Glänzende Augen…

7. Juli 2009

Nun dringen schon wieder die ersten Beschwerden über die vorherrschende Sommerflaute in meine Augen, also poste ich heute mal wieder was. Lust habe ich derzeit nicht unbedingt zum Schreiben, Anlässe gibt es auch kaum, aber man beugt sich dem Willen seiner Leser und tippert artig. Nach wie vor drücke ich die Schulbank und mein Kopf ist abends nahezu leer. Keine hässlichen Kommentare hierzu bitte. Mein Date am Samstag war gut, mehr verrat’ ich Euch nicht. Sohnemann hat seine erste Ferienwoche hinter sich gebracht und ist seit gestern nun offiziell ein Teenager. Zwei gute Freunde machten es möglich, dass er zum Geburtstag endlich ein eigenes Dingelchen bekam, mit dem er nun ins Net vorstoßen kann, ohne mir ständig auf der Pelle zu hocken, wann er denn an meinen Rechner dürfe. Nix neues, nix aufregendes, aber eben sein eigenes Teil und jetzt herrscht endlich Ruhe an meinem Schreibtisch. Gefreut hat er sich auf seine ganz spezielle Art, die wahrscheinlich nur ich als seine Mutter richtig verstehe. Er hat diese subtile Art der Freude in sich, die sich bei den meisten Kindern ganz anderes äußert. Wenn andere Kinder etwas geschenkt bekommen, das ihr Herz höher schlagen lässt, toben, quieken, lachen und jauchzen sie. Nicht so mein Sohn.

Er schaut Dich an, die Augen glänzen zweifellos, aaaber… Er jauchzt nicht, er lächelt nur verschämt, er quiekt auch nicht, er sagt erstmal gar nichts und er tobt erst recht nicht, er sagt nach einer Weile ganz nüchtern, aber innerlich jubelnd: “Cooooooooool…!!!” Das war’s. Mehr kommt da nicht. Und nach einer weiteren halben Stunde bedankt er sich artig und freut sich leise weiter. So war er schon immer und wenn ich ihn nicht kennen würde, könnte ich glatt denken, dass ihm alles am Arsch vorbei geht. Nein, tut es nicht, er freut sich wie verrückt, aber eben seeehr leise. Diese introvertierte Art der Emotionen hat er von mir geerbt. Jetzt stöhnen am Bildschirm sicher viele auf, die mich kennen. Leute, ich rede davon, wie ich selbst als Kind war. Schüchtern, zurückhaltend, schweigsam, beobachtend, auf wenige Personen fixiert, aber hyperneugierig und mit großen Augen die Welt beäugend. Ja, ich weiß, das hat sich geändert, Gott sei Dank. Und Sohnemann darf so sein, die Mädels stehen drauf, hab’ ich gemerkt. Über einen zu kleinen Freundeskreis kann er sich nicht beschweren und er kann ja auch anders, halt nur im Kreise seiner Familie oder nahen Freunde. Ist vollkommen in Ordnung und solange er mir mit seinen Augen zeigt, wie groß die Freude ist, darf er das auch weiterhin so tun. Ich lese in ihm, das weiß er.

Leider fehlte mir zwecks Schule die Zeit, mit ihm richtig zu feiern, denn am Nachmittag fuhr er eine Woche zu Papa. Aber das holen wir bei einem großen Eis nach. Und was ja eigentlich der Hammer war, ist, dass ausgerechnet an seinem Geburtstag morgens das Lied kam, bei welchem er sein Köpfchen zum ersten Mal in die große weite Welt streckte. Hier für Dich, mein kleiner großer Mann. Noch heute bekomme ich Gänsehaut, wenn ich dieses Lied höre und ich habe gestern Morgen ganz laut gedreht, als das kam. An einem verregneten Julitag 1996 abends 20.45 Uhr kam dieser Song und das war bis dato der schönste Moment im meinem Leben, das wird er auch bleiben, denn seit diesem Tag ist alles anders. Besser, wichtiger. Auch hier noch einmal alles Liebe zum Geburtstag, mein Dicker. Du bist auf dem richtigen Weg und ich wünsche mir, dass ich auch noch in Deinen Augen lesen kann, wenn Du Deine ersten grauen Haare bekommst. Du bist das Wichtigste in meinem Leben und das Beste, was mir je passiert ist, denn ich liebe nichts so sehr wie Dich.


Schon wieder Shitwoch…

1. April 2009

Kindchen liegt kränkelnd im Bett und es sieht ganz so aus, als würde er morgen der Schule fernbleiben, weil er eine Grippe bekommt. Vielleicht schläft er sich bis morgen wieder gesund, aber derzeit ist das eher unwahrscheinlich. Heute morgen habe ich beim hin- und herdrehen meiner Amaryllis eine der gigantischen Blüten abgebrochen – typisch für mich. Da waren es nur noch drei. Vielleicht habe ich Glück und aus der neuen Blüte treiben nochmals vier Stück. Auto ist immer noch in der Werkstatt und natürlich auch immer noch kaputt. Morgen muss ich also auch zu Fuß meine Behördengänge bewältigen und werde damit ganz sicher bis zum Nachmittag beschäftigt sein, während mein Kind krank im Bett liegt. Leider dulden diese Erledigungen keinen Aufschub. Ein toller Mittwoch, so richtig doof. Gott sei Dank hat mich Frau Zaraffel heute früh mit zum Einkaufen genommen und der Kühlschrank ist wieder voll. Das Wochenende darf getrost über uns hereinbrechen. Bleibt abzuwarten, ob Sohnemann überhaupt zu Oma/Papa kann, denn mit eventuell entstehendem Fieber bleibt er besser zuhause.


Fat lip…

10. Dezember 2008

kuehlkissenFrau N. aus P. verabschiedet gerade ihren Besuch, da klingelt Sohnemann unten an der Haustür, obwohl er einen Schlüssel hat. Muttern drückt auf den Türöffner und da wir unterm Dach wohnen, dauert es eine Weile, bis Besucher an der Wohnungstür stehen. Mein Füchslein verlässt gerade meine Wohnung und ich stehe oben an der Treppe, als ich sie meinen Sohn fragen höre: „Was hast denn Du gemacht?“ Ich kann diese Frage nicht so recht einordnen und warte geduldig oben an der Küche, bis Sohnemann die Stufen in der Wohnung erklommen und die Küche erreicht hat. Was ich dann sah, übertraf meine Erwartungen mal wieder. Herr Sohn hatte einen blutverschmierten Mund und eine dicke Lippe riskiert. Ich staunte nicht schlecht und fragte nach, was denn geschehen sei. Er berichtete, er hätte mit seinen Kumpels Fangen gespielt und dabei sei er mit einem seiner Kumpels unglücklich zusammengestoßen. Hinterkopf vs. Lippe sozusagen…

Das sah natürlich im ersten Moment viel schlimmer aus, als es letztendlich war. Erstmal wies ich ihn an, seinen Mund und das blutverschmierte Gesicht vorsichtig ein bisschen abzutupfen und dann verabreichte ich ihm ein feuchtes Handtuch mit Kühlkissen innen drin. Tat ihm offensichtlich auch gut und er saß für die nächsten zwei Stunden erstmal ganz ruhig im wohnzimmerlichen Sessel. Nun ja, was lässt sich mit einer solch negriden Lippe eigentlich essen? Ich erinnerte mich an meine dicke Lippe in der Kindheit, gegen die das geschwollene Dingens meines Sprösslings allerdings ein lächerlicher Kindergeburtstag war und beschloss, kleine Nüdelchen zu kochen, die sich ohne Abbeißen und ohne brennenden Salzgeschmack in den Mund befördern lassen. Süppchen läge zwar näher, aber da die Miniplatzwunde relativ dicht an der Mundschleimhaut lag, hätte die Suppe bzw. das darin enthaltene Salz sicherlich unangenehm gebrannt.

