In Eile…

4. Juli 2009

Mein Blog schläft langsam ein. Das mag an der warmen Jahreszeit liegen, in der man ja auch nicht so oft zuhause ist und es liegt wohl auch daran, dass ich unabhängig davon viel auf Achse bin. Die Weiterbildung nimmt einen Großteil meiner Zeit in Anspruch und ich bemerke zunehmend, dass die Entscheidung zu dieser Schulung richtig und gut war. Darüber hinaus gibt es hier und da ständig Anlass mit Freunden zu plauschen und Käffchen zu trinken, der Garten sieht mich schon nur noch alle paar Wochen, was eigentlich schade ist. Nun gut, das Wetter ist ja erst seit einigen Tagen wieder akzeptabel. Am Vormittag lässt sich Sohnemann kurz blicken, der die letzten Tage bei seinen Freunden auf dem Lande verbracht hat, um sich gleich wieder zu Oma ins Wochenende zu verabschieden. Ich werde dann heute für eine Weile das ruhige Fleckchen im Grünen auszusuchen. Dort erwarte ich dann aber auch den Startschuss zu einer nachmittäglichen Verabredung, wo meine Hilfe benötigt wird.

Wenn das dann erledigt ist, flitze ich nach Hause, um mich für ein Date heute Abend zu restaurieren rüsten. Schwierig in Worte zu fassen, aber es sei gesagt, dass der Erfinder des Säbelzahnfußhuhns und meinereiner nun doch vernünftigerweise getrennte Wege gehen, da uns doch sehr vieles unterscheidet. Zwar sah es anfangs danach aus, dass es diesmal funktionieren könnte, aber eine kleine Meinungsverschiedenheit öffnete mir dann schlussendlich doch noch die Augen. Ob der überraschenden Wende war ich nicht ansatzweise so traurig, wie einst, aber sowas ist immer erst mal einen Moment lang “komisch”. Damit gerechnet hatte ich ja irgendwie, es ist dann aber trotzdem irgendwie auch immer wieder neu. Egal, Trauer kann ich darüber nun auch nicht wirklich empfinden, da ich dergleichen ja nicht zum ersten Mal erlebt habe, also Schwamm drüber. Hätte es mich belastet, hättet Ihr hier nicht erst heute davon erfahren, denn Bewegendes dieser Art blogge ich ja gerne.

Natürlich stellt man sich dann auch die Frage, wie es um meine Gefühle bestellt war, wenn mir das leicht fällt und ich mich eine knappe Woche später schon mit jemand anderem treffe. Gute Frage, denn das ist mir selbst auch schon aufgefallen. Was soll ich sagen?! Grundsätzlich ein guter Mensch, der mir auch sehr am Herzen lag, aber eben nicht die Sorte von Mensch, mit der ich auf lange Sicht gesehen harmonisch leben kann. Also ziehe ich weiter und werde sehen, was der heutige Abend so bringt. Bleibt nur zu hoffen, dass mir nicht irgendwas Unvorhergesehenes dazwischen kommt und meine Pläne über den Haufen wirft. Neugierig bin ich durchaus und interessiert auch. Was schlussendlich dabei rausspringt, kann ich nicht im Mindesten einschätzen, das kann man ja nie. Also lassen wir uns mal überraschen und gehen ohne Erwartungen und Vorbehalte hin. Wird nett werden, da bin ich mir sicher.


Säbelzahnfußhuhn…

8. Juni 2009

Was ein Säbel ist, weiß jedes Kind.

Zähne sind uns ebenfalls bekannt.

Und dass Füße das Fortbewegungsmittel zahlreicher Tierarten sind, wissen wir eigentlich auch.

  

Und was ein Huhn ist, dürfte nahezu jedem Menschen bekannt sein, der über eine durchschnittliche Allgemeinbildung verfügt.

Was aber nun ist ein Säbelzahnfußhuhn? Welche Tierart verbirgt sich hinter jenem furchteinflößenden Namen? Nun denn, gehen wir der Sache auf den Grund. Beim gestrigen Spaziergang durch den hiesigen Stadtpark liefen wir am Freiluftgehege vorbei, in dem sich schon seit Jahren Wellensittiche, Hühner verschiedener Arten, mitunter auch Tauben oder andere Geflügelspezies befinden. Gerne bleiben dort Spaziergänger stehen, füttern oder beobachten die Tiere und haben die Möglichkeit diese Tiere etwas genauer in Augenschein zu nehmen. An sich nichts Spektakuläres.

Unter all den Federviechern stolzierte ein wahrhaft stattlicher Hahn umher und als dieser dicht am Gitter an uns hochäugte, kniete sich ein namentlich nicht erwähnter Herr (ja, genau der) hin und studierte eingehend die Anatomie dieses Tieres. Nicht nur das er versuchte, diesen Hahn zum Gackern zu bringen, nein, er entdeckte an dessen Füßen etwas, was ihn staunen ließ. Die männlichen Vertreter vieler Geflügelarten tragen an der Rückseite ihrer Beine eine mehr oder weniger große “Kralle”, die man tatsächlich aber “Sporn” nennt. Bei Kampfhähnen beispielsweise werden diese Sporne mitunter zu messerartigen Gebilden zurechtgefeilt, um die Verletzungsgefahr des gegnerischen Hahnes zu maximieren.

Das vor uns stehende Exemplar hatte tatsächlich einen äußerst imposanten und sehr stark ausgeprägten Sporn aufzuweisen und das war der eigentliche Stein des Anstoßes. Wir spekulierten, ob dieser Sporn nun ungesund groß sei oder ob dies eine Laune der Natur oder aber eben vollkommen natürlich sei. Wir kamen zu keinem einleuchtenden Ergebnis und der namentlich nicht erwähnte Herr glaubte, des Rätsels Lösung gefunden zu haben. Bei diesem stattlichen Hahn mit seinen unübersehbaren “Waffen” konnte es sich nur um ein “Säbelzahnfußhuhn” handeln.

Dass ich mich kurz lachend entfernen musste, bedarf keiner weiteren Erläuterungen, denke ich. Später am Abend korrigierte der Herr seine Artenbezeichnung zwar in “Säbelzahnfußhahn”, aber erstere Bezeichnung gefiel mir auf Anhieb besser, keine Ahnung, warum… Also gebt acht, liebe Leute. Selbst gewöhnlich anmutende Haushühner bzw. –hähne tragen Waffen bei sich und sie können Euch Furcht und Angst einflößen, Euch bedrohen, Euch verwunden und bieten genau deshalb unendlich viel Stoff für abenteuerliche Lagerfeuergeschichten…


Gänseblümchenfüße…

4. Mai 2009

Ein traumhaftes Wochenende liegt hinter mir. Der Freitag war normal, alltäglich, notwendig, wie nahezu alle Werktage. Am Samstag vergnügte sich Sohnemann mit seinen Freunden vom Lande und übernachtete auch gleich dort. Die beiden verbliebenen alten Leutchen fuhren dann halt ohne ihn ins benachbarte Umland, um dort eine Freundin zu besuchen. Angedacht waren eigentlich nur 1-2 Stunden, geblieben sind wir dann bis weit nach Einbruch der Dunkelheit und hatten somit völlig unerwartet den ganzen Tag dort verbracht. Gegrillt wurde dann auch noch und so fuhren wir satt und durchgefroren wieder nach Hause.

Sonntagmorgen strahlte trotz anders lautenden Wetterprognosen die Sonne mit aller Kraft und so wurde ohne Zögern beschlossen, den Tag im “Leih”-Garten zu verbringen. Fix ein paar leckere Steaks, ein bisschen Nudelsalat, ein paar Getränke und Notwendigkeiten ins Körbchen gepackt und auf geht’s. Dort angekommen wurde dann fix ein bisschen gearbeitet und für den Rest des Tages ließen wir auf den Sonnenstühlen die Seele im Windhauch baumeln. Die Haut freute sich und ‘s Gemüt auch. Am späten Nachmittag wurde dann noch schön gegrillt, der Garten wieder aufgeräumt, Sohnemann aus dem Kurzurlaub abgeholt  und dann ließen wir das Wochenende genauso friedvoll ausklingen, wie es begonnen hatte.

