Kinder lieben so leicht, so innig;
wie schlimm muss der’s treiben, von dem sie sich abwenden…
Seit Tagen wäge ich nun schon ab, ob ich diesen Beitrag schreibe und wenn ja, ob ich ihn mit einem Passwort versehe, aber ich kam zu der Erkenntnis, dass der Delinquent keine Diskretion verdient hat, denn es darf ruhig jeder wissen, wie tief ein Vater seinen eigenen Sohn verletzten kann, ohne auch nur den Hauch von Reue zu verspüren. So nun zum wiederholten Male vergangenes Wochenende geschehen. Die Leute, die mich persönlich kennen, wissen somit auch bestens Bescheid, wer der ehrenwerte Herr der Schöpfung ist, gegen den sich mein mütterlicher Groll richtet und in dessen Richtung dieser sich nun zumindest verbal entlädt.
Am Sonntag – Frau N. aus P. lag gemütlich in eine Kuscheldecke eingewickelt auf dem heimischen Sofa – kam Sohnemann aus dem Wochenende bei Oma/Papa zurück. Es sperrte an der Wohnungstür, ich schaute Richtung Treppenaufgang, Sohnemann hielt kurz inne und sagte mir, dass sein Vater mit mir sprechen wolle. Ohne weitere Worte verschwand er schweigend in seinem Zimmer. Ich stand etwas genervt auf, da ich die Unterhaltungen mit seinem Vater nicht besonders schätze, aber manchmal sind sie eben notwendig. Ich wickelte meine Decke noch fester um mich und tapste zur Treppe.
Unten an der Wohnungstür stand ein etwas aufgebrachter Herr Papa und legte los. Sohnemann spreche kaum noch mit ihm, er komme sich manchmal vor wie ein Fremder, das sei doch nicht normal und der Junge solle zum Kinderpsychologen gehen. “Jetzt ist er wohl eingeschnappt in sein Zimmer gerannt? Der spinnt ja langsam…” Ich stand im Treppenaufgang und schaute etwas ungläubig. Als erstes stellte ich klar, dass ich mich mit derlei Problemen nicht konfrontiert sehe, da mein Sohn sehr viel und auch oft mit mir spricht, über alles und auch immer sehr offen. Ich kann meinem Sohn intimste Fragen stellen und bekomme ohne Drängen eine Antwort. Wir plaudern oft stundenlang über Gott und die Welt und wir lachen auch oft zusammen.
Ich gab das so an den Herrn Erzeuger weiter und wies ihn zum wiederholten Male darauf hin, dass er offenbar die Tatsache unterschätzt, dass sein Sohn nun mitten in der Pubertät steckt und sich im Zuge dessen sicherlich auch im Wesen ein bisschen verändert, was vollkommen normal ist. Und noch einmal pochte dieser unverständige Mensch darauf, dass das Kind auf eine Couch müsse. Jetzt kam dieser ekelhafte Satz auch bei mir an. Er sagte damit nichts anderes, als dass mein Sohn nicht normal sei, weil er mit seinem Vater keine nennenswerten Unterhaltungen führen will, wofür es ganz sicher einen guten Grund gibt. Ich stellte mich demonstrativ hinter mein pubertierendes Häufchen Unglück und ließ die weiteren Beschwerden seines Erzeugers an mir abprallen.
Vom Misserfolg seiner “Beschwerden” gezeichnet, räumte der gnädige Herr das Feld und ich ging sofort zu meinem Sohn, um die ganze Geschichte in Erfahrung zu bringen. Er saß in seinem Bett und als ich das Zimmer betrat und ihn sanft zur Rede stellte, kullerten schon die ersten Tränen. Das zu sehen reichte mir schon wieder, denn keine Mutter kann es still erdulden, wenn ein anderer Mensch ihr Kind zum Weinen bringt. Was ich während der folgenden Unterhaltung mit meinem Sohn zu hören bekam, schlug dem Fass den Boden aus. Offenbar nörgelt sein Vater seit Wochen an ihm herum, dass er mit ihm nicht spreche, nicht besonders viel lachen würde und dass sowas nicht normal und behandlungsbedürftig sei.