Zwar bin ich ein äußerst schadenfroher Mensch, aber das wäre fies gewesen. Also bereitete ich die seltenste aller Speisen zu, die unsere Augen jemals gesehen haben – Nudeln. Sohnemann freute sich natürlich diebisch und ich konnte am Ende des Tages zufrieden feststellen, dass ich als Krankenschwester zumindest Puls messen dürfte, denn die Lippe war fast nicht mehr dick und man sah kaum noch, was passiert war. Eine kleine Schwellung hat er natürlich noch, aber in einer Woche ist das vergessen. Wenn ich da an meine Glanzleistung in der 4. Klasse denke, wird mir heute noch schlecht. Nicht nur dass ich mir beinahe alle Zähne rausgekloppt hätte, nein, man konnte wunderbar bei geschlossenem Mund meine Zähne sehen und an essen war für glatte vier Wochen nicht mehr zu denken. Und ich hatte auch gleich ganze Arbeit geleistet. Ober- und Unterlippe waren außer Gefecht, denn nur oben oder nur unten kann ja Jeder.

Außer einer völlig verknorpelten Unterlippe und einer vernarbten Oberlippe blieb davon nichts zurück. Die Narben befinden sind im Mund und die kleine Narbe der unteren Außenseite saß nicht nur dicht am Lippenrand, sondern verwuchs sich im Laufe der Jahre so hübsch, dass man davon nichts mehr sieht. Nur innen sieht es aus wie ein geflickter Fahrradreifen, aber rauchen, saufen und Fressattacken lassen sich damit bestens bewältigen. Bei Sohnemann dürfte man schon in wenigen Tagen/Wochen nichtmal mehr eine Narbe sehen. Er bevorzugt bei seinen Verletzungen bisher immer die Standardvariante. Seine Mutter nahm immer die Deluxe-Ausführung. Loch im Kopf? Sohnemann hatte eins in der 1. Klasse, Mutter „besorgte“ sich gleich zwei im Kindergarten. Ich sah dermaßen abgeschlachtet aus, dass meine Mutter auf dem Weg zum Arzt erstmal zuhause zwischenstoppte und dem Töchterlein die Haare wusch. Lasst sie ruhig verbluten, Hauptsache sie hat frisch gewaschenes und duftendes Haar… Kein hässlicher Kommentar über Folgeschäden, liebe Mädels, ja?

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Ich bin stolz auf Dich, mein Sohn…

18. November 2008

Früher beobachtete ich die Entwicklung meines Sohnes oft mit versonnenem Blick, einem seligen Lächeln, viel Nachsicht und ohne große Erwartungen. Schon als Baby und später als Kleinkind unterschied er sich in oftmals wesentlichen Dingen von seinen Altersgenossen. Um endlich auf die Welt zu kommen, ließ er sich zehn Tage länger als geplant Zeit, kam mit so herrlich vielen Speckröllchen in mein Leben und verschlief nahezu sein gesamtes erstes Lebensjahr. Das allein war jedoch nichts Ungewöhnliches, das tun viele Kinder. Seine Entwicklung verlief sprunghaft und oft war ich mir nicht so ganz sicher, ob er sich den Lehrbüchern gemäß entwickelt. Da war zum einen sein mangelnder Bewegungsdrang. Den ganzen Tag lag er mit ausgebreiteten Ärmchen und Beinchen in seinem kunterbunten Laufgitter, strahlte mich an, strampelte aufgeregt und freudig, wenn ich geschäftig vorbei lief oder aber er schlief.

Ich hatte die Hoffnung fast aufgegeben und es fiel mir schwer, dem längst erteilten Rat der Kinderärztin Folge zu leisten. Besorgt hatte ich sie schon vor Monaten gefragt, ob ich mit ihm zur Babygymnastik gehen solle, da er keinerlei Anstalten mache, das Krabbeln oder Laufen zu lernen, sich sogar weigerte mit seinen Füßchen den Boden zu berühren. Sie verneinte lächelnd und sagte: „Nein, lassen Sie ihm noch ein bisschen Zeit. Er hat ein extrem sonniges Gemüt und wird das ganz sicher bald von allein lernen. Er will einfach noch nicht.“ Nicht wirklich beruhigt, übte ich mich weiter in Geduld. Sämtliche Kinder meiner Bekannten, die im etwa gleichen Alter waren, plapperten, liefen, erkundeten ihre Umwelt, aßen von Mamas Teller, bissen in kleine Brötchen oder krabbelten wenigstens schon umher.

Mein Söhnchen hingegen lag noch immer lächelnd da und machte nichts dergleichen. Er mochte keine Speisen, die er kauen musste, er grinste einfach nur vor sich hin und er schlief auffallend lang. Abends gegen 19.00 Uhr legte ich ihn schlafen und er schlummerte meist bis zum Vormittag, nicht selten bis Mittag. So manches Mal seufzte ich, wenn ich andere Kinder in ihren Kinderwägen sitzen sah, wo sie an Brötchen knabberten, kindgerechte Säfte tranken und ihre Mütter vollplapperten. Scott lag eher im Halbsitzen in seinem Gefährt, trank ausschließlich seinen Krümeltee, den ich immer von zuhause mitnehmen musste, weigerte sich nach wie vor zu kauen und lächelte Gott und aller Welt verschämt zu. Er war ein ausgesprochener Charmeur und beäugte seine Umwelt mit großen, stahlblauen und hellwachen Augen. Aber er blieb in der Defensive und im Geiste sah ich mich zum Schulanfang mit Kinderwagen, Krümeltee und Zuckertüte neben all den anderen Eltern stehen.

Erst im Alter von 13 Monaten krabbelte das kleine Speckbein los. Schlagartig lernte er alles auf einmal. Innerhalb von sage und schreibe drei Wochen lernte er Laufen. Die wackelige Lauflernphase ließ er komplett weg und entwickelte sich fortan in einem Tempo, welches mir den Mund offen stehen ließ. Zeitgleich begann er endlich zu sprechen. Er war und ist kein Mann großer oder vieler Worte. Er beschränkte sich schon als Kleinkind auf die nötigsten Stichpunkte, verstand aber jedes einzelne Wort. Und er entwickelte eine äußerst pedantische Ader. Er sortierte einfach alles nach Größen, Längen oder anderweitigen Maßen. Mit ihm zu spielen, war nicht möglich. Er meckerte und schrie, wenn ich seine sortierten Autos auch nur berührte. Er konnte sich aber schon damals stundenlang allein beschäftigen. Auch das abendliche Vorlesen entpuppte sich schnell als nicht geeignet. Wie schön saß ich in meiner Vorstellung neben seinem Bettchen und las ihm Märchen vor. Ich ahnte damals noch nicht, dass er mein Vorlesen mit lautem Gekicher und Gekacker übertönen würde und viel lieber Lieder singen wollte.