Nee, Leute, eigentlich passierte nix Aufregendes, nix Spektakuläres, nicht mal was halbwegs Außergewöhnliches. Nein, es war schön ruhig, entspannend, trotzdem lustig und wunderbar erholsam. Ich hab’s genossen, fand es traumhaft und sah Dinge, die ich mir nicht anders ausmalen würde, wenn man mir einen kunterbunten Stift geben würde, um ein Wochenende zu zeichnen. Alles war genauso, wie ich es brauche, damit ich mich wohlfühle und absolut nichts vermisse. Danke für das wunderschöne Wochenende und Danke für alles andere. War schee und soll so bleiben!!!

Gänseblümchenfüße


Bombastisch…

27. April 2009

Leute, das Wochenende war einfach nur großartig, phantastisch, toll, gigantisch, vollendet. Das Wetter war grandios und das gesamte Wochenende war vollgepackt mit tollen Sachen. Freitag zogen Frau W. aus P. also los zur Bandprobe und dort wurde es von Stunde zu Stunde lustiger. Der Proberaum füllte sich nach und nach, Getränke gab es zur Genüge und auch für Essen war hinreichend gesorgt. Wir futterten uns die Bäuche voll und auch die Kehlen wurden nie trocken. Je später der Abend, desto lustiger wurden die Gäste und da wir ja am folgenden Tag meinen “Leih”-Garten besichtigen wollten, traten wir gegen Mitternacht überaus belustigt den Heimweg an. Kaum im Bett fielen meine Augen zu und blieben es auch trotz der zahlreichen Runden auf dem Karussell. Der Kopf war am Morgen nicht so schwer wie sonst und nach zwei Aspirin und einer halben Tasse Kaffee verzog sich das Gewitter in meinem Kopf und mir ging es ziemlich gut. Überraschend gut…

Samstagmorgen gegen 9.30 Uhr dann trafen wir uns bei Frau W. und machten uns gemeinsam auf den Weg in den Garten. In meiner Vorstellung hatte ich einen winzigen Schrebergarten mit krummen und schiefen Beeten und Wegen erwartet, ein windschiefes Häuschen darin und jede Menge Ecken und Büsche, wo Spinnweben und allerlei Getier vorzufinden sein würden. Nichts von alldem war der Fall und ich sah vor mir einen wirklich liebevoll gestalteten und gar nicht so kleinen Garten, in dem ein durchaus gerades und hübsch gezimmertes Häuschen steht. Keine buckelige Wiese, keine undurchdringlichen Hecken, keine Gruselecken hinter dem Haus, nichts. Viel schöner als ich zu träumen gewagt hatte und urgemütlich war es dort. Mein Herz hüpfte vor Freude und nachdem wir unzählige Tassen Kaffee getrunken, ein bisschen gearbeitet und ununterbrochen geschnackt und gelacht haben, überließ man mir dieses kleine Reich für den Rest des Tages.

Frau N. aus P. arrangierte sich die nahezu unbenutzte Sonnenliege mitten in der saftigen Wiese, genehmigte sich noch einen frischen Kaffee und entspannte nach allen Regeln der Kunst. Ich bewegte mich nicht wirklich und ließ mir die Sonne ins Gemüt scheinen, den leichten Wind über die sonnenhungrige Haut streichen und genoss die Ruhe und die frische Luft. Traumhaft. Als es langsam frisch wurde, trat ich wunderbar entspannt den kurzen Heimweg an und wurde beim Betreten des Hauses prompt von meinen Nachbarinnen zum Grillen hinterm Haus eingeladen. Ich rannte die Treppen hoch, zog mir etwas Wärmeres an und flitzte die Stufen wieder hinunter. Die Mädels hatten ordentlich aufgetafelt und ich saß noch bis zur vollkommenen Dunkelheit dort unten mit ihnen zusammen. Gegen 22.00 Uhr verabschiedete ich mich und gönnte mir ein schaumiges Vollbad. Bilder vom Garten habe ich für Euch auch geknipst. Bitteschön:

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Am Sonntag stand ja nun der fragwürdige Spaziergang auf dem Plan, der aber alles andere als unangenehm war. Zuerst fuhr ich fix in die Wohnung von Frau M. aus P., um dort Blümchen zu gießen und den Briefkasten zu entlasten. Als das erledigt war, ging’s dann planmäßig nach Falkenstein zur Talsperre. Das Wetter war zwar nicht ganz so sonnig und warm wie am Vortag, aber genau richtig zum Laufen und Spazieren. Einmal rund um das Wasser, ein Topf Kaffee und schön gequasselt. Hat mir ausnehmend gut gefallen, denn ich bin sehr gerne dort. Der Nachmittag war noch jung, also beschlossen wir, noch einen kurzen Abstecher zur Talsperre Pöhl zu unternehmen. Dort saßen wir dann noch eine ganze Weile am Wasser und plauderten über dies und das, über alles und jeden und über uns. Auf dem Rückweg kamen wir an der altbekannten Gaststätte in Altensalz vorbei und entschlossen uns kurzerhand, dort noch eine kleine Rast einzulegen. Frau N. aus P. bestellte Kaffee, Herr S. aus P. ein Dunkles und überraschenderweise saßen wir dort ziemlich lange. Mit sage und schreibe acht (!!!) geräucherten Bratwürsten und eine großen Portion Sülze aus der hauseigenen Schlachter- und auch Räucherei traten wir den Heimweg an. Zuhause angekommen genehmigte sich jeder eine Leckerei aus diesem Räucherbeutel, um anschließend satt und zufrieden auf der Couch den Sonntagsfilm zu verfolgen. Nach diesem Wochenende angereichert mit frischer Luft und endlos kulinarischen Gaumenfreuden, fiel ich weit vor Mitternacht in meine Kissen. Herr S. fiel der Müdigkeit schon lange vorher zum Opfer und schnarchte bereits auf dem Sofa. So kennen wir ihn. Er war ganz artig, so wie es sein soll. Er war sehr aufmerksam und ich hatte nicht den geringsten Grund zu Klage. Er lachte mit mir, hörte gut zu und er zeigte die Seite von sich, die so liebenswert ist. Ich hoffe, es bleibt so. Ich hoffe, er bleibt so, denn genauso würde ich mich wohl fühlen. So und nicht anders.


Ein vollgepacktes Wochenende…

24. April 2009

Meine Pläne für das kommende Wochenende sind farbenfroh, abwechslungsreich und mit größter Wahrscheinlichkeit auch sehr unterhaltsam. Sohnemann verbringt sein Wochenende ja bei Papa/Oma und Frau N. aus P. hat sich so einiges vorgenommen. Heute Abend also die erste Unternehmung. Zusammen mit einer Freundin fahre ich an den Stadtrand, wo ein Bandproberaum sein soll. Dort findet wohl allwöchentlich freitags eine Bandprobe statt, die man aber offensichtlich in besonderer Form zelebriert. Während die Band “übt”, verlustigen sich die anwesenden Zuhörer auf ihre Art. Es wird gekocht, man trinkt gemütlich ein paar Gläschen und plauscht entspannt. Das ganze nennt sich dann laut Gastgeber “lust’sche Butz” und wird von Woche zu Woche beliebter. Also gesellen wir uns heute dazu und schauen uns das Ganze mal aus der Nähe an.