Er demütigt damit meinen Sohn in einer Weise, die ich nicht nur verachtenswert finde, sondern schon fast lächerlich, denn ich kann mich mit meinem Sohn sehr viel lachen und wir reden auch über alles – wirklich alles. Zu allem Übel hat sein Vater offenbar seit Längerem das dringende Bedürfnis meinem Sohn “mal richtig eine zu klatschen”. Wie bitte…??? Jetzt ist das Maß aber voll. Hat dieser Mensch denn nichts besseres zu tun, als sich mit seinem Sohn zu streiten, wenn er ihn schon nur alle 14 Tage für einen Tag bei sich hat? Kommt dieser Herr nicht auf den Gedanken, dass das Verhalten seines Sohnes vielleicht etwas mit ihm zu tun hat, denn hier zuhause haben wir solche Probleme nicht.
Ja, mein Sohnemann ist kein großer Redner, vor allem nicht, wenn fremde Menschen dabei sind. Aber unter vier Augen ist er eine regelrechte Plaudertasche und er lacht viel und gerne und er vertraut mir auch alles an, vielleicht sogar mehr, als andere Kinder ihren Müttern anvertrauen würden. Die Wut in meinem Bauch wuchs ins Unermessliche und offenbar ergriff wohl auch seine Großmutter für den kleinen Mann Partei und wies ihren uneinsichtigen Sohn mehrfach zurecht. Fakt ist nämlich, dass außer dem Herrn Vater jeder mit Sohnemann klarkommt, wenn man von den alltäglichen Reibereien in der Schule oder dem leidigen Thema Zu-spät-kommen mal absieht, was wohl in vielen Haushalten vorkommt.
So, Herr L. aus P. mit dem IQ einer toten Qualle, jetzt erzähl’ ich Dir mal was.
Wenn hier einer auf die Couch gehört, dann bist Du das, denn Dein Sohn ist ein äußerst sensibler und feinsinniger Mensch, was Dir in den letzten 13 Jahren noch immer nicht aufgefallen ist. Du kennst dieses Kind offenbar überhaupt nicht, was allein Deine Schuld ist. Während seiner ersten Lebensjahre hast Du es vorgezogen, mit Kumpels um die Häuser zu ziehen, das letzte Geld in Kneipen zu tragen und an den Wochenenden bis in die Puppen zu pennen, statt mit dem Kind zu frühstücken, auf den Spielplatz zu gehen oder einfach nur zuhause zu spielen. Die erste Windel hast Du bei ihm kurz vor seinem 2. Lebensjahr gewechselt und gebadet hast Du ihn auch keinen Tag früher. Du kannst wahrscheinlich noch nicht mal genau sagen, wann sein erster Zahn zum Vorschein kam und wann er seinen ersten Schritt machte.
Du hast keine Ahnung, was Dein Sohn alles drauf hat und wie gerne er eigentlich plaudert, aber Dir fehlt offenbar das nötige Wissen über seinen Charakter und die nötige zwischenmenschliche Kompetenz im Umgang mit Deinem eigenen Sohn. Er will nicht mit Dir reden und dafür hat er wahrscheinlich seine Gründe, die ganz sicher nicht bei ihm zu suchen sind, sondern allein bei Dir, auch wenn Du sogar soweit gehst, mir mal wieder an allem die Schuld zu geben. Außer Dir trägt immer jeder andere Schuld, nur Du natürlich nicht. Wach auf, Herr L., Dein Sohn wendet sich von Dir ab, denn er ist einfach zu alt, um ihm vorzumachen, dass Du das Unschuldslamm bist, als dass Du Dich verkaufst. Dein Sohn hat Augen und Ohren und er kann besser denken und Zusammenhänge erkennen, als Dir lieb ist.