Vorsingen im eigentlichen Sinne war auch nicht möglich, nein, er wollte das auf seine ganz besondere Art. Ich erinnere mich an sein erstes Weihnachtsfest. Frau Mama kauerte neben den Gitterstäben seines Bettchens und versuchte „Oh Tannenbaum“ zu flöten. Söhnchen schaute mich irgendwie gelangweilt und erwartungsvoll an, zeigte keine Freude und aus Verzweiflung änderte ich die Tonlage. Ich holte meine Luftgitarre raus, schraubte meine Stimme gefühlte zehn Oktaven tiefer und rockte ihm den Tannenbaum auf eine Weise, bei der James Hetfield vor Bewunderung das Mikro aus der Hand gefallen wäre. Plötzlich strahlte mein Sohn, jauchzte vor Vergnügen und strampelte aufgeregt und mir wurde einmal mehr klar, dass er alles anders machte als die meisten Kinder. Von diesem Tag an war abends im Kinderzimmer der Teufel los. Die „Entchen auf dem See“ headbangten, die „Stille Nacht“ war extrem gitarrenlastig und mein Sohn verfolgte jede meiner Bewegungen und Stimmlagen mit einer Aufmerksamkeit, die schon fast an Verzauberung grenzte.

Er hatte also das „Schwermetall-Gen“ geerbt und nur zu solcher Musik bewegte er sich auch. Was das Sprechen anging, weigerte er sich bis zum Einschulungsalter, den Buchstaben „J“ zu benutzen. So kam es, dass er im „Luli“ Geburtstag hatte, sich mit einem „Laschlappen“ nach dem Essen den Mund abwischte und einfach „leder“ sein Freund war. Es war zum Mäusemelken. Als er in die Schule kam, ermahnte ich ihn eindringlich, dass er spätestens „letzt“ das „J“ in seine Worte einbauen müsse und seltsamerweise tat er das auch. Bis dahin fuhr er auch „lahrelang“ nach „Maulwurf“ zum Baden. Mit Oma, Opa, Papa, Tante und ich überlegte ebenso viele Jahre, wo zum Geier dieses „Maulwurf“ sei. Erst als ich eines Tages mit zum Schwimmen fuhr, sollte ich herausfinden, wo genau dieser Ort lag.

Die Jahre vergingen und sein sonniges Gemüt wich dem eines kleinen Teufelchens. Wut- und Trotzanfälle beherrschten unseren Alltag. Aber auch das legte sich wieder. Im Nachgang vergisst man all die grauen Haare, die man jener Phase zu verdanken hat. Man färbt stillschweigend sein Haupthaar und ist froh, mit dem Leben davon gekommen zu sein. Sohnemann entwickelte sich prächtig und inzwischen merke ich mehr und mehr, dass er ein kleiner Mann wird. Es erfüllt mich mit unbeschreiblichem Stolz, wenn er die Spülmaschine ausräumt, seine kreischende Mutter vom Anblick einer Spinne erlöst, schlammverkrustete Hosen schonmal vorsorglich in der Badewanne abspült und mittlerweile kleinere Einkäufe erledigt, weil Muttern überhaupt nicht gerne einkaufen geht. Dann läuft er preisevergleichend durch den Supermarkt, bevorzugt große Packungen die günstiger sind und bringt wirklich nur die Dinge mit, die auch auf dem Zettel stehen.

Ich bin ihm dankbar für diese Hilfe und er hat augenscheinlich Freude daran, seinen Teil zum gemeinsamen Leben beizutragen. Er bringt Altpapier zum Container, schafft den Müll runter, spült die Wanne nach dem Baden aus, hängt seine Handtücher zum Trocknen auf, sammelt in seiner Fußballtasche keine stinkenden Socken, saugt auch mal die Wohnung durch, schüttet den Sand aus seinen Schuhen erst vor der Haustür aus, wärmt sich selbständig sein Mittagessen auf und versorgt seine Mama auch mit Tee und Tempos, wenn sie krank ist. Ich habe den tollsten Sohn der Welt, der aber trotzdem auch Kind ist. Er kommt regelmäßig zu spät, kleckert beim Essen, vergisst ständig seine Zahnspange, rennt am Sonntag bis nachmittags im Schlafanzug durch die Wohnung und findet für alles Ausreden. Aber er ist auch ein bescheidenes Kind.

Erst gestern erwähnte er beiläufig, dass er vor etwa drei Wochen an einem Lesewettbewerb teilgenommen habe, bei dem er den 3. Platz belegt hat. Ich horchte auf und fragte, warum er davon nichts erzähle. Er sagte, das sei doch nichts Besonderes und ich hakte nach. „Wieviele Schüler waren denn dabei?“ Er merkte an, es seien 26 Teilnehmer gewesen und ich stellte richtig, dass ein 3. Platz von 26 Mitstreitern durchaus erwähnenswert sei und nicht so unbedeutend, wie er glaubt. Wir haben vor einigen Monaten etwas ähnliches erlebt und auch damals war er der Meinung, dass er nichts Ungewöhnliches getan habe. Bescheidenheit ist eine seiner Stärken und es erstaunt mich einigermaßen, dass er bereits in seinem Alter diese Wesensart in sich trägt. Er prahlt nicht mit seinen Leistungen, hilft gerne und uneigennützig, ist genügsam und stellt seine Ansprüche meist in den Hintergrund, da ihm mehr und mehr bewusst zu werden scheint, was im täglichen Leben wirklich von Wichtigkeit ist.

Seine geistige Reife macht mich oft sprachlos und ich befinde mich oft im Zwiespalt, ob sein Charakter einfach nur angeboren oder das Ergebnis meiner energischen und konsequenten Erziehung ist. Letztendlich spielt es keine Rolle, denn ich bin über alle Maßen stolz auf meinen Jungen, der manchmal so erwachsen ist und mir beisteht. Als er gestern mal wieder eine Spinne entsorgte, sagte ich zum ersten Mal: „Jetzt bist Du der Mann im Haus und was soll ich nur tun, wenn Du mal erwachsen bist und in Deiner eigenen Wohnung lebst. Dann muss ich Dich anrufen, wenn hier eine Spinne sitzt und Du musst kommen und Deiner Mama helfen.“ Er saß am Küchentisch und lächelte mich an. Er strahlte diese Ruhe aus, die mir so fehlt und es sind genau diese Momente, in denen ich mit Wehmut an den Moment denke, wenn er seine Habseligkeiten aus meinem Leben in sein eigenes Leben trägt. So langsam bekomme ich eine Ahnung davon, wie es sein muss, wenn die Kinder irgendwann das Haus verlassen.

Mein Sohn…, Du machst mich unglaublich stolz und ich weiß, dass Du schon jetzt ein besserer Mensch bist, als ich es je sein könnte. Du bist all das, was mir oft so schwer fällt. Du bist geduldig, nachsichtig, verständnisvoll und genügsam. Du bist selbstlos, hilfsbereit und fleißig. Und Du hast Dich zu viel mehr entwickelt, als ich mir erträumt habe. Trotzdem Du ein Einzelkind bist, warst und bist Du niemals geizig, teilst alles und immer, ja verzichtest sogar auf Dinge, die Du selbst liebst und gibst dennoch aus vollem Herzen. Es sind diese Dinge, die mich so stolz machen. Vielleicht hat unser schweres Leben Dich zu dem gemacht, was Du bist. Vielleicht war es meine Erziehung, vielleicht aber auch nur unser Miteinander. Aber ganz sicher wirst Du ein großartiger Mensch, das bist Du schon jetzt und ich zeige Dir viel zu selten, wie stolz ich auf Dich bin. Und in Momenten wie diesen, wenn Du um 4.00 Uhr morgens krank auf der Couch liegst und ich Dir Tee mit Zitrone mache, Dich mit weichen Decken und Halsbonbons versorge, dann bist Du wieder mein kleines Speckbeinchen und ich möchte einfach nur die Zeit anhalten, damit Du immer hier bleibst.