Der Samstag ist auch schon verplant. Besagte Freundin bewirtschaftet mit wachsendem Widerwillen den Garten ihrer Mutter und erwähnte gestern, dass morgen dann das Wasser in dieser Gartensparte wieder aufgedreht wird. Ich bemerkte beiläufig, dass in mir seit einigen Monaten der Wunsch nach solch einem winzigen Garten reift, es aber an den Kosten scheitert, die mit dessen Anschaffung und Unterhaltung verbunden wären. Sie schaute mich strahlend an und bot mir ohne Umschweife an, den Garten jederzeit und ganz nach Belieben nutzen zu dürfen, wenn mir das Spaß machen würde. Anfangs staunte ich sie etwas entgeistert und nicht wenig überrascht an, denn solche Angebote sind nun wirklich nicht üblich. Sie untermalte ihre Abneigung gegen diese Pflicht und freute sich vielmehr, dass sie dann wohl eher mal einen Grund hätte, diesen Garten freiwillig aufzusuchen, wenn ich dort ein bisschen im Grünen herumexperimentiere. Ich warnte sie fairerweise, dass ich keineswegs die geborene Gärtnerin sei und es passieren kann, dass das eine oder andere Pflänzchen unter meinen ungeschickten Händen sein Leben aushauchen würde, was sie lächelnd zur Kenntnis nahm.

Solange mir das Freude bereiten würde, dürfe ich dort alles tun, wonach mir der Sinn stünde. Also meldete ich mich für morgen artig an, um beim Wasseraufdrehen dabei zu sein. Ich leihe mir sozusagen auf unbestimmt Zeit einen kleinen Garten und wenn ich irgendwann all das mein Eigen nennen möchte, habe ich Vorkaufsrecht, bekäme ihn im Idealfall vielleicht sogar geschenkt. Ich freue mich, ich freue mich sogar sehr und habe schon furchtbar viele Pläne, was ich dort alles machen möchte. Ich muss mich nicht mehr gelangweilt an die Talsperre legen, wenn ich Sonne tanken will. Ich bin lieber aktiv und das wäre genau das, was ich mir unter einem entspannten Wochenende mit Bombenwetter vorstelle. Ein bisschen werkeln, ein bisschen buddeln und nach getaner Arbeit im Sonnenstuhl dösen, um abends ein paar Würstchen zu grillen. Sohnemann findet die Pläne von Frau Mama natürlich nicht so spannend, freut sich aber, weil ich mich freue. Balkons finde ich schon immer totlangweilig, aber so ein Garten ist schon was. Hab’ ich schon erwähnt, dass ich mich freue???

Am Sonntag steht dann etwas an, von dem ich nicht so recht weiß, was mich erwartet. Vergangenes Wochenende ergaben sich Gespräche, die so nicht vorhersehbar oder gar geplant waren. Was folgte, waren unzählige Nachrichten aus der anderen Richtung und daraus resultierendes Misstrauen meinerseits. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt, sagt man so schön. Ganz so blauäugig marschiere ich nun doch nicht auf den Abgrund zu, denn ich stellte erst mal einige Dinge klar, was gesagt werden musste, stellte nichts in Aussicht, was ich nicht halten könne und bat mir Zeit, Geduld und eine angemessene Bewährungszeit aus. Vieles würde diesmal anders laufen, sofern es zu einem Neuanfang käme. Vorsicht und Bedacht bestimmen mein Tun der nächsten Zeit, das steht fest. Zweimal habe ich mir die Finger nun verbrannt und beim dritten Versuch warte ich nicht erst auf Brandmale. All das und sehr vieles mehr wurde in die andere Richtung geschickt und am Sonntag sind wir nun zum ersten Mal wieder verabredet. Auf neutralem Boden in entspannter Atmosphäre – an der Talsperre Falkenstein. Ich will erst mal vorsichtig schauen, welchen Eindruck ich habe. Das alles passierte ja nun eher durch Zufall, wobei ihm laut seiner Aussage der Mut fehlte, nach seinem letzten “Fehlverhalten” auf mich zuzugehen, denn er konnte sich sprichwörtlich vom Arsch abfingern, dass ich denkbar wenig von ihm und seinem Tun hielt. Ja, ich war sauer und seine Worte stießen bei mir anfangs auch auf recht große Ablehnung. Ich kann keinerlei Prognosen abgeben, aber gucken kostet nichts, heißt es so schon. Und Frau N. aus P. guckt erst mal. Kost’ ja nüscht…


Orgelpfeifen und Duplofinger…

19. April 2009

SNV30915 SNV30911 SNV30912 SNV30914

Meine Amaryllis thront in voller Pracht an ihrem Fensterplatz und aus dem Avocadoexperiment scheint ein wahres Wunderwerk zu werden. Sage und schreibe fünf Sprösslinge schieben sich dem Tageslicht entgegen und ich komme aus dem Staunen nicht heraus. Unter dem alten Senfglas, das als Miniaturgewächshaus fungiert, wächst und gedeiht dieser Kern besser als ich zu hoffen gewagt habe. Ich habe für Euch bewusst das Datum auf den Bildern belassen, damit Ihr sehen könnt, welche Fortschritte dieses Pflänzchen seit der ersten Regung macht. Zwar dauerte es eine kleine Ewigkeit, bis man überhaupt etwas verzeichnen konnte, aber nun wächst mein Sprössling in bemerkenswerter Geschwindigkeit.

Den gestrigen Abend habe ich meinem Sohn zuliebe hier bei ihm verbracht, denn die Tränenströme wollten nicht ohne weiteres versiegen. Stundenlang lag er traurig und deprimiert in seinem Bett. Er ist mit zunehmendem Alter eigentlich recht hart im Nehmen geworden, aber gestern verlor mein Kindchen dann doch die Fassung. Wie gerne hätte er den Samstag noch einmal im Kreise seiner Freunde verbracht, doch das war rein organisatorisch einfach nicht machbar, was ihm schwerer als erwartet zusetzte. Weder leckere Köstlichkeiten aus dem heimischen Vorratsschrank noch die schrägsten Dicht- und Bespaßungskünste seiner alten Frau Mama zeigten Wirkung und wenn ihm dann doch mal ein Kichern entfleuchte, ermahnte er mich, dass er jetzt nicht in der Stimmung zum Lachen sei.

Mir brach das Mutterherz und ich beschloss endgültig, hier bei ihm zuhause zu bleiben. Den ganzen Tag hatte ich schon überlegt, ob ich nun zum “Resteficken” gehe, aber es hätte mir wohl wenig Vergnügen bereitet, meinen Sohn allein und tieftraurig hier in seinem Zimmer zu wissen. Also ließ ich uns ein schönes Schaumbad ein, weil Sohnemann das über alle Maßen liebt und wir führten nach langer Zeit mal wieder unsere intimen Männergespräche unterm Badeschaum. Er liebte diese banale Zeremonie schon als kleiner Steppke und er mag es noch heute. Ihm ging es danach besser und ich fühlte mich angesichts seiner wieder lächelnden Augen auch sehr erleichtert. In unsere Schlafanzüge gekuschelt und schön gemütlich auf dem Sofa sitzend bzw. eher halb liegend, verfolgten wir noch ein bisschen das Abendprogramm und schlichen gegen Mitternacht mit noch immer anhaltenden “Duplofingern”* in unsere Betten.

