnemann anzugehen. Nein, ich trage mich mit dem Gedanken, über die Feiertage nach SB zu meiner Familie zu fahren und meine Frau Mama war gleich ganz angetan von dieser Überlegung. Ob ich an diesen Tagen frei habe, steht außer Frage, denn in 14 Tagen beginne ich meine unbefristete berufliche Auszeit, die ich auch dringend nötig habe. Ich weiß es noch nicht, aber sicher wäre es schön, mit meiner Familie zu wichteln…

Draußen verabschiedet sich gerade die Nacht und es wird hell. Die schwarze Püppi räkelt sich auf Sohnemanns Schoß, der auch gerade aufgewacht ist. Nein, er hat heute keinen Unterricht. Herbstlauf durch den angrenzenden Wald steht auf dem Lehrplan und er muss erst später los. Das kleine schwarze Katzentier durfte heute Nacht in seinem Bett schlafen, wie er gerade berichtete. Ich selbst mag das überhaupt nicht, aber er schon. Warum also sollte ich ihm das verbieten? Sie mag es, er mag es und wenn die Beiden das glücklich stimmt, dann ist es gut und richtig. Der letzte Tag der Woche hat unweigerlich begonnen und er hat nicht schlecht begonnen. Ob er auch so endet, wird sich zeigen. Man/frau will es hoffen…

Nachtrag 8.29 Uhr:

Ich habe gerade sämtliche vorrätigen Lebkuchen aufgefuttert (ein Oblatenlebkuchen und eine komplette 150g-Tüte kleine gefüllte Lebkuchenherzchen) und ärgere mich jetzt grün und blau darüber. Aaaarg…, Scheißdreckmistkacke… Aber wenigstens habe ich heute nicht versucht, aus dem Aschenbecher zu trinken. Alles ging glatt die Speiseröhre runter… Aber vielleicht wäre das heute angebracht gewesen, denn dann hätte der einsetzende Brechreiz vielleicht zusätzliche Pfunde auf den Hüften verhindert. Immer noch Scheißdreckmistkacke… Ich wette, die Hersteller mischen unter diesen verflixten Teig so ‘ne Art „Du-kannst-nicht-aufhören-bevor-die-Tüte-alle-ist“-Gewürz. Ich hasse mich dafür und Euch auch, weil Ihr jetzt kichert und ich hasse Lebkuchen und die Hersteller und ich hasse meinen Scheiß Vorratsschrank…


Weiberabend auf Schwyzerdütsch…

10. Oktober 2008

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Gestern Abend war eine alte Schulfreundin zu Besuch. Sie hatte ihren Besuch bereits vor Tagen angekündigt und saß nun letzte Nacht auf meiner Couch. Letztes Jahr Weihnachten hatten wir nicht wirklich viel Zeit, die Ereignisse der letzten Jahre auszutauschen, doch gestern nahmen wir uns bis weit nach Mitternacht genau diese Zeit. Optisch zur Frau gereift und geistig immer noch genauso wach und besonders wie einst saß sie nun neben mir und wir werteten erstmal die Jahre seit der Geburt unserer Söhne aus. Irgendwann kramte ich dann grinsend meine Bilderkiste hervor und wir kicherten wie damals als Teenager. Da wurde sich über alte Frisuren amüsiert, über seinerzeit schreckliche Modeerscheinungen, man taxierte einstige Jugendfreunde und wischte sich immer wieder verstohlen eine Lachträne aus dem Augenwinkel.

Zu vorgerückter Stunde wurden die Themen intimer, anspruchsvoller und tiefgründiger. Wir stellten fest, dass wir uns im Grunde genommen kaum verändert hatten, die selben Gedanken uns beschäftigen, eine ähnliche Lebensschule genossen hatten. Wir beide waren viel unterwegs, hatten viel gutes und genauso viel schlechtes erlebt, waren daran gewachsen, auch wenn wir nicht immer nur stolz auf alles waren, was wir so getan haben. Und doch hat es uns zu dem gemacht, was wir sind, wer wir sind und das fanden wir beide gleichermaßen befriedigend, auch wenn unsere Mitmenschen das mitunter anders sehen.

Alles in allem war das ein wunderbarer Abend und gegen 1.30 Uhr nachts verabschiedeten wir uns mit dem Vorsatz, zum diesjährigen Weihnachtsfest gemeinsam um die Häuser zu ziehen und diesen Kontakt sorgsamst zu pflegen, denn er bereitet uns große Freude. Wir verstehen uns noch immer ausgezeichnet und freuten uns, dass weder sie noch ich zu einem dieser hausbackenen Muttertiere geworden sind, die man in seinem Umfeld zu Hunderten findet. Ja, und in meinem Glückskeks, den sie mir neben einem kleinen Büchlein und einer Schachtel Fluppen als kleine Aufmerksamkeit mitbrachte, wie sie das immer tut, stand, ich sei ein guter Diplomat. Und das schöne ist, dass ich gegenüber ihr nicht diplomatisch sein muss. Einfach wunderbar…

Danke für den schönen Abend und auf bald!!!


Nachdenkliches…

7. Oktober 2008

Nein, es betrifft nicht mich, aber dennoch bewegt mich in diesen Tagen auch das Schicksal anderer Menschen und das von denen, die sich jenen Menschen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert haben. Es sollte mich kalt lassen, tut es aber nicht. Muss es mich direkt betreffen, damit ich mich damit auseinandersetze? Nein, ich denke nicht. Mir muss ein Mensch nur wichtig genug sein, damit ich an seinem Schicksal Anteil nehme. Es begleitet mich tagsüber und verfolgt mich bis in die tiefe Nacht hinein und dennoch muss ich mich der Stimme enthalten, denn es ist nicht mein Leben, worum sich diese Dinge drehen. Es werden Freundschaften auf harte Zerreißproben gestellt, die sich mehrfach schon als beständig erwiesen haben, aber genau das ist es, was mich nachdenklich stimmt. Mehr als die Worte von Herrn Bonhoeffer kann ich diesbezüglich nicht für mich sprechen lassen, denn ich möchte mich nicht einmischen. Meine Gedanken gehen ihren eigenen Weg und mein Bauch prophezeit mir, dass diese Geschichte keinen guten Ausgang nehmen wird, auch wenn ich mir das für die Beteiligten wünsche. Es liegt nicht in meiner Macht, hier Einfluss zu nehmen. Es steht mir auch nicht zu…

Sind wir noch brauchbar?

Wir sind stumme Zeugen böser Taten gewesen,
wir sind mit vielen Wassern gewaschen,
wir haben die Künste der Verstellung und
der mehrdeutigen Rede gelernt,
wir sind durch Erfahrung misstrauisch
gegen die Menschen geworden und mussten
ihnen die Wahrheit und das freie
Wort oft schuldig bleiben,
wir sind durch unerträgliche Konflikte mürbe
oder vielleicht sogar zynisch geworden -
sind wir noch brauchbar?
Nicht Genies, nicht Zyniker, nicht Menschenverächter,
nicht raffinierte Taktiker, sondern schlichte,
einfache gerade Menschen werden wir brauchen.
Wird unsere innere Widerstandskraft gegen das
uns Aufgezwungene stark genug und unsere Aufrichtigkeit
gegen uns selbst schonungslos genug geblieben sein,
dass wir den Weg zur Schlichtheit und Geradheit wiederfinden?

Dietrich Bonhoeffer, (1906 – 1945), deutscher evangelischer Geistlicher und Widerstandskämpfer im Dritten Reich, am 09.04.1945 in Flossenbürg hingerichtet