Du bist der Grund dafür, dass ich morgens gerne aufstehe. Du hast mir klar gemacht, was wichtig ist, worauf es ankommt und Du hast mir bedingungslose Liebe gezeigt. Dir kann ich nie lange böse sein, Du erweichst mein Herz, wenn Du weinst und Du spendest mir Trost, wo andere machtlos sind. Du bist mein Herz und mein Blut und Du bist mein Mittelpunkt. Du bist die Liebe meines Lebens und mein Licht. Du bist die Ruhe und die Kraft, die mir oft fehlt. Du verzauberst mich mit Deinem Wesen und ich bewundere Deine Geduld mit mir. Ich mach’s Dir nicht immer leicht, aber Du nimmst mich so, wie ich bin. Du bist das Beste, was mir passieren konnte und ich bin dankbar für jeden Tag, jede Stunde und jeden Augenblick mit Dir. Ich danke Dir für alles und dafür, dass Du so bist, wie Du bist… Kein Tag ohne Dich…

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Der gemeine Zungenknoten…

17. November 2008

„Soll ich Dir gleich hier „Züsch“ sagen? (Wohnzimmer)

„Züsch…???“

„Ich meinte „Tschüß…“ (geht glucksend die Treppe runter)

(Als „Züschen/Zischen“ bezeichnet man hierzulande gemeinhin das Verrichten der kleinen Notdurft. Ich verstand die verkorkste Verabschiedung also erstmal als Aufforderung, die allerdings schon längst erledigt war.)

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Ein ganz normaler Morgen…

13. November 2008

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Guten Morgen, liebe Blogger-Gemeinde, heute weiß ich wirklich nicht, was ich Euch hier hinterlassen könnte, also bin ich vorhin durch meine Wohnung geschlichen und habe versucht, ein paar Momente einzufangen, wobei hier noch nicht wirklich viel los ist. Alle schlafen noch und die Stille, die ich morgens so genieße, ist überall zu „hören“. Oben seht Ihr meinen Arbeitsplatz, von dem aus ich Euch jeden Morgen mit meinen Erlebnissen oder Gedanken quäle. Zwingend erforderliches Arbeitszeug habe ich rot gekennzeichnet, denn ohne diese drei Dinge kriege ich keinen Artikel zustande. Ja, ich bin leidenschaftlicher Kaffeetrinker, exzessiver Raucher und ohne Laptop nix Blog. Ja, vom Rauchen kriegt man schwarze Brustwarzen, ich weiß, aber die schwarzen Pinorkel passen ganz gut zu meinen ebenfalls schwarzen Haaren und sehen gar nicht so schlimm aus, wie man meinen möchte.

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Auf dem zweiten Bild habe ich versucht, wirklich nur versucht, den derzeit vollen Mond einzufangen. Ich habe sehr zaghaft geknipst, denn ich hatte echt meine Bedenken, dass mir meine Kamera aus den Händen flutscht, über die Dachziegel poltert und dann vernichtend in den Hinterhof kracht, um dort ihr Dasein geräuschvoll und absolut endgültig zu beenden. Ich bin da echt ‘ne Zimperliese und Ihr müsst genau deswegen mit diesem halbherzigen Versuch leben. Draußen ist es – wie Ihr unschwer erkennen könnt – stockfinster und der Vollmond steht hoch am Himmel. Die Stadt ist nur notdürftig beleuchtet und allenorts schläft man noch. Nur eine Bewohnerin schlurft schon geschäftig durch die Räume und das scheine ich zu sein. Von draußen dringt noch kein Alltagslärm herein, die Fenster sind überall noch finster und in spätestens einer Stunde hört man die Nachbarschaft, die sich zur täglichen Arbeit mit oder ohne Fahrzeug von dannen macht.

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Da sonst keiner bereit für ein Guten-Morgen-Photo war, musste meine schwarze Arschlocke herhalten, was ihr offenbar nicht wirklich gefiel. Ich blitzte sie mehrmals mit der Kamera voll und meist schaut sie auf Bildern dann genauso missmutig, wie hier oben. Ein Phänomen, dass ich seit längerem beobachte, denn obwohl auch Katzen eine recht ausgeprägte Mimik beherrschen, schaut sie immer irgendwie „genervt“ in die Kamera. Da aber ich hier im Hause die Miete bezahle, hat sie diese Späße über sich ergehen zu lassen und Ihr stellt Euch jetzt einfach vor, sie würde lächeln, wie sie das sonst eigentlich immer tut. Ich schwör’s… Ich habe gerade beschlossen, meine Cam in Zukunft auch wieder in der Handtasche mit mir zu führen, denn da draußen gibt es doch hin und wieder Leute, Sachen oder Geschehnisse, die ein Bild wert wären. Mir kommt in diesem Moment der Gedanke, dass ich Herrn N. aus P. beim Schlafen knipsen könnte. Ihr kennt das, wenn man solche Schnapsideen hat, kann man nicht anders und setzt sie um. Also bis gleich…

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Da liegt er nun selig schlummernd und kann noch eine volle Stunde schlafen. Wer sich über diese Wasserflasche am unteren Bildrand wundert, muss wissen, dass Sohnemann diese Angewohnheit einst entwickelt hat, als er in jüngeren Jahren unter einem Schnupfen litt. Angefangen hat das alles mit einer Packung Tempos, die er dort für die Nacht deponierte, um nicht dauernd aufstehen zu müssen. Er weigert sich ja seit Jahren beharrlich, sein geliebtes Hochbett einzumotten, was die Anschaffung eines herkömmlichen Nachtschränkchens erschwert, denn die sind in der Regel nicht besonders hoch. Ein Brett an der Seite würde dieses Problem zwar lösen, stellt aber eine potentielle Beulenverursachungsmaschinerie dar und würde unschön in die Luft ragen.

So begann Sohnemann, die Dinge, die er nachts gebrauchen könnte, kurzerhand an die Seite zu stapeln und neben der lebensnotwendigen Trinkflasche liegen oftmals Taschentücher, neue Spielzeuge, Fernbedienungen oder sonstiges Geraffel, was nachts notwendig sein könnte, um sich so wenig wie möglich bewegen zu müssen. Nur die Toilette passt nicht an die Seite, aber ich bin mir sicher, auch die würde er nachts mit ins Bett nehmen, wenn das ginge. Wenn das allerdings möglich wäre, stellt sich gleich die nächste Frage: Wie würde Sohnemann reagieren, wenn Muttern dann nachts neben ihm im Bett auf der Schüssel hockt? Interessante Theorie…

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Eine neue Ära…

28. Oktober 2008

internet[1]

Vorgestern vorsichtig am heimischen Laptop angetestet und gestern einen ersten und voraussichtlich auch einzigen fast kompletten Tag mit ebenso einmaliger Erlaubnis dann für Sohnemann im Internet… Söhnchen beherrscht den Umgang mit PC bzw. Laptop nun schon etwas länger, aber allein und ohne nerviges über die Schulterschauen durfte er das bisher nicht. Nur unter meiner strengen Aufsicht war es ihm bisher erlaubt, zaghaft in den Weiten des WWW umherzuschnuppern. Tage und Wochen lag er mir in den Ohren, sich bei einer bekannten Schülerplattform anmelden zu wollen und da ich Vertreterin der „Es-wird-an-der-frischen-Luft-gespielt“-Fraktion bin, vertröstete ich den kleinen Mann immer und immer wieder „auf nächste Woche“. Anhänger dieser Fraktion wissen, dass man diese „nächste Woche“ bis zum Sanktnimmerleinstag hinausschieben kann, wenn man ein demenz-infiziertes Kind hat. Da Kinder aber bekanntermaßen fast niemals an Demenz erkranken, war es eine Frage der Zeit, wie oft und mit welcher Intensität mich mein Sohn an mein halbherziges Versprechen erinnert.