Es gibt durchaus noch weitere Kuriositäten zu berichten, die Euch ganz sicher in höchstes Erstaunen versetzen würden, aber davon berichte ich Euch an anderer Stelle. Unerwartete Geständnisse bringen mich gewissermaßen etwas aus dem Gleichgewicht und ich brauche sehr viel Zeit, um Klarheit zu erlangen. Eine schlaflose Nacht hat mich das bereits gekostet und ich befürchte, dass noch weitere folgen werden. Fakt ist, dass das alles unvorhergesehen passiert ist und passiert ist im eigentlichen Sinne noch gar nichts. Gebrannte Kinder scheuen das Feuer, vor allem aber, wenn sie dem Pyromanen ein zweites oder gar drittes Mal begegnen. Ich bin auf der Hut, befinde mich in der absoluten Defensive und dort bleibe ich in naher Zukunft auch. Nein, ich möchte mir nicht mehr den Kopf über das Tun und Handeln anderer Menschen zerbrechen. Ich will das nicht mehr. Der Übeltäter steht vor einem fast unlösbaren Problem – meinem Misstrauen und meiner fast unbezwingbaren Skepsis. Ich kann derzeit nicht abschätzen, ob er diesen beiden Gegnern auch nur ansatzweise gewachsen ist.

* “Duplofinger” nennt man die Gliedmaßen der Hand, die nach zu langem Baden ihre Oberflächeneigenschaften verändern. Die schrumpelige Haut der Finger erinnert an die längste Praline der Welt bzw. deren Oberflächenstruktur und das Wort “Duplofinger” wurde vor vielen Jahren von meinem Sohnemann erfunden.


Die Katz’ im Sack…

17. März 2009

So, der Schnupfen hat sich wunderbar entfaltet und ich atme artig durch den Mund. Das hasse ich. Man hat dann irgendwie einen dämlichen Gesichtsausdruck. Keine Kommentare bitte… ;-) Heute bin ich zum Essen eingeladen und weiß nicht so recht, was mich erwartet. Könnte beruflich angehaucht sein, bin mir aber irgendwie nicht ganz sicher. Spätestens in ein paar Stunden weiß ich das. Sozusagen die Katze im Sack. Mit der Sprache rausrücken wollte der Einlader nicht, also bleibt mir nur das berühmte Abwarten und Tee trinken. Die Essenseinladung stand schon monatelang im Raum, nur habe ich mich immer irgendwie gedrückt und dann kam ja dieser andere Herr dazwischen, der sich dann so formvollendet lächerlich gemacht hat, indem er bei jedem Pups einschnappte und dessen letzter Abgang dann kaum noch Bauchschmerzen bereitet hat. Man gewöhnt sich ja ziemlich schnell an derlei Komischkeiten.

Nun zieh’ ich mir mal fix den Anzug straff und bügele mein Haarkleid. Die Nase bleibt heute ungepudert, denn die lustigen Fransen würden ohnehin rausschauen, also trage ich sie offen. Kleidertechnisch verhalte ich mich neutral, denn erstens essen wir zu Mittag und zweitens vermute ich, dass es um Geschäftliches gehen könnte. Also ziehe ich brav meinen Dienstagsschlüpper an und schaue mir die Sache mal von der Seite an. Natürlich werden wir auch über Privates schnacken, weil man sich schon sehr viele Jahre kennt, aber mehr interpretiere ich da nicht rein, weil man sich schon fast zu lange kennt. Macht aber auch nix, denn der Typ ist ein ganz lustiger Kerl und das wird bestimmt spaßig. Zu lachen gibt es also auf jeden Fall was. Bis später dann….


Geschützt: Männer, die die Welt nicht braucht….

25. Februar 2009

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Wochenendbericht…

16. Februar 2009

Ein entspanntes Wochenende liegt hinter uns und wir haben es endlich mal geschafft, die DVD anzuschauen, die ich schon vor Wochen gekauft hatte – “Das Parfum”. Ich gebe zu, dieser Film beginnt vielversprechend und besticht eher durch einigermaßen charismatische Darsteller als durch schockierende Bilder. Die mittelalterliche Szenerie gefiel mir ausnehmend gut, doch das Ende dieses Streifens verursachte bei uns dann doch eher befremdliches Stirnrunzeln. Vielleicht ist das Buch ja doch besser, wir werden sehen.

Kulinarisch betrachtet, haben wir es uns auch dieses Wochenende wieder ausgesprochen gut gehen lassen. Herr S. aus P. machte sich in der Küche wieder unentbehrlich und irgendwann muss ich dort nur noch meinen leergegessenen Teller abstellen, denn er lernt sehr schnell und macht seine Sache wirklich gut. Es ist ungewohnt, beim Kochen so unterstützt zu werden, aber es bringt eigentlich nur Vorteile mit sich, wenn man so ein fleißiges Helferlein an seiner Seite hat.

Organisatorisch gesehen waren wir recht faul und keiner fand es schlimm. Mir ist es ohnehin zu kalt draußen und wenn die ersten warmen Sonnenstrahlen funkeln, werden wir auch wieder vor die Türe gehen. Zuhause auf dem Sofa ist es auch schön und dort draußen gibt es derzeit nichts, was mich hinterm Ofen hervorlocken könnte. Alles in allem nix neues hier, wie anderswo auch. Ruhig ja, langweilig überhaupt nicht. Zwischenzeitlich habe ich meine uralte Spielkonsole mal rausgekramt und versucht, Herrn S. aus P.in die Welt von Donkey Kong eintauchen zu lassen, aber das ist nicht sein Ding. Macht aber nix, man muss ja nicht alles mögen oder können. Dafür spielt er gerne mal so Ballerspiele, die mich nun wieder gar nicht interessieren.

Meine alte Stereoanlage steht jetzt auch endlich im Schlafzimmer hoch oben auf dem Schrank. Das wollte ich ja schon seit Wochen mal erledigen, aber entweder fehlte die Zeit, der Nerv oder einfach nur die Lust. Herr S. übernahm diese Aufgabe gerne und jetzt können wir auch dort drüben lecker Musik hören. Sohnemann verweilt nach wie vor in Mechel und am Sonntag habe ich dort auch mal angerufen, denn die Stille hier ist zwar schön, aber trotzdem fehlt einem ab und an dieses “Mama, was gibt’s ‘n heut zu essen???” Ihm geht’s gut, uns auch und wahrscheinlich wird die Woche genauso ruhig wie das Wochenende, also schön locker durch die Hose atmen…


Alles wird gut…

8. Februar 2009

Manchmal wendet sich das Blatt ganz unerwartet, wenn man nicht mehr damit rechnet. Dafür bin ich gerade sehr dankbar und verabschiede mich erstmal für einige Tage, denn meine alten Nerven brauchen etwas Erholung. Von solchen Berg- und Talfahrten wird der alten Frau ganz schlimm schlecht. Euch fallen gerade die Augen raus? Mir auch, aber vor Erschöpfung, denn all das hat mich unverhältnismäßig viel Kraft gekostet, aber wenn man etwas will und rechtzeitig aufwacht und kämpft oder sich einfach nur offenbart, dann kann man vieles ertragen, was allein nur schwer zu bewältigen ist. In diesem Sinne wünsche ich all meinen treuen Lesern und virtuellen Weggefährten eine gute Nacht und bedanke mich für den Zuspruch, den Ihr mir entgegen gebracht habt.

Und mein persönlicher Übeltäter ist bis zur nächsten Klatsche rehabilitiert. Sage ich jetzt mal ganz optimistisch… ;-)

Gute Nacht und bis ganz bald…!!!