Der einzige Grund, warum ich Dir das diesmal nicht ins Gesicht sage, ist der, dass Du mir im Laufe der Jahre nicht mal mehr das wert bist, denn mit Dir zu diskutieren, kommt dem Versuch gleich, einem Nilpferd Ballett beizubringen. Und wage es nicht noch einmal meinem Sohn zu drohen oder Strafen anzukündigen, weil er sich seiner eigenen Mutter offenbart hat, denn dann lernst Du meine dunkle Seite kennen. Wenn mir zu Ohren kommt, dass Du derlei Dinge noch ein einziges Mal zu ihm sagst, ihm drohst oder auch nur ankündigst, ihm ein Haar zu krümmen, lasse ich meinem Mutterinstinkt freien Lauf und das könnte sehr schmerzhaft für Dich werden, denn dann lasse ich Dich das spüren, was jede Mutter in sich trägt – bedingungslose Liebe für ihr Kind, egal wer vor ihr steht.
Fakt ist nämlich auch, dass Dein Sohn ernsthaft darüber nachdenkt, ob er Dir in nächster Zeit überhaupt Zeit widmen möchte. Du bist zu weit gegangen und zwar viel zu weit. Du hast ihn nicht das erste Mal gekränkt und beleidigt, doch damit ist jetzt Schluss. Du hattest genug Zeit, ihn zu verstehen und so zu nehmen, wie er ist. Aber er funktioniert eben nicht nach Deinem beschränkten Plan, er ist eine eigenständige Persönlichkeit und das ist gut so. Ja, er macht Fehler, aber damit hast Du herzlich wenig zu tun, denn Du kriegst nicht mal einen einzigen Tag mit ihm ohne Streit gebacken. Du bist sein Problem, auch wenn Du das nicht wahrhaben willst. Und wenn Du nicht endlich begreifst, was Du mit Deinem widerlichen Verhalten bei ihm anrichtest, verlierst Du Deinen Sohn, darauf habe ich nämlich keinen Einfluss, weil ich ihn ganz alleine entscheiden lasse, ob er Dich in Zukunft sehen will. Hör’ auf, immer andere Menschen dafür verantwortlich zu machen, wenn’s mal nicht so läuft, wie Du es willst. Du bist ein falscher und hinterfotziger Kerl, warst Du schon immer und Dein Sohn hat mehr Eier in der Hose als Du, das sei an dieser Stelle mal gesagt.
Wissen Deine Eltern denn eigentlich mittlerweile mal, dass Du aus Deiner alten Wohnung in der D.-Straße rausgeflogen bist, weil Du keine Miete bezahlt hast? Das durften sie ja damals nicht wissen, nicht wahr? Und wer war damals blöd genug, Dich wieder aufzunehmen? Ja, das war ich, die böse Mutter Deines Sohnes. Auf der Straße hätte ich Dich stehenlassen sollen, denn es war nicht meine Schuld, dass Du Dein Geld nicht an den Vermieter überwiesen hast. Und wer ist mit brennenden Kippen stockbetrunken auf der Couch eingepennt, während Dein Sohn und ich im Nebenzimmer schliefen? Wer soff die Nächte durch? Wer verbrachte mehr Zeit mit seinen Kumpels, statt mit seinem Sohn? Wer lag nachmittags um 17.00 Uhr noch im Bett, während ich mit dem Kleinen allein auf den Weihnachtsmarkt gelaufen bin? Ja, wer war das?
Alter, mir platzt hier grad gewaltig der Arsch und Du kannst froh sein, dass ich nicht alles hier auspacke. Ich bin gewiss nicht fehlerfrei, aber ich war immer für meinen Sohn da, im Gegensatz zu Dir, denn wirkliches Interesse an ihm hast Du erst gezeigt, als Du rausgeflogen bist und wir nach Berlin gezogen sind. Keinen Tag vorher hast Du Deinen Arsch in Bewegung gesetzt und das obwohl unser Sohn ein waschechtes Wunschkind ist. Du hast diesen kleinen Mann einfach nicht verdient und der einzige, der eine Ohrfeige verdient hat, bist Du. Dafür, dass Du ihn beleidigst, kränkst und in seinen ersten Jahren nicht ausreichend beachtet hast. Komm’ Du mir noch zwei drei Mal blöd, dann vergess’ ich mich.
So, habe (erstmal) fertig… War nicht die feine englische, aber bitter nötig!!!