Erwartungsgemäß tat er das mit aller Regelmäßigkeit und am vergangenen Wochenende kamen mir dann seine Kumpels aus Mechel zuvor. Die Jungs dort haben bereits eine eigene Mailadresse und waren Sohnemann dabei behilflich, sich auch eine zu beschaffen. Fix noch bei besagter Plattform angemeldet und Sohnemanns Wunsch ging in Erfüllung. Aufgeregt erzählte er mir davon, als ich ihn dann am Sonntag abholte und es fühlte sich an, als wäre mein Sohn entjungfert worden. Mädels, verzeiht mir den Vergleich, aber ich war immer so froh, dass mein Junge nicht einer dieser Bengel ist, die Tage und Nächte vor dem Computer oder der Playstation verbringen und der sich lieber beim Fußballspielen die Klamotten ruiniert. Er ging bei Wind und Wetter vor die Tür, fuhr Rad mit Freunden, besuchte sein geliebtes Kindercafé oder aber bolzte auf dem Platz um die Ecke mit seinen Kumpels. So mag ich das und so wurde auch ich groß – an der frischen Luft im Kreise meiner Freunde. Ich halte das für gesund und wichtig.

So, nun aber hat er eine Email-Adresse und es fühlt sich an, als hätte er sich sein erstes Kondom gekauft. Ich kann nur erahnen, wie es sich für mich als Mutter anfühlt, wenn er sich tatsächlich zum ersten Mal am Kondomregal im Drogeriemarkt oder einer Tankstelle rumdrückt und die Dinger mit hochrotem Kopf bezahlt und ich falle tot um, wenn mir eines dieser Kondome dann beim Wäschewaschen in die Hände fällt. Ich weiß, dass genau das eines Tages passiert und ich weiß auch, dass ich eines Tages unter irgendwelchen doppelten Böden in irgendwelchen Schubladen all jene Schmuddelheftchen finden werde, die unsere Großmütter erröten lassen haben. Ich werde nicht erröten, nein, mein Herz wird stehen bleiben, weil mein Sohn kein Kind mehr sein wird. Dieser Vergleich mag hinken, aber als er mir von seinem Alleingang im Internet berichtete, verlor er ein klein wenig seiner kindlichen Unschuld, die ich an ihm so bezaubernd finde.

Mein sonst so vernünftiger und verständiger Junge, so ganz allein im Internet unter all den bösen und betrügerischen Menschen, die sich einen Dreck darum scheren, wie stolz ich auch meinen Sohn bin. Täglich wird er Versuchen ausgesetzt sein, ihn zu betrügen, zu belügen und ihn zu täuschen. Bin ich hysterisch? Nein, ich weiß durchaus, dass das Internet ein Medium unserer Zeit ist und dass der richtig dosierte und verantwortungsvolle Umgang damit, weniger Gefahren birgt, als für unerfahrene Nutzer. Also beschloss ich nun gestern, dass er dann auch eine einzigartige und lebenslange Emailadresse bekommen soll. Es fühlte sich an, als wenn ich ihm ein besonderes Geschenk aussuche und noch weiß er nichts davon. Keine Adresse bei Web.de oder GMX, nein, eine persönliche und eine, die niemand sonst haben wird, weil seine Mama dafür ihren monatlichen Obulus entrichtet. An dieser Stelle herzliche Grüße nach Annaberg, wo meine Domain verwaltet wird und wo der Service einzigartig ist und so richtig familiär praktiziert wird. Nun denn, er bekam seine Mailadresse, die ihn von nun an auf all seinen virtuellen Wegen begleiten soll. Davon weiß er noch nichts. Auf ihn wartet hier auf meinem Laptop ein eigenes Email-Programm, mit dem er seine persönliche Post verwalten kann und wenn jemand von Euch Mädels ein schönes Mailprogramm für Kinder kennt, dann erbitte ich umgehend Nachricht, denn das derzeitige erfüllt nicht meine Ansprüche. Vorerst wird es aber seinen Zweck erfüllen. Ich suche weiter…

Gestern dann ließ ich meinem Sohn dann ein klein bisschen mehr Spielraum und setzte auf unser Vertrauensverhältnis. Man/frau soll ja loslassen, wenn die Kinder sich entwickeln wollen. Es fiel mir schwer, das gebe ich zu. Sohnemann hat noch Ferien, das Wetter war gestern recht bescheiden und ich beschloss, ihm den Laptop für einen ganzen Tag zu überlassen. Ich erklärte ihm, wie ich mir dessen Handhabung wünsche und ermahnte ihn, keine Experimente zu wagen. Die Erlaubnis zum Chatten mit Schulfreunden und Bewegungsfreiheit auf seiner Plattform oder den ihm bekannten Spieleseiten hatte er und so verabschiedete ich mich mit gemischten Gefühlen in Richtung Arbeit. Ein Gefühl, als würde er das erste Mal ein Mädchen über Nacht bei sich im Zimmer haben. Furchtbar… Aber ich musste vertrauen. Tagsüber rief ich ihn dann zuhause an und erklärte ihm, wie auch wir beide miteinander chatten könnten und so standen wir den gesamten Tag über in Kontakt. So als könnte ich ein bisschen durchs Schlüsselloch schauen. Zwar wusste ich deswegen noch lange nicht, was er da zuhause anstellte, aber es beruhigte mich paradoxerweise trotzdem ein bisschen.

Nach der Arbeit flitzt ich dann nach Hause und fand meinen Sohn natürlich vor dem Laptop. Ich hatte nichts anderes erwartet und trotzdem fand ich den Anblick noch immer sonderbar, denn im Normalfall sitzt oder liegt Sohnemann mit schmutzigen Fußballklamotten und wunderbar erschöpft auf dem Sofa und schaut ein bisschen fern, was nach dem Spielen an der frischen Luft erlaubt ist. Gestern aber saß er mit viereckigen Augen hier und tippte, klickte und starrte mit glasigen Augen auf den Monitor. Mein fußballverliebter Junge hatte sich den Internetvirus eingefangen. Der Mutterinstinkt brach durch und ich scheuchte ihn vom Laptop weg. Er meckerte nicht, er maulte nicht und offenbar war seine Neugier und der anfängliche Wissendurst nach der virtuellen Welt da draußen vorerst gestillt. Ich schaute skeptisch und kümmerte mich um unser Abendessen.