Männermund zur Abendstund’…

28. Januar 2009

Herr S. und Frau N. aus P. saßen gestern gemeinsam im Wohnzimmer zum Abendessen – es gab gebratenen Leberkäse mit Kartoffelsalat und Spiegelei – und schauten dabei gemütlich fern. Der kleine Herr N. aus P. wollte gerne in seinem Zimmer speisen und so wurde ihm wunschgemäß das Mahl in seinen Gemächern kredenzt. Während die alten Leutchen auf ihren Tellern schnippelten und dem Leberkäse zu Leibe rückten, huschte der kleine Herr N. durch die Küche und seine Erziehungsberechtigte fragte nach, was er suche. Er gab willig Auskunft und die beiden älteren Herrschaften aßen weiter. Unvermittelt hob Herr S. den Kopf und hakte nun bei seiner Tischdame nach, was der kleine Mann denn da tue und so kam folgende kurze Unterhaltung zustande:

„Was is’n?“

„Nix weiter, ihm ist da zu wenig Platz auf’m Teller und er holt sich noch einen kleinen Teller, wo er seine Eier drauf tun kann.“

Kurze Denkpause… Dann flüstert er gespielt empört:

„Beim Essen?????“

Wieder kurze Denkpause…

Frau N.aus P. wiehert los und verschluckt sich fast…

Männer sind Ferkel… Und Ferkel sind bekanntlich auch Schweine…


Die Farbe Lila…

21. Januar 2009

Guten Morgen, Mädels…

Seit gestern bin ich nun wieder ein Jahr älter und da ich schon seit Jahrzehnten meinen Geburtstag nicht mehr feiere, unterschied sich der gestrige Tag nur unwesentlich vom Rest des Jahres, wenn man von den Glückwünschen absieht, die tagsüber per Handy, Email oder auf anderen Wegen via Internet ins Haus flatterten. Danke erstmal an alle, die mir ihre Glühstrümpfe an den Kopf geworfen haben. Ist nicht ganz einfach, da ich mein Geburtsdatum meist nicht preisgebe. Es ist dennoch erstaunlich, wieviele Menschen es trotzdem spitzkriegen. Der Tag begann also ziemlich ruhig, wie sonst auch. Eigentlich wollte ich ja bis Mitternacht ausharren und war gespannt, was Herr S. aus P. sich einfallen lassen hat, denn er behauptete, dass er kein guter Geschenkemacher sei. Also glotzte ich bis ca. 23.20 Uhr am Vorabend ein bisschen in der Gegend rum, kicherte mit dem Herrn ein bisschen in die Kissen und… Ja und…? Ich schlief ein…!!!

Mist verdammter…!!! Irgendwann lange vor dem Weckruf öffnete ich die Augen und Herr S. aus P. stellte folgerichtig und irgendwie leicht amüsiert fest: „Na? Bist wohl doch eingeschlafen?“ Ja, die alte Frau hat erfolglos mit dem Schlaf gekämpft und nun lag sie wie eine Eule mit riesigen Augen im Bett und glotzte erwartungsvoll in die Dunkelheit. Der Bettbeifahrer säuselte zuckersüße Geburtstagswünsche in sein Kissen und herzte mich. Geschenketechnisch vertröstete er mich etwas, da die Müdigkeit ihn bewegungsunfähig machte. Weiß der Geier, wo er die Präsente vor meinen neugierigen Augen versteckt hatte. Also schlüpfte ich aus dem Bett und tastete mich Richtung Küche. Die erste SMS war auch schon reingeflattert und Herr H. aus M. war in diesem Jahr der erste, der seine Glühstrümpfe weggeschnipst hatte. Herr S. aus P. hatte mich allerdings angewiesen, wieder ins Schlafzimmer zu kommen, wenn Sohnemann auf dem Weg zur Schule sei.

Artig erledigte ich meine morgendlichen Aufgaben und hopste immer noch neugierig zurück ins Schlafzimmer. Der alte Mann lag noch gemütlich im Nest, die alte Frau hüpfte glöcklewach in der Tür herum. Ein Grinsen und ein „Bin gleich da, ich brauch’ noch zwei Minuten…“ und ich tänzelte zurück ins Wohnzimmer zu meinem Milchkaffee. Wenige Augenblicke später blinzelte der alte Mann mit gewohnt sonniger Laune in die 60-Watt-Glühlampen der Küche und schaffte seine Stange Wasser weg, um sich danach mit einem Beutel bewaffnet auf der Couch niederzulassen. „Komm’ mal her…“ ordnete er an und ich folgte artig. Ich war gespannt wie ein Regenschirm, ich geb’s zu. Als erstes zauberte er eine Zahnbürste aus dem Beutel. Ich fing an zu lachen, wirklich. Wir hatten kürzlich eine Unterhaltung, in deren Verlauf ich erwähnte, dass ich ein Ich-habe-nur-eine-Zahnbürste-Mensch bin und diese Zahnbürste schleppte ich dann überall mit hin, wenn ich verreise oder außer Haus übernachte.

Also sorgte Herr S. aus P. dafür, dass ich endlich eine zweite Bürste habe. Welche Farbe hat er ausgesucht? Richtig – LILA… Ja, diese Bürste war von Dr. Best, sie vibriert – genau wie meine bisherige BLAUE – und sie war quietsche-lila. Leute, die mich gut kennen, wissen, dass ich lila hasse wie die Pest. Gut, dann mache ich in Zukunft beim Zähneputzen die Augen zu. Weiter… Was ist noch in dem Beutel? Hab’ ich schon erwähnt, dass mein linker Hausschuh ein Loch hat? Seit Monaten schaue ich mir deshalb Hausschuhe an und bisher genügte kein Pantoffel meinen Ansprüchen. Nun zauberte der alte Mann einen neuen linken Hausschuh aus der Tüte. Snoopy-Pantoffeln, richtig süße und…??? Welche Farbe??? Rüschdüsch…!!! LILA…!!! Sehr hell, aber dennoch lila… Ich starrte etwas irritiert auf den Schuh und er sagte: „Links war das Loch, gelle? Deshalb hab’ ich auch nur einen linken Hausschuh.“ Ich grinste und schaute auf meinen alten Schuh. Natürlich gab es auch noch den passenden rechten Schuh und Herr S. aus P. stülpte mir die neuen Zuhause-Treter über die dicken Flauschisocken.

Ich konnte nicht umhin, die Farbe zu erwähnen und er behauptete sogar, das wäre die gleiche Farbe, wie meine alten Schuhe. Nein, das stimmt überhaupt nicht, denn die sind hellblau. Farbenblind??? Ja, isser…!!! Naja, egal… Ich fand’s irgendwie trotzdem total lustig und dann zog der alte Mann noch eine rote, längliche Schmuckschachtel mit goldener Schleife aus dem Beutel. Meine Augen wurden groß und fingen an zu glänzen. Gierig nahm ich die Schachtel an mich und wendete meinem Gönner den Rücken zu, denn ich wollte ganz alleine reinschauen. Dort drin lag ein Armband, silbern, mit mächtigen und wunderbar schlichten Gliedern, genau wie ich es mag. Ich strahlte, denn ich liiieeebe Armbänder und trage so einige davon, die ich niemals ablege, nichtmal zum Duschen oder sonstwann. Treffer und versenkt…!!! Danke danke danke…!!! Zwei Glieder mussten entfernt werden, denn mein Ärmchen war zu dünn für das gute Stück. Deshalb beschlossen wir, uns ausgehfertig zu machen und das gleich zu erledigen.

Armband zum Kürzen abgegeben und erstmal bissle in der Stadtgalerie schlendern. Wir liefen unter anderem an einem Klamottenladen namens „Boombastic“ vorbei, als Herr S. aus P. wieder anfing zu singen: „Mister Pullover-lover…“ und Frau N. aus P. weinte vor Lachen… Natüüürlich sang er wieder mit vogtländischem Slang, ganz klare Sache. Shaggy wäre vor Scham im Boden versunken, aber ich kicherte und gackerte bis zur Rolltreppe weiter und Herr S. lief grinsend voraus. Wir stöberten ein bisschen hier und ein bisschen da und aßen etwas und dann holte ich mein neues Armband wieder ab. Nach einer weiteren „Wir-gucken-ein-bisschen-rum“-Runde in einem anderen Geschäft beschlossen wir kurzerhand zu ihr zu fahren, weil sie jetzt eine nagelneue Wii besitzt und das müssen wir ausprobieren. Käffchen gibt’s dort auch und Spaß bestimmt sowieso. Also nix wie hin und Bowling spielen. Hat Spaß gemacht und das wiederholen wir ganz sicher bei Gelegenheit.