Am Tisch dann sprudelte es aus ihm heraus. Er berichtete mir, was er den ganzen Tag so im Netz gemacht hat, erzählte mir von seinen Chatunterhaltungen und ich war über alle Maßen erstaunt darüber, wie er mir seinen Weg durchs WWW beschrieb. Unzählige Freundesangebote brachen über ihn herein, er jedoch lehnte alle ab, da er nur die Kinder in seine Liste nähme, die er auch persönlich kennt. Ich nickte zustimmend. Dann waren da noch die Störenfriede, die ihn virtuell einschüchtern oder beleidigen wollten. Die setzte er kurzerhand auf seine Blockier-Liste. Ich war fassungslos, wie konsequent und sicher er seine ersten freien Schritte ohne mich gemacht hatte. Wunderbar… Er hatte keine rosa Brille auf, fiel nicht auf Smilies oder eine Reihe Buchstaben herein und er surfte auch nicht heimlich auf verbotenen Seiten, denn das Muttertier kontrollierte selbstredend den Verlauf seiner gestrigen Aktivitäten… ;-)

Ja und da war dann noch dieses Mädchen, das ihn fragte, ob er mit ihr „gehen“ will. Und was soll ich sagen? Er lehnte dankend ab, da er „das jetzt noch nicht möchte, er will erst mit 15 oder 16 eine Freundin und er habe an sowas noch kein Interesse, er fühle sich zu jung und sei doch erst 12″. Sprachlos saß eine unnötig besorgte Mutter abendessend vor ihrem Sohn und war stolz wie selten in ihrem Leben. Er schob flüsternd hinterher, „dass sie außerdem ziemlich hässlich gewesen sei“, was aber Nebensache war. Ich grinste und sagte: „Reicht ja auch erstmal, wenn Du Deine Mama liebst.“ Er lächelte mich an und sagte: „Genau, ich hab’ Dich lieb!“ Worüber habe ich mir eigentlich Sorgen gemacht? Bin ich zu vorsichtig? Schadet zuviel Vorsicht? Ich denke, im Internet tut eine gewisse Vorsicht not und die Warnhinweise werden gerne ignoriert und als Panikmache abgetan. Mein Sohn allerdings verhielt sich so verantwortungsvoll, wie ich mir das insgeheim gewünscht hatte und das erleichterte mich sehr.

Ach ja, was seine Unschuld betrifft, hat er seine virtuelle nun entgültig verloren, aber ich jage ihn trotzdem lieber auf den Fußballplatz und seine ersten Kondome kauft die Frau Mama für ihn. Basta…!!! Nur durchs Schlüsselloch werde ich dann diskreterweise nicht schauen. Aber den Sicherheitsgurt für die rasante Fahrt durchs Leben in Richtung Erwachsenwerden lege ich so oft es geht selbst für ihn an, denn er bleibt immer mein kleiner Junge, heute und morgen und bis ans Ende meiner Tage…


Der längste Tag der Woche…

9. Oktober 2008

langer donnerstagEs ist mal wieder soweit. Der Donnerstag ist angebrochen und das heißt, ich übernehme heute die gesamte Schicht. Etwas müde bin ich noch und dem kleinen Mann scheint es nicht anders zu gehen. Müde kam er mir gerade entgegengeschlurft und trotz der allmorgendlichen Aufforderung, sich anzuziehen, legte er sich einfach wieder ins Bett. Etwas überrascht musste ich meine Aufforderung wiederholen und griff auf den altbewährten Trick zurück, der schon seit seiner Geburt funktioniert – ich verwickelte ihn in ein belangloses Gespräch. Mädels, ich kann Euch das nicht erklären, aber das zeigt immer Wirkung. Er ist innerhalb weniger Augenblicke hellwach und nimmt rege am Gespräch teil. Nebenbei zieht er sich artig an und ist dann auch meist frühzeitig mit Ankleiden, Zähneputzen usw. fertig. Eigentlich lasse ich ihm morgens lieber seine Ruhe und kümmere mich einstweilen um sein Pausenbrot, doch erstaunt es mich immer wieder, wie wach er plötzlich wird, wenn ich mit ihm spreche. Ich wünschte, das wäre auch der Fall, wenn es um das leidige Thema „Verspätung“ geht. Regelmäßig muss ich ihm diesbezüglich eine nervige Reformante halten, dass ich von ihm erwarte, zu vorgegebenen Zeiten zuhause zu sein. Seit Jahren höre ich mich immer wieder die gleichen Sätze sagen und ich habe schon Fransen am Mund. Er setzt dann immer seinen reumütigen Blick auf, wartet brav, bis die alte Frau fertig mit Schimpfen ist und trollt sich leise in sein Zimmer. Und auch diese Masche werfe ich ihm vor. Immer das Gleiche… Erst kommt er – mitunter an die zwei Stunden – zu spät, dann ermahne ich ihn, er schaut zu Boden und tut einsichtig, ich fordere ihn zu echter Teilnahme am Gespräch auf, er leistet Folge und schleicht dann einen Kopf kürzer in seine Gemächer. Spätestens eine Woche später folgt genau die gleiche Debatte, mit genau dem gleichen Thema. Kein einziges Argument fruchtet, wenn ich ihm erkläre, warum ich auf diese nervige Pünktlichkeit solchen Wert lege. Es geht ja nicht nur um Zuverlässigkeit, sondern auch darum, dass ich zu abgesprochenen Zeiten mit ihm rechne und mir keine Sorgen machen möchte. Aber ich glaube auch, dass ich nicht die einzige Mutter bin, die solche Gespräche mit verlässlicher Regelmäßigkeit führen muss. Nur morgens nimmt er auffallend intensiv an Unterhaltungen jeglicher Art teil und erstaunt mich seit Jahren damit, dass diese Methode des Weckens für ihn die effektivste ist. Aber auf eines ist immer Verlass – auf seine Unpünktlichkeit…

Im Studio erwartet mich heute so einiges an Arbeit und ich hoffe, dass ich neben den dringlichen Angelegenheiten auch mit meinem Großprojekt ordentlich vorwärts komme. Zum einen haben sich unser Messelaptop und der dazugehörige Drucker offenbar gestritten und kommunizieren nicht mehr miteinander, was den Chef auf Messe dann natürlich rasend macht und an den Rand der Verzweiflung treibt. Zum anderen arbeite ich mal wieder seit einigen Wochen daran, die Schäden der ehemaligen Praktikanten wieder zu beheben. Zahlreiche Vorlagen fielen deren Fingern zum Opfer und unzählige Vorlagen und Photos wurden aus mangelnder Kenntnis bezüglich der Arbeitsweise mit PC/Laptop schlichtweg gelöscht. Das heißt für mich, dass ich jede gebrannte Sicherkeitskopie einlesen, jedes einzelne Bild betrachten und neu ablegen muss, um anschließend alle doppelten Dateien wieder zu entfernen. Zwar sieht man bereits jetzt deutliche Erfolge und kann nur erahnen, was da alles gelöscht wurde, aber es ist unglaublich zeitintensiv und am Ende des Tages sieht man nur noch verschwommene Bilder und die Augen brennen und tränen unaufhörlich. Oft herrscht auch auf den vorhandenen CDs ein heilloses Durcheinander und es befinden sich kategoriefremde Bilder in den Themenbereichen. Also mache ich mir die Mühe und sortiere alles gleich richtig ein. Klar wäre es einfacher, die verschiedenen Ordner einfach mitsamt ihrem Inhalt zu kopieren und dann die doppelt vorhandenen Exemplare zu löschen, aber so bliebe das Chaos bestehen und so möchte ich auch nicht arbeiten. Eigentlich ist das alles eine Sisyphosarbeit, aber da unser Chef nicht nur Tätowierer sondern auch Perfektionist ist, würde ihm sofort auffallen, dass sich falsche Bilder in falschen Kategorien tummeln. Ich mache trotzdem 426 Kreuze, wenn ich mit allen Datenträgern fertig bin und alles an Ort und Stelle ist.

So, die erste Tasse Kaffee des Tages blubbert bereits durch meine Herzkammern und ich werde mich langsam für den Tag rüsten, da ich vor der Arbeit noch ein paar Kleinigkeiten erledigen möchte. Ich wünsche allen Lesern einen hoffentlich entspannten Tag und verabschiede mich für heute Richtung Arbeitswelt. Lasst Euch nicht ärgern!!!