Mein Tag war lustig… Mir hat’s gefallen und trotzdem ich mich geweigert habe, meinen Geburtstag zu zelebrieren, war der Tag schön. So mag ich’s – schlicht aber schön. Und Ihr so?


Hochdeutsch neu definiert…

19. Januar 2009

Er: „Soll ich Dir ein Lied vorsingen?“

Sie: „Nein, bitte nicht schon wieder!“

Er: „Ach komm’, ich kann das wirklich.“

Sie: „Es gibt einen Grund dafür, dass andere Leute damit Geld verdienen. Die können nämlich singen.“

Er: „Ich kann auch schön singen.“

Sie: „Na dann los, bringen wir es hinter uns!“

Er beginnt schön schief und mit wunderbarem vogtländischen Akzent zu trällern: „Vordammd üsch liiieeeb Düsch…“

Sie: „Hochdeutsch, bitte hochdeutsch…“

Er: „Das ist hochdeutsch…“

Sie: „Nee, das is’ vogtländisch.“

Er setzt ein zweites Mal an und piepst gefühlte zehn Oktaven höher (aber immer noch vogtländisch): „Vordammd üsch liiieeeb Düsch…“

Sie: „Das ist auch nicht hochdeutsch, aber ist einen Blogeintrag wert…“

Er kichert… Sie auch…

Matthias Reim kann nicht schön singen und Herr S. aus P. kann weder schön noch hochdeutsch singen, aber er kann über sich selbst so wunderbar herzerfrischend lachen. Das und noch vieles mehr liebe ich so an diesem Kerl…


Alles wie gewohnt…

16. Januar 2009

piktogramm kat aSohnemann ist bereits in der Schule und der Halbinvalide liegt nach dem gestrigen Ärztemarathon noch schlafend im Nest. Am Wochenende stand eigentlich nochmal Schlittenfahren in Schöneck auf dem Plan, aber für den hinkenden Beifahrer dürfte das eher eine Zumutung werden. Diagnose gestern war: Gelenk gedehnt (nein, nicht die Bänder) und offenbar einige Blutgefäße abgerissen. Ich weiß zwar nicht, wie zum Geier man das Gelenk dehnen kann und die Bänder davon unberührt bleiben, aber da ich kein Mediziner bin, muss ich das auch nicht wissen. Hinken tut der alte Mann natürlich immer noch und ist die ganze nächste Woche krank geschrieben. Oberschwester Nyiri wird währenddessen Tabletten und Extrem-Couching verordnen. Die Mittelschicht für nächste Woche fällt somit aus und die Bloggerei kommt zwecks Sonderschicht im Pflegedienst wahrscheinlich auch zu kurz. Bedankt Euch bei dem Herrn mit dem temporären Gehfehler.


Willkommen auf der Wachstation…

15. Januar 2009

umgeknickt

Nachdem ich gestern den Tag ruhig begonnen habe und tagsüber bei Frau M. einen gepflegten Kaffee geschlürft und ein bisschen gehutzt hatte, trudelten derweil die Männer des Hauses ein. Der kleine Mann hüstelte vor sich hin, was ja abzusehen war, aber er befindet sich dennoch auf dem Wege der Besserung. Frau N. aus P. vergnügte sich noch unter der heimischen Dusche, als auch Herr S. aus P. von der Arbeit kam. Es klopfte an der Badtür, was meinerseits mit einem „Jahaaa…“ quittiert wurde. Herr S. aus P. jedoch konnte sich ein weiteres Klopfen nicht verkneifen und so stieg Frau N. patschnass aus der Wanne, schlang sich ein Handtuch um den Astralkörper (Klappe jetzt hier!!!) und steckte ihren triefnassen Kopf neugierig durch die Tür in die Küche. Dort saß ein grinsender Herr S. und nach einem kleinen begrüßenden Wortwechsel verabschiedete sie sich zum Anziehen zurück ins Bad.

Mit Handtuchturban und nackten Füßen huschte sie an den Küchentisch und Herr S. plapperte irgendwas von „…wenn’s morgen nicht besser ist, muss ich wohl zum Arzt…“, was mich dann doch aufhorchen ließ: „Was…, wieso…, was’n passiert?“ Herr S. humpelte zur Kaffeemaschine und schenkte uns vom frischen Heißgetränk nach. Nachdem er wieder Platz genommen hatte, streckte er seine Füße nach vorne und ließ mich raten, um welchen Fuß es sich handelt. Das linke Gehwerkzeug hatte am Außenknöchel eine sichtbare Schwellung und das Auftreten auf Selbigem war schon nicht mehr ohne Schmerzen möglich. So wollte Herr S. nun abwarten, wie sich dieser Zustand bis zum nächsten Morgen verändert – ob nun zum Positiven oder zum Negativen. Ich ordnete erstmal eine Mütze Schlaf auf der Couch an und Herr S. leistete artig Folge. Nachdem hier dann jede Menge Sägespäne umherflogen, schloss ich nach gut zwei Stunden leise die Wohnzimmertür, um mit dem Abendessen bzw. dessen Zubereitung zu beginnen.

Prompt öffnete sich die eben geschlossene Tür und Herr S. hinkte mir nach. Ich registrierte eine Verschlechterung und ordnete Kühlkissen an. Wieder folgte Herr S. dem Befehl artig und ich verbannte ihn zurück auf die Couch. Der Zustand verschlechterte sich von Stunde zu Stunde und als die zwei alten Leutchen dann ins Schlafzimmer wechselten, konnte Herr S. schon nicht mehr ohne Schmerzen diesen Fuß auflegen. Also entschloss er bereits vor dem Schlafen, dass kein Wecker gestellt werden müsse, da ich ihn am nächsten Morgen – also heute – zum Arzt fahren müsse. Sohnemann war mit gefülltem Magen und müden Augen freiwillig und ohne jegliche Aufforderung im Schlafgewand in sein Bett gekrochen und eingeschlafen, so dass mir nicht mehr blieb, als den Fernseher auszumachen und leise die Kinderzimmertür zu schließen. Herr S. stöhnte vor Schmerzen, als er die Bettdecke über die Füße ziehen wollte und angesichts dieser Entwicklung ist der heutige Tag ziemlich straff durchgeplant.

  1. Herrn N. aus P. wecken und zur Schule entlassen.
  2. Herrn S. aus P. wecken und mit frischem Kaffee versorgen.
  3. Frau N. aus P. duschen und salonfähig restaurieren.
  4. Auto freischaufeln und Herrn S. zum Arzt fahren.
  5. Herrn S. aus P. im Wartezimmer ein bisschen mit seinen Altersgebrechen konfrontieren und necken.
  6. Krankenkasse abklappern.
  7. Krankenschein zur Firma bringen.
  8. Herrn S. aus P. kurz zuhause absetzen.
  9. Herrn N. aus P. ins Auto stopfen und zum Kieferorthopäden bugsieren, zwecks neuer Zahnspange.
  10. Zutaten für’s Abendessen einkaufen.
  11. Die kränkelnde Mannschaft mit kulinarischen Schmankerln versorgen und danach Hustensäfte, komische Salben und dergleichen verabreichen.

Und bei Euch so…???


Darüber lacht ‘ne alte Frau…

14. Januar 2009

„Hab’ ich Dir schon erzählt, dass mal ein Reh ganz dicht vor mir stand? So in freier Wildbahn, ganz nah dran, war nur ein Meter zwischen mir und dem Reh.“

„Nee…“

„Das war, als ich mit meinem Opa Hagebutten sammeln war. Ringsrum freies Feld, nur diese Hecke und ein Schotterweg. Und plötzlich stand dieses Reh vor mir und Opa flüsterte, dass ich mich nicht bewegen soll.“

„Echt? Ich weiß, woran das lag, dass es nicht weggelaufen ist.“

„Ja, der Wind stand ungünstig, es konnte mich nicht wittern, hat Opa damals gesagt.“

„Ja, das auch, aber nicht nur deswegen…“

„Woran noch?“

„Blind…“

Schweigen………….

„Das Reh…“

„Es war überflüssig, das jetzt noch zu sagen…“

Zwei alte Leute kichern in ihre Kissen… :-D


Nix Neues in der Ost…

13. Januar 2009

Dienstag – der Tag beginnt erwartungsgemäß ruhig. Um 4.00 Uhr klingelt der Wecker zum ersten Mal. Der Radiowecker plärrt irgendwelche Musik ins Dunkel und irgendjemand sagt: „Kannst den Wecker ganz ausmachen, mein Handy weckt mich gleich nochmal.“ Ich führe den Befehl aus und schlafe weiter. Minuten später leuchtet etwas auf und klassische Musik dudelt durch den Raum. Ich öffne die Augen und schaue den Herrn auf der Beifahrerseite des Bettes irritiert an. Er grinst und sagt nichts. Kopfschüttelnd ziehe ich die Decke bis hoch zur Nase und werde ausgeschimpft, weil mein rechter Arm eiskalt ist. Leise steht der Schimpfer auf und erledigt in bemerkenswert rücksichtsvoller Stille all die Kleinigkeiten, die morgens so anliegen. Kaffeekochen, Zähneputzen, Anziehen, Katze nicht treten, lautloses durch die Wohnung laufen. Die Schlafzimmertür öffnet sich ein letztes Mal, jemand kriecht vorsichtig durch die Berge von warmen Decken und tastet das Bett nach mir ab. Man verabschiedet sich superleise und schließt geräuschlos die Wohnungstür. Ich bin es nicht gewohnt, dass jemand so leise sein kann und bin plötzlich hellwach.

Ich stehe auf, halte mir das ganze Gesicht zu, weil diese verdammten vier 60-Watt-Glüharschlöcher mir fast die Haut vom Gesicht brennen und mein Augenlicht bedrohen. Intuitiv tapse ich zur Kaffeemaschine und kneife die Augen zusammen, denn meine Hände brauche ich jetzt zum Kaffeekochen. Mietzo schleicht leise um meine Beine und maunzt. Schnell das arme Tier füttern und die Heizung noch ein klitzekleines Bisschen hochschrauben, weil Frau N. aus P. fröstelt. Schnell hole ich mir aus dem Bad meinen Flauschibademantel und registriere lächelnd die Zahnpastatube auf dem Waschbeckenrand. Der Herr hat also doch kleine Macken, denn so langsam komme ich mir blöd vor, weil ich jede Menge davon habe. Ich lasse den benutzten Kaffeefilter in der Maschine, bis ich die Maschine neu befülle – er nicht. Ich spüle die Kanne nicht gleich aus, wenn sie leer ist – er schon. Ich werfe meine Klamotten vorm Schlafen auch gerne mal vor’s Bett – er nicht. Ja, ich räume das morgens immer gleich weg, aber er verursacht gar nicht erst dieses Chaos. Aber wenigstens lässt er morgens immer die Zahncréme am Waschbeckenrand liegen – ich nicht. Aber ich bin erleichtert, denn ein Mensch ohne Ticks wäre mir unheimlich.

Sohnemann und ich haben den Tag dann sehr viel geräuschvoller begonnen. So sind wir eben und das wird nächste Woche lustig, denn dann schläft Herr S. aus P. noch und wird garantiert wach. Vorbereitet ist er, denn ich habe ihn eindringlich gewarnt. Er will’s nicht anders, also kriegt er die volle Packung. Bei uns wird morgens erst leise, dann ziemlich energisch geweckt, dann wird über die Kleiderwünsche von Sohnemann gestritten, diskutiert und nebenbei werden Brötchen aufgebacken, geschmiert, Kühlschranktür auf zu auf zu auf zu, Wasserhahn & Co. auf zu auf zu auf zu, Besteckgeklapper, Antreiben vom Nachwuchs mit vorwurfsvollem Blick auf die Uhr, noch ein kleiner Zank und dann ab in die Schule. Mal sehen, wie lange Herr S. seine Ruhe behält. Nur eines dürfen wir nicht vergessen: Wir müssen für Herrn N. aus P. schon am Vorabend die gewünschten Anziehsachen zusammensuchen, denn sonst erstrahlen morgens gegen 6.00 Uhr zwei unmenschlich helle Halogenstrahler im Schlafzimmer und das dürfte Herrn S. überhaupt nicht gefallen. Vermute ich jetzt mal so…

Schönen Tach Euch allen da draußen…


Geschützt: Sag’ es laut…

7. Januar 2009

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Auf ins Neue Jahr…

4. Januar 2009

sekt

Endlich geht’s hier weiter. Nach zahlreichen Beschwerden möchte ich Euch nun nicht länger auf dem Trockenen sitzen lassen und berichte von den Feiertagen, dem Jahreswechsel und den ersten Tagen des niegelnagelneuen Jahres. Wie Ihr bereits wisst, habe ich in diesem Jahr mit allen Traditionen gebrochen und im Kreise einiger Freunde Weihnachten bzw. den Heiligabend zelebriert. Ich muss sagen, dass dieser Abend sehr viel gelöster und erfüllender war, als all jene Familienabende zur Weihnachtszeit. Es war durchaus besinnlich, aber so völlig anders und es hat mir gefallen, sehr gefallen…

Am ersten Feiertag dann „plante“ ich einen ruhigen Tag, aber es kam wieder mal ganz anders. In bequeme Kleidung gehüllt liebäugelte ich mit meiner Couch, der Weihnachtsstress lag bereits hinter mir. Einer meiner Gäste vom Vorabend – nennen wir ihn in Zukunft einfach Herr S. aus P. – lud mich ganz spontan auf ein Getränk meiner Wahl in einer Lokalität meiner Wahl ein und ich verabschiedete mich in Gedanken etwas schwerfällig von meinem Couchabend. Also schwang sich Frau N. aus P. dann doch in ihre Badewanne und brachte ihren Allgemeinzustand in ein salonfähiges Format. Kurz vorm Verlassen meiner Wohnung klingelte noch eine Freundin an, die an Langeweile zu Sterben drohte. Mein Samariter-Herz regte sich und ich beschloss kurzerhand über den Kopf meines „Einladers“, dass die junge Frau uns begleiten wird, den niemand sollte über Weihnachten zuhause allein versauern.

Nachdem ich mich nun endlich auf den Weg gemacht und meinen Begleiter über die kleine Planänderung informiert hatte, holten wir die junge Dame ab und begannen unseren weihnachtlichen Streifzug durch die Kneipen der Vogtlandmetropole. Der Abend begann mit einer netten Plauderei unter alten Bekannten und endete um einen weiteren Gast erweitert in einer recht unspektakulären Lokalität im Zentrum der Stadt. Nach einigen hochprozentigen Getränken wurde die Zunge von Frau N. aus P. genauso schwer, wie ihre Gliedmaßen und das werte Fräulein wurde kurzerhand über die Schulter geworfen und aus der Kneipe getragen. Jammernd vor Kälte und „ich-will-nach-Hause“ wurde sie ins Auto gesetzt und ordnungsgemäß zuhause ins Bett dirigiert. Dort wollte sie natürlich auch nicht so recht schlafen und nötigte ihren „Heim-Schlepper“ zu Dingen, die nur unter Alkoholeinfluss geschehen. An dieser Stelle folgen nun keine schmutzigen Details, denn ich bin mir sicher, dass Ihr auch ohne diese Details wisst, was passiert sein könnte. Das überlasse ich Eurer abgrundtief schmutzigen Phantasie.