Herr N. aus P. meckert…

8. Oktober 2008

Nun muss ich doch noch kurz bloggen, bevor ich meinen Rundflug durchs Net starte. Im Treppenaufgang fehlt leider noch immer die Beleuchtung, da wir zur Montage der Lampe eine außergewöhnlich hohe Leiter brauchen. In besagtem Aufgang befinden sich unsere Jacken und Schuhe und wie sicher alle wissen, ist es morgens mittlerweile wieder dunkel. Zwar wird das Lichtproblem dort unten auch bald erledigt, aber folgendes trug sich gerade zu:

„Ich seh’ hier nix…“

„Ja, ich weiß, die Lampe fehlt noch. Wird schon noch…“

„Ooorrr, jetzt hab’ ich auch noch ‘nen Knoten im Schnürsenkel.“

„Kicher…“

„Kackschuh…“ (besagter Schuh flog prompt zu seinen „Kollegen“)

8O

Naja, über einen angemessenen Ton kann man nun streiten, aber wenigstens hat er nicht „Scheißlatsch“ gesagt und der kleine Mann bewies zumindest mehr Geduld als ich in seinem Alter. Beharrlich saß er im Dunkeln da und versuchte den Knoten zu entwirren. Was er dabei nicht bedachte, war, dass man das dann doch besser im Schein einer Lampe tut. Also half Muttern ihm mal geschwind, nachdem sie sich kichernd einige Minuten lang über ihren Sohn amüsiert hat. Ich liebe solche kleinen Episoden am Morgen. Sie erheitern mich ungemein und erinnern daran, dass man auch über kleine Ärgernisse lächeln sollte. Nennt man das vielleicht innere Ruhe? So ein bisschen vielleicht, nur ein ganz kleines bisschen…

knoten


Kindermund…

8. September 2008

„Mama, hast Du Mietzo heute schon gefüttert?“

„Nein, das darfst Du machen, das machst Du doch so gerne.“

„Ja, mache ich, die hat mich nämlich vorhin schon so angemiezt…“

„Angemiezt…??? Ja nee is’ klaa…“  *wegschmeiß*


Süßer-Fratz-Stöckchen

7. September 2008

Hier mein Beitrag zum aktuellen Stöckchen:

Kein Baby-Photo, aber dennoch eines meiner liebsten Bilder von Sohnemann, weil er so mäuschensüß mit seinen angemalten Zähnchen und Schnurbarthaaren ausschaut. Bei Frau Sterntau aufgehoben, reiche ich hiermit das Stöckchen an alle Freiwilligen weiter…


Samstag = definitv kein Ruhetag (für uns)

30. August 2008

Der Tag hat noch nicht begonnen, aber ich habe in aller Stille und voller Freude im Bauch endlich die Kaution für meine neue Wohnung eingezahlt. In genau drei Wochen werden dann Sohnemann und ich mit Hilfe von einigen hilfsbereiten Freunden in unsere neue Bleibe ziehen und all den Geschehnissen hier endgültig den Rücken kehren. Zwar kostet uns dieser (hoffentlich wirklich letzte) Umzug noch einmal viel Kraft und Nerven, aber wir sind immerhin schon soweit genesen, dass wir sagen können, dass wir ohne diese große Enttäuschung hier wohl nie eine solch hübsche Wohnung beziehen würden. Zugegebenermaßen ist dieses bezaubernde Kleinod ein wahrer Glücksgriff und eher Zufall gewesen, aber so verbirgt sich wenigstens auch in dieser schlechten Erfahrung etwas wunderbar positives. Leider versäumte ich bisher bei jeder Begehung, ein paar Photos zu schießen. Aber allerspätestens, wenn wir umgezogen sind und uns einigermaßen eingerichtet haben, holen wir das nach – versprochen!

So langsam erwacht der Tag und ich habe heute so einiges vor. Der Einkauf will erledigt werden, im Baumarkt muss ich noch diverse Kleinigkeiten für unser neues Zuhause organisieren, im benachbarten Ausland verbilligte Fluppen holen, die Noch-Wohnung wenigstens ein ganz klein wenig in Ordnung bringen, zum x-ten Male zu Pfennigpfeifer gondeln, weil die Schule unfähig ist, alle benötigten Arbeitsmaterialien zum Schulbeginn mitzuteilen. Bei Letzterem wachsen mir langsam rote Haare, ehrlich. Als Sohnemann noch in die Grundschule ging, gab es am Ende jeden Schuljahres einen großen Zettel, auf dem alle notwendigen Dinge verzeichnet waren, die er für das neue Schuljahr braucht. Das war eine wunderbar unkomplizierte Sache und alle Lehrer sprachen sich ab, was für ihr jeweiliges Fach vonnöten ist. Seit er die Mittelschule besucht, erweisen sich die dortigen Lehrer als unfähig, genau das in unkomplizierter Form zu tun. Wöchentlich tippeln wir nun los und müssen diese und jene Kleinigkeit noch kaufen. Was um alles in der Welt ist so schwer daran, den Kindern vor Beginn des Schuljahres mitzuteilen, welche Dinge sie für ihre Fächer brauchen?

Vier Jahre lang reichte es, dass wir mit einem großen Zettel bewaffnet bei Pfennigpfeifer einfielen und die Regale plünderten, auf dem Rückweg gleich die Bücher kauften und dann war der Marathon erledigt. Das zweite Jahr in Folge ist es nun so, dass wir erst die Bücher kaufen, Hefter und Blätter auf Verdacht, neue Stifte und derlei Dinge ebenfalls und alles, was die Damen und Herren Pädagogen sonst noch gerne auf den Schulbänken sehen würden, wird den Kindern auf Raten mitgeteilt. Selbst mein Sohn ist hochgradig genervt und sagt: „Mir platzt hier langsam der Kopf. Mein Tag endet ja mittlerweile nicht mehr vor abends 20.00 Uhr.“ Es ist mir ein Rätsel, wie kompliziert man die einfachsten Dinge gestalten kann. Wäre es denn so schwer, wenn sich jeder Fachlehrer bemüht, eine kleine Liste zu erstellen, was die Kinder für das entsprechende Fach noch organisieren müssen – VOR Beginn des neuen Schuljahres? Nein, das geht offenbar nur in der Grundschule. Dass die Lehrer sich jedoch selbst mehr Arbeit machen, als nötig, realisieren sie nicht. Lieber wird diese Liste in Raten während des laufenden Schulbetriebes abgearbeitet und wertvolle Zeit vergeudet, die die Erfüllung der Lehrpläne gefährdet.