Nun denn, am nächsten Tag bekam ich all meine Schandtaten mit einem herzhaften Lachen genauestens protokolliert und schämte mich auch ordnungsgemäß in Grund und Boden. Der junge Mann allerdings zeigte sich nicht im Mindesten schockiert und plante vorsichtig weitere Unternehmungen mit der Skandalnudel. Offenbar schreckte ihn das unorthodoxe Verhalten der Frau N. aus P. nicht wirklich ab. Man verbrachte also auch den folgenden Tag zusammen und den darauf folgenden auch und alle weiteren bis heute, so auch Silvester. Bevor ich jetzt hier einen überaus langweiligen Roman schreibe, was wir wo Silvester veranstaltet haben, beschränke ich mich auf die Feststellung, dass sich auf beiden Seiten im Verlauf dieser wenigen Tage klitzekleine Schmetterlinge in allen Ecken der beiden Mägen eingenistet haben und die Wahrscheinlichkeit steigt, dass dieser Herr S. aus P. hier im Laufe des angebrochenen Jahres auftaucht.

Ein recht oberflächlicher Beitrag hier, das gebe ich zu, aber die letzten Tage waren ruhig, sehr schön und alles andere als nyiriüblich, denn ich habe diese wohltuende Ruhe des Herrn S. wirklich sehr genossen und auf mich wirken lassen. Dieser Mensch trägt diese Ruhe in sich, die mir irgendwie so fremd ist, die in mir aber Wohlbefinden verursacht und genau das ist eine jener „Gewürzmischungen“, die mich fesseln und die ich so überaus anziehend finde. Wir werden also abwarten und sehen, wohin das führt und Ihr werdet zumindest oberflächlich daran teilhaben dürfen, denn das Neue Jahr beginnt besser als erwartet, spannender als geplant und aufregender als vorhersehbar. Es flattert und herzelt im Gebälk und es fühlt sich verdammt gut an, Leute…


Grrr…

10. Dezember 2008

Manchmal ist es zum Haare raufen. Zum zweiten Mal schon hat Scott seine Zahnspange so dermaßen verlegt, dass sie unauffindbar ist. Da habe ich ihm nun schon dieses kleine Etui gekauft, noch bevor er seine Spange überhaupt hatte und trotzdem steckt er sie in den meisten Fällen in irgendwelche Jacken- oder Hosentaschen und abends vorm Schlafen sucht er dann panisch nach dem teuren Stück. Ich muss gestehen, dass mir vorhin der Geduldsfaden riss, denn ich vermute stark, er hat sie irgendwo in der Schule vergessen. Wenn sie dort ein Spaßvogel einfach mitgenommen oder gar zerstört hat, heißt das für mich, eine neue Zahnspange anfertigen lassen und mit teuer Geld bezahlen. Sowas macht mich wirklich wütend und ich hasse derlei Nachlässigkeiten. Wenn ich schon sehe, wo er überall sucht, platzt mir die Hutschnur, denn ich glaube kaum, dass die Feinmechanik dieses Teils der Belastung in irgendwelchen sandgefüllten Hosentaschen, herumgeworfenen Schulrucksäcken oder dergleichen standhält.

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Fat lip…

10. Dezember 2008

kuehlkissenFrau N. aus P. verabschiedet gerade ihren Besuch, da klingelt Sohnemann unten an der Haustür, obwohl er einen Schlüssel hat. Muttern drückt auf den Türöffner und da wir unterm Dach wohnen, dauert es eine Weile, bis Besucher an der Wohnungstür stehen. Mein Füchslein verlässt gerade meine Wohnung und ich stehe oben an der Treppe, als ich sie meinen Sohn fragen höre: „Was hast denn Du gemacht?“ Ich kann diese Frage nicht so recht einordnen und warte geduldig oben an der Küche, bis Sohnemann die Stufen in der Wohnung erklommen und die Küche erreicht hat. Was ich dann sah, übertraf meine Erwartungen mal wieder. Herr Sohn hatte einen blutverschmierten Mund und eine dicke Lippe riskiert. Ich staunte nicht schlecht und fragte nach, was denn geschehen sei. Er berichtete, er hätte mit seinen Kumpels Fangen gespielt und dabei sei er mit einem seiner Kumpels unglücklich zusammengestoßen. Hinterkopf vs. Lippe sozusagen…

Das sah natürlich im ersten Moment viel schlimmer aus, als es letztendlich war. Erstmal wies ich ihn an, seinen Mund und das blutverschmierte Gesicht vorsichtig ein bisschen abzutupfen und dann verabreichte ich ihm ein feuchtes Handtuch mit Kühlkissen innen drin. Tat ihm offensichtlich auch gut und er saß für die nächsten zwei Stunden erstmal ganz ruhig im wohnzimmerlichen Sessel. Nun ja, was lässt sich mit einer solch negriden Lippe eigentlich essen? Ich erinnerte mich an meine dicke Lippe in der Kindheit, gegen die das geschwollene Dingens meines Sprösslings allerdings ein lächerlicher Kindergeburtstag war und beschloss, kleine Nüdelchen zu kochen, die sich ohne Abbeißen und ohne brennenden Salzgeschmack in den Mund befördern lassen. Süppchen läge zwar näher, aber da die Miniplatzwunde relativ dicht an der Mundschleimhaut lag, hätte die Suppe bzw. das darin enthaltene Salz sicherlich unangenehm gebrannt.

Zwar bin ich ein äußerst schadenfroher Mensch, aber das wäre fies gewesen. Also bereitete ich die seltenste aller Speisen zu, die unsere Augen jemals gesehen haben – Nudeln. Sohnemann freute sich natürlich diebisch und ich konnte am Ende des Tages zufrieden feststellen, dass ich als Krankenschwester zumindest Puls messen dürfte, denn die Lippe war fast nicht mehr dick und man sah kaum noch, was passiert war. Eine kleine Schwellung hat er natürlich noch, aber in einer Woche ist das vergessen. Wenn ich da an meine Glanzleistung in der 4. Klasse denke, wird mir heute noch schlecht. Nicht nur dass ich mir beinahe alle Zähne rausgekloppt hätte, nein, man konnte wunderbar bei geschlossenem Mund meine Zähne sehen und an essen war für glatte vier Wochen nicht mehr zu denken. Und ich hatte auch gleich ganze Arbeit geleistet. Ober- und Unterlippe waren außer Gefecht, denn nur oben oder nur unten kann ja Jeder.

Außer einer völlig verknorpelten Unterlippe und einer vernarbten Oberlippe blieb davon nichts zurück. Die Narben befinden sind im Mund und die kleine Narbe der unteren Außenseite saß nicht nur dicht am Lippenrand, sondern verwuchs sich im Laufe der Jahre so hübsch, dass man davon nichts mehr sieht. Nur innen sieht es aus wie ein geflickter Fahrradreifen, aber rauchen, saufen und Fressattacken lassen sich damit bestens bewältigen. Bei Sohnemann dürfte man schon in wenigen Tagen/Wochen nichtmal mehr eine Narbe sehen. Er bevorzugt bei seinen Verletzungen bisher immer die Standardvariante. Seine Mutter nahm immer die Deluxe-Ausführung. Loch im Kopf? Sohnemann hatte eins in der 1. Klasse, Mutter „besorgte“ sich gleich zwei im Kindergarten. Ich sah dermaßen abgeschlachtet aus, dass meine Mutter auf dem Weg zum Arzt erstmal zuhause zwischenstoppte und dem Töchterlein die Haare wusch. Lasst sie ruhig verbluten, Hauptsache sie hat frisch gewaschenes und duftendes Haar… Kein hässlicher Kommentar über Folgeschäden, liebe Mädels, ja?

signatur-kraftig8


Geschützt: Extra für Frau F. aus S. zwischen P.und S.

8. November 2008

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