Unsere Kinder halten dem straffen Tempo ohnehin manchmal nur mit Mühe stand und dann sowas. Das soll Muttern ruhig bleiben. Vor allem werden die Kinder auch noch unter Druck gesetzt, dies und jenes solle gefälligst bis gestern ran geschafft sein. Aber es ist nicht etwa so, dass man ihnen dann eine Hausaufgabe weniger aufbürdet. Nein, im Moment sieht es so aus, dass Söhnchen noch immer über seinen Aufgaben sitzt, wenn ich abends gegen 19.30 Uhr von der Arbeit komme. Keine Freizeit mehr, Kopfschmerzen, Lustlosigkeit und immer kleiner werdende Motivation sind die Folge. So soll Kindern Schule noch Spaß machen? Vom ersten Tag an wurden die Sechstklässler seiner Schule mit Hausaufgaben und To-Do-Listen regelrecht zu geschissen und Sohnemann kommt seither jeden Tag mit hängenden Schultern aus der Schule. Seine Mundwinkel sind auf Höhe seiner Schnürsenkel und sein Hausaufgabenheft gleicht einem Tagebuch, denn die Seiten sind vollgeschrieben. Wann bitte soll das Kind mal entspannen? Oft ist es so, dass er dann noch die Aufgaben mit mir erledigt, für die seine Konzentration nicht mehr reichte. Ich könnte vor Wut strampeln…


Das wilde, harte Kerlchen…

26. August 2008

Bin gestern früh ins Bett, da ich nun durch den Neubeginn der Schule morgens wieder in aller Herrgottsfrühe hoch muss. Der Wecker klingelte also um 5.00 Uhr und ich quälte heute auch nicht erst die Schlummertaste, sondern sprang verhältnismäßig ausgeruht aus dem Bettchen, kuschelte mich in meinen flauschigen Bademantel und befüllte eifrig die Kaffeemaschine, denn ohne meinen morgendlichen Milchkaffee geht üüüberhaupt nix. Sohni schläft noch, aber damit ist es in spätestens einer viertel Stunde auch vorbei. Er zog sich gestern eine größere Verletzung zu, was erstmal für ‘nen Riesenschreck meinerseits sorgte, denn ich erfuhr folgendermaßen davon:

(klingelndes Telefon auf Arbeit)

„Tattoostudio Plauen, Hallo…?!“

„Guten Tag, ich würde gerne Frau N. sprechen.“

„Die ist am Apparat…“

„Guten Tag, hier spricht Frau X. vom Kinderschutzbund.“ (mein Herz blieb ein paar Sekunden stehen)

„Ja bitte…?“

„Ihr Sohn  hat sich beim Spielen eine Verletzung am Knie zugezogen. Es ist nicht sooo schlimm, aber ich habe ihn verbunden und wollte fragen, ob er jetzt nach Hause gehen soll. Allerdings klappt es nicht mehr so ganz mit dem Radfahren. Aber er könnte laufen.“ (die Dame war ehrenamtliche Mitarbeiterin im „Kindercafé Mücke“, wo sich der kleine Unfall ereignete / meine Schweißperlen trockneten langsam)

„Herrje… Könnte ich bitte mit meinem Sohn sprechen? Ich möchte ihn lieber selbst fragen.“

„Natürlich, gerne…“

(der kleine Stuntman geht ans Telefon)

„Wie ist das denn passiert, Knollo…?“

„Wir haben Fangen gespielt und da bin ich über die Beine von jemandem gestolpert und hingefallen.“

„Ist es schlimm?“

„Geht so, hab’ ‘nen Verband am Knie.“ (er ist kein Mann großer Worte)

„Kannst Du laufen?“

„Ja, kann ich…“ (Wozu hab’ ich ihm eigentlich das Sprechen mit vielen Worten beigebracht?)

„Traust Du Dir zu, nach Hause zu laufen? Frau X. sagte mir, das ginge noch.“

„Ja.“

„Wirklich? Oder soll ich Dich fahren, dauert aber ‘nen Moment, müsste erst Bescheid sagen.“

„Nee, ich trau’ mir das zu.“

„Wirklich, echt?“ (man wird ja heutzutage schnell mal als Rabenmutter bezeichnet)

„Jahaaa…“ (is’ ja gut, ich wollt’ wenigstens gefragt haben)

„Ok, dann lauf schön vorsichtig heim und ich komm’ dann gleich nach Hause.“

„Ok.“

„Bis dann.“

„Ja, bis dann.“

Etwas verwirrt legte ich auf und verwarf die Gedanken, dass er seine lose Kniescheibe in einer Tupperdose nach Hause jongliert. Zuhause angekommen erkundigte ich mich natürlich sofort nach seiner Verletzung und stand vor einem komplett bandagierten Knie. Der kleine Mann schien das alles mit Fassung zu tragen und sagte beiläufig, dass das Fahrrad auch schon im Keller stünde. Ich glotzte ihn ungläubig an und bemerkte, dass die gute Frau am Telefon doch vorhin gesagt hätte, mit dem Fahren ginge das nicht so gut. Sohnemann winkte ab und stellte die Sachlage richtig. T.s Mutter hätte ihn nach Hause gefahren und das Fahrrad mit ins Auto gepackt. Großartig, jetzt bin ich doch ‘ne Rabenmutter. Gesagt hat’s keiner, aber ich ahne es. Gerade als er loslaufen wollte, klinkte sich T.s Mama ein und sagte, Scott könne so nicht nach Hause laufen, sie würde ihn fahren. An sich ein wirklich netter Zug von ihr, gar keine Frage. In mir jedoch regte sich lautstark das schlechte Gewissen einer Mutter. Was mag die Frau jetzt von mir denken? Ich will’s lieber gar nicht wissen, es kann nix gutes sein…

Sohnemann zumindest saß ziemlich lässig in seinem Chefsessel und spielte seine Verletzung herunter. Er hatte sich inzwischen sogar selbst Abendessen gemacht und schmauste seine geliebte Zwiebelmettwurst auf ofenfrischen Brötchen mit Tomatensalat. Die Nudeln vom Vorabend seien ihm zu scharf gewesen und ihm hätte davon nicht nur der Mund, sondern die Nase, der Rücken und sein verwundetes Knie gebrannt. Ich lächelte und war schon ein bisschen stolz auf meinen Jungen, denn er ist so wunderbar selbständig, was nicht zuletzt ein Ergebnis meiner Erziehung ist. Mir war nicht klar, dass die Geschmacksknospen meiner Zunge so abgehärtet sind, denn ich hatte mir am Vorabend lecker Kolbász unter die Nudeln geschnippelt. Sohnemanns Zunge ist zwar durch meine Kochweise so einiges gewöhnt, aber das war selbst ihm zuviel. Offenbar sind meine Geschmacksknospen aufgrund des geliebten scharfen Essens schon zu Schmeckeknubbeln verkümmert. Keine Ahnung…

Ja und entsprechend meiner Gemütslage heute wieder ein Video samt Musik und natürlich auch den Text dazu – wie gehabt in englischer Sprache, weil Krebsgeschwüre keine Fremdsprachen beherrschen… ;-)

Hey
I'm your life
I'm the one who takes you there

Hey
I'm your life
I'm the one who cares

They
They betray
I'm your only true friend now

They
They'll betray
I'm forever there

I'm your dream, make you real
I'm your eyes when you must steal
I'm your pain when you can't feel

Sad but true

I'm your dream, mind astray
I'm your eyes while you're away
I'm your pain while you repay

You know it's sad but true

You
You're my mask
You're my cover, my shelter

You
You're my mask
You're the one who's blamed

Do
Do my work
Do my dirty work, scapegoat

Do
Do my deeds
For you're the one who's shamed

I'm your dream, make you real
I'm your eyes when you must steal
I'm your pain when you can't feel

Sad but true

I'm your dream, mind astray
I'm your eyes while you're away
I'm your pain while you repay

You know it's sad but true

Hate
I'm your hate
I'm your hate when you want love

Pay
Pay the price
Pay, for nothing's fair

Hey
I'm your life
I'm the one who took you here

Hey
I'm your life
And I no longer care

I'm your dream, make you real
I'm your eyes when you must steal
I'm your pain when you can't feel

Sad but true

I'm your truth, telling lies
I'm your reasoned alibis
I'm inside open your eyes
I'm you

Mephisto…

15. Januar 2008


Es tut gleichmäßig weh und wir werden diesen raubeinigen Gesellen vermissen. Schlaf gut, Mephisto…